Antimodernist.org
Antimodernist.org

3. Juni 2018  -  Geistliches Leben

Das gottmenschliche Herz Jesu

In Seinen Reden über das Weltende sagt unser göttlicher Herr voraus, es werde sich Volk gegen Volk und Reich gegen Reich erheben, es werde allenthalben Hungersnot und Pest und Erdbeben geben. Auch wird man viele Christen töten um Seines Namens willen, ja diese werden von allen Völkern gehaßt werden. Dann werden viele zu Fall kommen, einander verraten und hassen. Es wird soweit kommen, weil falsche Propheten in großer Zahl auftreten werden und viele irreführen. Diese falschen Propheten werden den göttlichen Glauben vollkommen verwirren und die Gebote Gottes heuchlerisch außer Kraft setzen. Unser göttlicher Herr schließt Seine Schilderung dieser Zeit mit der Feststellung: „Weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten.“ Dieser Feststellung folgt sodann das Versprechen: „Wer aber ausharrt bis ans Ende, wird gerettet werden“ (vgl. Mt. 24, 4-13).

Muß nicht jeder, der unsere neuheidnische Gesellschaft nüchtern betrachtet, bekennen: Wie schwer ist es für uns Katholiken geworden, den wahren Glauben zu bewahren und acht zu haben, daß die Liebe nicht erkaltet? Es gibt ein Gebet der hl. Gertrud zum heiligsten Herzen Jesu, in dem es heißt: „Ich grüße Dich, o heiligstes Herz Jesu, Du lebendige und lebendigmachende Quelle des ewigen Lebens, Du unendlicher Schatz der Gottheit und flammender Glutofen der göttlichen Liebe! Du bist mein Ruheplatz und mein Zufluchtsort. O mein göttlicher Erlöser, entflamme mein Herz mit der heißen Liebe, von welcher Dein Herz ganz verzehrt wird! Gieße aus in mein Herz die großen Gnaden, deren Quelle Du bist, und mache, daß mein Herz so sich mit dem Deinen vereine, daß Dein Wille der meinige und mein Wille auf ewig dem Deinigen gleichförmig sei; denn ich wünsche fortan Deinen heiligen Willen zur Richtschnur aller meiner Handlungen zu haben. Amen.“

Wer aufmerksam, gesammelt und mit offenem, wachem Sinn diese Worte spricht, wird wohl angesichts des flammenden Glutofens der göttlichen Liebe dieses heiligsten Herzens spüren, wie kalt sein eigenes Herz ist. Wird uns nicht in dem Bild des gottmenschlichen Herzens Jesu ein unendlicher Abgrund sichtbar, in den hinein man sich versenken kann und soll, um daraus wie aus einer lebendigmachenden Quelle alle zur ewigen Seligkeit notwendigen Gnaden zu empfangen? Ganz in diesem Sinne beten wir auch in der Herz-Jesu-Litanei einerseits: „Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt, erbarme Dich unser!“, um anderseits hinzuzufügen: „Herz Jesu, aus dessen Fülle wir alle empfangen haben, erbarme Dich unser!“

Damit jedoch diese verborgene Quelle für uns einigermaßen in dem Bild vom Herzen Jesu sichtbar wird, müssen wir uns beständig betrachtend ins Geheimnis dieses heiligsten Herzens versenken. Dabei offenbart dieses Bild den erkalteten Herzen den Weg zum Himmel. Wie beklagt sich unser göttlicher Herr am 19. Juni 1675 in einer Vision der heiligen Margareta Maria Alacoque in Paray-le-Monial über deren Gleichgültigkeit: „Sieh hier das Herz, das die Menschen so sehr liebt, daß es nichts gespart hat, um sich zu opfern, und zu erschöpfen in Liebesbeweisen; und als Dank empfange ich von den meisten Menschen nur Kälte, Unehrerbietigkeit, Verachtung und Sakrilegien in diesem Sakrament der Liebe.“

Das Bild des Herzens

Damit nicht auch wir inmitten dieser neuheidnischen Welt die sichtbar gewordene Liebe unseres göttlichen Erlösers übersehen und zurückweisen, wollen wir uns etwas eingehender mit dem Bild des Herzens Jesu beschäftigen, damit uns dessen alle Geschöpfe erfüllende Liebe wieder verständlicher und sodann lebendiger wird. Grundlegend muß man zunächst fragen: Worauf verweist eigentlich dieses Bild? Was verbirgt sich dahinter? Vor allem: Welche Wirklichkeit benennt dieses Bild, d.h. was bedeutet das Wort „Herz“ genau?

