Wie weit ist es noch bis zum Weltuntergang?

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In der Sicht einiger Ausleger der Apokalypse bezeichnen die Sieben Sendschreiben an die sieben kleinasiatischen Gemeinden, welche in den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung des heiligen Johannes zu lesen sind, die sieben Zeitalter der Kirche. In gewissen Kreisen von „Traditionalisten“ ist nun eine Diskussion entstanden, in welchem dieser Zeitalter wir uns gegenwärtig befinden: im fünften der Kirche von Sardes oder schon im siebenten der Kirche von Laodizea. Steht also die Wiederkunft des Heilands und damit der Weltuntergang als nächstes bevor oder kommt zuerst noch das Zeitalter der Kirche von Philadelphia, das eine Art „Goldenes Zeitalter“ beschreibt?

Wo befinden wir uns im Weltgeschehen?

Da es nicht an uns ist, „Zeit oder Stunde zu wissen, welche der Vater in Seiner Macht festgesetzt hat“ (Apg 1,7), wollen wir auch gar nicht vorwitzig nach solchen Dingen fragen. Der Heiland selbst jedoch gibt uns gewisse Zeichen an die Hand, die uns das Ende der Zeiten anzeigen, und die Offenbarung des heiligen Johannes berichtet sehr ausführlich darüber. Wenn damit auch keine Zeiten oder Zeitdauern angegeben sind, so können wir doch eine gewisse Reihenfolge und vor allem einen gewissen Sinn in diesen Ereignissen erkennen.

Entscheidend erscheint uns hierbei gar nicht die Frage, ob wir uns in Zeitalter 5 oder 7 befinden, sondern wie wir die kirchliche Situation der Gegenwart deuten müssen und worauf wir uns vorzubereiten haben. Namentlich steht hier eine Größe furchterregend und drohend vor unseren Augen: der Antichrist. Viele Kirchenväter und andere sehen den Antichristen erst unmittelbar vor dem Ende der Welt erscheinen, ordnen ihn also dem 7. Zeitalter zu. Und darum geht es auch letztlich in jener eingangs genannten Debatte: Steht uns das Kommen des Antichristen bevor oder kommt zuerst noch eine Zeit des Friedens?

Die Offenbarung des heiligen Johannes

Sieben Siegel und sieben Posaunen

Wir befragen hierzu ganz einfach die Offenbarung des heiligen Johannes selbst, denn diese gibt uns verläßlich Auskunft. Der Seher empfängt diese Offenbarung unter dem Bild eines Buches mit sieben Siegeln. Er schaut das göttliche Lamm, welches nichts anderes ist als Unser gekreuzigter und auferstandener Herr Jesus Christus, und welches alleine würdig ist, die sieben Siegel zu öffnen. Nacheinander werden die Siegel gelöst. Bei der Öffnung des siebenten Siegels wird es zunächst still im Himmel, „etwa eine halbe Stunde lang“, wie in der Apokalypse berichtet (Off 8,1). „Jetzt, da das letzte Siegel geöffnet wird, stehen die Geschöpfe, besonders die Engel, in ehrfurchtsvoll erwartendem Schweigen da, der Offenbarung des Herrn zum Gericht gegenwärtig“, kommentiert die Bibel von Arndt-Allioli.

Das Gericht entwickelt sich nun in der Reihenfolge von sieben Posaunen, die von Engeln geblasen werden und sich jeweils steigernde Plagen zur Folge haben, welche die Erde um ihrer Sünden willen treffen, um sie zu bekehren und zum Gericht zu rufen. Bevor die siebente Posaune ertönt, gibt es eine „Zwischenszene“. Ein gewaltiger Engel erscheint, der den Regenbogen über seinem Haupte trägt, und „der Engel, den ich auf dem Meere und auf dem Lande stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel und schwor bei dem, der da lebt in alle Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was in ihm ist, und die Erde und was auf ihr ist, und das Meer und was in ihm ist, daß hinfort keine Frist mehr sein soll; sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er anfängt in die Posaune zu stoßen, wird das Geheimnis Gottes vollendet werden, wie er durch seine Diener, die Propheten, die frohe Botschaft kundgetan“ (Apk 10,5-7).

