Gedanken zum Weihnachtsfest

Das Weihnachtsfest macht einen wahren Katholiken nachdenklich, ganz besonders nachdenklich in der heutigen Zeit. Dabei ist gerade dieses Fest mehr zu Herzen gehend als jedes andere Fest. Weihnachten feiert man anders als Ostern oder Pfingsten. Im Schott Meßbuch liest man: „Das Weihnachtsfest knüpft nicht wie Ostern und Pfingsten an jüdische Vorbilder an, sondern hat ganz christlichen Ursprung. Weder die Hl. Schrift noch die kirchliche Überlieferung geben uns genaue Kunde von dem Tage der Geburt Christi. Wohl vom 3. Jahrhundert ab wurde das Andenken an dieses Ereignis an einigen Orten, besonders im Morgenland, am 6. Januar gefeiert. Im Festkalender der römischen Mutterkirche dagegen erscheint bald nach dem Frieden der Kirche (313) unter Konstantin d. Gr. am 25. Dezember ein selbständiges Fest der Geburt unseres Herrn.“



Weihnachten hat im Alten Bund kein Vorbild, weil der Erlöser noch niemals geboren worden ist und Sein Kommen im Alten Bund noch in Geheimnisse gehüllt war. Ostern und Pfingsten hingegen wurden durch alttestamentliche Riten vorgebildet, war doch der ganze Opferkult des Alten Bundes eine Vorbereitung und ein Hinweis auf das eine, vollkommene Opfer des ewigen Hohenpriesters am Kreuz.

Um das Volk Gottes auf die Erlösung durch den verheißenen Messias vorzubereiten, war die Geburt des Weltenheilandes nur dunkel angedeutet worden. Wenn auch viele Prophezeiungen vom kommenden Messias sprachen, so war und blieb dennoch sein gottmenschliches Geheimnis vielen fremd. Selbst während und nach Seinem öffentlichen Leben lehnten Ihn viele ab, weil Er nicht ihrem selbstgemachten Bild von einem Messias entsprach. Die meisten Israeliten wollten schließlich ihren Gott doch nicht ganz so nahe bei sich haben, sie verschanzten sich sozusagen hinter dem alttestamentlichen Bilderverbot, um nicht an die Gottheit Jesu Christi glauben zu müssen.

Die Einmaligkeit des Weihnachtsfestes

Das Weihnachtsfest ist einmalig und durch und durch christlich, weil das Kommen des Sohnes Gottes in unsere Menschenwelt einmalig war und immer noch einmalig ist. Das gilt für alle Zeiten, auch wenn man heutzutage gerne behauptet, es stamme – des Datums wegen! – aus dem Heidentum. Die Dummheit kennt bekanntlich keine Grenzen, ist doch der Unterschied zwischen der Geburt des wahren Gottessohnes – des lebendigen Gottes! – von den heidnischen Göttersöhnen – den toten Göttern! – jedem denkfähigen Menschen unübersehbar und evidentermaßen unüberbrückbar.

Das Weihnachtsfest ist deshalb einmalig, weil noch niemals der wahre und einzige Sohn des ewigen Vaters, der gleichen Wesens mit Ihm ist – Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, wie wir im Credo der hl. Messe beten – Mensch geworden ist und auch niemals mehr Mensch werden wird. Gerade diese absolute Einmaligkeit dieses Ereignisses liest man aus der ganzen Weihnachtsgeschichte heraus, wenn man nur Ohren hat zu hören und Augen zu sehen.

Gerade daran hapert es bekanntermaßen inzwischen gewaltig. Der moderne Mensch und auch „Katholik“, also der Menschenmachwerkskirchler, macht sich schließlich seinen Glauben nach seinen mehr oder weniger modernistischen Vorgaben und Vorurteilen, anstatt der göttlichen Offenbarung Glauben zu schenken. Erst kürzlich wurde in einem Interview „Kardinal“ Gerhard Ludwig Müller von Paul Badde gefragt, wie es auf der Internetseite von CNA Deutsch zu lesen ist: „Die Evangelien sagen, Jesus wurde in Bethlehem geboren. Viele Theologen verbreiten hingegen schon lange, dass er in Nazareth geboren wurde. Was sagen Sie?“ Und Gerhard Müller antwortete:

„Ich frage mich, woher die das wissen! Diese Theologen denken, es müsste nach ihren Vorstellungen so sein, weil beim Propheten Micha die Geburt des Messias als Herrscher und Hirt Israels in Bethlehem prophezeit wurde. Deshalb hätten die Evangelisten ihre Berichte entsprechend gefälscht und hätten Bethlehem als literarische Fiktion eingeführt. Theologie aber ist die vernunftgemäße Auslegung des geoffenbarten Glaubens. Es ist absurd, aus einer Verheißung ein späteres historisches Ereignis abzuleiten. Gerade umgekehrt wird das Ereignis der Geburt Jesu, den die Kirche schon vor der Abfassung der Evangelien als Christus und Sohn des lebendigen Gottes im Glauben bekannte, im Licht des universalen Heilswillens dargestellt. Jesus ist in Bethlehem geboren nach dem Ausweis der Evangelien und das ist das Entscheidende, dass sich hier die Verheißung erfüllt, dass Jesus aus dem Stamm Davids in der Stadt Davids geboren wird. Das wäre auch nicht anders, wenn er woanders geboren worden wäre. Es gibt aber keinen Grund, dass die Evangelisten eine vorsätzliche Fälschung in einer Selbsttäuschung vornehmen mussten, um die Wahrheit wahrscheinlicher zu machen.“

