Warum wir Engel brauchen

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Jeder wahre Katholik, der den Ernst der gegenwärtigen Stunde erkannt hat und sich keinerlei Illusionen über den apokalyptischen Charakter dieser Zeit macht, wird leicht einsehen: Wir brauchen heute mehr denn je die Hilfe der hl. Engel. Die über uns hereingebrochenen Lawinen des Irrtums und der Gottlosigkeit sind so gewaltig, daß man menschlich gesehen äußerste Angst haben muß, verloren zu gehen. Das umso mehr, als auch jeder institutionelle Halt innerhalb kürzester Zeit weggebrochen ist.

Durch das Meisterstück Satans wurde die ganze Institution, die sich einmal katholische Kirche nannte, zu einer Monsterkirche – einer Institution ohne übernatürlichen Glauben, ohne gültige Sakramente, ohne das Heil der Seele fördernde Gesetze. Diese Verfinsterung der Kirche, wie sie in La Salette so treffend benannt wird, zeigt sich jedem ganz besonders beim Glauben an die hl. Engel. In seinem Vortrag, veröffentlicht in den Schriften des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg e.V., Heft 38, Die Engel, muß Prof. Dr. Joseph Schumacher eingestehen:

„Es lässt sich nicht leugnen, dass der Engelglaube und die Engelverehrung innerhalb der Kirche in der Verkündigung und in der alltäglichen Frömmigkeit der Gläubigen schon seit geraumer Zeit in den Hintergrund getreten sind, besonders in den letzten Jahrzehnten. Vielfach hat sich bei uns die Vorstellung breit gemacht, Engelverehrung, das sei bestenfalls etwas für kleine Kinder. Nach der Meinung vieler gehören die Engel der Welt der Märchen an.“

Eine fatale „Uminterpretierung“ der Engelwelt

Leider geht Prof. Schumacher mit keinem Wort darauf ein, warum das heute so ist – genauer: in der Menschenmachwerkskirche, die Prof. Schumacher immer noch für die katholische Kirche hält, so ist! Er verschweigt seinen Zuhörern zumindest, daß ein ganzes System des Unglaubens die „katholischen“ Lehranstalten seit Jahrzehnten verseucht und daß diese Verseuchung von seiner „kirchlichen“ Autorität zumindest gedeckt, wenn nicht sogar ausdrücklich gewollt ist. Aber immerhin gibt er zu:

„Es gibt Engel. Wer das leugnet, verlässt den Glauben der Kirche oder hat ihn bereits verlassen. Leider geschieht das heute immer wieder. Viele leugnen die Existenz der Engel, Priester und Laien, vor allem Theologen und Religionslehrer. Sie sagen etwa, Engel seien Personifikationen von Attributen Gottes, im Engelglauben habe man Eigenschaften Gottes personalisiert, oder sie erklären, die Engel stünden für geheimnisvolle Erfahrungen, die wir in unserer raumzeitlichen Welt machen, sie seien nicht mehr und nicht weniger als reine Metaphern. Andere erklären apodiktisch, die Überzeugung von der Existenz von Engeln sei nichts anderes als simpler Aberglaube.“

Engel sind persönliche Wesen

Das ist die äußerst ernüchternde Bestandsaufnahme des Glaubens, bzw. Unglaubens seiner Menschenmachwerkskirche. Gleichlautend urteilt Prof. Dr. Georg May in seiner Predigt vom 02.09.2007 über „Die heiligen Engel Gottes“:

„Zunächst einmal gilt, und das ist nicht überflüssig zu sagen: Es gibt Engel. Es gibt leibfreie Geister. Gott hat eine unermessliche Zahl von Engeln geschaffen – aus nichts. Engel sind nicht, wie uns missratene Theologen weismachen wollen, ‚Personifikationen göttlicher Attribute‘. Nein, Engel sind persönliche Wesen, von Gott aus nichts geschaffen und zu unserem Dienste bestellt. Es ist geradezu lächerlich, die Existenz von Engeln leugnen zu wollen, wo fast jede Seite der Heiligen Schrift uns von ihrer Existenz und von ihrem Wirken berichtet.“

Auch Prof. May verschweigt seinen Zuhörern, daß diese „missratenen Theologen“ sämtlich im Auftrag seiner Kirche, d.h. zumindest mit stillschweigender Erlaubnis der Bischöfe diesen Unglauben vor ihren Studenten und dem Kirchenvolk verbreiten, weshalb tatsächlich nach der Meinung vieler Menschenmachwerkskirchler die Engel der Welt der Märchen angehören, weshalb man feststellen muß: „Wer das leugnet, verlässt den Glauben der Kirche oder hat ihn bereits verlassen.“ Mit anderen Worten, die meisten Menschenmachwerkskirchler sind zu Häretikern geworden.

Engel als bloße „Bilder“

Dabei ist dieser Unglaube durchaus nichts Neues. Schon im Holländischen Katechismus in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wird die Existenz der Engel geleugnet und das Sprechen von Engeln in der Heiligen Schrift ins rein Bildhafte aufgelöst. Wörtlich heißt es u.a.:

„Ist ihre Existenz (die Existenz der Engel) Teil des Weltbildes der Bibel? Oder sind sie ein wesentlicher Teil der Heilsbotschaft? Man sollte die Frage in dieser Form nicht überbewerten; auf jeden Fall gehen sie in der Darstellung der Schrift ganz auf in ihrer dienenden Rolle im christlichen Heilsgeschehen. Was über sie gesagt wird, will nichts anderes verkünden als diese beglückende Botschaft: daß Gott sich auf tausenderlei Weise mit uns befaßt.“

(Glaubenverkündigung für Erwachsene. Deutsche Ausgabe des Holländischen Katechismus, Nijmwegen 1968, S. 534)

Es sei extra nochmals darauf aufmerksam gemacht, weil es vor allem die Konservativen und Traditionalisten nicht einsehen wollen: Man kann also in der Menschenmachwerkskirche an Engel glauben oder nicht, man kann sie als reine Geistwesen verehren oder als bloße „Personifikationen göttlicher Attribute“ hinstellen, trotzdem darf sich jeder in der Menschenmachwerkskirche als „katholisch“ fühlen und bezeichnen.