Sobald wir versuchen, die letzte Frage möglichst kurz und klar zu beantworten, werden wir schnell einsehen müssen, daß die Antwort viel schwerer ist, als man sich das zunächst vorgestellt haben. Was also meinen wir, klar formuliert und auf den Punkt gebracht, wenn wir vom Herzen sprechen, besonders vom Herzen Jesu, dem Herzen des eingeborenen Sohns des ewigen Vaters?

Das Innenleben unserer Seele

Das, was wir mit unserem deutschen Wort „Herz“ benennen, bezeichnet zunächst einmal das ganze, so reichhaltige und vielgestaltige Innenleben unserer Seele. Wobei mit dem Bild des Herzens zugleich etwas ganz Entscheidendes ausgesagt wird: Wir Menschen sind nicht nur Seele, sondern auch Leib – d.h. wir sind keine reinen Geister, keine Engel, vielmehr verwirklicht sich unser Geist in einem Leib. Die Folge davon ist unsere ganz besondere Art zu leben und deswegen auch zu glauben und zu hoffen und zu lieben – all unser Tun hat einen sinnlichen und einen geistigen Aspekt. Wir haben Augen, Ohren, einen Geruch- und Tastsinn und wir besitzen eine geistige Erkenntnisfähigkeit und einen freien Willen. Alle Tätigkeiten der Seele finden nun ihre zusammenbindende Einheit im Herzen oder anders gesagt, in der Person. Das, was wir „Person“ nennen, bestimmt die christliche Philosophie als geistige Substanz, also als ein geistiges Sein mit Selbststand und daraus aufgrund der geistigen Erkenntnisfähigkeit und des freien Willens folgend mit einer Selbstverantwortung. Das Herz aber bildet die inwendige Instanz dieser Selbstverantwortung.

Wir verbinden mit dem Begriff „Herz“ vor allem eine Tätigkeit der Seele: Die Liebe. Diese hat dem Wesen des Menschen entsprechend zwei Seiten, eine sinnliche und eine geistige. Die sinnliche Liebe bezeichnen wir auch mit dem Wort „Verliebtsein“, womit vordergründig das Emotionale, Gemüthafte, Leidenschaftliche derselben zum Ausdruck kommt. Eine geistige Liebe ist viel anspruchsvoller als ein bloßes sinnliches Verliebtsein. Die massenhaft gescheiterten Beziehungen des modernen Menschen geben davon beredt Zeugnis. Während das Verliebtsein als bloßes Gefühl der Laune der Natur unterworfen ist, gründet eine geistige Liebe in einem Erkenntnisakt, sie liebt den Nächsten, weil er wahrhaft liebens-wert ist.

Weil gerade die Modernisten einerseits so verdächtig viel von der Liebe reden, anderseits aber gerade die Herz-Jesu-Verehrung immer mehr in den Hintergrund gedrängt haben, scheint ein tieferes Verständnis für uns besonders wichtig zu sein. Wenn der Modernist vom Herzen spricht, so möchte er damit vor allem den Sitz seines Gefühlsglaubens bezeichnen. Aufgrund seines vollkommen falschen Glaubensverständnisses spielt er gewöhnlich das Herz gegen die Vernunft aus und zitiert hierzu oft mißbräuchlich den Satz Pascals: „Das Herz kennt Vernunftgründe, die die Vernunft nicht kennt.“

Dabei meint Pascal gar nicht dasselbe wie die Modernisten, denn für ihn handelt das Herz durchaus nicht unvernünftig, ist es doch der Sitz der ersten Prinzipien, wie Anton Maxsein in seinem Buch Philosophia Cordis darlegt: „Das Herz hat ein Wissen um die ersten Prinzipien, auf das sich die Vernunft stützen muß, auf das sie alle Ableitungen gründet. Weiterhin spricht Pascal von einem Erfühlen der Prinzipien, während die Lehrsätze sich erschließen lassen. Das Herz habe aber ein so ursprüngliches Wissen um die ersten Prinzipien, daß es ebenso unnütz wie lächerlich wäre, wenn die Vernunft, um ihm beizustimmen, vom Herzen Beweise für seine ersten Prinzipien verlangte, wie es lächerlich wäre, wenn das Herz von der Vernunft, um allen Lehrsätzen, die sie beweist, zuzustimmen, ein Gefühl forderte“ (Anton Maxsein, Philosophia Cordis, Otto Müller Verlag Salzburg, S. 14).

