160 Jahre Lourdes

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Heute jährt sich zum 160. Mal der Beginn der Erscheinungen Unserer Lieben Frau von Lourdes. Diesen Anlaß wollen wir mit folgendem Beitrag ehren.

Die Bedeutung der großen Marienerscheinungen in der Neuzeit

In der Neuzeit gibt es auffallend viele Marienerscheinungen. Will man den Sinn dieser Marienerscheinungen besser verstehen und ihre Bedeutung für uns richtig erfassen, muß man einen Blick in das göttliche Regiebuch der Geschichte werfen. Die göttliche Vorsehung steht über allem zufälligen Geschehen, Gott überschaut nicht nur die Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte mit Seinem allwissenden Blick, ist Ihm doch nichts verborgen, Er lenkt auch alles, jedes einzelne Geschöpf zum ewig vorgegebenen Ziel hin.

Die Neuzeit ist eine Zeit des Niedergangs von Glauben und Sitten – wie es in der Heiligen Schrift vorhergesagt ist. Der Abfall von der übernatürlichen göttlichen Ordnung wird von Jahrhundert zu Jahrhundert immer dramatischer, und in den letzten Jahrzehnten haben sich die Ereignisse regelrecht überschlagen. Wie nach einem gewaltigen Deichbruch hat die Gottlosigkeit gleich einer Flutwelle das ehemals christliche Abendland überschwemmt. Dabei waren die Deiche schon so sehr durchlöchert, daß sie schließlich alle zugleich zusammenbrachen. Die Flutwelle war dementsprechend gewaltig!

Gott erweckt auch im Neuen Bund Seine Propheten, die den auftretenden Mißständen entgegentreten und die Menschen wieder und wieder wachrütteln, damit sie nicht in den immer stärker werdenden Strudel des Verfalls hineingezogen und in die Tiefe ewigen Verderbens gerissen werden. Die außerordentlichen Propheten des Neuen Bundes sind die Heiligen, das ordentliche Prophetenamt aber üben die Päpste aus. Das kirchliche Lehramt wacht über den Glauben und die Sitten des Gottesvolks des Neuen Bundes, die Heiligen erweisen jedem sichtbar die seelenverwandelnde Macht der Gnade. Beide – die Heiligen und das kirchliche Lehramt – haben vor Gott und von Gott vor allem die Aufgabe erhalten, den Katholiken den Weg zum Himmel zu weisen und sie auf diesem Weg sicher zu führen.

Von Seiner Ewigkeit aus übersieht Gott die Weltgeschichte und das ganze Weltgeschehen. Die Sorge um das ewige Heil Seiner Geschöpfe lenkt Sein beständiges Wirken in Seiner Schöpfung. In der Vorsehung Gottes begegnen sich göttliche Führung und geschöpfliche Freiheit. Beides wirkt geheimnisvoll ineinander. Was uns so schwer verständlich ist, ist grundlegend im Wirken Gottes: Die göttliche Führung hebt die Freiheit des Menschen nicht auf – und dennoch lenkt Gott alles sicher zum vorhergesehenen Ziel, wie es im Kirchengebet des Siebenten Sonntages nach Pfingsten so eindringlich heißt: „O Gott, dessen Vorsehung sich in ihren Anordnungen nicht täuscht, wir flehen in Demut zu Dir, Du mögest alles Schädliche von uns entfernen und alles Heilsame uns gewähren.“

Gottes Vorsehung und menschliche Willensfreiheit

Wir gewinnen so leicht angesichts der überall überhandnehmenden Gottlosigkeit den Eindruck, Gott hätte sich aus Seiner Welt zurückgezogen und Er würde größtenteils gar nichts mehr für sie tun. Aber wenn auch Gott den Menschen zur Strafe zuweilen sich selbst überläßt, so ist dieser Eindruck immer nur bedingt wahr. Der hl. Thomas von Aquin erklärt: „Gottes Vorsehung sorgt für alle Dinge gemäß ihrer Weise. … Dem Menschen und aller geistbegabten Kreatur aber ist es wesenseigentümlich, kraft ihres Willens zu wirken und Herr ihres Wirkens zu sein. Dem aber steht der Zwang entgegen. So zwingt Gott durch seine Hilfe den Menschen nicht, das Rechte zu tun“ (Summa contra Gentiles 3, 148). Die göttliche Vorsehung gewährt dem Menschen viel mehr Freiheit als wir ihm gewöhnlich zugestehen wollen. Zugleich aber mahnt Gott Seine Geschöpfe beständig, die von Ihm geschenkte Freiheit nicht zu mißbrauchen, wie der hl. Petrus in seinem ersten Brief so eindringlich schreibt: „Denn es ist Gottes Wille, daß ihr durch gutes Verhalten die unverständigen und unwissenden Menschen zum Schweigen bringt, als Freie, die ihre Freiheit nicht als Deckmantel der Bosheit mißbrauchen!“ (1 Petr. 2, 15f). Je mehr jedoch das Böse überhandnimmt, desto dringender wird auch die himmlische Mahnung zum Guten.

