Wahre Kirche und falsche Kirchen

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Papst Pius XI. beginnt seine Enzyklika „Ad salutem“ zum 1500. Todesjahr des heiligen Augustinus, Bischof von Hippo und Kirchenlehrers vom 20. April 1930 mit einem Lobpreis auf die hl. Kirche:

„Zum Heile des Menschengeschlechtes hat Jesus Christus mit seinem vorausschauenden Blick die Kirche eingerichtet. Ihr war er bis heute nahe und wird er weiterhin nahe bleiben. Das entspricht ihrer Wesensanlage. Das beruht auch auf dem Versprechen des göttlichen Stifters, das wir im Evangelium lesen. Von beiden abgesehen: die Jahrbücher der Kirche zeigen es genug und übergenug, dass nie eine Seuche von Irrtum sie angesteckt, nie der Abfall noch so vieler Kinder sie ins Wanken gebracht, nie die Stürme des Unglaubens, auch die erbittertsten nicht, verhindert haben, dass sie immer von neuem zu jugendfrischer Lebenskraft aufblühte. Nun hat freilich unser Herr nicht immer nach demselben Plan und auf demselben Wege die Festigkeit seiner für alle Zeit bestimmten Schöpfung gesichert und ihr Wachstum gefördert. Er ging viel weiter. In jedem Zeitalter erweckte er ausgezeichnete Männer, die durch geistiges Mühen nach den Erfordernissen der Zeitverhältnisse dem christlichen Volke die Freude geben sollten, die ‘Gewalt der Finsternis’ niedergehalten und besiegt zu wissen.“

Die Kirche ist ja die makellose Braut Jesu Christi, sie ist diejenige, die von keinem Irrtum befleckt alle Stürme des Unglaubens überstanden hat und auch immer überstehen wird. Die Versuchung, diese Lehre der Kirche über die Kirche zu verfälschen, war wohl selten so groß wie heute. Nachdem die modernistischen Irrlehrer scharenweise in die Kirche eingedrungen sind, wurde es für den Katholiken immer schwieriger, die wahre Kirche im Blick zu behalten. Der hl. Pius X. hat schon 1907 in seiner Enzyklika „Pascendi Dominici gregis“ vom 8. September 1907 festgestellt: „Die Urheber der Irrtümer gilt es heute nicht mehr unter den Feinden der Kirche zu suchen. Sie verbergen sich … im Schoß und im Herzen der Kirche selbst. Wir sprechen von einer großen Zahl … von Priestern, die unter dem trügerischen Anschein der Liebe zur Kirche … bis ins Mark von einem Gift des Irrtums durchdrungen sind, das sie bei den Gegnern des katholischen Glaubens geschöpft haben … Sie geben sich … als Erneuerer der Kirche aus.“

Diese „Erneuerer“ haben seit nun schon über 50 Jahren mit einem Handstreich die Leitung der Kirche übernommen und die Konzilskirche geschaffen. Die Metamorphose des ganzen kirchlichen Lebens nach dem Konzil brachte es mit sich, daß der Katholik mehr oder weniger ratlos vor den verschiedenen, gleichsam über Nacht aus dem Boden geschossenen Gruppierungen stand und sich fragen mußte: welche Gruppe hat nun recht? Jede dieser Gruppen entwickelte letztlich eine eigene, vorher nie gehörte Interpretation dessen, was man einmal Kirche nannte. Ein völlig neues Kirchenbild wurde vor den staunenden Augen des einfachen Gläubigen geschaffen: die Kirche des neuen Pfingstens, die Kirche des Aggiornamento, die ihren Glauben der modernen, liberalen Welt angleicht, eine Kirche mit neuen Sakramenten, einem neuen kanonischen Recht, neuen Heiligen, neuen ökumenischen, charismatischen Gemeinschaften – es wurde innerhalb weniger Jahren die Konzilskirche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der Macht gemacht. Anna Katharina Emmerich nennt sie so überaus treffend: Menschenmachwerkskirche.

Der Katholik kam durch diese Neuschöpfung einer Konzilskirche in eine nicht geringe Bedrängnis. „Wo ist nun die wahre Kirche zu finden?“, so mußte er bangen Herzens fragen. Wo ist diejenige Gemeinschaft, in der ich meinen Glauben ungefährdet leben kann? Der Katholik ist nach dem Konzil mit einer kirchlichen Situation konfrontiert, die so neu war, daß sie ihn im Grunde überforderte. Diese Überforderung verleitete ihn, resignierend sich mit Halbwahrheiten zufrieden zu geben. Wir wollen in diesem und den nächsten Beiträgen versuchen, diese Halbwahrheiten zu benennen und den Weg zur ganzen Wahrheit frei zu machen. Dazu müssen wir die verschiedenen Spielarten heutigen kirchlichen Lebens anhand der Grundlage der Lehre der Kirche über die Kirche prüfen.

Die Menschenmachwerkskirche

Beginnen wir mit der sog. Konzilskirche oder auch Amtskirche genannt. Damit ist die Gemeinschaft gemeint, welche mit und nach dem Konzil die kirchlichen Strukturen übernommen hat und damit verbunden den ganzen kirchlichen Machtapparat.

Eigentlich hätte für katholische Ohren allein schon die Wortschöpfung „Konzilskirche“ ein alarmierender Hinweis sein müssen, daß hier etwas Ungeheuerliches geschehen ist. In der Theologie gibt es die Zensur „fromme Ohren verletzend“. Die Wortschöpfung „Konzilskirche“ ist ganz sicher eine fromme Ohren verletzende Aussage, bzw. Lehre über die Kirche. Nach keinem einzigen der vielen Konzilien im Laufe der Jahrhunderte ist man auf die Idee gekommen, von einer Konzilskirche zu sprechen. Man ist nicht auf diese Idee gekommen, weil niemals eine neue Kirche entstanden ist, welche einen derartigen Begriff rechtfertigen würde. Vielmehr waren die Konzilien gerade dazu einberufen worden, um Entwicklungen zu korrigieren und alle jene Lehren als Irrtümer zu erweisen, welche an der Grundlage der Kirche rüttelten und irgendwelche lehrmäßige Neuerungen nach sich zogen. Immer galt es, den „alten“ Glauben zu stärken und die Neuerungen zu verurteilen. Die Novatores – die Neuerer – waren immer die Irrlehrer, also diejenigen, die neue, bisher ungehörte Lehren behaupteten und in Umlauf setzten.

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