Im 11. Kapitel wird uns dann geschildert, wie der Tempel Gottes mit einem Rohr gemessen wird. „Auf, und miß den Tempel Gottes und den Altar und die in ihm anbeten; den Vorhof aber, der außerhalb des Tempels ist, wirf hinaus und miß ihn nicht, denn er ist den Heiden hingegeben, und sie werden die heilige Stadt zertreten zweiundvierzig Monate lang“ (Off 11,1f). In ihrem Kommentar sehen Arndt-Allioli mit diesem Tempel die Kirche bezeichnet, die also teilweise und zeitweise den „Heiden“ preisgegeben wird, während gleichzeitig das Allerheiligste und seine wahren Anbeter, die gläubigen Christen, bewahrt werden.

Zur selben Zeit treten „zwei Zeugen“ auf, die 1260 Tage lang weissagen und mit großer Macht ihr Zeugnis ablegen, bevor „das Tier, das aus dem Abgrunde heraufsteigt“, Krieg mit ihnen beginnt und sie überwindet und tötet (Off 11,3-7). Sie bleiben dreieinhalb Tage tot auf den Straßen der „großen Stadt“ liegen, ehe sie von Gott auferweckt werden und zum Himmel auffahren. „In jener Stunde“, heißt es, „entstand ein großes Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt fiel, und es wurden durch das Erdbeben siebentausend Menschen getötet, die übrigen aber gerieten in Schrecken und gaben dem Gott des Himmels die Ehre“ (Off 11,13). Im Kommentar von Arndt-Allioli lesen wir hierzu: „In der Stunde, in welcher das V. 12 Erzählte geschah, brach auch das Gottesgericht herein. Dasselbe beginnt bei dem Hause Gottes (1 Petr 4,17). Die Kirche wird um die Mitte, die Welt am Ende der letzten Weltwoche ins Gericht gerufen.“ Auch wird darauf hingewiesen, daß von der Stadt, von welcher hier die Rede ist, offensichtlich Jerusalem, bildlich die Kirche oder Christenheit der letzten Zeiten, nur der zehnte Teil fällt und der Rest erhalten bleibt. Zwar wird auch sie um ihrer Sünden willen bestraft, doch sind in ihr noch „Anhänger der beiden Zeugen da, und die übrigen tun Buße“.

Die Kirchenväter sehen in diesen beiden Zeugen Henoch und Elias. Umstritten ist, ob es sich bei den 42 Monaten, in welchen der Tempel teilweise zertreten wird, und den 1260 Tagen, in welchen Henoch und Elias weissagen, um dieselbe Zeitspanne handelt, oder ob die eine Zeit auf die andere folgt. Tatsache ist jedoch, daß das Gericht Gottes bei der Kirche beginnt. Er überläßt sie um der Sünden ihrer Glieder willen einer Verfinsterung, einer „Zertretung“ durch die Heiden, jedoch nicht zur Gänze. Das Allerheiligste und einige wahre Gläubige bleiben bewahrt. Der „zehnte Teil“ fällt, doch durch die Predigt von Henoch und Elias kommt es zu Bekehrung und Buße.

Am Ende des 11. Kapitels stößt der siebte Engel in seine Posaune, „und es ertönten laute Stimmen im Himmel, welche sprachen: Das Reich dieser Welt ist unserm Herrn und seinem Gesalbten zugefallen, und er wird herrschen in alle Ewigkeit. Amen“ (Off 11,15). „Und die vierundzwanzig Ältesten, welche vor dem Angesicht Gottes auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihr Angesicht nieder und beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, Herr, allmächtiger Gott, der du bist und der du warst und der du kommen wirst, daß du deine große Macht ergriffen und dich als Herrscher gezeigt hast. Die Völker ergrimmten, und es kam dein Grimm und die Zeit für die Toten, gerichtet zu werden, und den Lohn deinen Dienern zu geben, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und diejenigen zu verderben, welche die Erde verdarben“ (Off 11,16-18). Der Christkönig geht also nun daran, die Herrschaft zu ergreifen und das Gericht zu vollziehen, indem Er die gottfeindlichen Mächte niederwirft und die Gottesfürchtigen erhebt.

Das Tier vom Meer und das Tier vom Lande

Dies geschieht ab dem 12. Kapitel, in welchem zunächst jene berühmten zwei Zeichen am Himmel erscheinen, das geheimnisvolle „Weib mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen“ (Off 12,1), auf der anderen Seite „ein großer, feuerroter Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern“ (Off 12,3). Das „Weib“ ist die allerseligste Jungfrau Maria, aber auch ein Bild für die Kirche, der Drache ist „die alte Schlange, welche Teufel genannt wird und Satan, welcher die ganze Welt verführt“ (Off 12,9). Das folgende wird also dargestellt als der Kampf zwischen dem Weib und ihrem Anhang sowie der Schlange und deren Anhang, somit als Erfüllung des Protoevangeliums: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen“ (Gen 3,15).