Der Bericht der Heiligen Schrift über die Geburt des Messias

Nun, wir wollen nicht mühsam das Schrifttum „Kardinal“ Müllers durchforsten und nachprüfen, wie viele gleichlautende Urteile er selber von der modernen Exegese übernommen hat – es werden sicherlich einige sein, sonst wäre er niemals Professor für Dogmatik in der Menschenmachwerkskirche geworden – aber die Frage und seine Antwort darauf sind trotz ihrer Kürze genügend vielsagend, um den modernistischen Glauben über Weihnachten einigermaßen fassen zu können. Für die Modernisten sind die Evangelien – und letztlich alle Bücher der Heiligen Schrift – nicht viel mehr als Märchenerzählungen. Ja im Grunde sind sie sogar schlimmer noch als diese, denn die Bücher der Heiligen Schrift geben nach den Modernisten frei erfundene Geschichten als geschichtliche Tatsachen aus. Bei einem Märchen weiß ein jeder, der es liest oder hört, daß es frei erfunden ist, wohingegen die Evangelien viele Jahrhunderte lang vom einfachen Volk genauso wie von den gelehrtesten Theologen als historische Berichte angesehen und dementsprechend verstanden wurden. Erst die Herren Modernisten sind darauf gekommen, daß eine solche Ansicht falsch, ja letztlich kindisch ist, wie sie meinen.

In unserem Fall geht es nun konkret darum, daß die Propheten die Geburt Jesu in Bethlehem vorausgesagt haben. Als Herodes die Schriftgelehrten nach dem Geburtsort des Messias fragt, geben ihm diese deswegen die sichere und klare Antwort: „In Bethlehem in Judäa; denn es steht beim Propheten geschrieben: ‚Du, Bethlehem im Lande Judas, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten von Juda. Denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der mein Volk Israel regieren soll‘“ (Mt. 2, 5f). Jeder rechte Israelit wußte das, hatte man es doch von Generation über Generation so gelehrt und gelernt.

„Neueste exegetische Erkenntnis“

Da es nun aber gemäß des modernistischen Unglaubens keine wahren Prophezeiungen geben kann, genauso wie es auch keine Wunder geben soll, hat der Evangelist die Sache einfach nur so zurechtgebogen, daß es scheint, als hätte sich die Prophezeiung des Propheten erfüllt. In Wirklichkeit ist Jesus in Nazareth geboren worden und nicht in Bethlehem. Auch alles, was darüber hinaus noch von der Geburt des Gottessohnes in Bethlehem berichtet wird – die Erscheinung der heiligen Engel vor den Hirten, der Marsch der Hirten zum Stall, das Kind in der Krippe, das Kommen der Heiligen Drei Könige – ist freie Erfindung der Evangelisten.

Muß sich ein normaler, nüchtern denkender Mensch da nicht fragen: Ist das nicht ein wenig viel Freiheit – bzw. richtiger gesagt: Vorsätzliche Fälschung? Und einen solchermaßen gefälschten Text soll man dann noch ernst nehmen, und dieser verlogene Text soll sogar als Grundlage für den eigenen religiösen Glauben taugen? Gibt es Derartiges in irgendeiner anderen Wissenschaft, daß man einen Text, der keinerlei Zuverlässigkeit bietet, als Grundlage für die eigene Wissenschaft nimmt? Natürlich nicht! Aber die Herren Professoren der modernistischen „Theologie“ muten ihren Leuten genau das zu. Warum sind sie nicht so ehrlich und werfen die ganze Heilige Schrift in den Papierkorb und suchen sich eine andere Arbeit? Nun wohl vor allem deswegen, weil sie nirgends so leicht so viel Geld verdienen können. Letztlich können sie sich einfach irgendetwas frei zusammenphantasieren und sodann als neueste exegetische Erkenntnis ausgeben. Eines ist gewiß, je glaubensloser ihre neueste „Einsicht“ ist, desto mehr Beifall werden sie ganz sicher von den Medien erhalten.

Aber kommen wir nochmals kurz auf „Kardinal“ Müller zurück. Auch bei ihm findet sich ein verräterischer Satz, nämlich: "…das Entscheidende ist, dass sich hier die Verheißung erfüllt, dass Jesus aus dem Stamm Davids in der Stadt Davids geboren wird. Das wäre auch nicht anders, wenn er woanders geboren worden wäre.“ Nein, Herr Müller, das wäre schon grundlegend anders, denn wenn unser Herr nicht in einem Stall bei Bethlehem, sondern einfach in Nazareth geboren wäre, dann würden die Evangelisten ihren Bericht gleich mit einer glatten und dreisten Lüge beginnen – den Bericht über denjenigen, der sagen wird: „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota oder Häkchen vom Gesetz vergehen, bis alles erfüllt ist“ (Mt 5, 18). Und: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24, 35). Und: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich“ (Joh 14, 6).