Die Mahnung des göttlichen Herzens Jesu

In der Neuzeit fällt zunächst die ernste Mahnung durch das göttliche Herz Jesu auf, das den gleichgültigen und untreuen Menschen Seine von ihnen verratene und verschmähte Liebe vor Augen hält. Am bekanntesten sind hierzu sicherlich die Erscheinungen unseres göttlichen Erlösers, welche die hl. Margareta Maria Alacoque hatte. In der Oktav des Fronleichnamsfestes, am 19. Juni 1675, sieht die Heilige Jesus, wie so oft, als sie vor dem Tabernakel kniet und betet. Er zeigt ihr sein Herz und sagt: „Sieh hier das Herz, das die Menschen so sehr liebt, daß es nichts gespart hat, um sich zu opfern, und zu erschöpfen in Liebesbeweisen; und als Dank empfange ich von den meisten Menschen nur Kälte, Unehrerbietigkeit, Verachtung und Sakrilegien in diesem Sakrament der Liebe. Was mich aber am meisten schmerzt, ist, daß Herzen, die Mir besonders geweiht sind, Mir auf diese Weise begegnen. Darum verlange Ich von dir, daß der erste Freitag nach der Fronleichnamsoktav ein besonderer Festtag zur Verehrung Meines Herzens werde; daß man an dem Tage sich dem heiligen Tische nahe, und einen Ehrenersatz leiste, zur Sühnung all der Beleidigungen, welche Meinem Herzen, seit es auf den Altären weilt, zugefügt wurden, und ich verspreche dir, daß Mein Herz diejenigen im reichsten Maße den Einfluß seiner Liebe fühlen lassen wird, die es verehren, und die sorgen, daß es auch von andern verehrt werde.“

Das Zeitalter Mariens in der Neuzeit

1. Die Erscheinung Mariens in Guadalupe

Während in der alten Welt das göttliche Herz Jesu um die Liebe der von IHM erlösten Menschen wirbt, beginnt in der neuen Welt schon das Zeitalter Mariens anzubrechen. Eine der bekanntesten Marienerscheinungen ist die von Guadalupe, Mexiko, die sich im Dezember 1531 ereignete. Der zum katholischen Glauben konvertierte Indio Juan Diego brach am 9. Dezember 1531 von Tolpetlac auf, um nach dem neun Meilen entfernten Tlatelolco zu wandern. Sein Weg führte ihn über hügeliges und steiniges Gelände.

In der Nähe des kleinen Berges Tepeyac hörte er plötzlich eine ungewohnte, überirdisch schöne Musik. Während er der Musik lauschte, rief plötzlich eine Frauenstimme seinen Namen. Als Juan Diego näher trat, erstrahlte vor ihm in einem leuchtenden Gewand eine Frauengestalt und von den Felssteinen schienen Strahlen zu sprühen. Juan fiel vor Schreck und Ehrfurcht auf die Knie. Die „edle Dame“ von unbeschreiblicher Schönheit trug Juan Diego auf, zum Bischof zu gehen und ihn zu bitten, er möge auf dem Berg eine Kirche bauen lassen. Schweren Herzens kommt Juan dem Wunsch der edlen Dame nach, geht zum Bischof, aber der glaubt dem Indio nicht und verlangt von ihm ein himmlisches Zeichen zur Bestätigung des Erzählten.

Juan Diego kam erneut am 12. Dezember 1531 zum Hügel der Marienerscheinungen und traf dort, wie zuvor versprochen, die himmlische Mutter an. Er soll auf den Gipfel des Hügels gehen, so sagte die Gottesmutter, und die dort trotz des kalten Dezembers wachsenden Blumen pflücken. Diese Blumen solle er zum Bischof tragen, dann werde er ihm glauben. Voller Freude machte sich Juan Diego wiederum auf den Weg in die Hauptstadt, zum Sitz des Bischofs und bat die Diener um Einlaß. Aber auch diesmal ließ man ihn zunächst lange im Vorhof warten. Erst als die Angestellten des Bischofs erstaunt auf die Blumen, die Diego in seinem Umhang, der Tilma, bei sich trug, blickten, ließen sie ihn zum Bischof. Was dort geschah wird im Urtext so geschildert:

„Und sobald die verschiedenen kostbaren Blumen zu Boden fielen, da verwandelte sie (die Tilma) sich dort in ein Zeichen, es erschien plötzlich das geliebte Bild der Vollkommenen, der heiligen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, in der Form und Gestalt, wie es jetzt ist. Dort, wo es jetzt aufbewahrt wird in ihrem geliebten kleinen Haus, in ihrem kleinen Heiligtum dort auf dem Tepeyac, der Guadalupe genannt wird. Und als der regierende Bischof es sah, und alle die dort waren, knieten sie nieder und bewunderten es sehr. Sie standen auf, um es zu sehen (…) das Herz, die Gedanken erstaunt… Und der regierende Bischof bat ihn unter Weinen und in Betrübnis um Verzeihung, daß er nicht gleich ihren Willen, ihren ehrwürdigen Hauch, ihr ehrwürdiges Wort ausgeführt hatte. Und als er aufstand, löste er von der Schulter, wo es zusammengebunden war, das Gewand, die Tilma von Juan Diego, auf der erschienen war, auf der sich in ein Zeichen verwandelt hatte die Königin des Himmels.“

