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Zum Rosenkranzfest

Die Päpste haben stets den Rosenkranz als herausragende, vortreffliche Form des Gebets gerühmt und gefördert. Besonders tat sich dabei Papst Leo XIII. hervor mit seinen berühmten „Rosenkranzenzykliken“.

In der ersten von ihnen, „Supremi Apostolatus“ aus dem Jahr 1883, schreibt der Papst:

„Das apostolische Amt, das Wir innehaben, und die äußerst kritischen Zeitverhältnisse mahnen Uns und nötigen Uns beinahe mit jedem Tag stärker, umsomehr auf den Schutz und das Heil der Kirche bedacht zu sein, je heftiger Wir sie bedrängt sehen. Während Wir darum nach Kräften auf alle mögliche Weise für die Rechte der Kirche eintreten und Uns bemühen, die drohenden oder bereits vorhandenen Gefahren abzuwehren oder ihnen zuvorzukommen, ist Unsere ständige Sorge auf die Hilfe von oben gerichtet; denn einzig und allein nur dadurch kann unseren Mühen und Sorgen der gewünschte Erfolg gesichert werden.“

Wir sehen hier eine wahrhaft päpstliche Gesinnung, der es um Schutz und Heil für die Kirche zu tun ist und die deshalb mehr auf die „Hilfe von oben“ vertraut als auf eigenes menschliches Bemühen, so sehr dies auch gefordert ist. „Um dies zu erreichen, halten Wir nichts für so heilsam und machtvoll, als in kindlicher Verehrung für Uns das Wohlwollen der erhabenen Gottesmutter und Jungfrau Maria zu erflehen. Sie ist ja die Vermittlerin des Friedens für uns bei Gott und die Spenderin himmlischer Gnaden; sie thront im Himmel mit großer Macht und Herrlichkeit, um den Menschen auf ihrer mühe- und gefahrvollen Wanderschaft in die ewige Heimat ihren Schutz zu gewähren.“

In der Andacht zur Gottesmutter und Jungfrau Maria sieht also dieser Papst mehr als nur eine private Erbauungsübung. Sie ist ihm das heilsamste und machtvollste Mittel zum Schutz für die Kirche. „Wir nähern uns nun bald jenen festlichen Tagen, an denen wir jener zahlreichen und großen Wohltaten gedenken, die durch das Rosenkranzgebet dem christlichen Volk zuteil geworden sind. Und da ist es Unser Wunsch, daß gerade in diesem Jahr dieses Gebet mit besonderem Eifer in der ganzen katholischen Welt zu Ehren der seligsten Jungfrau verrichtet werde; um ihrer Fürbitte willen möge ihr göttlicher Sohn sich uns gnädig erweisen und Mitleid haben mit unserer Not.“ Das Gebet des heiligen Rosenkranzes soll in dieser Situation, wie schon so oft in der Geschichte der Kirche, Rettung bringen.

Leo XIII. beschreibt nun Mariens Macht und Güte. Er sagt: „Und in der Tat, die Jungfrau ohne Makel der Erbsünde empfangen, die zur Gottesmutter Auserwählte und zur Mitwirkung an der Erlösung des menschlichen Geschlechtes Berufene steht in einem solchen Ansehen bei ihrem Sohn und besitzt eine so große Macht, daß ihr weder Mensch noch Engel gleichkommt, ja nicht einmal gleichkommen kann. Und da es ihr das Liebste ist, einem jeden, der sie um Hilfe anfleht, beizustehen mit ihrem Troste, so wird sie zweifellos noch bereitwilliger die Bitten der Gesamtkirche erhören, ja sie wird gewissermaßen nach solchen Bitten verlangen.“ Es ist somit das Anliegen des Heiligen Vaters, die gesamte Kirche in ihren großen und schweren Anliegen durch das Rosenkranzgebet zu Maria flehen zu lassen.