Außerdem ist der Grund, warum wir die Evangelisten nicht einfach einer vorsätzlichen Fälschung, also einer dreisten Lüge bezichtigen dürfen, durchaus kein rein natürliches Vertrauen in ihre Wahrhaftigkeit – das doch die Modernisten gerade nicht haben, weshalb sie alles, was diese schreiben, systematisch bezweifeln – sondern der übernatürliche Glaube, daß die heiligen Evangelien Wort Gottes sind. Eine Lüge steht nun einmal der Wahrhaftigkeit Gottes vollkommen entgegen! Hieraus erkennt man ganz klar, die Modernisten sprechen zwar noch ständig und penetrant vom Wort Gottes, sie glauben aber in keiner Weise mehr daran.

Also nochmals: Die Evangelisten, die das Leben ihres Herrn und Meisters niederschreiben wollen – ihres Meisters, der von sich gesagt hat: Ich bin die Wahrheit! – lügen nach den Modernisten fröhlich darauf los, und wollen mit ihren Lügen den Glauben an Jesus Christus predigen. Absurder, perverser, dümmer geht es wirklich nicht mehr. Ein Gott, dem man mit erfundenen, erlogenen Geschichten sein Gottsein zuerkennen muß! Was für ein armseliges Göttlein wäre denn das! Dabei wollen die Herren Modernisten ihren Anhängern allen Ernstes einreden, daß das gar nichts macht, weil doch die Evangelisten nur über den Glauben sprechen und nicht Geschichte schreiben wollen. Gibt es denn einen wahren Glauben, der den geschichtlichen Tatsachen widerspricht?

Auf so einen Glauben kann jeder vernünftige Mensch gerne verzichten. Bei so einem geistigen Wirrwarr braucht sich dann auch niemand mehr wundern, wenn dieser „Kirche“ immer mehr Menschen den Rücken zukehren, dieser „Kirche“, die diese Zerstörung des katholischen Glaubens auch noch mit Millionen Euros an Gehältern jährlich bezahlt und selber weltweit systematisch betreibt. Fallen nicht die allermeisten ausgebildeten „Theologen“ der Menschenmachwerkskirche allein durch ihren ausgeprägten Unglauben auf?

Die Anpassung des „Weihnachts“-Festes an den modernen Unglauben

Es fällt nun auf, obwohl der Unglaube immer mehr überhandnimmt, wird immer noch fleißig Weihnachten gefeiert. Das ist nur möglich, weil der moderne Mensch das Fest seinem Unglauben gemäß umgeformt hat. Weihnachten ist das Fest des Friedens, das Fest der Liebe, der Mitbrüderlichkeit und vor allem und zuerst das Fest des Kommerzes. Der moderne Geschäftsgeist hat kurzerhand aus dem hl. Nikolaus den Weihnachtsmann gemacht und Weihnachten zum Hauptgeschäft des ganzen Jahres im Einzelhandel. Wenn wir schon nicht mehr an den Sohn Gottes glauben, dann laßt uns wenigstens Geschäfte machen – so denkt der Weltmensch. Das moderne Weihnachten ist ein Fest mit viel Gefühl des Friedens und der Liebe und noch mehr ein Fest nicht nur des gefühlten, sondern des tatsächlichen jährlichen Rekordgewinnes.

Die wahre Christnacht

Wir Katholiken denken – Gott sei Dank! – noch anders. Wir wissen noch um das Geheimnis der Heiligen Nacht und das Wunder, das in dieser Nacht geschieht. Der österreichische Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl (1897-1973) schreibt einmal: „In der Heiligen Nacht tritt man gern einmal aus der Tür und steht allein unter dem Himmel, nur um zu spüren, wie still es ist, wie alles den Atem anhält, um auf das Wunder zu warten.“ Es ist schon wahr, die Heilige Nacht ist eine Wundernacht für den, der noch den wahren Glauben besitzt. Die ganze Schöpfung hält den Atem an, denn nach so vielen Jahrhunderten erscheint endlich der göttliche Heiland. Man muß es erspüren, wie das göttliche Wohlwollen die ganze Welt erfüllt, sobald Jesus geboren wird.

Auch in dieser Heiligen Nacht ist es wieder geschehen: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt; auf Seinen Schultern ruht die Weltherrschaft. Sein Name ist: Künder des großen Ratschlusses.“ Darum: „Singet dem Herrn ein neues Lied; denn Wunderbares hat Er getan.“ So das Eingangslied der dritten Messe dieses hochheiligen Weihnachtsfestes. Kein wahrer Katholik kann ungerührt die Kunde von dem neugeborenen Gottessohn hören. Keiner kann zuhause bleiben, nein, alle wollen zur Krippe ziehen, um das neugeborene Christkind zu sehen. Das geschieht nun schon beinahe 2000 Jahre. Der hl. Glaube an Jesus Christus bewegt die Welt, die Menschen kommen zu ihrem Heiland.

Nur ist der Zug in den letzten Jahrhunderten immer kleiner geworden. Der göttliche Ernst der weihnachtlichen Botschaft ist immer mehr aus dem Blick geraten. Wie erstaunt einen das, denn wie kann man den Sohn Gottes nicht ernst nehmen, wie kann man an die Krippe treten, ohne niederzuknien und Ihn als den einzig wahren Gott anzubeten? Wie dankbar muß jeder sein, der noch weiß, ohne unseren Herrn Jesus Christus gibt es kein Weihnachten, gibt es keine Heilige Nacht, gibt es keinen Grund zur Freude – und deswegen auch keinen Grund, sich zu beschenken. Denn Er, Jesus Christus, ist DAS Weihnachtsgeschenk, und Er, Jesus, ist unsere Freude. Ohne Jesus ist alles hoffnungslos, sinnlos und unendlich traurig.