In diesen Gedanken Pascals läßt sich noch das uralte Wissen von jenem, dem Menschen von Gott eingestifteten Wissen der Urprinzipien greifen, auf dem unser ganzes vernünftiges Denken und jegliches moralische Urteil aufruht, nämlich dem Widerspruchsprinzip und dem Spruch des Urgewissens, daß man nämlich das Gute tun und das Böse meiden soll. Wobei aber der Ausdruck „Gefühl“ von Pascal schon unglücklich gewählt ist, weil er im höchsten Maße mißverständlich ist. Viel besser wäre der Ausdruck „Intuition“. Unser Herz erfaßt intuitiv, also mit einem sicheren Blick des Geistes, diese ersten Prinzipien und wendet sie zunächst ganz einfach und selbstverständlich im alltäglichen Leben an. So setzt etwa jegliches Vernunfturteil das Widerspruchsprinzip immer schon voraus, daß nämlich etwas nicht zugleich sein und nichtsein kann, und jegliches sittliche Tun gründet in der Einsicht des Urgewissens, daß das Gute zu tun und das Böse zu meiden ist. Der menschlichen Vernunft kommt sodann die Aufgabe zu, diese Einsichten rational aufzuarbeiten und zu zeigen, wie ein rechtes, sinnvolles Leben nur auf diesem Fundament möglich ist. Die wahre christliche Philosophie hat durch all die Jahrhunderte diese so wichtige Arbeit geleistet und gezeigt, ein den Geboten Gottes entsprechendes Leben ist immer auch ein vernünftiges Leben, weil das Gute immer das der Vernunft entsprechende ist, denn wie der hl. Thomas von Aquin lehrt, setzt das Sittliche das Natürliche voraus – und weiter lehrt er: „Die Ur-Grundsätze der Vernunft sind die gleichen, die der Natur gemäß sind.“

Es geht somit bei der eigenen Herzensbildung zunächst darum, sich einen tiefen und gefestigten Sinn anzueignen, wodurch man einer erkannten Wahrheit auch dann treu bleiben kann, wenn diese den momentanen persönlichen Neigungen widerspricht. Der hl. Thomas von Aquin betont: „Das Wirken gemäß der Kunst und der Vernunft muß gleichförmig sein dem, was der Natur gemäß, also von der göttlichen Vernunft gegründet ist.“ Die von Gott geschaffene Natur gibt uns das Richtmaß unseres Handelns, bildet also den Rahmen unserer Freiheit. Der hl. Thomas gibt zu bedenken: „Herr unseres Tuns sind wir, sofern wir uns für dies oder jenes zu entscheiden vermögen. Entscheidung aber gibt es nicht über das Ziel, sondern nur über das, was zum Ziele führt. Das Verlangen nach dem letzten Ziel ist nicht unter den Dingen, deren Herr wir sind.“

Unser Leben ist wesentlich hingeordnet auf die ewige Glückseligkeit im Himmel, also die allein uns glücklich machende ewige Anschauung Gottes. Dieses Ziel unterliegt nicht unserer Wahlmöglichkeit, sondern ist uns von Gott vorgegeben. Freiheit gibt es nur bezüglich der rechten Mittel, die uns zum Ziel führen, nicht bezüglich des Zieles selbst. Daraus folgert der hl. Thomas weiter: „Sich für das Böse entscheiden zu können, gehört nicht zum Wesen des freien Willens; es folgt jedoch aus dem freien Willen, sofern dieser in einem geschaffenen Wesen wohnt, der also des Versagens fähig ist.“ Die sog. Freiheit des modernen Menschen – tun und lassen zu können, was man will! – ist somit gar keine Freiheit, sondern ganz im Gegenteil das Versagen des freien Willens. Wird doch etwas nicht einfach dadurch gut, weil man es will, sondern der Wille wird allein dann gut genannt, wenn er etwas Gutes anstrebt, d.h. etwas, das zum letzten Ziel führt. Wohingegen all das, was uns hindert, dieses Ziel zu erreichen, Böse genannt wird.

