Der Ersatzpapst

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Der Katholik lebt in einer Gemeinschaft, in einer übernatürlichen Gemeinschaft sogar, die katholische Kirche umfaßt schließlich die triumphierende, die leidende und die streitende Kirche. Die Mehrheit dieser Gemeinschaft lebt also im Jenseits, entweder schon im Himmel wie die Engel und Heiligen oder im Fegfeuer wie die Armen Seelen. Wir auf Erden gehören zur streitenden Kirche, weil unser ewiges Heil noch nicht gesichert ist. In unserem irdischen Teil der Kirche gibt es deswegen eine sichtbare Hierarchie, welche von Gott den Auftrag und die Befugnis erhalten hat, die von Gott anvertraute Herde zu weiden. D.h. im katholischen Glauben und in der heiligmachenden Gnade zu erhalten, indem die rechtmäßigen Hirten den wahren Glauben predigen, die gottgeschenkten Sakramente spenden und die hl. Kirchenordnung aufrechtherhalten und bewahren. Das ganze geistige Gebäude dieser übernatürlichen Gemeinschaft ruht auf dem Papst als dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden. Das weiß jeder Katholik, und all die Jahrhunderte war darum der Kampf um den hl. Glauben immer wieder auch ein Kampf um das Amt des Petrus, ein Kampf, der sich mit der Zeit immer mehr verschärfte. Denn die Feinde der Kirche erkannten immer deutlicher, daß sie die Kirche nicht überwinden konnten, solange sie den Felsen Petri nicht überwunden haben. 

Alle Reformen in der hl. Kirche erhielten ihre entscheidende geistige Kraft erst dann, wenn sie von Petrus ausgingen, und es gab niemals eine wahre Reform, losgelöst von der Autorität des Papstes, vielmehr führten solche verkehrte Versuche immer zum Abfall, wie etwa zur Zeit der Reformation, in welcher alle Reformen zur Zerstörung des katholischen Glaubens und damit der richtigen Auffassung von der Kirche Jesu Christi führten. Die Protestanten sind im strengen Sinne des Wortes gar keine Kirche mehr, sie sind ein rein menschlicher Zusammenschluß zu einer bloßen religiösen Gemeinschaft. Es fehlt ihnen die formale Einheit, das übernatürliche Band, weil ihnen der Papst fehlt. 

Die Gründung von „Tradiland“

Blickt man ins Tradiland, so muß man feststellen, die Tradis scheinen all das, was wir kurz skizziert haben, vergessen zu haben. Der Ursprung dieses Vergessens war zunächst „bloß“ eine konkrete Schwierigkeit: Ihr „Papst“ tat plötzlich – d.h. spätestens nach dem sog. 2 Vatikanum und den darauf folgenden Neuerungen in allen Bereichen des kirchlichen Lebens – nicht mehr das, was sie von ihm erwarteten. Anstatt sich nun hinzusetzen und sich nüchtern und ernsthaft zu fragen: Wie ist das möglich, daß ich mich auf den Papst in Sachen des Glaubens und der kirchlichen Disziplin nicht mehr verlassen kann? – haben sie einfach hemdsärmlig angefangen, selber Tradition und Kirche zu spielen. Sie gründeten das Tradiland! Und bis heute kommt es ihnen nicht in den Sinn, daß das Tradiland nicht die katholische Kirche sein kann und darum selbstverständlich auch niemals ist. 

Was aber war im Tradiland anders als in der katholischen Kirche? Im Tradiland gab es zwar noch eine Hierarchie, es gab auch noch Sakramente, es gab zudem noch eine kirchliche Ordnung und einen Papst. Die Hierarchie war jedoch gespalten in konservative und progressive Modernisten, die Sakramente verdoppelten sich, es gab dort „alte“ und „neue“ Sakramente und die ganze kirchliche Ordnung mutierte zu einem unüberschaubaren Chaos. Die kirchlichen Hierarchen lehrten nämlich unzählige Irrlehren, die neuen Sakramente waren zumindest zweifelhaft und die kirchliche Ordnung glich mehr derjenigen der Hölle als der des Himmels. 

Das Tradiland als Reservat

Was machten die Tradis angesichts dieses Dilemmas? Dieses offensichtlichen Widerspruchs? Sie nahmen nicht die Dogmatiken zur Hand, um sich darüber Klarheit zu verschaffen, wie so eine Neuerung von der katholischen Glaubenslehre her erklärt werden müsse, sondern sie konstruierten den quadratischen Kreis, indem sie kurzerhand diese seltsame, glaubensfeindliche Hierarchie zur Hierarchie der katholischen Kirche erklärten. Mit anderen Worten: Sie gründeten ihr Tradiland als Reservat inmitten der Menschenmachwerkskirche. Ein Kuriosum ganz eigener Art! Das war nun tatsächlich einmalig in der Kirchengeschichte – ausgenommen vielleicht die Jansenisten. 

Der Lefebvrismus

Etwas vereinfacht oder auch überspitzt formuliert könnte man sagen: Der Gründer dieses Tradilands war Marcel Lefebvre. Dieser kam auf die verrückte Idee, seine Tradition in die Menschenmachwerkskirche zu integrieren, d.h. aus der Modernistenkirche und der katholischen Kirche gedanklich eine Kirche zu machen – man wäre fast versucht zu sagen, Siamesische Zwillinge, aber das Bild würde nicht passen, denn diese haben zwei Körperhälften und zwei Köpfe. Lefebvre aber konstruiert aus den zwei diametral entgegengesetzten „Kirchen“ eine einzige „Kirche“ mit einem Haupt, d.h. seinemPapst. Man möchte fast sagen: Das ist ja Zauberei! So etwas gibt es sonst weder im Himmel noch auf der Erde, das gibt es nur bei Lefebvre und den Traditionalisten. (Um der sprachlichen Klarheit willen nehmen wir hier die Traditionalisten im engen Sinne des Wortes, d.h. wir nehmen von diesen die Katholiken aus. Katholiken sind in diesem Sinne keine Traditionalisten.)