Das unerschöpfliche Himmelsglück

Um jedoch diese Tatsache fassen zu können, braucht man den hl. Glauben. Das göttliche, übernatürliche Licht des Glaubens allein macht das Unsichtbare sichtbar. Aber dieses Sichtbarmachen geschieht auf eine ganz außergewöhnliche Weise. Bedenken wir mit dem hl. Dionysius vom Areopag, diesem im Gottesgeheimnis vom hl. Paulus selbst wohlunterrichteten Priester und großen Gelehrten, diesem gottbegeisterten Stauner und alles Überschöne Liebenden Folgendes: „Denn es ist gar nicht möglich, daß der urgöttliche Strahl in uns hineinleuchte, es sei denn, daß er durch die bunte Fülle der heiligen Umhüllungen, welche einen erhöhten Sinn enthalten, verdeckt und so in väterlicher Fürsorge unseren Verhältnissen gemäß und entsprechend angepaßt sei.“

Das unendliche Wesen Gottes bleibt uns ewig unergründlich – selbst in der Ewigkeit. Nie hat man als Geschöpf Gott ganz erkannt, Ihn nie vollkommen verstanden. Er bleibt selbst in der beseligenden Anschauung des Himmels ein Geheimnis. Wir werden im Himmel sozusagen eine Ewigkeit lang nicht mehr aus dem Staunen herauskommen – unsere Seligkeit hört nie auf, immer neu beseligend zu sein. Darum ist das Himmelsglück unerschöpflich. Wir glauben nun ganz und gar und felsenfest: In der Krippe liegt Gottes Sohn – sehen können wir aber nur ein Menschenkind. Was für eine wunderbare, heilige Aufgabe ist es somit, „durch die bunte Fülle der heiligen Umhüllungen“ der Menschheit Jesu das Geheimnis Seiner Gottheit herauszuschälen.

Wir müssen es uns etwa so vorstellen: Damit wir von der unendlichen Majestät Gottes nicht erdrückt werden, damit wir am überhellen Licht Seiner Gottheit nicht erblinden, hat Gott „in väterlicher Fürsorge“ das Geheimnis Seines ewigen Sohnes „unseren Verhältnissen gemäß und entsprechend angepaßt“. Er ist ein Menschenkind geworden, das wir nach Belieben betrachten und bewundern und selbst herzen können. Niemand hat Angst vor einem Kind, aber vor der Majestät Gottes zittern die Cherubim und Seraphim! Sobald man deswegen beginnt, „durch die bunte Fülle der heiligen Umhüllungen“ zum göttlichen Wesen hindurchzudringen, beginnt man unwillkürlich zu staunen und sich zu wundern, ja man beginnt zu erschrecken und ebenfalls zu zittern wie die Cherubim und Seraphim. Denn solche Majestät hat man dann doch nicht in dem kleinen, neugeborenen Kind erwartet. Somit wird jede tiefere Erkenntnis dieses Kindes in der Krippe uns dazu bewegen, uns davor niederzuknien und es aus ganzem Herzen anzubeten.

Das zweite Wunder der heiligen Weihnacht

Unser Gebet an der Krippe ist sodann der Anfang unseres Weges zurück zu Ihm, dem dreifaltigen Gott. Denn sobald wir an der Kippe niederknien und Ihn anbeten, beginnt das zweite Wunder der hl. Weihnacht Gestalt anzunehmen: die gnadenhafte Verwandlung unserer Seele. Diese muß selber christusförmig werden, macht uns doch die Weihnachtsgnade zu Gotteskindern. Er ist wahrhaft unser Erlöser! Er verwandelt unsere Sündenwelt wieder in eine Gnadenwelt. Auch hierzu nochmals die lichtvollen Erwägungen hl. Dionysius:

„Wir wollen uns also mit unseren Gebeten durch höheres Aufschauen zu den urgöttlichen und urgütigen Strahlen zu erheben versuchen; gleichsam als ob wir, wenn eine lichtstrahlende Kette von den Höhen des Himmels herabhinge und wir diese mit ständig abwechselnd greifenden Händen immer weiter hinauf erfaßten; diese scheinbar zu uns herabzögen; während wir sie in Wirklichkeit nicht zu uns herunterbrächten, da sie ja oben und unten zugleich ist, sondern wir selbst uns zu dem höheren Glanz der lichtspendenden Strahlen emporhöben.“

Es ist eine Erfahrungstatsache: Je vertrauter uns das göttliche Kind wird, desto vertrauter wird uns auch die göttliche Wirklichkeit des Himmels. Wie schön drückt das der hl. Dionysius aus: „Wir wollen uns also mit unseren Gebeten durch höheres Aufschauen zu den urgöttlichen und urgütigen Strahlen zu erheben versuchen.“ Durch unsere Gebete übersteigen wird die sichtbare Wirklichkeit und sehen im Lichte Gottes, unserem übernatürlichen katholischen Glauben, in dem Kind dessen göttliche Natur und erkennen Ihn als die zweite göttliche Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Sind die Worte des hl. Dionysius nicht eine erstaunlich treffende, ins Weihnachts-Geheimnis zielende Beschreibung unserer Begegnung mit dem göttlichen Kind? Es ist schon wahr, wenn wir die menschlichen Züge des Kindes betrachten, müssen uns unsere vom übernatürlichen Glauben getragenen Gebete, welche ein „höheres Aufschauen zu den urgöttlichen und urgütigen Strahlen“ sind, zu Seiner göttlichen Natur erheben. Nur dann „sehen“ wir die ganze Wirklichkeit des Kindes, nämlich daß Er Sohn Mariens und zugleich Sohn des ewigen Vaters ist.