„Diese große Verehrung der hohen Himmelskönigin nahm dann einen hoffnungsfrohen Aufschwung, wenn Irrtümer in großer Zahl auftauchten, wenn Sittenverderbnis sich breit machte oder gefährliche Angriffe auf die kämpfende Kirche erfolgten.“ Es folgen Beispiele aus der Geschichte der Kirche für die Hilfe Mariens, die ihr so viele Ehrentitel eingetragen haben wie „Maria Hilfe der Christen“, „Maria von der Immerwährenden Hilfe“, „Maria vom Sieg“ usw. „Eine Benennung verdient jedoch besonders erwähnt zu werden, nämlich jene: Maria vom Rosenkranz. Denn damit verbindet sich auf immer die Erinnerung an die außerordentlichen Gnadenerweise, die Maria der Christenheit zuteil werden ließ.“

Hier erinnert der Papst zunächst an die „aus der Sekte der Neumanichäer“ hervorgegangene Irrlehre der Albigenser, die am Ende des 12. Jahrhunderts „mit ihren irrigen, gefährlichen Lehren Südfrankreich und andere Gegenden der lateinischen Welt“ überschwemmte. „Gegen diese furchtbaren Feinde erweckte Gott in seiner Barmherzigkeit einen großen Heiligen, den rühmlich bekannten Vater und Gründer des Dominikanerordens.“ Dieser setzte sein Vertrauen nicht auf die „Macht der Waffen“, sondern „auf die Macht jenes Gebetes, das unter dem Namen des heiligen Rosenkranzes ihm seine Einführung verdankt und das er selbst persönlich und auch durch seine Söhne überall verbreitete“. Nachdem sich „diese Gebetsweise nach dem Willen des heiligen Vaters Dominikus immer mehr eingebürgert hatte, gewahren wir allmählich ein Aufblühen der Frömmigkeit, des Glaubenseifers und der Eintracht, während die Pläne und Ränke der Irrlehrer ohne Erfolg blieben; sehr viele von ihnen sind vom Irrtum geheilt, und die Kampfeskraft der übrigen bezwang das Heer der Katholiken, die zur Abwehr der Religionsfeinde die Waffen ergriffen hatten“. Wie nötig haben wir diese Waffe auch heute wieder gegen die aus dem Liberalismus und Neoprotestantismus hervorgegangene Irrlehre des Modernismus und Postmodernismus!

Des weiteren erinnert der Papst an die Seeschlacht von Lepanto im 16. Jahrhundert, als „eine Invasion der Türken fast ganz Europa mit Barbarei bedrohte und sie diesen Erdteil unter das Joch ihres falschen Glaubens zwingen wollten“, die christliche Flotte jedoch gegen die sie bedrängenden Türken einen „glänzenden Sieg“ errang. Dieser Sieg wurde durch das Rosenkranzgebet erlangt, zu dem der heilige Pius V. damals die Christenheit aufgerufen hatte. „Das Gebet fand Erhörung und unsere Herrin kam zu Hilfe“. Dem Andenken daran verdanken wir die Einführung des Rosenkranzfestes. „Auf ähnliche Weise“, so fährt Papst Leo fort, „kamen im vorigen Jahrhundert die beiden Türkensiege Temesvar in Ungarn und bei der Insel Korfu zustande; wieder waren es Marienfeste, denen fromme Rosenkranzgebete vorausgegangen waren.“ Was wäre also auch heute das einzig wirksame Mittel gegen die neue so bedrohliche Gefahr, die sich überall und auf allen Ebenen erhebenden und zusammenscharenden Feinde Christi und Seiner Kirche?

„Da nun die seligste Jungfrau gerade an dieser heiligen Gebetsübung ein besonderes Gefallen zu haben scheint und da sie ihre Eignung zur Verteidigung der Kirche und der Christenheit und zur Erlangung von Gnaden für das private und öffentliche Leben bewiesen hat, so ist es nicht verwunderlich, wenn auch andere Vorgänger von Uns das Rosenkranzgebet mit Lobsprüchen überhäuften und die Andacht zu verbreiten trachteten.“ Genannt werden Urban IV., Sixtus IV., Leo X., der heilige Pius V. und Gregor XIII. „Solche Erwägungen zusammen mit dem Beispiel Unserer Vorgänger leiten auch Uns, wenn Wir nun auch für diese unsere Gegenwart jene feierliche Andacht für zeitgemäß halten, auf daß auch wir durch die Anrufung der erhabenen Jungfrau im Rosenkranzgebet eine ähnliche Hilfe in unseren Nöten von Christus, ihrem Sohne erlangen.“

