Auf dem Weg zur Welteinheitskirche

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Der Weg zur Welteinheitskirche zieht sich schon länger hin, als wir gemeinhin glauben. Der folgende Artikel ist schon gut zehn Jahre alt, doch das ist nichts im Vergleich zu der langen Geschichte dieses Prozesses, und er zeigt das Zusammenspiel der Kräfte innerhalb und außerhalb der Kirche. Wir beginnen in der Zeit der “Aufklärung”…

„Man untersucht, man zankt, man klagt.
Umsonst; der rechte Ring war nicht erweislich; –
Fast so unerweislich, als uns itzt – der rechte Glaube.“
G.E. Lessing: Nathan der Weise

Was G.E. Lessing, Mitglied der Hamburger Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“, 1779 in seiner Ringparabel aus dem dramatischen Gedicht „Nathan der Weise“ so schön griffig in Verse verpackt hat, die Gleichheit der drei großen Weltreligionen, hat sich inzwischen zu einer allgemeinen Anschauung ausgewachsen – und ist um einige Ringe zur Gleichheit aller Religionen ausgeweitet worden. Es ist zumindest für viele Katholiken heute merkwürdig, feststellen zu müssen, der zum Wesen der katholischen Kirche gehörende Wahrheitsanspruch, die eine gottgeschenkte Religion zu sein, ist auf dem Wege des interreligiösen Dialogs einfach auf der Strecke geblieben und hat sich beinahe unbemerkt in eine Suche nach der einen besseren neuen Welt verwandelt. Den Katholiken erscheint das merkwürdig, G.E. Lessing dagegen würde es sicher nicht merkwürdig finden, denn er hat dieses Ergebnis des interreligiösen Dialogs schon 1779 gewußt und in seiner Ringparabel so einprägsam beschrieben:

So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten. – Möglich; daß der Vater nun
Die Tyrannei des Einen Rings nicht länger
In seinem Hause dulden wollen! – Und gewiß;
Daß er euch alle drei geliebt, und gleich
Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,
Um einen zu begünstigen. – Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Etwas mehr als zweihundert Jahre später heißt es sicher ganz im Sinne von Lessings Ringparabel in der „Erklärung zum Weltethos“ des Parlaments der Weltreligionen: „Die Erde kann nicht zum Besseren verändert werden, wenn sich nicht das Bewußtsein der Einzelnen zuerst ändert. Wir versprechen, unsere Wahrnehmungsfähigkeit zu erweitern, indem wir unseren Geist disziplinieren durch Meditation, Gebet oder positives Denken. Ohne Risiko und ohne Opferbereitschaft kann es keine grundlegende Veränderung in unserer Situation geben. Deshalb verpflichten wir uns auf dieses Weltethos, auf Verständnis füreinander und auf sozialverträgliche, friedensfördernde und naturfreundliche Lebensformen.“

Wer die „Eine Welt“ (One World) schaffen möchte, der muß zunächst einmal das Bewußtsein der Einzelnen ändern. Er muß „unsere Wahrnehmungsfähigkeit“ erweitern, sodaß wir Menschen die bestehenden völkischen, kulturellen, sozialen und religiösen Unterschiede nicht mehr so sehr als trennend, sondern vielmehr als verbindend empfinden. Die Mittel hierzu sind vornehmlich „Meditation, Gebet oder positives Denken“. In diesem bewußtseinsverändernden Prozeß hat also die Religion eine besondere Aufgabe zu erfüllen, denn: „Uns ist bewußt: Religionen können die ökologischen, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme dieser Erde nicht lösen. Wohl aber können sie das erreichen, was allein mit ökonomischen Plänen, politischen Programmen oder juristischen Regelungen offensichtlich nicht erreichbar ist: die innere Einstellung, die ganze Mentalität, eben das »Herz« des Menschen zu verändern und ihn zu einer »Umkehr« von einem falschen Weg zu einer neuen Lebenseinstellung zu bewegen.“