Zwei Ordnungen der Schöpfung: Die sichtbare und unsichtbare Welt

Für einen wahren Katholiken ist das ganz anders. Es ist nämlich eine göttlich verbürgte Wahrheit, daß Gott nicht nur eine sichtbare, sondern auch eine unsichtbare Welt geschaffen hat, wie das IV. Laterankonzil lehrt:

„Wir glauben fest und bekennen … daß Gott der eine Ursprung aller Dinge ist, der Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren, der geistigen und der körperlichen. Er hat in seiner allmächtigen Kraft zugleich von Anfang der Zeit an beide Ordnungen der Schöpfung aus dem Nichts geschaffen, die geistige und die körperliche, d.h. die der Engel und die der irdischen Welt und dann die Menschen, die gewissermaßen beide umfaßt, da sie aus Geist und Körper besteht. (Der Teufel) nämlich und die anderen Dämonen wurden zwar ihrer Natur nach von Gott als gut geschaffen, aber sie wurden durch sich selbst böse. Der Mensch aber sündigte aufgrund der Eingebung des Teufels.“

(DH 800)

Das Erste und einzige Vatikanische Konzil wiederholt dies nachdrücklich:

„Wir glauben fest und bekennen mit aufrichtigem Herzen …: Gott hat in seiner allmächtigen Kraft zu Beginn der Zeit in gleicher Weise beide Ordnungen der Schöpfung aus dem Nichts erschaffen: die geistige und die materielle, d. h. die Engelwelt und die irdische Welt.“

(DS 3002)

Damit wird deutlich, daß es damals schon notwendig geworden war, dieses Dogma neu zu bekräftigen, weil sich die modernistische Irrlehre schon überall auf dem Vormarsch befand. Es ist in diesem Rahmen sicherlich nicht notwendig, diese Lehre eigens zu begründen, denn – Gott sei Dank! – wir wahren Katholiken glauben alle zweifelsfrei und voller Freude an die Existenz der hl. Engel.

Geistliche Übungen zu Ehren der hl. Schutzengel

Damit dieser Glaube auch in unserem täglichen Leben möglichst fruchtbar wird, wollen wir einigen Gedanken aus dem Buch „Geistliche Uebungen – zu Ehren der heiligen Schutzengel. Vermehret mit Morgen- Abend- Meß- Beicht- und andern Gebethern und Lehren“ nachgehen. Das Buch wurde 1802 mit „Erlaubniß der Obern in Brixen, gedruckt bey Joseph Weger hochfürstlichem Hofbuchdrucker“ herausgeben. Der Text wurde bezüglich der Rechtschreibung und Sprache angepaßt und mit Zwischenüberschriften versehen.

In dem einleitenden Text geht der Autor auf die wunderbare Führung des Volkes Gottes im Alten und Neuen Testament durch die hl. Engel ein. In diesem Text wird uns die Heilsgeschichte wunderbar nahegebracht. Wie ergreifend ist es, die heilsgeschichtliche Führung Gottes und den dabei wirksamen Dienst der hl. Engel zu betrachten. Gott will Sein auserwähltes Volk ins gelobte Land führen, so wie Er jede Seele ins Himmelreich führen möchte. Dabei sind die hl. Engel dauernde Helfer, Mahner, aber auch Diener der göttlichen Gerechtigkeit, wenn es darum geht, das Volk wegen seiner Untreue zu strafen.

Einleitung

Eines der sonderbaren Guttaten, welche der auf dieser Erde wandernde Mensch von Gott empfängt, ist der Schutz, den ihm die Engel beständig leisten. Nachdem Gott dieses Weltall mit einem einzigen Wink seines allmächtigen Willens erschaffen hat, würdigt er sich, dieses zu regieren und dabei sich des Dienstes der Engel zu bedienen, damit er an den Tag lege, wie groß seine Majestät, und wie unbegreiflich seine Hoheit sei. Doch da er die Engel als Vollzieher seiner Ratschlüsse über die niedrigen Geschöpfe abordnet, trägt er ihnen besonders Schutz und Sorge für den Menschen auf, vor allen in dem Geschäft des ewigen Heiles [Hebr. 1, 14], weil Gott, soviel es nur an ihm liegt, will und trachtet, daß alle Menschen selig werden [Tim. 2, 4]. Einem jeden Menschen ordnet also Gott insbesondere vom Anfang des Lebens einen Engel zu, der ihn durch den ganzen Lauf dieser Wanderschaft begleiten und beschützen soll. Gleich wie die Engel beständig vor dem unbeschreiblichen Gottesthrone stehen und mit beseligender Anschauung sein unverhülltes Angesicht betrachten, so erkennen sie in dem unveränderlichen Entschluß seiner Vorsehung ganz klar seinen heiligen Willen und seine erbarmungsvollen Anordnungen, welche es ihm zu Gunsten eines jeden Menschen zu machen beliebt hat [Matth. 18, 10]. Beseelt vom lebhaftesten Eifer für die Ehre Gottes, angetrieben von brennender Liebe gegen den Menschen, da sie sehen, daß dieser von Gott so sehr geliebt wird, beeifern und bemühen sie sich auf alle mögliche Weise, selben dahin zu leiten, daß er sich der göttlichen Erbarmungen würdig mache, das hohe Ziel, wozu er erschaffen ist, erreiche und also auch in ihrer Gesellschaft durch die ganze Ewigkeit der Glorie und Freude des Herrn teilhaftig werde. Der Mensch wird in diesem sterblichen Leben niemals erkennen und noch weniger begreifen können, weder die Zahl, noch die große Wichtigkeit der beständigen Guttaten, welche er von dem liebevollen Schutz der Engel genießt. Die geheimnisvolle Leiter, welche in einer nächtlichen Erscheinung dem Patriarchen Jakob, um ihn aufzumuntern, vorgestellt worden, kann uns einen, ob schon nur sehr dunkeln und unvollkommenen Begriff davon geben. Man sah auf derselben die Engel in beständiger Bewegung bald eilfertig hinaufsteigen, um Gott die Bitten der Menschen vorzutragen, und ihre Angelegenheiten vorzustellen; bald ebenso sorgfältig heruntereilen, um den Menschen von der Quelle alles Guten Segen und Gnaden zu bringen [Genes. 28].