Dieses außerordentlich schöne Wunder wirkte in der Folge viele, viele weitere Wunder in den Seelen der Menschen. Denn die Verehrung des Bildes der Gottesmutter von Guadalupe trug entscheidend zur Bekehrung der indianischen Bevölkerung Mittelamerikas zum katholischen Glauben bei und führte zum Ende der blutigen Menschenopfer und des aztekischen Kannibalismus. Über neun Millionen Azteken fanden durch die Gottesmutter von Guadalupe zum Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser aller Menschen. Denn die Königin des Himmels hatte dem Indio bei ihrer ersten Begegnung auf dem Berg beteuert: „Ich bin eure erbarmungsreiche Mutter, die Mutter aller Menschen, all jener, die mich lieben, die zu mir rufen, die Vertrauen zu mir haben. Hier will ich auf ihr Weinen und ihre Sorgen hören und will ihre Leiden, ihre Nöte und ihr Unglück lindern und heilen.“

Aber nicht nur die Indios, sondern auch die Spanier hörten auf ihre himmlische Königin und anstatt gegeneinander Krieg zu führen, begann man, zu einem Volk zusammenzuwachsen. Die Verehrung der Gottesmutter von Guadalupe verbreitete sich sogar weit über Amerika hinaus. Im Jahre 1564 berichtete der Augustiner Andres de Urdaneta, daß die Verehrung der Gottesmutter von Guadalupe selbst auf den Philippinen angekommen war. Während also in der neuen Welt Millionen sich von den stummen Götzen zu Jesus Christus bekehrt haben – Maria könnte mit dem hl. Paulus zu all ihren Kindern sagen: „Denn überall wird erzählt, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.“ – fallen in der alten Welt Millionen vom Glauben ab und wenden sich wieder den stummen Götzen zu.

Der schwindende Einfluß der katholischen Kirche in der Alten Welt

Während der sog. Reformation formierten sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts und im 17. Jahrhundert zwar die katholischen Verteidigungskräfte nochmals neu und können auch Teilerfolge erzielen, aber der prägende Einfluß der Kirche auf die Gesellschaft ist weiter am Schwinden. Ja, die Lage für die Kirche wird von Jahrhundert zu Jahrhundert immer bedrohlicher.

Angesichts dieser geistigen Katastrophe trat im 19. Jahrhundert auch in der alten Welt die himmlische Königin noch mehr in den Vordergrund. Der Aufruf des göttlichen Herzens Jesu an alle Katholiken, dieses Herz nicht mehr zu beleidigen, sondern zu lieben, zu ehren und anzubeten hatte keine allgemeine Umkehr der Völker mehr gebracht. Zwar wuchs die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu in der ganzen katholischen Welt, aber der Einfluß der Kirche auf die Öffentlichkeit war insgesamt nicht mehr stark genug, um dem immer weiter um sich greifenden geistigen und sittlichen Verfall erfolgreich entgegenzuwirken. Die Gesamtentwicklung der Gesellschaft wurde mehr und mehr antichristlich.

Da ist es nur zu begreiflich, daß die Sorge der himmlischen Königin um das ewige Heil ihrer Kinder immer drängender und größer wird. Schon im letzten Buch der Heiligen Schrift, der Geheimen Offenbarung des hl. Apostels Johannes, wird auf das große Zeichen der Endzeit verwiesen: „Und am Himmel erschien ein großes Zeichen: eine Frau, bekleidet mit der Sonne und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen“ (Apk. 12,1). Der Teufel haßt diese Frau, die ihn aufgrund ihrer unbefleckten Empfängnis vollkommen besiegt hat. So entbrennt ein unerbittlicher Kampf: „Als der Drache sah, daß er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Der Frau aber wurden die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliege, wo sie, weg vom Angesicht der Schlange, eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit ernährt werden sollte. Die Schlange stieß aus ihrem Rachen der Frau einen Wasserstrom nach, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe: Die Erde öffnete ihren Schlund und verschlang den Fluß, den der Drache aus seinem Maul geschleudert hatte. Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Nachkommenschaft, die Gottes Gebote beobachten und festhalten am Zeugnis von Jesus“ (Apk. 12, 13-17).

Je mehr sich dieser Kampf endzeitlich zuspitzt, desto mehr tritt auch Maria in den Vordergrund und an die Spitze ihrer Armee, die den geistigen Kampf des Lichts gegen die Finsternis auszufechten hat. Gerade diese Tatsache zeigt sich jedem anhand der bedeutenden, von der Kirche anerkannten Marienerscheinungen der letzten zwei Jahrhunderte.

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