Trostbrief in einer trostlosen Zeit – Nr. 6

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Auch zu Ostern darf ein Trostbrief nicht fehlen. Hier ist der sechste Trostbrief aus unserer Reihe.

Christus ist erstanden!

Es ist wohl den meisten von Ihnen wie mir ergangen, dieser Ostersonntag war doch etwas mühsam, denn es wollte nicht so recht Ostern werden. Das Gemüt hatte größte Mühe, etwas von der Osterfreude zu verspüren. Es fehlten die vorbereitenden hll. Zeremonien, vor allem die Zeremonie der hl. Osternacht. Diese läßt die ganze Heilsgeschichte vor einem erstehen, um den Augenblick der glorreichen Auferstehung unseres göttlichen Erlösers ins rechte Licht zu stellen. Es ist, wie es ein Osterlied so schön besingt:

“Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?

Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.

Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.”

Die hl. Osternacht ist einzigartig – eine geheimnisumwobene Nacht, eine wahre Wundernacht, die im Exsultet der Osternachtsfeier unnachahmlich schön besungen wird.

„O wahrhaft selige Nacht, du allein durftest Zeit und Stunde kennen, da Christus von den Toten erstand! Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: Die Nacht wird lichthell wie der Tag, und die Nacht ist mir Leuchte in meiner Wonne. Diese geheiligte Nacht also vertreibt die Laster, wäscht ab die Sünden; den Gefallenen gibt sie die Unschuld wieder, den Trauernden die Freude. Sie verscheucht den Haß, stiftet Eintracht, beugt die Gewalten… O wahrhaft selige Nacht, die die Ägypter beraubte, die Hebräer reich machte! Nacht, die den Himmel mit der Erde, Gott mit den Menschen verband!…”

Wie aber kam es zu dieser wahrhaft seligen Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet? Nun, da war ein Mann, Jesus von Nazareth mit Namen, der unvorstellbar weise, demütig, gütig, barmherzig und wundertätig war, so daß Ihn viele für den verheißenen Messias hielten – diesen haben die Pharisäer und Schriftgelehrten zum Tode verurteilt, sie haben Ihn dem Pontius Pilatus ausgeliefert, der Ihn geißeln und mit Dornen krönen ließ und schließlich haben sie Ihn wie einen Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet.

Da war sodann ein Grab, das war so trostlos, daß es trostloser nicht mehr auszudenken war, so voller Trauergedanken und so totenstill. Da war auch noch ein Haufen eingeschüchterter Männer und Frauen, deren Welt mit einem Mal in sich zusammengebrochen war, restlos zusammengebrochen war. Da war aber zudem dennoch ein geheimnisvolles Licht, das Licht eines neuen, ungeahnten Lebens – und plötzlich stand ein Engel am Grab und schob den Stein hinweg, denn das Grab war leer: DER HERR ist wahrhaft auferstanden! In diesem Augenblick war die Menschenwelt – unsere Menschenwelt – vollkommen verwandelt. Denn Jesus lebt – und mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?

Niemand hat es für möglich gehalten, nun gibt es für all diejenigen, die an Jesus CHRISTUS glauben und Ihm treu nachfolgen, keinen Tod der Sünde mehr! Denn Er hat den Tod und die Sünde am Kreuz besiegt und dieser Sieg wird am Ostermorgen offenbar. Seht euch den Sieger nur an, wie Er leuchtet wie die Sonne und als Siegeszeichen seine Wundmale an Händen und Füßen und an der Seite zeigt. Das ist das Wunder aller Wunder, größer als die Schöpfung des ganzen Universums! Ja, Jesus lebt und mit Ihm auch ich!

Alles Leid des Gründonnerstags und Karfreitags ist darum vergessen, umgewandelt in hl. Osterfreude. Seht nur, der Auferstandene durchdringt spielend verschlossene Türen und ist schnell und beweglich in seinem verklärten Leib wie ein Gedanke. Plötzlich steht Er wunderschön und freudestrahlend vor ihnen – den Frauen, den Aposteln, den Jüngern. Sie können Ihn berühren, mit ihm sprechen, ja sie können sogar mit ihm wieder zu Tische sitzen und mit Ihm essen.