Das Absurde dieser zauberischen oder einfach auch nur irrigen Konstruktion kam und kommt jeweils zum Vorschein, sobald die Traditionalisten in Streit mit ihrer kirchlichen Hierarchie geraten. Ein solcher Streit zeigte dann jeweils, daß ihr Papst doch nicht ihrer Meinung war, war er doch der Papst der ganzen Menschenmachwerkskirche und nicht allein der Papst des Tradilandes. Lehrmäßig waren all diese „Päpste“ selbstverständlich Modernisten und keine Traditionalisten, was zwar unübersehbar war, aber dennoch von den Tradis geflissentlich übersehen wurde, denn diese Tatsache blendeten die Tradis gewöhnlich aus – außer wenn es in ihrem Kampf gegen Rom nützlich erschien. 

Dr. Josef Filser legte im Jahr 2000 in seinem Aufsatz „Der Lefebvrismus“ in der Zeitschrift „Athanasius“ die abenteuerlichen, der kirchlichen Lehre vollkommen widersprechenden Konstruktionen Lefebvres sehr eindrücklich dar – was freilich kaum einen Tradi jemals in seinen Irrlehren anfechten konnte. 

Nach seiner von Rom verbotenen Priesterweihe schrieb Marcel Lefebvre am 29. Juli 1976 eine Öffentliche Erklärung zur „Suspensio a divinis“. Darin heißt es: „In dem Maß, als der Papst, die Bischöfe, die Priester oder die Gläubigen dieser neuen Kirche anhängen, trennen sie sich von der katholischen Kirche. Die Kirche von heute ist nur insoweit die wahre Kirche, als in ihr die Kirche von gestern, die Kirche aller Zeiten fortbesteht und sie mit dieser in Einheit verbunden bleibt. Die Norm des katholischen Glaubens ist die Überlieferung.“

In seiner Arbeit findet Dr. Filser ganz zurecht in diesen wenigen Zeilen gleich zwei Häresien – die hoffentlich auch dem Leser ins Auge gesprungen sind! Wenn nicht, so sollte er sein Glaubenswissen etwas nachbessern, denn sonst wird er wohl in diesen gefährlichen Zeiten am Glauben Schiffbruch erleiden. In diesem kurzen Text ist der Lefebvrismus schulbuchartig zusammengefaßt – was jedem, der es nur sehen will, klar zeigt, daß diese Irrlehre schon 1976 zumindest im Kopf Lefebvres ganz ausgereift war.

The more Catholic the better“

Welcher Katholik hat jemals gedacht oder geschrieben, daß man sich in einem gewissen Maß von der Kirche trennen kann? Uns erinnert diese Behauptung sehr an das inzwischen zwar von der Seite verschwundene, aber immer noch tapfer verfochtene Motto einer Homepage: The more Catholic the better. In dieser Formulierung schwingt jedenfalls unüberhörbar schon die modernistische Grundeinstellung mit, daß eine kleine Irrlehre doch nicht schlimm sei, weil doch sowieso niemand sicher behaupten kann, daß er ganz katholisch sei. Für einen Modernisten gibt es immer nur ein mehr oder weniger an Glauben. 100% sicher kann man nie sein. Weshalb diese Tradis zwar von ihren Gegnern ständig eine 100%ige Sicherheit verlangen, während sie ihre eigenen Meinungen jederzeit in der Grauzone des Ungewissen lassen und auch lassen müssen, weil sie nämlich durchwegs der kirchlichen Lehre widersprechen, was sie sich jedoch nicht eingestehen wollen und deshalb auch nicht können. Daher sind es gerade diese Tradis, die einerseits jedem das Katholischsein absprechen, der nicht gleichfalls ihrer Irrlehre des Lefebvrismus anhängt, anderseits aber die Modernisten immer noch als Glieder ihrer Kirche ansehen – denn wann ist den eigentlich das Maß voll? Nun, das Maß ist für diese Tradis bei den sog. Sedisvakantisten sofort voll, wohingegen es bei den Modernisten sehr variabel ist. Die obigen Worte Lefebvres sind in einer Phase der Auseinandersetzung mit Rom gesprochen, also wird die Meßlatte etwas höher gehängt. Jeder kann sich inmitten des Kampfes leicht ausmalen, daß der Papst, die Bischöfe, die Priester oder die Gläubigen dieser neuen Kirche soweit anhängen, daß sie nicht mehr zur Kirche gehören. Dennoch weiß jeder Tradi jedoch aus Geschichte wiederum, daß Lefebvre diesen Schluß niemals gezogen hat. Sein Papst und die Bischöfe blieben trotz ihrer Neuerungen Papst und Bischöfe. Dr. Filser merkte zu Lefebvres Ausführungen in seinem Aufsatz an:

Vor gut hundert Jahren, 1896, hat der damalige Papst Leo XIII. in einer Enzyklika – Satis cognitum – de unitate ecclesiae – Über die Einheit (Einzigkeit) der Kirche – alles Wesentliche über die Struktur der katholischen Kirche ausgesagt, ausführlich erläutert und dokumentiert. Die nachstehenden Auszüge aus diesem apostolischen Rundschreiben sind in der deutschen Übersetzung weitestgehend dem Heft Nr. 83 der Schriftenreihe ‚Freude an der Wahrheit‘, herausgegeben von Karl Haselböck, A-1O94 Wien, Postfach 69 mit dessen freundlicher Zustimmung entnommen. Sie lauten: 

Die durch diese Gebote unterwiesene Kirche hat eingedenk ihrer Amtspflicht für nichts größere Anstrengung und Eifer aufgewendet, als um die Unversehrtheit des Glaubens von allen Seiten zu schützen. So behandelte sie alle, die in was immer für einem Stück ihrer Lehre nicht mit ihr übereinstimmten, als Hochverräter und verbannte sie weit weg von sich. Die ‚Arianer‘, ‚Montanisten‘, ‚Novatianer‘, ‚Quartodecimaner‘ und ‚Eutychianer‘ verwarfen keineswegs den ganzen katholischen Glauben, sondern bloß gewisse Punkte – und doch: wer wüßte nicht, daß diese öffentlich als Irrlehrer erklärt und aus dem Schoß der Kirche ausgestoßen wurden?

Ein ähnliches Verdammungsurteil traf in späteren Zeiten alle Urheber verkehrter Glaubenslehren. Nichts Gefährlicheres gibt es als diese Irrlehrer: sie reden in tadellosen Ausführungen über alles. (Oft) nur mit einem (einzigen) Wort, wie mit einem Tropfen Gift, verpesten sie dabei den reinen und einfachen Glauben des Herrn und der apostolischen Überlieferung (Auctor tractatus de fide orthodoxa contra arianos). 