Die Hilfe und der Schutz der hl. Engel

Du magst den Menschen für sich allein oder mit seinesgleichen in der Gesellschaft vereinigt, bei seinen zeitlichen oder geistlichen Anliegen betrachten, so wirst du sehen, wie die Engel allezeit ihn zu schützen und ihm Gutes zu erweisen beschäftigt sind. Sie bewahren ihn vor unzählbaren Gefahren, denen er unbehütet entgegengeht; sie trösten ihn in seinen Trübsalen, und unterstützen ihn in seinen Nöten, sie treiben und eifern ihn zum Guten an; sie schrecken und halten ihn vom Bösen ab und geben allezeit seinem Gebet auch mit ihrer Fürbitte ein größeres Gewicht; höchst besorgt für sein Seelenheil hemmen sie die Gewalt der Feinde, welche ihn bestreiten; sie schwächen die Stärke der Versuchungen, welche ihn anfallen und aus nicht minderer Liebe und Sorgfalt züchtigen sie ihn wohl auch manchmal, um ihn zu bessern, wenn er starrsinnig das Böse ergreifen will [Psalm 90, 11].

Engel, Botschafter des Himmels

Die Heilige Schrift erinnert den Menschen allenthalben der vielen sonderbaren Guttaten, welche er von dem Schutz und Schirm der Engel erhält. Sie offenbarten den Patriarchen und Propheten die erhabenen Wahrheiten, die großen Geheimnisse, die unaussprechlichen Dinge, die wunderbaren Begebenheiten, welche diese ihren Nachkommen verkündigt und vorhergesagt haben. Während so vieler und großer Ereignisse ihrer langen und mühsamen Wanderschaft fanden immer an dem Schutz und Schirm der Engel Abraham die Stütze seines Glaubens, Isaak die Stärke bei seiner Ergebung, Jakob die Aufmunterung zu seiner Standhaftigkeit und den Trost über so herrliche Versprechungen, die ihren Nachkommen gemacht worden [Genes. 12Ff]. Der Engel befreite das israelitische Volk von der ägyptischen Gefangenschaft durch erstaunenswürdige Wunderwerke; er wurde sein Wegweiser und Beschützer bei der langen Wanderschaft durch die Wüste; er machte es zum Sieger über die vielen und mächtigen Feinde, welche es mit Gewalt unterdrücken wollten; er überhäufte es mit außerordentlichen Guttaten und Begünstigungen, und führte es siegprangend zum Besitz des versprochenen Landes. Durch Gedeons Hand befreite es nochmals der Engel von der Macht der Madianiter, und er eilte ihm durch Samsons starken Arm zu Hilfe, da es von der Tyrannei der Philister unterdrückt seufzte. In der großen Angst und Gefahr, in welcher sich der fromme und gottesfürchtige König Ezechias befand, als Jerusalem eng eingeschlossen und belagert war, befreite ihn ein Engel von der barbarischen Grausamkeit des stolzen Senacherib durch jene unvergeßliche Niederlage, die er im assyrischen Lager gemacht hat.

Der Engel als Mahner und Tempelwächter

Dem bußfertigen und vom Herzen zerknirschten König David, da wegen seines Verbrechens die grausame Pest das Volk wegraffte, zeigte ein Engel, durch welches Mittel er den gerechten Zorn Gottes besänftigen und der schrecklichen Geißel Einhalt gebieten könnte. Zur Zeit des heiligen Hohenpriesters Onias, als das hebräische Volk die nahe Gefahr sah, daß der Tempel geplündert und die an diesem heiligen Orte sicherheitshalber hinterlegten Güter ungerechter Weise geraubt werden möchten, geriet es in große Angst, aber ein Engel tröstete es mit einer wunderbaren Erscheinung, machte Heliodors gottesräuberische Absicht zu Schanden und lehrte ihn, welche Ehrfurcht man gegen einen Zufluchtsort zu tragen schuldig sei, welcher zum Dienste des wahren Gottes eingeweiht ist.

Der Engel als Helfer in höchster Not

Dem liebevollen Zwang, mit welchem die Engel den Lot von Sodoma entfernten, hatte er zu danken, daß er und seine Familie den verheerenden Flammen entkommen. In der Angst, Verwirrung und Verlassenheit, in der sich Agar befand, eilte ein Engel daher, ihr kräftigen Trost, heilsamen Rat und eilfertige Hilfe zu bringen. Die tapfere Judith ist mitten in dem zahlreichen Lager der Feinde und Abgötterei von dem Engel beschützt, von dem Engel gestärkt worden, dem Holofernes zur Rettung ihres Volkes das gottlose Haupt abzuschlagen. Durch Schutz eines Engels, welcher durch den jungen Daniel die Bosheit jener verkehrten Richter dem Volk aufdeckte, fand die keusche Susanna die Beschirmung ihrer verleumdeten Unschuld und den Lohn ihrer standhaften Treue. Die Flammen des babylonischen Feuerofens haben die drei hebräischen Knaben, welche die von dem hochmütigen Nabuchodonosor gottloser Weise aufgerichtete Statue nicht anbeten wollten, darum nicht berührt, noch belästigt; weil ein Engel gekommen ist, die Flammen zu zerteilen, und ihre Hitze zu unterdrücken. Wenn die heißhungrigen Löwen das Leben des in einer tiefen Grube bei ihnen eingeschlossenen Daniel verschonten, geschah dies, weil der Engel ihnen den Rachen versperrte, und nicht zuließ, daß sie denselben verletzten. Eben auch ein Engel trug mit einem erstaunlichen Wunderwerke den Propheten Habakuk samt dem für die Schnitter seines Feldes bestimmten Mittagmahle aus dem Judenland in wenigen Augenblicken bis hin zu jener Grube, damit Daniel sich mit einer Speise laben könnte, die ihm von dem Gesetze nicht verboten war. Ein Engel eröffnete dem Propheten Elias die Nachstellungen und die Unfälle, die ihm seine Feinde zubereiteten, er labte ihn mit wunderbaren Broten, und trieb ihn an, eilfertig den Berg zu besteigen, damit er ihrer Wut entränne. Gewiß wird jener sich einen sehr hohen Begriff von der Guttätigkeit der Engel gegen den Menschen machen und sein ganzes Vertrauen auf ihren liebevollen Schutz setzen, wer immer bedachtsam überlegen wird die Treue, die Liebe, die Sorgfalt, mit welcher der Erzengel Raphael den jungen Tobias auf seiner Reise nach Rages begleitet und wie sorgfältig er ihn vor vielen und großen Gefahren bewahret, wie er ihn in allen seinen Pflichten unterwiesen hat. Und wie besorgt er gewesen, ihn mit vielen Gütern bereichert in das väterliche Haus zurückzuführen; damit er dem blinden Vater das Gesicht wiederherstellte und in jenem ganzen Haus Freude und Vergnügen wiederaufleben ließ.