Bitten wir also ganz besonders unsere himmlische Mutter inständig um diese Weihnachtsgnade, sodaß wir durch das göttliche Kind anbetend hinaufgehoben werden in Sein himmlisches Reich – das jetzt ganz nahe bei uns ist, ja hier im Stall von Bethlehem eine offene Türe hat. Wir müssen nur im Glauben in den Stall gehen. Keine Angst, Er ist da!

Ein Blick in den Stall zu Bethlehem

Gehen wir also einfach einmal zusammen mit den Hirten zum Stall. Wenn wir dann vor der Stalltüre stehen, bitten wir recht inständig: „Oh, hl. Josef, öffne doch die Stalltüre und laß uns herein.“ Wir hören den hl. Josef leise zur Türe kommen, die sich langsam öffnet. „Kommt nur herein, ihr guten Leute“, begrüßt uns der hl. Josef und fügt hinzu: „Es ist nur ein Stall.“ Das sagt er wie eine Entschuldigung, denn er war immer noch ganz verwundert über diese seltsame Tatsache. Er konnte tatsächlich nur einen Stall als Herberge finden, nirgends war Platz für sie. Die göttliche Vorsehung hatte einen Stall für dieses göttliche Wunder ausgesucht!

Sobald man sich jedoch nur ein klein wenig genauer umschaut, in diesem Stall sind nicht nur der Ochse und der Esel, sondern auch viele Engel. Ganz dichtgedrängt muß man schon sagen, füllen sie den ganzen Raum aus, denn am liebsten wären natürlich alle Engel dabei gewesen. Irgendwie muß es eine göttliche Anordnung gegeben haben, wer von den Engeln nach Bethlehem darf und wer vom Himmel aus zuschauen muß. Jedenfalls ist hier alles irgendwie himmlisch.

Bei der Krippe wartet die himmlische Mutter, zu der wir uns auch sogleich mit der Bitte wenden: „O wunderbare Mutter, zeige mir doch Dein Kind und führe mich Du zu Jesus.“ Maria blickt auf und winkt uns herbei: „Schaut nur, mein Kind – und unser Gott.“ Sobald man dieses Kind nur ein klein wenig anschaut, weiß man es wieder: Wir Menschen brauchen Himmelsseligkeit, sehr viel Himmelsseligkeit. Nur so können wir uns vom Bann dieser sündigen Welt lösen. Wir brauchen dieses Kind, das in der Krippe liegt, damit die Gnade uns aus dem Fluch der Sünde herauslösen kann. Ja, das Christkind bringt uns die Himmelsseligkeit zurück, was für eine unvorstellbar große und unerwartete Freude. Wenn nämlich ER, der ewige Sohn des Vaters in der Krippe liegt, dann kann man die Seligkeit gar nicht mehr fassen: „O Vater, wie bist Du so unendlich gut zu uns! Du sendest Deinen Sohn und schenkst uns Ihn als Erlöser und Freund.“

Ein Gespräch mit dem Jesuskind

Weil wohl die meisten Leser die notwendige Übung im Betrachten des göttlichen Kindes nicht haben, wollen wir uns einen Heiligen als Vorbild nehmen und ihm zuhören, wie er mit dem Jesuskind vertraute Zwiesprache hält. Der hl. Hieronymus wohnte die letzten 35 Jahre seines Lebens in Bethlehem, und zwar ganz in der Nähe der Geburtsgrotte. Natürlich hat der Heilige viele Male in der Geburtsgrotte gebetet und das Wunder der hl. Weihnacht betrachtet. Von ihm ist ein Gespräch mit dem Jesuskind überliefert. Er schreibt:

So oft ich diesen Ort anschaue, hat mein Herz ein süßes Gespräch mit dem Kindlein Jesus.
Ich sage: „Ach, mein HERR JESUS, wie zitterst du, wie hart liegst du um meiner Seligkeit willen! Wie soll ich dies vergelten!“
Da dünkt mich, wie mir das Kindlein antworte: „Nichts begehr ich, lieber Hieronymus, als singe: EHRE sei GOTT in der Höhe! Laß dir's nur lieb sein: Ich will noch dürftiger werden im Ölgarten und am heiligen Kreuz.“
Ich spreche weiter: „Liebes Jesulein, ich will dir was geben, ich will dir all mein Geld geben.“
Das Kindlein antwortet: „Ist doch zuvor Himmel und Erde mein. Ich bedarf's nicht, gib's armen Leuten. Das will ich annehmen, als wäre mir's selber widerfahren.“
Ich rede weiter: „Liebes Jesulein, ich will's gerne tun, aber ich muß dir auch für deine Person etwas geben oder muß vor Leid sterben.“
Das Kindlein antwortet: „Lieber Hieronymus, weil du ja so kostfrei bist, so will ich dir sagen, was du mir sollst geben. Gib her deine Sünde, dein böses Gewissen und deine Verdammnis.“
Ich spreche: „Was willst du damit machen?“
Das Jesuskind sagt: „Ich will's auf meine Schultern nehmen, das soll meine Herrschaft und herrliche Tat sein, wie Jesaja vorzeiten geredet hat, daß ich deine Sünde will tragen und wegtragen.“
Da fange ich an bitterlich zu weinen und sage: „Kindlein, liebes Kindlein, wie hast du mir das Herz gerührt! Ich dachte, du wolltest was Gutes haben, so willst du alles, was bei mir böse ist haben. Nimm hin, was mein ist! Gib mir, was dein ist! So bin ich der Sünde los und des ewigen Lebens gewiß!“

Christus des Glaubens oder Jesus der Geschichte?