So hat es die Kirche immer gehalten, und zwar nach dem einstimmigen Urteil der heiligen Väter: Jeder, der auch nur im Geringsten von der katholischen Lehre abwich, wurde als der katholischen Gemeinschaft verlustig und als von der katholischen Kirche abgefallen angesehen. Epiphanius, Augustinus und Theodoretus zählen eine große Menge von Irrlehrern ihrer Zeit auf. Es können aber nach einer Bemerkung des heiligen Augustinus noch andere Arten von Irrlehren entstehen und mächtig werden; und es genügt, einer einzigen dieser Irrlehren anzuhangen, um eben dadurch von der katholischen Einheit getrennt zu werden. Wer keiner von diesen (aufgezählten Irrlehren) zustimmt: der meine und sage deshalb noch nicht, er sei ein katholischer Christ. Es kann noch andere Irrlehren, die in diesem unserem Buch nicht erwähnt sind, jetzt oder künftig geben: wer immer irgendeiner dieser Irrlehren anhangen würde: der ist kein katholischer Christ (Hl. Augustinus: De haeresibus n. 88).“ (Hervorhebungen von Dr. Filser)

Das hört sich doch ganz anders an als in dem Maß, als der Papst, die Bischöfe, die Priester oder die Gläubigen dieser neuen Kirche anhängen, trennen sie sich von der katholischen Kirche. Und dazu noch die Feststellung Leos XIII.: Nichts Gefährlicheres gibt es als diese Irrlehrer: sie reden in tadellosen Ausführungen über alles. (Oft) nur mit einem (einzigen) Wort, wie mit einem Tropfen Gift, verpesten sie dabei den reinen und einfachen Glauben des Herrn und der apostolischen Überlieferung (Auctor tractatus de fide orthodoxa contra arianos). Nun, man muß hierzu immerhin bedenken, 1976 war das schon ganz anders! Die Bastionen waren inzwischen geschleift und Modernisten sprachen meistens Klartext. Die Häresie war öffentlich, somit war der Glaubensabfall für jeden Katholiken unübersehbar. Es handelte sich nicht mehr nur um einen Tropfen Gift, sondern um ganze Giftfässer!

Aber was kümmert das die Tradis, sie haben ja als Zufluchtsort ihr Tradiland! Dort zumindest ist noch alles noch in Ordnung – denn insgeheim und uneingestanden ist für die Tradis dieses Tradiland die katholische Kirche, alles andere ist nicht mehr als ein unbeliebtes und ungeliebtes Anhängsel. Denn zumindest theoretisch wissen wohl auch noch die meisten Tradis, was Leo XIII. einschärft: es genügt, einer einzigen dieser Irrlehren anzuhangen, um eben dadurch von der katholischen Einheit getrennt zu werden! – Aber bei der praktischen Anwendung dieser Lehre scheitern sie gewaltig.

Die entfernte Norm des Glaubens

Warum scheitern sie in der praktischen Anwendung, sodaß ihre Bischöfe mal ihre Bischöfe sind und mal wieder nicht ihre Bischöfe; sodaß ihr Papst mal ihr Papst ist und sodann wieder nicht ihr Papst ist – sondern sogar der Antichrist, wie nach dem interreligiösen Gebetstreffen in Assisi 1986? Das hängt an der zweiten Häresie: Die Norm des katholischen Glaubens ist die Überlieferung.

Dieser Satz – immerhin in einer offiziellen Erklärung veröffentlicht und nicht einfach in einer Predigt dahergesagt – ist gleich in mehrfacher Hinsicht ungenau. Jeder Katholik sollte wissen, daß die Norm unseres hl. Glaubens zweifach ist. Es gibt eine entfernte und eine nächste Norm unsers hl. Glaubens. Die Überlieferung gehört zur entfernten Norm des Glaubens, wobei diese aber nur ein Teil davon ist. Dr. Filser ergänzt darum: „Nach katholischer Lehre ist nicht allein die Überlieferung, sondern ebenso die Heilige Schrift, die Bibel, Grundlage des katholischen Glaubens [die entfernte Norm des Glaubens]. Diese Grundwahrheit des katholischen Glaubens ist in den meisten Katechismen ausdrücklich dargestellt und aus sich heraus sehr einleuchtend. Es ist nicht leicht vorstellbar, daß der Erzbischof das nicht gewußt hat.“

Warum hat aber dann Lefebvre diesen unklaren Sprachgebrauch gewählt und warum verschweigt er seinen Lesern zudem zweitens, daß die Überlieferung nur die entfernte Norm des Glaubens ist, weshalb zu einem katholischen Glaubensverständnis unbedingt noch das Wissen um die nächste Norm des Glaubens notwendig ist, denn nur durch diese wird die Tradition und die Heilige Schrift für uns autoritativ und richtig, d.h. im katholischen Sinne erklärt? Nun, das verschweigt er, weil es dann aus wäre mit seinem Lefebvrismus und das Kartenhaus seiner irrigen Lehren in sich zusammenbräche!

Zurück zur Tradition

Dr. Filser fügte zu dieser Irrlehre einen weiteren Text Lefebvres aus einer Predigt an. Also diesmal ein nicht unbedingt schriftlich fixiertes und ausformuliertes Wort, sondern so dahergesagt. Das hört sich dann so an:

Meine lieben Freunde, meine lieben Brüder, was sollen wir in dieser Situation tun? Ich selbst war immer davon überzeugt, daß ich, während wir Widerstand leisten und treu an der heiligen Überlieferung der Kirche festhalten, die Pflicht habe nach Rom zu geben, zu protestieren und alles zu tun, damit man eines Tages zur Tradition zurückkehre. Nun haben manche, leider auch Mitglieder der Bruderschaft gemeint, daß man nicht mehr nach Rom geben solle, daß man mit denen, die sich dem Irrtum zuwenden, die das Zweite Vatikanische Konzil und seine Konsequenzen angenommen haben, keine Verbindung mehr haben solle. Und deshalb haben sie, da die Bruderschaft fortfuhr, Verbindungen mit Rom und mit dem Papst zu haben, es vorgezogen, sich von der Bruderschaft abzuwenden. 