Der Engel als Künder der Ratschlüsse Gottes

Gleichwie die Engel den Menschen hauptsächlich zur Wirkung ihres ewigen Heiles beschützen, so haben auch sie bei der Offenbarung der Gnadenzeit ihm die Erfüllung der wunderbaren Geheimnisse kundgemacht und die tiefen, von Ewigkeit her zu seinen Gunsten gemachten Ratschlüsse Gottes entdeckt. Der Engel Gabriel sagte dem Zacharias die Geburt des Vorläufers voraus, offenbarte ihm seine glorreiche Sendung und schrieb ihm vor, welchen Namen er selbem geben sollte. Eben dieser Engel wurde zu Maria der Jungfrau geschickt, ihr zu verkündigen, daß das Wort in ihrem Schoße durch Wirkung des Heiligen Geistes Mensch werden wolle. Er grüßte sie als die gnadenvolle, als die glückseligste und gebenedeiteste unter allen Frauen. Er munterte sie auf, sich nicht zu fürchten, sondern vollkommen auf die Güte Gottes zu vertrauen, dem nichts unmöglich ist. Und nach dem Auftrag Gottes eröffnete er ihr den wundervollen Namen, den sie als Mutter dem Gott-Erlöser, ihrem wahren Sohn beilegen sollte.

Der Bote beim hl. Josef

Der Engel des Herrn kam, den verwirrten und angstvollen Bräutigam der seligsten Jungfrau im Schlafe zu trösten. Er nahm ihm alle Furcht über das schon in Erfüllung gesetzte Geheimnis der Menschwerdung und hieß ihn nach Ägypten fliehen. Er eilte ihm anzuzeigen, daß er an seinen Geburtsort zurückkehren sollte, nachdem jene gestorben waren, welche dem Leben des Heilandes nachstellten. Mit Lob und mit Freudengesängen verkündigten die Engel den wachsamen Hirten die Geburt des Heilandes in einem Stall und ermunterten dieselben, eilend sich dahin zu begeben, ihn anzubeten.

Engel dienen dem Heiland

Zudem kamen die Engel, nachdem der Erlöser vierzig Tage und Nächte gefastet, ganz bereitwillig, ihm zu dienen und mit Speise zu laben. Ein Engel wollte ihm mit tiefster Ehrfurcht einigen Trost bringen, da er ihn im Garten von großen Ängsten überfallen und von unaussprechlicher Betrübnis gequält sah und anbetete. Die Engel verkündigten voller Freuden die Auferstehung des Erlösers den frommen Frauen, welche sich schon in aller Frühe bei dem Grab einfanden und Balsam und Spezereien mit sich genommen hatten, seinen heiligen Leichnam einzusalben. Ein Engel befreite die Apostel aus dem Kerker und flößte ihnen Hochherzigkeit ein, das Evangelium freimütig und ohne alle Furcht zu predigen. Ein Engel löste die Ketten des Fürsten der Apostel auf, befreite ihn wunderbar aus dem Kerker, vereitelte die grausame Politik des Herodes und führte ihn zum Trost und zur Stütze der sich erst im Entstehen befindenden Kirche frisch und gesund zurück.

Engel als Helfer der Apostel

Den Kämmerer der Königin Candace in dem wahren Glauben zu unterrichten und zu taufen, brachte ein Engel den Apostel Philippus von Jerusalem bis gegen Gaza. Auch befahl ein Engel dem rechtschaffenen Hauptmann, den Apostel Petrus von Joppe herzurufen, das Evangelium auch den Heiden zu predigen und ihnen zu wissen zu geben, daß auch sie berufen seien, das neue Volk Gottes auszumachen. Bei den sonderbaren und geheimnisvollen Erscheinungen, in welchen dem Apostel und Evangelisten Johannes unter staunenswerten und verborgenen Sinnbildern und Vorstellungen die Geschichte der Kirche bis an das Ende der Zeiten zu Patmos vorgestellt wurde, stärkte und unterstützte ein Engel den in Erstaunen dahingerissenen Apostel und verbot ihm nachdrücklich, gegen ihn eine solche Ehrenbezeigung zu gebrauchen, die ihm nicht gebührte, indem er ihn erinnerte, daß auch er nur einer der Diener des Erlösers sei.