Es beginnt mit einem Kampf im Himmel, wobei der Teufel mit seinem Anhang durch den heiligen Michael besiegt und gestürzt wird. Der Drache verfolgt zunächst das Weib, als er aber nichts ausrichtet, geht er hin, „Krieg zu führen mit den übrigen ihres Samens, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu Christi haben“ (Off 12,17). Der Drache stellt sich nun „auf den Sand des Meeres“ (Off 12,18), aus welchem im 13. Kapitel ein furchterregendes Tier auftaucht, das ähnlich wie der Drache sieben Häupter und zehn Hörner trägt. Diesem Tier wird für 42 Monate Gewalt gegeben. Es darf nach dem Kommentar von Arndt-Allioli „erstens … den Heiligen den Krieg erklären und sie äußerlich besiegen, sie quälen und töten, doch der wahre Sieg, das Beharren in der Treue des Glaubens, verbleibt laut 12,11 den Heiligen unverkürzt. Da nach Dan. 7,21 das kleine Horn, der Antichrist, den Krieg mit den Heiligen führt, ist also das Tier der Antichrist. Zweitens gewinnt das Tier Macht über alle Stämme und Völker und Zungen und Nationen; die Gesamtheit der Erdbewohner, im Gegensatz zu den Heiligen.“

Diesem ersten Tier vom Meere gesellt sich alsbald ein zweites Tier „vom Lande“ bei, das später als falscher Prophet bezeichnet wird. „Wie das erste Tier die widergöttliche Weltmacht des Endes und ihren Herrscher, den Antichrist, darstellt, so das zweite diejenige falsche Lehre und Weisheit, welche das religiös sittliche Agens dieser letzten und äußersten Ausgeburt der Menschensünde sein wird“, so wiederum der Kommentar von Arndt-Allioli. Dieses zweite Tier steht ganz im Dienste des ersten, und beide sind die dienenden Mächte des Drachen. Man spricht hier oft von der diabolischen Dreiheit, mit welcher der Teufel die heiligste Dreifaltigkeit nachäfft: Drache, Antichrist und falscher Prophet.

Gericht über Babylon

Im 14. Kapitel erblicken wir die 144.000 Jungfrauen, die dem Lamme gefolgt sind und nun ein herrliches neues Lied singen, woraufhin drei Engel das endgültige Gericht über die gottfeindlichen Mächte ankündigen, welches unter dem Bild der Ernte dargestellt und ab dem 15. Kapitel vollzogen wird. Es treten erneut sieben Engel auf, welche nun die sieben Schalen des Zorngerichts Gottes auf die Erde gießen (Kap. 15 und 15). Ab Kapitel 17 heißt es: „Die folgende Gruppe von Gesichten führt die Ereignisse der Endkatastrophe näher aus… Sechs Engel erscheinen nacheinander. In der Mitte zwischen ihnen erscheint 19,11 als vierter der Heiland selbst, um dem Seher weiter darzulegen, was schon die Gesichte des 14. und 16. Kapitels gezeigt. … Um die Zusammengehörigkeit der Gesichte zu kennzeichnen, wird bei der ersten (17,11) und bei der letzten Vision (21,9) gesagt, daß Schalenengel die ausführenden Kräfte seien, mithin stehen wohl auch die zwischenliegenden Gesichte zu den Schalengesichten in Beziehung. Von Kap. 12 an sind als Feinde der Kirche Christi dargestellt: der Drache als der Urfeind, das Tier aus dem Meere, die antichristliche Weltmacht mit dem Antichrist an der Spitze, endlich das diesem dienende Tier aus der Erde, der falsche Prophet. Während aber die Schilderung der Feinde Christi von dem eigentlichen Urheber der Feindschaft zu den ihm dienstbaren sichtbaren Mächten fortschritt, nimmt die Schilderung des Endgerichts über diese feindlichen Mächte den umgekehrten Gang: Untergang Babels, der Hauptstadt der antichristlichen Weltmacht, und Siegesfeier im Himmel über ihren Fall (17,1-19,10), Endgericht über den Antichrist und den falschen Propheten nach der Ankunft des Herrn (19,11-21), vorläufiges Gericht über Satan und Fesselung auf tausend Jahre und endgültige Verdammung (20,1-10).“

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