Meine lieben Brüder, so hat die Bruderschaft nie gehandelt, ich war überzeugt, nie ein solches Beispiel geben zu dürfen. Im Gegenteil, ich höre nicht auf, nach Rom zu gehen, ich fahre fort, nach Rom zu gehen und fahre fort, mit Kardinal Ratzinger, den Sie ja kennen, in Verbindung zu bleiben, um zu erreichen, daß Rom zur Tradition zurückkehrt. Wenn ich überzeugt wäre, daß kein Papst vorhanden ist, daß es keinen Papst mehr gibt, wozu sollte ich dann nach Rom gehen?Und wie könnte ich dann hoffen, zu erreichen, daß die Kirche zu ihrer heiligen Tradition zurückkehrt? Denn nur der Papst kann die Kirche zur Tradition zurückführen. Nur er hat die Gewalt, nur er hat die Verantwortung, und wenn er sich auch heute leider in jene Irrtümer des Zweiten Vatikanischen Konzils hineinziehen läßt, ist das noch kein Grund, sich von ihm zu trennen. Ganz im Gegenteil, wir müssen alle Anstrengungen machen, um ihn zum Nachdenken über den Ernst der Lage zu bringen, ihn zur Rückkehr zur Tradition bewegen und von ihm verlangen, daß er die Kirche auf den Weg zurückführt, dem sie zweitausend Jahre lang gefolgt ist.“ 

(Predigt bei der Subdiakonatsweihe in Zaitzkofen am 26. Februar 1983; „Damit die Kirche fortbestehe“, S. 481 ff; Hervorhebungen von Dr. Filser)

Häretiker in weißer Soutane

Also Lefebvre war vollkommen davon überzeugt, daß der Herr in der weißen Soutane – damals immerhin Karol Wojtyla alias Johannes Paul II. – Papst der katholischen Kirche ist, obwohl er sich leider in jene Irrtümer des Zweiten Vatikanischen Konzils hineinziehen läßt, was bei einem Häretiker vom Format eines Karol Wojtyla doch reichlich untertrieben ist! Lefebvre muß hier aber derart untertreiben, denn sein häretischer Papst muß ja über der Meßlatte bleiben. Dennoch – obwohl dieser für ihn über der Meßlatte und darum Papst ist – ist er überzeugt, es sei notwendig, §seinenPapst zum Nachdenken über den Ernst der Lage zu bringen, ihn zur Rückkehr zur Tradition bewegen und von ihm verlangen, daß er die Kirche auf den Weg zurückführt, dem sie zweitausend Jahre lang gefolgt ist.“

Sein Papst führ also die Kirche auf einem Weg, der dem zweitausend Jahre gegangen Weg entgegengesetzt ist, weil er die Tradition der Kirche verlassen hat, was diesen jedoch in keiner Weise stört, weshalb ihn Lefebvre erst zum Nachdenken bringen muß. Oder mit anderen Worten gesagt: Sein Papst ist für ihn nicht mehr die nächste Norm seines Glaubens, denn wenn er das noch wäre, wäre so etwas schlichtweg unmöglich. Darum versteift er sich auf seinen durch den Zusammenhang eindeutig als irrig erwiesenen Satz: Die Norm des katholischen Glaubens ist die Überlieferung.

Die de facto Leugnung der nächsten Norm des Glaubens

Nochmals mit anderen Worten ausgedrückt: Lefebvre braucht für seinen Glauben überhaupt keinen Papst, erklärt er doch damit die nächste, die lebendige Norm des Glaubens für überflüssig oder sogar für gar nicht existent. Damit zusammenhängend behauptet er zudem, die Unfehlbarkeit der Kirche sei zumindest de facto, also in der Tat, in der Praxis vollkommen bedeutungslos. Und tatsächlich verhalten sich all diese Tradis, die Lefebvre als Lehrmeister folgen, demgemäß – ihr Papst ist nur noch ein Schulbub, den sie ständig über den wahren Glauben belehren müssen. Wie wir schon einmal geschrieben haben: Sie haben ihrem Petrus die Schlüssel weggenommen und ihm dafür eine Schultasche umgehängt. 

Aber es kommt noch etwas ganz folgerichtig hinzu: Wenn der Papst nicht mehr unfehlbar, weil nicht mehr die nächste Norm des Glaubens ist, dann ist er gar nichts Besonderes mehr, d.h. er unterscheidet sich in keiner Weise mehr von den anderen Gliedern der Kirche. Er hat allerhöchstens noch die Autorität eines Firmenchefs oder Vereinsvorsitzenden. Wobei er konkret betrachtet bei den Tradis sogar noch viel weniger ist als diese. Denn eine Firma, deren Chef nicht nur alles ständig falsch macht, sondern sogar ausdrücklich die Firma zerstören will, würde die Firma schnell ruinieren, falls die Firma ihn nicht doch irgendwie losbekommt. Dagegen sind die die Kirche zerstörenden Päpste der Lefebvristen schon seit Jahrzehnten im Amt und wurden zumindest in den Annäherungsphasen jeweils tapfer gegen die Modernisten verteidigt. 

Wie urteilt nun eigentlich Lefebvre über den Chef seiner Menschenmachwerksfirma konkret? Als er nach den Bischofsweihen wie angekündigt exkommuniziert wurde, zeichnet er folgendes Bild:

Exkommuniziertes Oberhaut

Fragen wir uns aber, wer uns solchermaßen anklagt und warum man uns exkommuniziert. Diejenigen, welche uns exkommunizieren, sind ja bereits selbst seit langem exkommuniziert! Warum? Weil sie Modernisten sind, weil sie, selbst von modernistischem Geist, eine Kirche geschaffen haben, die dem Geist der Welt konform ist. Das aber ist jener Modernismus, der vom hl. Pius X., dem Patron der Bruderschaft, verurteilt wurde. Dieser letzte heilige Papst hat die Modernisten verurteilt und exkommuniziert. Alle diese Geister, die modernistisch sind, sind durch den hl. Pius X. exkommuniziert. Diese von modernistischen Prinzipien durchdrungenen Personen sind es, die uns exkommunizieren, wo doch sie selbst durch den heiligen Papst Pius X. exkommuniziert sind.“ 