Offensichtlich war der hl. Hieronymus zwar ein großer Gelehrter und ausgezeichneter Kenner der Heiligen Schrift, aber kein moderner „Theologe“, sonst wäre er von Bethlehem nach Nazareth gezogen. Wobei eher anzunehmen ist, er hätte dann wohl eher gleich alles bleiben lassen, weiß man doch als moderner „Theologe“ sowieso nicht, was nun damals wirklich geschehen ist. Und irgendeinem religiösen Wahn hinterherzulaufen, dazu wäre der hl. Hieronymus sicherlich nicht fähig gewesen. Nun, um darauf zurückzukommen, genau das muten die modernen „Theologen“ seit über einem Jahrhundert den Katholiken zu. Auf der Internetseite der „Frankfurter Rundschau“ ist unter dem Titel „Historiker erklärt die Evangelien - Weihnachten: Die Fakten zur Geburt von Jesus Christus - Weihnachtsgeschichte der Bibel“ zu lesen:

„Für erstaunlich viele Theologen sind die Evangelien reine Glaubenszeugnisse und keine historischen Biografien. So sieht es zumindest die von dem protestantischen Theologen Rudolf Bultmann (1884-1976) begründete Schule der ‚historisch-kritischen Exegese‘, dessen Thesen auch Katholiken übernommen haben. Danach darf es nichts Übernatürliches geben, hat sich Gott nie in der Geschichte offenbart. Jesus war ein apokalyptischer Wanderprediger, dessen Verkündigung im Judentum auf Widerstand stieß, der scheiterte und hingerichtet wurde. Seine Jünger wollten den Tod ihres Meisters nicht wahrhaben, bestanden darauf, dass er auferstanden sei und weiterleben würde. Jahrzehnte später hätten christliche Gemeinden das, was sie von Jesus noch wussten und glauben wollten, schriftlich fixiert – so seien die Evangelien entstanden.“

Es ist schon recht befremdlich, auch „Katholiken“ haben die glaubenslosen Thesen Rudolf Bultmanns übernommen und angefangen, vom Jesus der Geschichte und vom Christus des Glaubens zu schwafeln. Für jeden vernünftig denkenden Menschen würde es vorneweg feststehen – und so war es auch all die Jahrhunderte für jeden Katholiken selbstverständlich – zwischen dem Jesus der Geschichte und dem Jesus des Glaubens kann es keine Widersprüche geben. Im Gegenteil, da das Leben Jesu Christi das Fundament unseres christlichen Glaubens ist, so müssen jene, die uns die Botschaft Jesu verkünden zunächst Augenzeugen gewesen sein, sie müssen in ihren Berichten selbst Erlebtes und Gehörtes wiedergeben. Nur dann sind sie ernst zu nehmen und tauglich, ein wahres Evangelium zu verkünden.

Verrückte orientalische Urheber des christlichen Glaubens?

Nun haben die Modernisten bekanntermaßen alles auf den Kopf gestellt. Nach ihnen sollen die ersten Christen traumatisierte Männer und Frauen gewesen sein, die ihr Trauma von der Kreuzigung ihres „Messias“ dadurch aufarbeiteten, daß sie Ihm so sehr eine Auferstehung von den Toten andichteten, daß sie dieses Märchen schließlich selber glaubten. Man stelle sich das einmal vor: Unser christlicher Glaube geht auf lauter Psychopaten zurück, die sich in einen solchen Wahnglauben verstiegen, daß sie für diesen Irrsinn schließlich sogar bereit waren, scharenweise Hab und Gut zu riskieren und sich martern zu lassen, also sich kreuzigen, geißeln, häuten, zerschlagen und mit Salz und Essig einreiben oder auf dem Rost braten zu lassen! Dagegen sind doch selbst die schlimmsten modernen Psychosekten ein harmloser Kindergarten.

Die Modernisten schwafeln, um diesen Irrsinn glaublich zu machen, von der anderen Art in der Antike, Wirklichkeit zu fassen. Erst später habe man das ursprünglich Erlebte (d.h. das Trauma und dessen psychopathische Aufarbeitung) durch den Einfluß der Philosophie in staubtrockene logische Schlüsse gefaßt, also allein von der Vernunft her verstanden, was an sich den Orientalen vollkommen fremd gewesen sei. Lassen wir einen solcherart angeblich verrückten Orientalen zu Wort kommen:

„Wenn aber verkündet wird, daß Christus von den Toten auferstanden ist, wie können dann einige von euch behaupten, es gäbe keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, ist unsere Predigt hinfällig, hinfällig auch euer Glaube! Dann stehen wir auch als falsche Zeugen Gottes da, weil wir gegen Gott bezeugt haben, er habe Christus auferweckt, - den er ja nicht auferweckt hat, wenn die Toten nicht auferweckt werden. Denn wenn die Toten nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, ist euer Glaube nichtig; dann seid ihr noch in euren Sünden. Und auch die in Christus Entschlafenen sind verloren. Wenn wir in diesem Leben unsere Hoffnung nur auf Christus gesetzt haben, sind wir die beklagenswertesten unter allen Menschen“ (1 Kor. 15, 12-19).