Wir schulden den Engeln Ehrerbietung

Die Erzählung würde sehr weitläufig werden, wenn man da alle Guttaten anführen wollte, welche von den Engeln dem Menschen zu allen Zeiten erwiesen worden und in der heiligen Schrift enthalten sind. Jeder kann und soll dieselben aufmerksam selbst betrachten, damit er sich zur Dankbarkeit gegen jene aufmuntere und sein Vertrauen auf ihren Schutz vermehre. Den Engeln, wie der heilige Bernard anmerkt, sind wir Ehrerbietung wegen ihrer Gegenwart, Liebe und Dienstbeflissenheit wegen ihrer Guttätigkeit, Vertrauen wegen ihres Schutzes schuldig. Sie sind sehr erhabene Geister und werden wegen dem Glanz und der Reinheit ihrer Natur dem Licht verglichen, mit welchem sie nach der Meinung des heiligen Augustins erschaffen worden sind. Gleich wie sie die Glorie und die seligmachenden Anschauung Gottes genießen, also sind sie mit allen jenen übernatürlichen Gaben und höchst erhabenen Vorzügen bekleidet, die ihrem Stand als Ewigselige gebührt. Da sie Gott über alles lieben, lieben sie eben darum in Gott und wegen Gott auch den Menschen, weil sie sehen, daß ihn Gott liebt. Daher beeifern und besorgen sie sich, ihm auf alle Weise Wohltaten zu erweisen. Da sie von Gott zu seinem Schutz bestimmt sind, so erzeigen sie sich, ihn treu vor aller Gefahr zu bewahren, klug ihn auf allen Straßen seiner Wanderschaft zu leiten, mächtig ihn wider die Menge der Feinde zu schützen, die ihn zu unterdrücken suchen. Wenn, wie der heilige Hieronymus eben zur Sache gut anmerkt, die Würde der Seelen groß ist, weil einer jeden derselben schon von dem ersten Augenblick ihres Lebens an ein Engel zu ihrem Schutz zubestimmt worden ist, so ist auch nicht minder groß die strengste Schuldigkeit, welche der Mensch hat, jenen zu ehren und sich gelehrig gegen seine sorgfältigen Bemühungen zu erzeigen, welche er für sein Bestes auf sich nimmt. Gott selbst erinnert den Menschen ganz ausdrücklich, an diese unabläßliche Schuldigkeit im zweiten Buch Moses, im dreiundzwanzigsten Kapitel, da er dem hebräischen Volk einen Engel zugab, der es bis in das gelobte Land führen und beschützen sollte. Da Gott diesem Volk den Auftrag offenbarte, den er dem Engel gegeben, schärfte er ihm nicht nur die Schuldigkeit ein, diesen zu ehren und ihm zu gehorchen, sondern er zeigte ihm auch, wie es jene Tugenden zu üben hätte, durch welche es diese seine Pflichten genau erfüllen könnte, damit es das seinen Vätern so oft versprochene Land erobere, und zum Besitz erhalte. Ganz gewiß mußte das hebräische Volk einsehen, daß die Eroberung des versprochenen Landes von großer Wichtigkeit wäre, weil Gott es selber nicht dessen eigenen Kräften allein anvertraute, sondern vor allen dem mächtigen Schutz eines Engels anempfahl. Das Volk war also schuldig, sich mit Standhaftigkeit auszurüsten, dem Engel getreu zu folgen, tapfer zu streiten, und die großen Hindernisse zu überwinden, die ihm aufstoßen sollten.

Der Engel als Führer ins gelobte Land

Sieh, ich will meinen Engel senden! Dessen ungeachtet, daß dies Volk auf dieser Wanderschaft durch verschiedene und entgegengesetzte Wege in der Wüste herumzog, mußte es doch fest glauben, daß es zum Besitz des versprochenen Landes gelange, weil es dem Engel nachfolgte, der ihm voranging.

Der vor dir einhergehe! Die großen Beschwernisse und die mächtigen Feinde, die ihm aufstießen, durften es nicht niederschlagen, noch den Mut nehmen. Vielmehr sollten sie ihm als eine Aufmunterung dienen, noch mehr zu vertrauen und zu hoffen, daß es mit der Hilfe des Engels alles überwinden werde.

Der dich auf dem Wege bewahre! Da Gott dies Volk mit so großen und außerordentlichen Guttaten ausgezeichnet hatte, war es ihm seine ganze Liebe schuldig. Gott erwies ihm diese Guttaten nur aus Antrieb seiner Liebe: es sollte also auch mit getreuer Erfüllung alles dessen, was er ihm vorschrieb, seine Gegenliebe beweisen.

Wenn du alles tust, was ich dir sage! Gleichwie die Liebe gegen Gott auch die Liebe gegen den Nächsten wegen Gott in sich schließt, also hat Gott dem Volke eingeschärft, daß es seine ganze Erkenntlichkeit und Bereitwilligkeit dem Engel schuldig sei, der auch sein Nächster wäre und durch den es so viele Guttaten empfing.

Ehre ihn! Gott trug diesem Volk auf, es sollte aufmerksam und gehorsam gegen die Stimme des Engels sein. Dadurch hat er ihm die Tugend der Demut anempfohlen, ohne welche man nicht gelehrig und untertänig gegen einen anderen Rat und Anleitung sein kann, weil dies der eitlen und stolzen Einbildung der Eigenliebe zuwider ist.

Und gehorche ihm! Da Gott diesem Volke die Versicherung gab, daß er ein Feind seiner Feinde sein werde, hat er ihm ganz deutlich die Pflicht zu verstehen gegeben, alle seine Sinne und alle seine Leidenschaften zu bezähmen, damit es die Menge der Feinde, die ihm aufstoßen würden, schlagen und überwinden könnte.

Ich will ein Feind deiner Feinde sein. Ebenso klar gab er ihm zu verstehen, wie unausweichlich ihm Trübsale und Plagen begegnen werden, da er ihm versprach, daß er sich an denen rächen werde, welche kühn genug wären, es zu belästigen und zu plagen.

Ich will die plagen, die dich beleidigen. Der Engel, der dies Volk führte, schützte es auch und weil er mit dieser Stelle im heiligen Namen Gottes bekleidet war, so sollte ihm dies zu einem beständigen Antrieb dienen, sich zum Gebet aufzumuntern.

Und er vertritt meine Stelle. Endlich, ein diesem Volke beständig gegenwärtiger Engel, der im Namen und auf Befehl Gottes es in den Besitz des ihm bestimmten Landes setzen sollte, mußte es beständig an die Gegenwart Gottes erinnern.

Er wird dich an den Ort führen, den ich dir bereitet habe. Da die Reise des hebräischen Volkes nach dem gelobten Land ein deutliches und lebhaftes Bild unserer Reise nach dem Himmel ist, so sind auch uns, um dahin zu gelangen, jene Tugenden notwendig, welche dieses Volk vor der Besitznahme jenes Landes ausüben mußte und zwar nach der Vorschrift, welche ihm Gott in der oben aus dem zweiten Buche Moses angeführten Stelle gegeben hatte.