(Predigt am 10. Juli 1988, in: „Damit die Kirche fortbestehe”, S. 761)

Was für ein Absurdum: Diese von modernistischen Prinzipien durchdrungenen Personen sind es, die uns exkommunizieren, wo doch sie selbst durch den heiligen Papst Pius X. exkommuniziert sind. Somit ist zumindest die ganze Führungsspitze der „Kirche“ Lefebvres exkommuniziert, weil sie Modernisten sind – dennoch bleiben die Bischöfe und der Papst im Amt! Gegen diesen Wahnsinn stellt Dr. Filser einen Text Leos XIII., der in seinem Apostolischen Rundschreiben „Satis cognitum – de unitate ecclesiae“ – ganz unzweideutig lehrt:

Bloß derjenige kann also an Amt und Würden teilhaben, der mit Petrus verbunden ist, da es doch widersinnig ist, zu meinen: es könne jemand in der Kirche ein Vorsteheramt bekleiden, der außerhalb der Kirche ist. Aus diesem Grunde tadelte Optatus von Mileve die ‚Donatisten‘. Gegen diese Pforten (der Hölle), so lesen wir, hat Petrus die Schlüssel des Heiles empfangen: Petrus, unser Haupt, zu dem Christus gesagt hat: Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben und: die Pforten des Hölle werden sie nicht überwältigen. Wie könnt ihr also die Schlüssel des Himmelreiches für euch in Anspruch nehmen, die ihr gegen den Lehrstuhl Petri … streitet?“ (Hervorhebung von Dr. Filser)

Mit den letzten Worten wird sozusagen das Damoklesschwert der Tradis formuliert. Über dem ganzen Tradiland hängt aufgrund ihres Widerstandes gegen das modernistische Rom wie ein Damoklesschwert die Angst, doch nicht wirklich zu ihrem Papst zu gehören. Irgendwie treibt die Tradis ständig die Angst um, ihren Papst tatsächlich gegen sich zu haben. Man könnte darum hoffen: Sie sind also doch nicht ganz so felsenfest von ihrer Irrlehre überzeugt. Es fällt jedenfalls auf, mit welcher Begeisterung sie jeweils jeden noch so kurzen oder auch belanglosen Satz aus Rom aufschnappen, der irgendwie zu ihren Gunsten interpretiert werden könnte. Man hört aus all diesen Kommentaren die Erleichterung heraus: Also ist der Papst doch für uns! 

Kein Interpretationsspielraum mehr

Dieses selbsttäuschende Spiel funktionierte wenigstens einigermaßen so lange, bis Bergoglio kam! Bergoglio machte jeden Interpretationsspielraum zugunsten der Tradis zunichte, wenn sein Feldzug sich auch zunächst noch hinter diplomatischen Zugeständnissen zu verbergen schien. Wenigstens interpretierten die Tradis diese wieder einmal ganz in ihrem Sinne. 

Nun aber ist es ganz und gar aus mit Interpretationsspielraum. Mit seinem Gegen-Motu-Proprio „Traditionis custodes“ (Hüter der Tradition) mischt Bergoglio die Tradis neu auf. Die Ausreden werden immer dünner, fragwürdiger und dümmer. Und was die Tradis besonders ärgert, ist, daß er ihnen ihren Sieg einfach wieder wegnimmt – denn mit Ratzingers Motu aller Proprios war doch die „Alte Messe“ schon gerettet – wobei natürlich nicht Ratzinger diese gerettet hatte, sondern ihr Superheld Lefebvre. Ratzinger war sozusagen nur der verspätete Handlanger Lefebvres. 

Da wird es nun doch so manchen Tradi zu bunt – dank Bergoglio, kann man hinzufügen. Aber ein so richtiger Tradi wird, so wissen wir aus langjähriger Erfahrung, alles tun, um nur ja kein Sedisvakantist werden zu müssen. Denn Sedisvakantist zu werden ist für ihn die Sünde aller Sünden. Jeder Strohhalm ist ihm daher lieber als das. Also: Was tun, sprach Zeus, denn die Götter sind besoffen?

Habemus papam subsidiarem!

Da gibt es doch immer noch den Ratzinger! Den „Papst“ Ratzinger, wenn auch emeritiert, aber immerhin „Papst“. Für Tradis reicht es bekanntermaßen aus, um als Papst zu gelten, eine weiße Soutane zu tragen und in Rom zu wohnen. War Ratzingers Rücktritt nicht allzu verdächtig? Ging da wirklich alles mit rechten Dingen zu? Stand da nicht die Vatikan-Mafia dahinter, die ihm zum Rücktritt zwang – ihn, den wahren Hüter der Tradition?

Das riecht doch tatsächlich nach einem Ausweg! Das ist doch durchaus eine sehr elegante Ausrede, das ist ein echter Strohhalm für unsere wackeren Tradis! Also, die Lösung ist gefunden: Wir haben unseren Ersatzpapst! Habemus papam subsidiarem! Wir müssen immer mitbedenken: Wenn schon ein häretischer Papst besser ist als gar keiner, dann ist sicherlich Ratzinger besser als Bergoglio! Ja, genauso ticken sie, die Tradis…

Zwei Päpste?

Was würde ein Katholik tun, wenn ihn solche Versuchungen anfechten würden? Er würde ein wenig in der Kirchengeschichte und den Dogmatiken nachlesen. Denn es hat durchaus schon öfters Zeiten gegeben, in denen zwei oder gar drei Päpste – ja was nun eigentlich? Diese „Päpste“ verursachten ein Schisma, d.h. sie zerrissen das Kirchenvolk in zwei oder gar drei Obödienzen. Darum sprach man auch von Papst und Gegenpapst, wobei es für die Zeitgenossen nicht immer so ganz leicht zu entscheiden war, wer denn nun der Papst und wer der Gegenpapst war. Jedenfalls haben diese „Päpste“, also sowohl der Papst als auch der Gegenpapst, sich so verhalten, als wären sie allein der rechtmäßige Papst, weshalb sie den jeweils anderen exkommunizierten. Damals wußte man noch, daß es nur einen Papst geben kann und nicht deren zwei oder gar drei – und nicht einen im Gästehaus und einen im Kloster Mater Ecclesiae wie derzeit in Rom.