Was für eine eiskalte Logik, was für eine unüberbietbare Klarheit der Aussage – und was für ein umwerfender Realismus! Wenn Jesus Christus nicht tatsächlich, wirklich, leiblich auferstanden ist, dann sind auch die in Christus Entschlafenen verloren und wir sind betrogene Betrüger, die beklagenswertester sind als alle anderen Menschen. Wie jeder lesen kann, war der hl. Paulus, von dem obige Worte stammen, alles andere als ein Modernist – und zudem entspricht er ganz und gar nicht deren Vorstellungen von einem Orientalen bzw. urkirchlichen Schwärmer. Ganz im Gegenteil, obwohl er damals gelebt hat, hat er nichts von den modernistischen Spinnereien gehalten, ganz anders als die im Text angegriffenen Gegner und Leugner, die durchaus an die Modernisten erinnern. Denn natürlich hat es auch schon damals glaubenslose Menschen gegeben, welche das hl. Evangelium verdrehten und ins Gegenteil verkehrten. Darum mahnt der hl. Paulus in seinem Brief an die Philipper eindringlich:

„Ahmt mir nach, Brüder, und schaut auf jene, die nach dem Vorbild wandeln, das ihr in uns habt! Denn viele wandeln – ich habe von ihnen oft zu euch gesprochen und sage es jetzt unter Tränen – als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihr Ruhm liegt in ihrer Schande, ihr Trachten richtet sich auf das Irdische. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dort erwarten wir auch als Retter den Herrn Jesus Christus, der, vermöge der Macht, durch die er sich alles unterwerfen kann, unseren hinfälligen Leib umwandeln und seinem verherrlichten Leib gleichgestalten wird“ (Phil. 3, 17-21).

Archäologische Funde bezeugen die Historizität der Evangelien

In dem oben erwähnten Artikel der Internetseite der „Frankfurter Rundschau“ wird auf den Historiker Michael Hesemann Bezug genommen, der seltsamerweise eine ganz andere Ansicht als die modernen „Theologen“ vertritt, wo sich doch diese sonst so wissenschaftsgläubig zeigen. Irgendwie scheinen sie aber, wenn es um die Geschichtlichkeit der Evangelien geht, den Zug verpaßt zu haben und völlig veralteten Ansichten anzuhangen. In dem Artikel heißt es nämlich weiter:

„Mittlerweile haben Geschichtswissenschaft, Archäologie und auch Papyrologie gezeigt, dass diese Überzeugungen wohl unhaltbar sind. In den Höhlen von Qumran am Toten Meer wurde womöglich ein Fragment des Markus-Evangeliums entdeckt, das demnach vor dem Jahr 50 entstanden wäre. Das wohl früheste Evangelium könnte also binnen zwei Jahrzehnten nach der Auferstehung Christi, als die Erinnerung an ihn noch lebendig war, verfasst worden sein. Archäologische Ausgrabungen zeigen, wie präzise die Autoren der Evangelien das Heilige Land beschrieben; eine ganze Reihe von Details, die man zuvor für fiktiv hielt, konnte bestätigt werden. Das spricht dafür, dass die Texte auf Augenzeugenberichte zurückgehen, dass sie vertrauenswürdige historische Dokumente sind.“

„Auf den Spuren Jesu“

Wobei hier durchaus nicht nur neueste Erkenntnisse diese Einsicht stützen, hat doch schon Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts Gerhard Kroll S.J. ein sehr umfangreiches und beeindruckendes Werk über die archäologischen Funde, welche die Angaben der Heiligen Schrift bestätigen, verfaßt. Auf über 500 großflächigen Seiten befindet sich der Jesuit „Auf den Spuren Jesu“. Im Vorwort schreibt er:

„Menschliche Geschichte ereignet sich in Raum und Zeit. Auch die Offenbarung als Begegnung Gottes mit den Menschen steht unter dem gleichen Gesetz. So lebte Jesus in einem ganz bestimmten Land, er gehörte zu einem ganz bestimmten, von Gott erwählten Volk, seine irdische Lebenszeit war eingeordnet in eine ganz bestimmte Spanne der Weltgeschichte.
Die Darstellung jener Ereignisse, die das irdische Leben begleiten, ergibt an und für sich keinen Glaubensbeweis. Der Glaube ruht einzig auf dem Zeugnis Gottes und erhält dadurch seine absolute Gewißheit. Doch ist zu beachten, daß Gott durch Jesus von Nazaret handelnd in das Weltgeschehen eingegriffen hat. Diesem Heilstun Gottes entspricht eine Heilsgeschichte auf Seiten der Menschen. Damit wird auch das »irdische« Geschehen um Jesus von Nazaret und in seinem Leben für die Menschen aller Zeiten bedeutsam. Die Darstellung der geschichtlichen Umwelt kann eine Hilfe sein, das Zeugnis Jesu lebendiger zu hören und einen Weg zum göttlichen Geheimnis der Person Jesu Christi zu finden.
Dieser Weg ist nicht neu. Bereits Origenes (gest. um 254), der bedeutendste Bibelgelehrte der griechischen Kirche, rühmt sich als erster in der langen Kette der Traditionszeugen, der »an den Orten auf der Suche nach den Spuren Jesu« gewesen sei. Jede Generation muß den Weg neu suchen.“ (Gerhard Kroll, Auf den Spuren Jesu, Verlag Katholische Bibelwerk Stuttgart, S. 7)