Die Verehrung der hl. Engel

Eben diese Stelle hatte auch jener vor Augen, der dies kleine Werkchen geschrieben, damit er jedem die Art und Weise die heiligen Engel zu verehren erleichtern möchte. Er trachtete sowohl bei sich, als bei andern den Geist der Andacht, der Liebe, des Vertrauens gegen diese seligen Geister zu vermehren, welche sich als unsre treuen Schützer und liebevollen Verteidiger erzeigen. Daher hat er das Werkchen so eingerichtet, daß es zu einer neuntägigen Andacht zu Ehren der heiligen Engel dienen kann und zugleich einen nützlichen Unterricht vorzüglich über jene Tugenden gibt, welche den Grund der christlichen Vollkommenheit ausmachen, und ohne welchen ein Christ sein ewiges Heil nicht wirken, noch minder erlangen kann. Daher wird in der Betrachtung und Anwendung der entsprechenden Tugenden allezeit das Beispiel des eigenen Schutzengels als Muster zur Nachahmung vorgestellt.

Andacht zu den hl. Engeln

Hierzu ein kurzer Auszug aus einer der Betrachtungen. Darin gewahrt man: Wie ermunternd ist doch das Vorbild und das Beispiel der hl. Engel!

Betrachtung von dem ewigen Heil.

Damit man das ewige Seelenheil sicher wirken und erlangen möge, ist vor allen notwendig, daß man die Mittel erkenne, mit welchen man es sicher wirken und erlangen kann: daß man mit Ernst und Standhaftigkeit diese Mittel anwende und daß man dieselben auf jene Weise gebrauche, welche Gott vorgeschrieben und festgesetzt hat. Wir werden sehen, daß unser guter Engel sein Heil zu wirken und zu versichern sich auf eben diese Weise betragen habe.

I. Punkt. Der Engel erkennt und wendet die gehörigen Mittel zum ewigen Heil an. Er, als ein erhabener Geist, mit sonderbaren Gaben und ausnehmenden Vorzügen geschmückt, beschäftigte sich ganz, das hohe Ziel, zu welchem er erschaffen worden und die sichersten Mittel, mit welchen er es verdienen, und erlangen könne, zu erkennen. Da er einsah, daß er bestimmet sei vor dem unaussprechlich erhabenen Throne Gottes seines Schöpfers in herrlicher Glorie zu stehen: so erkannte, und überzeugte er sich innerlich ganz, daß der Glanz seiner Schönheit, die Reinheit seiner Natur, die Scharfsinnigkeit seines Verstandes, die Kraft seines Willens, und alle andere Gaben, mit welchen er bis zum Wunder bereichert war, doch keine Güter wären, von welchen er seine Glückseligkeit und Zufriedenheit hoffen sollte; sondern nur eben so viele Mittel, welche ihm Gott, die ewige Glückseligkeit zu verdienen, und sich derselben würdig zu machen, gegeben hätte. Er war daher weit entfernet sich darüber zu übernehmen, und ein sträfliches Wohlgefallen daran zu haben: er schätzte sie nicht würdig die Aufmerksamkeit seines Geistes darauf zu heften, noch die Neigung seines Herzens daran zu hängen: er schrieb selbe der einzigen Güte und Barmherzigkeit Gottes zu , und gebrauchte sich derselben allein seine Unschuld zu bewahren, und seine Heiligung immer noch mehr zu vergrößern.

II. Punkt. Der Engel wendet mit Ernst und Standhaftigkeit die Mittel des Heils an. Weil der Engel ein purer Geist ist, konnte er keine Widersetzung von einer sinnlichen Begierlichkeit empfinden, noch wider die Reinheit versuchet werden. Er war aber doch der Versuchung ausgesetzt, sich über die Hoheit und die besonderen Gaben seiner Natur zu übernehmen; und mußte wider den gewalttätigen Aufstand der Rebellen und ihre schlauen Nachstellungen streiten. Er gab aber der Versuchung gar kein Gehör und bediente sich der ausnehmenden Einsicht seines Verstandes, sich immer mehr innerlich zu überzeugen, daß er nichts von sich selbst habe, sondern daß ihm alles ohne mindesten Verdienst von Gott aus purer Freigebigkeit und Erbarmen gegeben worden. Er gab also Gott die ganze Ehre, und demütigte sich im Geiste. Er bediente sich der wunderbaren Tätigkeit seines Willens Gott mit größerer Armseligkeit zu gehorchen, mit lebhafteren Eifer zu dienen, und mit einer reinen und brennenden Liebe anzuhangen, indem er sah, daß er von ihm, als von seinem Schöpfer so außerordentlich gut beschenket worden. Er widersetzte sich alsogleich ohne Anstand den rebellischen Engeln und beschämte ihren unsinnigen Hochmut, indem er freimütig bekannte, daß kein Geschöpf sich mit Gott vergleichen oder die unerforschlichen Geheimnisse seiner Weisheit ergründen könne: daß Gott allein und niemand anderem die Ehre und Glorie gebühre und daß man ihm allein die demütigste Anbetung, die reinste Liebe, den genauesten Gehorsam schuldig sei. Auf solche Weise brachte es unser guter Engel mit Ernst und Standhaftigkeit dahin, daß ihm die Mittel, welche ihm Gott gegeben hatte, zu seinem Heil dienen mußten.