Wie ist es nun im Tradiland? Unsere traditionalistischen Ratzingerianer wissen das nicht mehr, weil sie gar nicht mehr wissen, was ein Papst der katholischen Kirche wesentlich ist und sein muß. Für sie ist Ratzinger immer noch der Papst, obwohl er ganz klar erklärt hat, daß er nicht zum Rücktritt gezwungen wurde, sondern freiwillig das Papstamt des Betens – was das auch immer sein mag – angetreten hat. Hatte er nicht am 14.2.2013 sozusagen als Papstvermächtnis versichert: „Auch wenn ich mich jetzt zurückziehe, werde ich euch im Gebet immer nah sein. Und ich bin sicher, daß ihr alle bei mir sein werdet, obwohl ich für die Welt verborgen bleibe.“ Infolgedessen lebt er in trauter Zweisamkeit mit Bergoglio im Vatikan, Haus an Haus, muß man sagen. Das ist das eine. 

Ein Papst als Alibi

Das andere ist, daß Ratzinger auch in keiner Weise sich von Herrn Bergoglio distanziert, geschweige denn ihn aufgrund seiner öffentlichen Apostasie angreift oder gar exkommuniziert. Wenn nun aber Ratzinger der rechtmäßige Papst wäre, könnte doch Bergoglio nur ein Gegenpapst sein, oder etwa nicht? Bekanntermaßen hat jedoch Ratzinger in keiner Weise darum gekämpft, Papst zu bleiben, also Bergoglio in die Wüste zu schicken – oder selber zu fliehen, weil man ihm in Rom angeblich nach dem Leben trachtet, um von anderswo aus die Kirche zu leiten und den Feind zu bekämpfen. 

Dennoch taugt dieser Ratzinger den Tradis als Ersatzpapst! Anhand dieser Tatsache wird die verheerende Wirkung des Lefebvrismus auf den katholischen Glauben offenbar. Die Lefebvristen brauchen ihren Papst tatsächlich nur noch als Alibi, damit sie einen Namen haben, den sie im Kanon der hl. Messe beim „una cum“ einfügen können. Sodann muß dieser ihr Papst sie nur einigermaßen in Ruhe ihre „alte“ Messe, d.h. den 1962er Ritus feiern lassen, dann sind sie vollauf zufrieden, dann ist in ihrem Tradiland alles in Butter. 

Es ist kaum noch zu glauben, wie erfindungsreich die Tradis sind, wenn es darum geht, eine Ausrede für ihren Wahnsinn zu finden. Auf „mutterdererloesung.de“ wird auf ein Video Bezug genommen, das sich mit dem Rücktritt „Papst“ Ratzingers beschäftigt – Un Café con Galat – Benedicto XVI Es El Verdadero Papa.

Der Katechon

Darin wird zunächst von Morddrohungen gegen Benedikt XVI. gesprochen, die ihn zu diesen Schritt veranlaßt haben sollen. Wenn dies nun wahr wäre, so stellt sich doch die Frage, warum denn Ratzinger in Rom geblieben ist und warum er, wenn doch sein Rücktritt nicht rechtens war, gar so freundschaftlich mit Bergoglio umgeht? Darum wird erwidert:

Aber diese Menschen vergessen, dass Benedikt XVI. sich freundlich zeigen muss, weil er unter Morddrohung steht. Welches ist der Grund für diese scheinbare Freundschaft?

Man kann kein anderes Verhalten beobachten, da Benedikts Leben in Gefahr ist. Hauptsächlich benimmt sich Benedikt XVI. so, weil er der Katechon ist. Er selber weiß es. Und was ist der Katechon? Der Katechon ist derjenige, der den Antichristen zurückhält.

2. Thessalonicher 2, 7-8: ‚Denn das Geheimnis der Bosheit ist schon am Werke; nur muß erst der aus dem Weg geräumt sein, der es bis jetzt aufhält. Dann wird jener Gottlose offenbar werden. Ihn wird der Herr Jesus töten mit dem Hauche seines Mundes und vernichten durch den Glanz seiner Wiederkunft.‘

Also, meine lieben Freunde, während Papst Benedikt XVI. noch Papst bleibt, wie er es in der Tat ist, ist er derjenige, der nach dem Willen Gottes das Auftreten des Antichristen und dessen direkte Aktion verhindert. Benedikt verzögert das Erscheinen des Antichristen und er ermöglicht uns dadurch eine zusätzliche Zeit für unsere Bekehrung. Seine stille, heldenhafte Geste verhindert nun, dass diese höllischen boshaften Kräfte sich jetzt in Fülle manifestieren. Wir schulden ihm Dankbarkeit, ihm, der mit seinem Opfer der Kirche großartig hilft.“

So eine Argumentation ist wohl kaum mehr an Unsinnigkeit zu übertreffen. Also der wahre Papst muß sich freundlich gegenüber dem unrechtmäßigen, apostatischen Usurpator verhalten, weil sonst sein Leben in Gefahr wäre. Da fragt man sich nun wirklich, warum denn die Päpste der ersten drei Jahrhunderte scharenweise als Martyrer gestorben sind. Und mit diesem feigen Verrat – eine stille, heldenhafte Geste – soll Ratzinger sodann auch noch verhindern, daß die höllischen boshaften Kräfte sich jetzt in Fülle manifestieren. Da verschlägt es einem direkt die Sprache – aber so ticken sie, die Tradis. 

Nun, der Teufel kann nur hoffen, daß Ratzinger trotz der Morddrohungen noch möglichst lange lebt. Aber allzu große Sorgen braucht er sich nach dem Ableben Ratzingers sicher auch wieder nicht machen, denn die Tradis finden schon wieder eine neue Ausrede, wenn zugegebenermaßen Ratzinger als Ersatzpapst eine sehr schöne Ausrede ist. Immerhin hatte Ratzinger als Papst noch Stil, ganz anders als das enfant terrible Bergoglio. Da kommt man ja als Tradi aus dem Schämen gar nicht mehr heraus. Wie schön war es mit Ratzinger mit seiner Pelzmütze und den roten Schuhen!