Echte Herzensbildung

Nun muß jeder, der sich um echte Herzensbildung bemüht, feststellen, daß es einen seltsamen Widerstreit in seinem Herzen gibt, weil sich unser Willen nur allzu gerne und allzu leicht nicht dem Guten, sondern dem Bösen zuneigt. Mit anderen Worten: Unser Streben ist seit der Erbsünde nicht mehr von der Vernunft her geordnet, es widerstrebt dieser sogar sehr oft und zuweilen heftig. Es ist darum eine der wichtigsten Aufgaben unseres Lebens, durch die Übung der Tugenden die ursprüngliche Ordnung wieder herzustellen, denn wie der hl. Thomas ausführt: „Sittliche Tugend ist nichts anderes als eine Teilhabe der Begehrungskraft an der rechten Vernunft.“

Wie schwer fällt es uns, unsere Begehrungskraft der rechten Vernunft unterzuordnen, denn wie unbeständig ist unsere Seele durch die erbsündliche Verwundung geworden. Der hl. Augustinus gibt zu bedenken: „Es lebt Gott, es lebt aber auch die Seele, aber das Leben Gottes ist unveränderlich, das Leben der Seele ist veränderlich. Gott nimmt weder zu noch ab, sondern ist immer derselbe in sich, er ist, wie er ist, nicht anders jetzt, anders nachher, anders vorher. Das Leben der Seele ist aber in hohem Grade anders und wieder anders; sie lebte töricht, sie lebt jetzt weise, sie lebte ungerecht, sie lebt jetzt gerecht, jetzt erinnert sie sich, jetzt vergißt sie, was sie gelernt hatte, jetzt fällt ihr wieder ein, was sie vergessen hatte; veränderlich ist das Leben der Seele“ (In Joh. Ev. tr. XIX,11).

Es ist nun die Aufgabe des Herzens, in diesen ständigen Wandel durch die vom Glauben erleuchtete Vernunft eine Ordnung zu bringen. Diese Vernunft gibt dem Herzen den rechten Sinn und kann mit inneren Augen verglichen werden, die ihren Blick auf die Wirklichkeit der Seins richten – d.h. auf das endliche und durch dieses auf das unendliche Sein als Wesensgrund aller Dinge. Der Blick auf das ewige Ziel des Lebens aber versetzt unser Herz in Unruhe, wie es der hl. Augustinus zu Beginn seiner Bekenntnisse so unübertrefflich formuliert hat:

„Groß bist du, o Herr, und deines Lobes ist kein Ende; groß ist die Fülle deiner Kraft, und deine Weisheit ist unermeßlich. Und loben will dich der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung; der Mensch, der sich unter der Last der Sterblichkeit beugt, dem Zeugnis seiner Sünde, einem Zeugnis, daß du den Hoffärtigen widerstehest; und doch will dich loben der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung. Du schaffest, daß er mit Freuden dich preise, denn zu deinem Eigentum erschufst du uns, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruhet in dir. Kläre mich auf, o Herr, und laß mich erkennen, ob wir dich zuerst anrufen oder dich preisen; ob wir dich eher erfassen als anrufen sollen? Doch wer ruft dich an, solange du ihm unbekannt bist? Könnte dich, der dich nicht erkennt, statt des einen ein anderes Wesen anrufen? Oder wirst du zuvor angerufen, auf daß du erkannt werdest? Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber glauben an den, der ihnen nicht geprediget worden? Loben werden den Herrn, die ihn suchen. So ihn aber suchen, werden ihn finden, und die ihn finden, werden ihn loben. Ich will dich suchen, o Herr, im Gebet, und ich werde dich anrufen im Glauben: denn du bist uns verkündiget worden. Mein Glaube, den du mir gegeben, o Herr, ruft dich an, mein Glaube, den du mir einhauchtest durch die Menschwerdung deines Sohnes durch die Vermittlung deines Predigers.“
(Augustinus, Bekenntnisse, Erstes Buch – Erstes Kapitel)