III. Punkt. Der Engel wendet auf die von Gott vorgeschriebene Weise die Mittel des Heiles an. Alle Gaben und Vorzüge, welche Gott den Engeln gegeben hatte, hätten ihnen als ebenso viele Mittel dienen sollen, das ewige Seelenheil zu verdienen, aber die Engel mußten sich dieser Mittel nach jener Weise und Anordnung gebrauchen, wie es Gott ihnen vorzuschreiben beliebte. Da ihnen Gott befohlen hatte, das Wort, welches Mensch werden sollte, anzubeten; es als ihr Oberhaupt und ihren Gebieter, auch als Mensch, weil die Menschheit mit seiner göttlichen Person vereinigt wurde, anzuerkennen und ihm Gehorsam und Treue zu erweisen, so waren die guten Engel alsogleich bereit, diesem Willen Gottes zu gehorchen. Denn, da sie sich aller Gaben, mit welchen sie bereichert waren, zum Guten bedienten, waren sie innigst überzeugt, daß sie auf keine andere Weise ihr Heil sicherer erlangen könnten, als so, wie es Gott wollte und vorschrieb. Hingegen waren die rebellischen Engel vermessen genug, diese Anordnung Gottes zu untersuchen, dieselben gottloser Weise als unannehmbar anzusehen und daher den Menschen um die hohe Ehre zu beneiden, die ihm durch die Vereinigung der göttlichen Person mit der menschlichen Natur erwiesen wurde, da diese weit geringschätziger als die englische wäre. Sie entschlossen sich also hartnäckig, nicht zu gehorchen, mißbrauchten also auf eine ungehörige Weise die Heilsmittel und fielen mithin in die ewige Ungnade. Mit ihrem eilfertigen Gehorsam vereinigten die guten Engel nach dem schrecklichen Kampf wider die Rebellen auch ihre Freudenbezeigung, welche sie im höchsten Grade äußerten, da sie Gott die ganze Ehre des Sieges gaben, und die herrlichen Lobgesänge seines heiligen Namens anstimmten. Diese Eilfertigkeit und Freude, Gott zu gehorchen und seinen heiligen Willen zu vollziehen, zeigen die guten Engel auch jetzt noch mit ihrem eilfertigen und liebevollen Eifer, mit dem sie uns nach der Anordnung Gottes beständig begleiten und beschützen.

Erforschung. Erforsche bedachtsam, meine Seele! wie hoch du nach dem Bespiele deines guten Engels dein ewiges Heil schätzest. Ist wohl dies Heil deine erste und aus allen deine angelegenste Beschäftigung? Da Gott dir so viele Mittel zu deinem Seelenheile gegeben hat, gebrauchst du dieselben wohl, dein Heil zu wirken oder mißbrauchst du dieselben womöglich, es zu verlieren? Da eines unter diesen Mitteln der Beistand deines Schutzengels ist, so erforsche dich wohl, ob du füg- und gehorsam gegen seine Ermahnungen und heilsamen Räte seist, ob du seine Tugenden nachzuahmen dich bemühest? Alle diese vergänglichen Güter sollen dir als ebenso viele Mittel zu deinem Heil dienen. Wie können also dieselben so unordentlich die Aufmerksamkeit deiner Gedanken und die Neigungen deines Willens an sich ziehen? Wenn du erkennst, daß dein Heil vielen Gefahren ausgesetzt ist, daß es von mächtigen Feinden bestritten wird, warum bist du so fahrlässig und lebest so unbesorgt desjenigen dahin, was dein Heil betrifft? Wenn du ernstlich entschlossen bist, selig zu werden, warum überlegest du nicht reiflich, durch welche Mittel du die Seligkeit erlangen könnest und sollest? Warum vollziehest du nicht das, was Gott, um dein Seelenheil zu wirken und sicher zu erlangen, anbefohlen hat?

Abschließend seien die in dem Buch zusammengefaßten Lehren über die hl. Engel angefügt, die uns einen kurzen, aber sehr treffenden Einblick in die reiche Lehre der hl. Kirche über diese wunderbaren himmlischen Wesen gewährt. Vergessen wir nicht, letztlich sind die Lehren der hl. Kirche das Fundament, um richtig über die hl. Engel zu denken und sie und ihr Wirken recht zu verstehen.

Erinnerung. Damit man in der Folge bei diesem Werkchen allen Ausschweifungen ausweichen könnte, die etwa notwendig scheinen möchten, um das zu beweisen, und festzusetzen, was man darin von den Engeln behauptet, oder als wahr annimmt; oder um das weitläufiger zu erklären, was man dort von ihnen nur berührt; so hat man für gut erachtet folgende Anmerkungen vorauszusetzen.

1. Anmerkung. Wie die Menschen, also mußten auch die Engel, da sie noch in der Freiheit wandelten, mit einem göttlichen übernatürlichen Glauben und mit Übung übernatürlicher Tugenden ihr ewiges Heil wirken, und die ewige Glorie und Seligkeit als ein übernatürliches Gut erlangen. Daher war auch den Engeln in jenem Stand die Offenbarung übernatürlicher Geheimnisse unumgänglich notwendig. Sie mußten sich dem unfehlbaren Ansehen Gottes bereitwillig in Demut unterwerfen, jene Geheimnisse fest glauben und ihren Glauben dadurch beweisen, daß sie seinen heiligen Willen in all dem vollzogen, was er ihnen zu befehlen sich gewürdigt hatte. Wenn, wie der Apostel an die Römer 10 Kap. 13. 14 und 15. V lehrt, jener selig wird, der den heiligen Namen Gottes würdig anruft, so kann ihn aber jener nicht anrufen, der ihn nicht glaubt; und jener kann ihn nicht glauben, der ihn nicht gehört hat, noch auf irgendeine Weise kennt.