Die Retter der Traditon

Wo liegt nun eigentlich bei diesen Tradis der Hund begraben? Unmerklich haben sie selber das getan, was sie ihren Gegnern – allen voran jetzt Bergoglio! – vorwerfen, nämlich die Lehre geändert. Wie schon öfter dargelegt, haben sie aus dem unfehlbaren Papst, dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, der immerhin die Schlüssel des Himmelreiches in Händen hält, mit denen er jederzeit im Himmel binden oder lösen kann, einen ganz normalen Menschen gemacht, einen Menschen wie jeder andere auch. Und aus der katholischen Kirche haben sie einen äußerst verlotterten Folkloreverein gemacht – wohingegen sie die Retter der Tradition sind! Die Retter der Tradition in den Fußstapfen ihres Superhelden Lefebvre! Mehr ist nicht mehr übrig – The more Catholic the better! Wenn man genau hinschaut, erkennt man es ganz deutlich: Das ist tatsächlich ihre Tradition: The more Catholic the better. Der katholische Glaube ist für die Tradis nur noch eine bloße Ansammlung von einzelnen, losen, unverbundenen Sätzen, von denen man mehr oder weniger glauben kann, wenn es auch besser ist, mehr zu glauben als weniger. Katholisch sind sie jedenfalls im Zweifel alle, denn sie – dieser Lotterhaufen von Modernisten in Rom! – sind dennoch die Kirche, wenn auch nur deswegen, weil es noch das Tradiland gibt! Ohne Tradiland hörten sie sofort auf, Kirche zu sein. Mit dem Tradiland sind sie zwar eine kranke Kirche, aber immerhin noch Kirche. 

Scheinbarer Rücktritt

Um das ganze Ausmaß dieses Wahnsinns ein wenig abzustecken, möchten wir nochmals auf den Text zu dem Video auf „mutterdererloesung.de“ zu sprechen kommen. Der Rücktritt Ratzingers wird dort folgendermaßen „begründet“:

Im Juni 2011 unterschrieben fast 400 österreichische Priester den Ruf zum Ungehorsam, der die Abschaffung des Zölibats, die Heilige Kommunion für praktizierende Ehebrecher, das Frauenpriestertum, die Erlaubnis, dass Laien predigen und die Sakramente ohne Messe spenden dürfen, verheiratete Priester und die Akzeptanz der Homobeziehungen verlangte. Diese schismatische Bewegung erstreckte sich auf Deutschland, Frankreich, Irland, die Schweiz und die Slowakei, später auch auf die USA, Lateinamerika und Australien. Und jetzt existiert diese überall auf der Welt. Viele von denen sind heutzutage im Vatikan anwesend oder sie führen die Kirche in ihren Ländern. Also, eine Drohung von Schisma wäre in der Kirche konkret geworden, wenn Benedikt XVI. sie weiter geführt hätte.

Im Blog ‚Die letzen Zeiten‘ steht: ‚Eine Gruppe deutscher Kardinäle hatten Benedikt XVI. gesagt, dass sie eine Liste mit Unterschriften von modernistischen Priestern, Gottgeweihten, Bischöfen und Kardinälen hätten, die bereit wären, eine neue Kirche, getrennt von Rom, zu gründen, wenn er ihre Forderungen nicht akzeptieren würde. Die erste Forderung war, dass der Staatssekretär entfernt werden müsse.‘

Bis August 2012 dachte Benedikt XVI. nicht daran zurückzutreten, obwohl er Zielscheibe der Angriffe der freimaurerischen, liberalen Kirche zusammen mit Linkspolitikern und der internationalen Medien war.

Im September 2012 bekam Benedikt einen Brief aus Deutschland, auf dem man mit einer Rebellion in der Kirche und mit der Zerrüttung der Sakramente gegen die Lehre der Kirche drohte. Ab dieser Zeit begann Benedikt über seinem Rücktritt zu sprechen.

Benedikt verstand dann, dass aufgrund seiner Mission für Christus es mehr Wert ist, sein Leben zu bewahren als es zu opfern. Als authentischer Stellvertreter Christi, der seine Rolle sehr gut kennt, verlängerte er sein Leben, um die Pläne seiner Feinde und der Feinde der Kirche zu stören. Der Rücktritt Benedikts XVI. ist nur zum Schein, weil er zurückgetreten ist, ohne es zu tun.“

Also mit unseren Worten ganz kurz und prägnant zusammengefaßt: Ratzinger hat das angedrohte Schisma dadurch verhindert, daß er nur scheinbar zurückgetreten ist und sich in sein Haus im Vatikan zurückzog, währenddessen Herr Bergoglio das Ruder im Schifflein Petri in die Hand nahm. Er verlängerte sein Leben, um durch seinen völligen Rückzug ins Private die Pläne seiner Feinde und der Feinde der Kirche zu stören. Das kann man nur noch mit den Worten des Boandlkramers aus dem Brandner Kaspar bewältigen: Die schlimmste aller Sünden, die rücksichtslose Dummheit. 

Es ist Tatsache: Im Tradiland spielt der Glaube – ganz entgegen den ständig wiederholten Versicherungen – überhaupt keine Rolle mehr. Es geht nur noch um Personen: Montini, Wojtyla, Ratzinger, Bergoglio und natürlich über allen thronend Lefebvre. Was, Sie, verehrter Leser, glauben das nicht? Sie meinen, das sei nun doch übertrieben und ein zu hartes Urteil über diese Tradis?

Experiment der Tradition“

Nein, leider nicht. Wie man immer wieder beklagen muß, haben die Tradis ein sehr schlechtes Gedächtnis. Auf der berühmt gewordenen Großveranstaltung in Lille vom 29. August 1976 gab Lefebvre eine Grundsatzerklärung ab – man kann seine Predigt sicherlich zurecht so nennen. Über dieses Ereignis haben wir schon genügend geschrieben, weshalb wir hier nicht nochmals darauf zu sprechen kommen wollen, wir möchten nur auf den Schlußabsatz seiner Predigt verweisen, wo er tatsächlich sagt: „Bitten wir gemeinsam den lieben Gott, uns zu helfen, unsere Schwierigkeiten zu lösen. Es wäre so einfach, wenn jeder Bischof uns in seiner Diözese eine Kirche zur Verfügung stellen würde, den treuen Katholiken eine Kirche zur Verfügung stellen würde mit den Worten: ‚Das ist Ihre Kirche!‘ Wenn man bedenkt, daß der Bischof von Lille den Mohammedanern eine Kirche gegeben hat, sehe ich nicht ein, warum es nicht auch für die Katholiken der Tradition eine Kirche geben sollte (Applaus). Das Problem wäre gelöst. Und darum werde ich auch den Heiligen Vater bitten, wenn er mich empfangen sollte: ‚Heiliger Vater, lassen Sie uns das machen. Unter allen Experimenten, die man zur Zeit macht, sollte es doch auch wenigstens das Experiment geben, das das beinhaltet, was zwanzig Jahrhunderte gemacht wurde!‘ (Applaus).“