Und dennoch ist es nicht mehr so wie die drei Jahre zuvor. Die Apostel haben ganz spontan ihre Unbefangenheit verloren, denn Jesus war tot, man möchte sagen furchtbar tot – und jetzt lebt Er wieder, wie Er vorausgesagt hat. So kann nur Gott den Tod bezwingen. So kann nur Gott aus dem ewigen Tod der Sünde neues, ewiges Leben der Gnade schaffen. Ja, man sieht es dem auferstandenen Herrn an, daß Er Gott ist und daß Er unser Erlöser ist. Was für ein Ostergeschenk ist das für uns alle, Ihn so verklärt zu sehen!

Wie sind die Apostel angesichts des Auferstandenen überrascht, genauso wie die Frauen sind sie plötzlich von Ehrfurcht und Freude erfüllt. Sie sind so außer sich vor Freude, daß sie es nicht recht glauben können, daß ER es tatsächlich ist, wie der hl. Lukas berichtet: „Allein vor Freude und Verwunderung konnten sie es noch nicht glauben und staunten nur. Darum fragte er sie: ‚Habt ihr etwas zu essen da?‘“ (Lk 24, 41). Erst nach und nach begreifen sie, es ist wahr, Er ist es wirklich. Das ist irgendwie das Besondere der Osterfreude: Diese Freude bringt uns ganz und gar aus der Fassung, denn man kann sie im Grunde niemals aus-freuen, kennt sie doch in Wahrheit kein Ende mehr, denn:

„Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben;

mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben.

Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.“

Jeder soll es wissen: Jesus lebt in Ewigkeit! Der Tod ist besiegt und der Himmel öffnet sich vor unseren Augen – Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht. Die kommende Osterzeit soll uns dabei helfen, uns mit dieser Osterfreude vertraut zu machen, denn diese Gnade des Ostermorgens soll sich ganz tief in unser Herz einprägen. Man kann es sicher ohne jegliche Übertreibung sagen: Die ersten Christen waren von der Osterfreude vollkommen überwältigt. Sie hatten nur noch die verheißene Auferstehung vor Augen, weil Jesus lebt! Sie waren felsenfest davon überzeugt, daß der Glaube an die Auferstehung der Sieg ist, der die Welt überwindet. Diese Freude gab ihnen Mut und Kraft in allen Leiden. Und wie groß waren die Leiden der unzähligen Märtyrer in den ersten Jahrhunderten. Da erwies sich der Glaube an den Auferstandenen Herrn als tragfähiges Fundament zum ewigen Leben. Vergessen wir es nicht, der Osterglaube und die daraus fließende Osterfreude gehört wesentlich zu unserem christkatholischen Glauben. Durch alle Jahrhunderte bewegte die Freude des Auferstandenen die Herzen der Katholiken zu großen Opfern und zu einem hl. Leben.

Meister Jakob und sein Sohn Ernst

Meister Jakob, so nannte man den Schmied im Dorf. Meister Jakob war ein kerniger Mann. Sein Gesicht war bei der Arbeit ganz rußig, so daß das Weiße der Augen oft ganz gespenstisch daraus hervorschaute. Wenn er sich aber gewaschen hatte, dann erkannte man, daß die blauen Augen gutmütig und viel verstehend in die Welt hinaussahen. Meister Jakob hatte ein Herz, das Raum für das Starke hatte. Er redete nicht viel, handelte aber, sobald es notwendig war, gleich, ob er am Sonntag den schwarzen Filzhut aufsetzt und in die Kirche geht oder ob er mit dem Hammer auf den Amboß schlägt.

So, als kerniger, fester Mann war er damals vor seinem Jungen Ernst gestanden, als dieser, abschiednehmend, noch einmal heimkam, ehe er in den Krieg ziehen mußte, in den mörderischen zweiten Weltkrieg. Meister Jakobs ganzer Glaube drehte sich um eins. Sein Glaube war ein richtiger Osterglaube. Unser hl. Osterglaube sagt: Weil Christus auferstanden ist, darum stimmt auch alles andere dazu. Alles andere. Weil Christus auferstanden ist, darum kann Er unser Gast am Tisch sein, darum kann Er — auch mit dem Jungen sein, der jetzt aus Konstantinopel schreibt, darum kann Er ihn zu seiner Zeit natürlich auch wieder gesund heimbringen. In dieser Hoffnung lebte Meister Jakob mit seiner Frau Tag für Tag den ganzen Krieg hindurch.