Die Philosophie des Herzens

Lassen wir hierzu erklärend Anton Maxsein in seinem Buch Philosophia Cordis zu Wort kommen: „Der Mensch ist von der Unruhe gezeichnet. Er erfährt sie in sich selbst. Aber kennt er ihre Herkunft? Kann er diese aufdecken? Ist die Unrast des Menschen, in der er ständig sich wie auf einer Flucht befindet, nicht eine Flucht vor seiner Unruhe? Hier liegt das Geheimnis des obigen Satzes. Der Mensch der Unrast und der Mensch der Unruhe sind nicht derselbe. Der Mensch der Unruhe fühlt, wie fruchtbar sein tiefster Grund ist. In ihm liegt eine Kraft, die ausreifen will; sie ist eine Kraft des Wachsens. Der Mensch der Unrast hingegen will über sich hinweg, er jagt, er will fort, er will sich zerstreuen. Der Mensch der Unruhe will gesammelt sein; er findet sich in einer Erwartung, da das Ziel in ihm wirkt, auch wenn es sich nicht vollends öffnet; aber es ist am Werke. Darum ist unruhig etwas anderes als unstet. Dieses ist ziellos; etwas Ungeheuerliches sagt dieses Wort aus“ (Ebd. S. 47).

Jeder aufmerksame Mensch, der in sein Herz hineinhorcht, nimmt diese geheimnisvolle Unruhe wahr, die hindrängt zu Gott. Er begegnet aber auch der Unrast, die ihn fortzureißen droht, die zerstreut und nicht sammelt. So weiß der Mensch sich in seinem Innern hin- und hergerissen, aber er weiß auch das eine ganz genau: „unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ Daran kann und muß er sich immer festhalten, denn durch den Glauben an Jesus Christus ist es dem Herzen zur vollkommenen Sicherheit geworden: „Mein Glaube, den du mir gegeben, o Herr, ruft dich an, mein Glaube, den du mir einhauchtest durch die Menschwerdung deines Sohnes durch die Vermittlung deines Predigers.“

Dennoch bleibt der Mensch, obwohl er im Glauben an die Menschwerdung des Sohnes Gottes Gott gefunden hat, solange er in dieser Welt lebt, immer weiter auf der Suche, weil er das unverlierbare, ewige Glück noch nicht erreicht hat. Diese Unruhe wird nie ganz aus dem Herzen weichen, denn immer muß der Mensch vor seiner eigenen Schwachheit auf der Hut sein, weshalb der hl. Augustinus weiter forscht: „Wer wird mir verleihen, zu ruhen in dir? Wer mir beistehen, daß du kommst in mein Herz und es ganz erfüllst, daß ich vergesse all mein Elend und dich nur, mein einziges Gut, umfasse? Was bist du mir? Habe Erbarmen mit mir, daß ich mich unterfange, von dir zu reden. Was bin ich dir, daß du Liebe von mir forderst und dein Zorn mir droht und unermeßliches Elend, wenn ich es nicht täte? Ist es denn ein geringes Elend, wenn ich dich nicht liebe? Wehe mir! Sage mir, o mein Herr und mein Gott, um deiner erbarmenden Liebe willen, was du mir bist. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe. So sprich, auf daß ich dich hören kann. Siehe meines Herzens Ohr lauschend vor dir; erschließe es, o Herr, und sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe. Betend will ich folgen dieser Stimme und dich ergreifen. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, ich will sterben, damit ich (ewig) lebe und dich schaue von Angesicht zu Angesicht. Eng ist das Haus meiner Seele, erweitere es, daß es werde deine Wohnung. Hinfällig ist es, darum erneuere es. Flecken sind darin enthalten, welche dein Auge beleidigen, gern bekenne ich es, aber wer wird es reinigen? Oder wem anders als dir kann ich zurufen: Mache mich rein von verborgenen Fehlern und bewahre deinen Knecht vor fremder Missetat“ (Ebd. Erstes Buch – Fünftes Kapitel).

Seiten: 1 2 Beitrag drucken... Beitrag drucken...