Liturgische Metamorphose – 2. Teil

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Was bisher geschehen ist: Bereits der heilige Papst Pius X. hatte die Notwendigkeit einer liturgischen Reform erkannt. Vor allem war es ihm darum zu tun, die “tätige Teilnahme” der Gläubigen an der Liturgie zu fördern. Er führte eine Brevierreform durch, brachte eine Neuausgabe des Missale heraus und plante noch weitere Reformen, die er jedoch nicht mehr verwirklichen konnte. Die “Liturgische Bewegung” griff sein Anliegen auf, geriet dabei jedoch auf falsche Geleise, indem sie die “tätige Teilnahme” im Sinne eines falschen allgemeinen Priestertums der Laien verstand. Mehr und mehr geriet der Mensch zu Maß und Mittelpunkt der Liturgie mit der Folge von Einführung der “Gemeinschaftsmessen” und der Volkssprache, Zurückdrängen der “Priesterliturgie” etc. Es gelang der “Liturgischen Bewegung”, ihr Anliegen einer falschen Reform auch nach Rom zu tragen, wo nun die eigentliche Umwandlung der heiligen römischen Liturgie in die “Menschenmachwerks-Liturgie”, wie wir sie heute kennen, begann.

Etappen einer Metamorphose

Die Reformen unter Pius XII.

Psalmenübersetzung und liturgische Kommission

Im Jahr 1948 hatte Papst Pius XII. eine neue Psalmenübersetzung veröffentlicht, von welcher er wünschte, daß sie fortan in der Liturgie, vor allem beim Breviergebet, verwendet werde. Es war dies ein absolutes und unerhörtes Novum, denn bis dahin hatte niemand gewagt, die ehrwürdigen uralten Psalmenübersetzungen anzutasten, die entweder durch jahrhundertelangen liturgischen Gebrauch geheiligt waren oder der approbierten und authentischen Vulgata entstammten. Nun also wurden die Psalmen völlig neu übersetzt, aus dem sogenannten „Urtext“, und beauftragt mit der Leitung dieser Arbeit wurde ausgerechnet der deutsche Jesuit Augustin Bea, Beichtvater des Papstes, der später mit seinem „Sekretariat für die Einheit der Christen“ eine sehr unrühmliche Rolle bei der Verwirklichung der Revolution in der Kirche durch das „II. Vatikanum“ spielen sollte.

Unnötig zu erwähnen, daß diese gewissermaßen auf dem Reißbrett entstandene, hochakademische Übersetzung liturgisch völlig unbrauchbar war und daher auch bald wieder aus den liturgischen Büchern verschwand. Sie zeigte aber bereits die neue, bisher undenkbare Haltung gegenüber der römisch-katholischen Liturgie, die man plötzlich nicht mehr als gewachsene, vom Heiligen Geist über Jahrhunderte geformte und daher heilige, unantastbare oder doch nur höchst vorsichtig moderierbare Überlieferung betrachtete, sondern als eine Art „Workshop“, in welchem man beliebig herumbasteln konnte. Diese neue Haltung wirkte sich sehr rasch auch ganz praktisch bei den ausführenden „Liturgen“ aus, welche nichts dabei fanden, in altehrwürdigen Meßbüchern mit Kugelschreiber unbekümmert auszustreichen und hineinzukritzeln.

Ebenfalls im Jahr 1948, am 28. Mai, installierte der Papst eine „Kommission für Liturgische Reform“ mit ausgerechnet den Patres Antonelli als Generaldirektor und Annibale Bugnini als Sekretär, die später als die Väter des „Novus Ordo Missae“ in die Geschichte eingehen sollten. Pius XII. besaß offensichtlich ein ausgesprochenes Talent, jeweils den Bock zum Gärtner zu machen. Somit konnte Bugnini, den Malachi Martin und andere ungeniert und unwidersprochen „Mitglied der Loge“, also der Freimaurer, nannten, sein Werk beginnen. Er setzte damit den Plan um, den schon vor langer Zeit ein führender Vertreter der Liturgischen Bewegung, der belgische Mönch Dom Lambert Beauduin, gefaßt hatte. Dieser nämlich hatte bereits „am Vorabend des Ersten Weltkriegs, als sich innerhalb der katholischen Kirche immer deutlicher die Existenz einer humanistischen Bewegung abzeichnete, letzte Hand an den freimaurerischen Entwurf der ‘künftigen’ Liturgiereform durch ‘Schaffung’ einer ‘neuen Messe’“ gelegt, bei welcher es sich „um eine Zusammenfassung der modernistischen Häresie handelte“ (Die Verfinsterung der Kirche, S. 69). Pius XI. hatte dem damals einen Riegel vorgeschoben.

Nun war die Zeit günstig, und Bugnini saß am richtigen Hebel, den Plan zu verwirklichen. Dabei ging er, wenn auch recht zügig, so doch schrittweise vor, in mehreren Etappen, nach und nach, da seine alchemistische „Reform“ sonst Gefahr gelaufen wäre, nicht angenommen zu werden. Dies zeigte sich vor allem beim letzten Schritt, der dann doch vielleicht allzu hastig und ungeduldig getan wurde, was denn auch die Bewegung der „Traditionalisten“ auf den Plan rief, die sicher noch viel weitläufiger ausgefallen wäre, wenn nicht der Papst selbst die „Reform“ von oben auferlegt hätte. Dank seiner Beziehungen zu dem bereits erwähnten Beichtvater des Papstes, Kardinal Bea, hatte Bugnini auch während der Krankheit Pius’ XII. anfangs der 1950er Jahre freien Zugang zu diesem und konnte ungehindert sein dunkles Geschäft betreiben.

Experimentelle Ostervigil

Der erste Schritt war die „experimentelle“ Ostervigil von 1951 (wir stützen uns hier und im folgenden auf die Arbeit von Daniel L. Dolan, Pre-Vatican II Liturgical Changes: Road to the New Mass, veröffentliche auf „traditionalmass.org“). Kardinal Liénart, ebenfalls berühmt-berüchtigt wegen seiner Nähe zur Freimaurerei und seiner prominenten Mitwirkung an dem revolutionären Umbruch des „II. Vatikanums“, hatte am 22. November 1950 das Anliegen der Liturgischen Bewegung aufgegriffen und vom Heiligen Stuhl formell die Erlaubnis erbeten, aus „pastoralen Gründen“ die Ostervigil in der Nacht statt am Morgen feiern zu dürfen.

Allein schon die Verlegung dieser Feier in die Nacht hatte bedeutende liturgische Konsequenzen. Wir haben oben schon gesehen, daß der liturgische Ort der Ostervigil kein anderer sein konnte als der zwischen der Non des Karsamstags und der I. Vesper von Ostern. Wo sollte sie liturgisch nun verortet werden, wenn sie in die Nacht verlegt wurde? Die römische Liturgie kennt von alters her nur eine nächtliche Messe, nämlich die Erste Messe von Weihnachten. Ihr liturgischer Ort ist zwischen Matutin und Laudes, sie ist also eine Art Verlängerung der Matutin, daher auch oft „Mette“ genannt („Mette“ ist nichts anderes als Matutin). Damit gehört sie aber auch schon eindeutig zum Weihnachtsfest, das ja bereits am Vorabend mit der I. Vesper begonnen hat.

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