2. Anmerkung. Unter den Geheimnissen, welche den Engeln in jenem Stand geoffenbart worden sind, war auch das Geheimnis der Menschwerdung des Wortes [Gottes], soweit es deren Wesenheit betrifft. Dieses ist die fromme Meinung des heiligen Thomas; sie wird beinahe von allen Gelehrten allgemein angenommen, kommt mit der Lehre der heiligen Väter am besten überein und läßt sich am einfachsten mit der Heiligen Schrift vereinbaren, wie man es ausführlich bei Suarez im siebten Buch von den Engeln sehen kann. Doch wurden den Engeln nicht alsogleich auch die Umstände dieses großen Geheimnisses, noch dessen Wirkungen und wunderbaren Früchte geoffenbart, die dasselbe hervorbringen sollte. Diese Offenbarung war eben nicht notwendig zum Verdienst ihres Glaubens und die unerforschliche Anordnung der göttlichen Vorsehung forderte es, daß dieselbe auch den Engeln erst bei Erscheinung der Gnade durch die Errichtung der Kirche Jesu Christi verkündiget wurde, wie der heilige Paulus im Brief an die Epheser 3. K. 9. und 10. V. ausdrücklich lehrt. Die Verehrung Jesu durch die hl. Engel Ganz gewiß war das Wort, welches Fleisch werden sollte, auch als Mensch, weil die Menschheit mit seiner göttlichen Person vereinigt wurde, das Oberhaupt der Menschen und der Engel, nicht nur, weil auch die Engel ihm zum Geschäft des ewigen Heiles der Menschen dienen mußten, sondern auch wegen des Einflusses der Gnade, die sie heiligen und der Glorie, die sie belohnen sollte. Daher war die Offenbarung dieses Geheimnisses auch den Engeln, da sie noch in Freiheit wandelten, notwendig; denn sie mußten mit einem ausdrücklichen Glauben das Wort, das Fleisch werden sollte, als ihr Oberhaupt anerkennen, ihr ganzes Vertrauen und die Hoffnung ihres ewigen Heiles auf die Kraft und den Wert seiner Verdienste setzen, es anbeten und ihm als ihrem Herrn und Gebieter gehorchen, dem ausdrücklichen Befehle Gottes gemäß , welches der Apostel im Brief an die Hebräer 1. K. 6. V. anführt: Und da er seinen Erstgebornen wieder in die Welt einführet, spricht er: Alle Engel Gottes sollen ihn anbeten. Wenn man von den guten Engeln, weil sie nicht gesündigt haben, genau zu reden, nicht sagen kann, daß ein Erlöser ihnen notwendig gewesen sei, so kann man doch auf keine Weise leugnen, daß doch auch ihnen ein Heiland unumgänglich notwendig gewesen, der sie rechtfertigte, sie vor dem Übel bewahrte, sie heilig, verdienstvoll und der ewigen Glorie würdig machte. Der Apostel lehrt ausdrücklich, daß Gott durch Jesus Christus alle Geschöpfe zu sich ziehen und mit dessen am Kreuz vergossenem Blut alles aussöhnen wollte, was immer im Himmel und was immer auf der Erde ist. Durch ihn versöhnte er alles mit sich. Und durch das Blut seines Kreuzes stellte er den Frieden bei den Einwohnern der Erde und des Himmels wieder her. [Kolos. I. K. 20. V]. Gott vereinigte nach dem Wohlgefallen seines heiligen Willens bei Erfüllung der verordneten Zeit alle Geschöpfe des Himmels und der Erde in Jesus Christus, durch dessen Blut wir alle erlöst worden, wir alle Vergebung unsrer Sünden erhalten haben. Er hatte bei sich beschlossen, bei Erfüllung der verordneten Zeit alles Himmlische und Irdische in Jesus zu erneuern. [Ephes. 1. K. 10. V]. Jesus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor allen Geschöpfen, welche alle durch ihn bestehen, und von ihm sind erhalten worden. Er ist das Haupt des geistlicher Weise genommenen Leibes der Kirche, welche aus den Engeln und den Menschen besteht. Er ist der vor allen Auserkorene, der unter den Toten der Ersterstandene zum Leben. Er hat den Vorrang unter allen Dingen, weil es Gott wohlgefallen hat, daß in ihm die Fülle der Gnaden und der Vollkommenheiten wohnen solle. Man schlage das erste Kapitel des Briefes an die Epheser nach.

3. Anmerkung. Der Neid der gefallenen Engel Nach der gemeinen Meinung des heiligen Thomas und beinahe aller Gelehrten, die man bei Suarez in dem schon erwähnten siebten Buche von den Engeln nachsehen kann, war die Sünde Lucifers und der andern Abtrünnigen die Hoffart. Von der Vortrefflichkeit ihrer erhabenen Natur eitel eingenommen, von dem Schimmer und den herrlichen Gaben und großen Vorzügen, womit sie bekleidet waren, geblendet, eiferten sie um die persönliche Vereinigung des Wortes mit ihrer Natur, und glaubten hartnäckig, daß dieselbe mehr der englischen, als der menschlichen Natur anstünde und gebührte. Sie beneideten also den Menschen um die hohe Ehre, die ihm durch das Geheimnis der Menschwerdung erwiesen würde. Sie weigerten sich hartnäckig das Wort [Gottes], so es Mensch werden würde, in der Eigenschaft eines mit der göttlichen Person vereinigten Menschen, als ihr Haupt und ihren Gebieter anzuerkennen, und anzubeten. Sie wollten nicht das ganze Vertrauen und die Hoffnung ihres ewigen Heiles auf die Kraft und den Wert seiner Verdienste setzen. Diese vermessene Eifersucht Lucifers und seiner Anhänger wegen der persönlichen Vereinigung des Wortes [Gottes] mit menschlichen und nicht mit der englischen Natur, erkennt man klar aus der gottlosen hohen Einbildung Lucifers, wodurch er sich schmeichelte, über den Himmel hinaufsteigen, seinen Thron über die Sterne erheben und sich dem Allerhöchsten selbst gleich machen zu können. Du sagtest bei dir selbst: Ich will mich bis in den Himmel erheben, und meinen Thron über die höchsten Sterne erhöhen – – und dem Allerhöchsten gleich sein [Isai. 14. K. 13. und 14. V]. Man erkennt auch und vernimmt diese vermessene Ehrsucht aus den schrecklichen und gerechten Vorwürfen, welche Gott durch den Propheten dem Lucifer in der Person des Königs von Tyrus macht: Dein Stolz macht dich sprechen: Ich bin ein Gott, sitze auf Gottes Throne mitten im Meere. Du, ein Mensch, bildest dir ein, ein Gott zu sein [Ezech. 28. K. 2. V]. Es konnte gewiß niemand als Jesus Christus, weil er Gottmensch war, mit Wahrheit und ohne ehrsüchtige und vermessene Anmaßung sagen, daß er dem Allerhöchsten gleich sei, daß er auf Gottes Throne sitze, daß er Gott sei.

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