Nach all dem, was vorher gesagt und behauptet wurde, dieser Schluß! Das hat er, der Athanasius des 20. Jahrhunderts, tatsächlich vor etwa 20.000 ratlosen, geängstigten, durch die Revolution verstörten Zuhörern gesagt: Das Problem wäre gelöst…! Lefebvre bildete sich tatsächlich ein, mit dem Experiment der Tradition könnte man die apokalyptische Zerstörung alles Katholischen in der Welt so einfach wieder lösen. Wohl bemerkt mit einem Experiment der Tradition inmitten der freimaurischen Menschenmachwerkskirche! Dieser Mann, der später so über Karol Wojtyla und sein Assisi-Treffen geschimpft und diesen den Antichristen genannt hat, ist selbst von Anfang an mit einer Nische inmitten des Pantheons der Religionen zufrieden! Und die Tradis applaudierten dazu auch noch! Wie Lefebvre bekennt, geht es ihm zunächst vor allem darum, unsere Schwierigkeiten zu lösen und wie er schon vorher gesagt hatte, um die Befriedigung unserer Wünsche. Es geht Lefebvre immer nur um sein Werk, seine Piusbruderschaft, es geht ihm um seinen Vorteil und nicht um die katholische Kirche. 

Irgendwie ist man schon sprachlos und denkt: Was für eine Wahrnehmungsstörung, was für eine Traumwelt! Hat Lefebvre vor lauter Begeisterung für sein Werk plötzlich ganz vergessen, daß in Rom eine gewaltige Revolution stattfand und nunmehr dort die Feinde der Kirche Jesu Christi saßen, um das Reich des Antichristen mit aufbauen zu helfen? Diese Revolution will er einfach mit seinem Experiment der Tradition rückgängig machen? Kaum zu glauben! 

Nur ein Versprecher?

Oder war es nur ein Versprecher? Nur eine rhetorische Floskel, ein bloßes Argumentum ad hominem? – Wobei ein solches Argument vor 20.000 Zuhörern und angesichts der weltweiten kirchlichen Tragödie anzuführen immerhin eine Unverschämtheit gewesen wäre! Aber nein, es war kein Versprecher, denn nicht einmal ein Jahr später, am 3. April 1977, fabulierte Lefebvre weiter: „Wenn man sehen wird, daß unsere Priorate und unsere Pfarreien nur die Wahrheit predigen und nur die Tugenden Unseres Herrn vorführen, ist es nicht möglich, daß nicht der Tag kommt, an dem die Bischöfe sagen werden: ‚Was kann man ihnen vorwerfen? Sie lehren die Lehre der Kirche, sie lehren die Tugenden der Kirche, sie haben den Ritus, den die Kirche immer verwendet hat, sie haben die Sakramente, die die Kirche immer gelehrt hat. Was kann man ihnen vorwerfen? Nichts.‘ Wenn man uns aber nichts vorwerfen kann, so ist es nicht möglich, daß die Bischöfe nicht eines Tages, ihrer Pflicht bewußt, dahin kommen werden zu sagen: ‚Nun gut, ja, man ist verpflichtet, sie anzuerkennen. Und von nun an ist diese Pfarrei anerkannt‘, wenn auch vielleicht in einer ein wenig zwitterhaften (un peu hybride) Lage, in dem Maß wie sie sagen werden: ‚Die gegenwärtigen Pfarreien werden weitermachen mit dem, was sie bisher gemacht haben, aber wir anerkennen diese Personalpfarrei für alle jene Personen, die dorthin kommen und die Priester besuchen wollen, wir anerkennen sie auch.‘ Das wäre vielleicht eine Lösung, sozusagen eine Etappe, vielleicht, ich weiß es nicht, ich kenne nicht die Zukunft, ich bin kein Prophet. Aber es ist möglich. Auf jeden Fall muß man in der entsprechenden Verfassung (disposition) sein und nicht in einem Zustand (disposition) des Bruches und einem Zustand (disposition) der Opposition um der Opposition willen, der Opposition gegen die Kirche, nicht im Entferntesten.“

Was für ein Irrglaube! Was für ein Wahnsinn! Leider ist es wahr: Lefebvre geht es immer nur um Lefebvre, um Lefebvre und sein liebstes Kind, seine Priesterbruderschaft. Wenn schon der große Meister der Traditionalisten sich in solch wahnsinnigen Fabeleien gefiel, um wie viel mehr seine Jünger! Da versteht man es dann doch wieder, wenn diesen angesichts Bergoglios Ungeheuerlichkeiten wenigstens ihr Ersatzpapst Ratzinger als Trost dient. Denn man darf sich ja in keinem Fall in einem Zustand (disposition) des Bruches und einem Zustand (disposition) der Opposition um der Opposition willen, der Opposition gegen die Kirche, manövrieren lassen – da kommt dieser Ersatzpapst ganz recht.Wir haben es schon gehört, allein durch sein Dasein verzögert er noch das Erscheinen des Antichristen und er ermöglicht uns dadurch eine zusätzliche Zeit für unsere Bekehrung. Da braucht er gar nichts tun, der Ratzinger, weil ja der Papst der Tradis sowieso in ihrer Kirche nichts zu tun und nichts zu sagen hat – außer fromm zu beten, das darf er noch und das genügt vollauf. Selbst dann, wenn direkt neben ihm, direkt vor seinen Augen Bergoglio alles, was irgendwie noch nach Christentum riecht, klitzeklein haut. Was für ein Fels in der Brandung ist doch dieser Ersatzpapst Ratzinger! Nochmals sei es abschließend angemerkt: Ratzinger ist eine so schöne, eine so elegante Ausrede angesichts des enfant terrible im Gästehaus. 

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