Leo XIII. spricht im weiteren von den „täglichen, schweren Kämpfen und Leiden der Kirche“. „Welch großen Gefahren ist nicht täglich ausgesetzt die christliche Frömmigkeit, öffentlicher Anstand und Moral, ja der Glaube selbst, die Krone und Grundlage aller übrigen Tugenden!“ Was würde der Papst erst heute sagen? Wie schlimm und beklagenswert ist „die Tatsache, daß soviele durch Christi Blut erkaufte Seelen vom Strudel des unseligen Zeitgeistes gepackt werden, immer mehr dem Bösen verfallen und sich in das ewige Verderben stürzen“, und das heute sogar noch mit Zustimmung und Förderung durch die „konziliare Kirche“!

„Darum bedarf es heute ebenso der Hilfe von oben wie in den Zeiten des heiligen Dominikus, als dieser große Heilige sich daran machte, die Schäden und Wunden der Zeit durch den Rosenkranz zu heilen. Er erkannte durch göttliche Erleuchtung, daß es für die Übel seiner Zeit kein wirksameres Heilmittel gäbe als die Rückkehr der Menschen zu Christus, der nun einmal ‘Weg, Wahrheit und Leben’ ist; er erkannte, daß diese Rückkehr sich vollziehe einmal in der betrachtenden Versenkung in die Geheimnisse des Heils, das er uns gebracht hat, und in der Zuflucht zu Maria, unserer Fürsprecherin bei Gott, der es gegeben ist, alle Irrlehren zu überwinden. Deswegen hat der Heilige das Rosenkranzgebet so geformt, daß man die Heilsgeheimnisse der Reihe nach durchdenkt und diese Betrachtungen zu einem mystischen Kranz flicht, der aus dem Gruß des Engels und dem Gebet zu Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus besteht. Da unsere Notlage nun der damaligen gleicht und wir ihr durch das gleiche Heilmittel zu steuern suchen, so zweifeln Wir nicht, daß dieses Gebet die Nöte auch unserer Zeit beheben wird genau so wie damals, als es der Heilige zu großem Segen für die katholische Welt eingeführt hat.“

Diese Hoffnung teilen auch wir. „Deswegen richten Wir die dringende Mahnung an alle Christen, sie möchten öffentlich oder privat zuhause in der Familie das Rosenkranzgebet eifrig verrichten und es zu einer ständigen Gewohnheit werden lassen.“ Nehmen wir uns diese Mahnung des obersten Hirten zu Herzen.

„Darüber hinaus aber ist es Unser Wille, daß der ganze Monat Oktober der himmlischen Königin vom Rosenkranz gewidmet sei.“ Darum sollen täglich in den Kirchen „wenigstens fünf Gesetze des Rosenkranzes mit der Lauretanischen Litanei andächtig gebetet werden“. „Die himmlische Schutzfrau unseres menschlichen Geschlechtes aber wird unser einmütiges und einstimmiges Gebet gern entgegennehmen und ihm Erhörung schenken, auf daß die Guten noch vollkommener werden an Tugend, daß die in die Irre Gegangenen sich wieder dem Weg des Heils zuwenden und sich bekehren, und vor allem, daß Gott, der alles Böse straft, sich gnädig und barmherzig erweise, alle Gefahren von Christenheit und öffentlicher Gesellschaft fernhalte und uns den heiß ersehnten Frieden wieder schenke.“

Es klingt wie ein Echo dieser Worte des Papstes, wenn die allerseligste Jungfrau selbst bei ihren Erscheinungen in Fatima vor nunmehr bald 100 Jahren eben dasselbe sagt und uns den Rosenkranz als wichtigstes Heilmittel dringend empfiehlt mit ihrer Aufforderung: „Betet täglich den Rosenkranz“ – und möglichst nicht nur im Monat Oktober.