Inzwischen – der Krieg war beendet – waren die Soldaten, soweit sie nicht gefallen waren, alle heimgekehrt, nur Ernst Jakob nicht. Und es kam keine Nachricht von ihm, ach, seit Monaten kam keine einzige Nachricht. Die Nachbarn kamen in die Schmiede, Pferde beschlagen, Pflüge herrichten, Maschinen ausbessern zu lassen. Meister Jakob hatte nie gezittert. Jeder Schlag saß. Wenn einer die Rede auf Seinen Jungen brachte, dann stellte sich der Meister harthörig. Nur die Meisterin konnte sich einmal nicht helfen. Sie redete halb zornig auf den Jammernden ein: „Was wollt ihr denn? Er ist doch nicht allein!“ „Das schon, es werden noch viele brave Kerle da unten sein.“ „So meine ich es nicht“, entgegnete die Meisterin, „er ist nicht allein, weil Christus auferstanden ist. Und weil Er auferstanden ist, darum ist Er bei ihm. Immer bei ihm.“

Es ist schon wunderbar, wie gerade klare Menschen sich an so ein Glaubenswort klammern können; wie es ihnen der sichere Fels für ihr Leben wird. Der Meister und seine Frau sind in den letzten Wochen jeden Abend um die Zeit, da der Zug auf der nächsten Haltestelle eintreffen mußte, über die Felder gegangen. Ganz still. Immer sind sie bis auf den Hügel gegangen, haben den ankommenden Zug beobachtet, dann kehrten sie wieder um, der Meister rauchte seine Pfeife, die Meisterin ging und sah geradeaus vor sich hin.

So war es auch wieder am Karrsamstag. Sie gingen auf den Hügel, sahen den Zug einfahren und halten – und dann sahen sie jemanden aussteigen. Zunächst trauten sie ihren Augen nicht, aber es war ihr Sohn Ernst. Was war der Junge groß geworden und wie leuchteten seine Augen klar und weit. Der Vater reichte ihm die Hand. „Tag, Junge“, mehr brachte er nicht heraus. Er schnaubte kaum durch die Nase, nahm dann dem Ernst das Bündel aus der Hand und ging los. Die Mutter konnte ihre Freude kaum fassen, als sie ihren Ernst wieder sah. Unterwegs sprachen sie nur wenige Worte.

„Wie weit seid ihr gekommen?“ „Bis Nazareth, Vater. Da hatte ich die Feldschmiede.“
Als sie ins Haus traten, schlug die Uhr schon Mitternacht. Der Junge aß, Vater und Mutter saßen ihm gegenüber. Dann ließen sie sich erzählen. „Also, bis Nazareth seid ihr gekommen? Und der Jordan?“ „Ungefähr wie unsere Saale, aber tiefer.“ „Und sonst im Heiligen Land?“ „Schön, Vater, o ja. Aber Christus würde es nicht wiedererkennen, habe ich mir sagen lassen. — Daß ich wieder daheim bin! Und gerade zu Ostern! Alles ist, wie es war, und ich habe das Land gesehen, in dem Christus die Kranken gesund gemacht hat, und den See Genezareth, an dem Er gepredigt hat!“

Mutter Jakob hat, glaube ich, die ganze Zeit keine zehn Worte gesprochen, bloß zuletzt: „Ist es dir manchmal einsam gewesen?“ „Nein, Mutter. Die ganze Zeit ging etwas mit mir. Weißt du, Mutter: weil Christus auferstanden ist. … Ich habe das einmal mit einem Kameraden beredet, und er meinte, man wisse gar nicht, was man habe, wenn man seinen Osterglauben mit sich trägt.“ Schließlich mahnte der Vater: „Nun gehe schlafen! Du sagst, du hast drei Tage kaum ein Auge voll Schlaf gehabt.“ „Ja, das stimmt. Aber morgen früh, nein, es ist ja schon heute, also heute früh weckt ihr mich. Ich gehe in die Kirche zum Osterhochamt.“

Um drei war der Junge zu Bett gegangen, konnte mit seinem übervollen Herzen die Ruhe lange nicht finden, um acht begann das Osterhochamt, und er hatte drei Tage kaum geschlafen. Aber als das letzte Läuten verhallte, da standen Meister Jakob und sein Junge auf der Empore, die Meisterin saß im Schiffe, die junge Schwester stand unter den Mädchen auf dem Chor. — Ernst hatte Nazareth gesehen, hatte im Jordan gebadet, hatte einen jämmerlichen Rückzug hinter sich und hatte überall sein Osterlicht hoch gehalten; nun stand er im Dorfkirchlein und sang: „Christus ist erstanden!“

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