Wenn es die Eine Welt geben soll, dann muß der Mensch zunächst einmal begreifen, daß er sein Herz bekehren muß, um „von einem falschen Weg zu einer neuen Lebenseinstellung“ gelangen zu können. Das »Herz« des Menschen zu verändern heißt, der Mensch muß innerlich umdenken, er muß lernen, die Wirklichkeit nicht mehr diakritisch (d.h. aufgrund der Unterscheidung zwischen wahr und falsch), sondern dialogisch (in der Absicht jedem seine „Wahrheit“ zuzugestehen, weil man die Wahrheit nicht kennt) zu betrachten, um den schon lange bestehenden Grundkonsens, den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Religionen als verbindende Klammer erkennen und anerkennen zu können, denn: „Wir bekräftigen, daß es bereits einen Konsens unter den Religionen gibt, der die Grundlage für ein Weltethos bilden kann: einen minimalen Grundkonsens bezüglich verbindender Werte, unverrückbarer Maßstäbe und moralischer Grundhaltungen.“„Dabei ist uns bewußt: Unsere verschiedenen religiösen und ethischen Traditionen begründen in oft sehr verschiedener Weise, was dem Menschen nützt oder schadet, was recht oder was unrecht, was gut oder was böse ist. Die tiefgreifenden Unterschiede zwischen den einzelnen Religionen wollen wir nicht verwischen oder ignorieren. Aber sie sollen uns nicht hindern, öffentlich zu proklamieren, was uns bereits jetzt gemeinsam ist und wozu wir uns aufgrund unserer je eigenen religiösen oder ethischen Grundlagen schon jetzt gemeinsam verpflichtet fühlen.“

Oder ein wenig anders ausgedrückt: „Man muß von einer Position des Gegeneinander und des Konflikts auf eine Ebene gelangen, auf der man sich gegenseitig als Partner anerkennt. Wenn der Dialog aufgenommen wird, muß jede Seite bei ihrem Gesprächspartner einen Willen zur Versöhnung und zur Einheit in der Wahrheit annehmen. Um das alles zu verwirklichen, muß das zur Schau getragene Sich-Gegeneinander-Stellen ein Ende haben. Nur auf diese Weise wird der Dialog die Spaltung überwinden helfen und die Einheit näherbringen können.“

Der zweite Text stammt nicht mehr aus der „Erklärung zum Weltethos“, wie man es durchaus vermuten könnte, sondern aus der Enzyklika „Ut unum sint“ von Johannes Paul II. Wie kommt es zu einer solch merkwürdigen gedanklichen Übereinstimmung? Oder anders gefragt: Wie kommt es zu einem so überraschenden Bewußtseinswandel innerhalb der katholischen Kirche, so daß sie in einem ganz entscheidenden Punkt der Lehre mit der „Erklärung zum Weltethos“ übereinzustimmen scheint? Darauf will diese Arbeit eine Antwort geben.

Eine Hauptquelle unserer Arbeit war das Buch “Die Freimaurerei und die geheimen Sekten: Die verborgene Seite der Geschichte” (Original in italienisch bereits in dritter, vom Autor erneut durchgesehener und vervollständigter Auflage erschienen; eine französische Übersetzung des Werkes wurde auch schon veröffentlicht: Massoneria e sette segrete: la faccia occulta della storia, ed. Cooperativa Adveniat, von Epiphanias). In diesem wurde nämlich eine große Fülle von Dokumentationen zusammengetragen, die in ihrer Art einzig sind. Das neue Kapitel XXXII der dritten Auflage belegt anhand von unzähligen Fakten und Namen, daß bestimmte Behörden des Vatikans und andere offensichtlich nur weltlichen Belangen dienende Organisationen gemeinsam das eine Ziel verfolgen, die Vorbedingungen für eine Weltreligion ohne Christus zu schaffen. (Grundlage für unsere Arbeit war die Übersetzung und Zusammenfassung des Kapitels XXXII des genannten Buches in der Zeitschrift „Rom-Kurier“ vom Okt.-Nov. 2003; Nr. 122.)

Die Gedankengeber der „Initiative zur Vereinigung aller Religionen“ (United Religions Initiative)

Die „Initiative zur Vereinigung aller Religionen“ ist der letzte, sehr langwierige Versuch, den die Theosophie unternahm, um den Förderern der Einen Welt (One World) einen Gefallen zu tun und bei deren hochgesteckten Zielen mitzuarbeiten. Diese Initiative begann im Jahre 1993, als das „Parlament der Weltreligionen“ die Hundertjahrfeier seiner Gründung in Chicago beging und die anfangs zitierte „Erklärung zum Weltethos“ abfaßte.

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