Das sichtbare Eingreifen Gottes in das Weltgeschehen

Wenn Jesus Christus der wahre Sohn Gottes, der eingeborene Sohn des Vaters ist, dann kann es gar nicht anders sein, Sein Leben muß göttliche Züge gehabt haben und diese göttlichen Züge müssen auch in gewissem Maße sichtbar geworden werden, wenn wir vernünftigerweise glauben sollen. Es „ist zu beachten, daß Gott durch Jesus von Nazaret handelnd in das Weltgeschehen eingegriffen hat“. Dieses Handeln Gottes ist geschichtliche Tatsache und muß als solche greifbar, erkennbar sein. Dieses sichtbare Eingreifen Gottes bildet die Glaubwürdigkeitsgründe unseres hl. Glaubens. „Der Glaube ruht zwar einzig auf dem Zeugnis Gottes und erhält dadurch seine absolute Gewißheit“, aber dennoch setzt er die geschichtlichen Tatsachen voraus, wie wir schon vom hl. Paulus gehört haben. Wäre es nicht so, dann wäre der Glaube irrational – wie es der modernistische Glaube auch durch und durch ist. Wie Gerhard Kroll hervorhebt, entspricht diesem Heilstun Gottes eine Heilsgeschichte auf Seiten der Menschen. Unser Glaube ist eine Antwort auf das Leben des Gottmenschen Jesus Christus, eine Antwort auf Seine Heilstat, Sein Erlöserleiden.

Wie wir schon kurz gehört haben, waren für die Modernisten ganz besonders die Kindheitserzählungen erfundene Geschichten der Urgemeinde, um den Messiasanspruch Jesu Christi literarisch darzustellen. Ein wichtiger Grund für diese Ansicht ist dabei natürlich die Behauptung der Jungfrauengeburt und sodann das Erscheinen der drei Magier aus dem Morgenland. Solche Berichte klingen doch allzu phantastisch in den Ohren der ungläubigen Modernisten, bei denen es doch keine Wunder und auch keine Prophezeiungen geben darf. Ganz im Gegenteil zum modernistischen Vorurteil, zeigt Gerhard Kroll, wie erstaunlich genau der Evangelist Matthäus in seiner doch recht knapp gehaltenen Darstellung der Ereignisse manche Details berichtet und seine Sachkenntnis durch entsprechende Fachbegriffe verrät.

Der Stern von Bethlehem

Über den Stern, den die drei Magier im Morgenland beobachtet hatten und aufgrund dessen Erscheinung sie sich auf dem Weg nach Jerusalem gemacht haben gibt es eine Reihe von Vermutungen. Wir folgen den spannenden Untersuchungen Gerhard Krolls in seinem Buch „Auf den Spuren Jesu“:

„Im Jahre 1925 gelang es dem Orientalisten Paul Schnabel, eine fast zweitausend Jahre alte babylonische Keilschrifttafel zu entziffern. Diese Tontafel stammt von der Sternwarte Sippar am Euphrat. Auf ihr sind alle wichtigen astronomischen Ereignisse des Jahres 7 v. Chr. vornotiert. Das Hauptthema dieses alten Sternkalenders aber ist die wissenschaftliche Sensation des Jahres: die große Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Während vieler Monate führten beide Planeten ihre eindrucksvollen Schleifenbewegungen am Himmel aus, und dreimal zog der schnellere Jupiter in größter Nähe am Saturn vorbei…
Mit Hilfe astronomischer Nachrechnungen und durch Vergleiche mit den spätbabylonischen Ephemeriden-Tafeln der vorausgegangenen Jahre 11/10 v. Chr. und 9/8 v. Chr., die ebenfalls in Sippar aufgefunden wurden, sind wir in der Lage, die Vorgänge am Himmel im einzelnen zu beschreiben. Schon Ende des Jahres 8 v. Chr. waren Jupiter und Saturn nach Sonnenuntergang am Westhimmel sichtbar, etwa 16° voneinander stehend, Jupiter noch im Wassermann, Saturn bereits in den Fischen. Im Februar 7 v. Chr. verschwanden dann beide in den Strahlen der Sonne und blieben für mehrere Wochen unsichtbar. Das erste Erscheinen des Jupiters im Frühaufgang wurde von den babylonischen Weisen als bedeutsames Ereignis zum 13. Adaru ihres Jahres 304 der Seleukidenära (16. März 7 v. Chr.) erwartet. Für den 3. Nisannu, den ersten Monat des neuen Jahres 305 (4. April 7 v. Chr.), war der Frühaufgang des Saturns vorausberechnet. Jupiter stand 8° westlich vom Saturn. In den Nächten der folgenden Wochen werden sich die Astronomen oftmals vor Sonnenaufgang vom Schlaf erhoben haben, um zu beobachten, wie der Jupiter immer näher an den Saturn heranrückte und diesen schließlich am Ende des Monates Aiaru (29. Mai 7 v. Chr.) erreichte. Das war die erste Konjunktion von Jupiter und Saturn im 21. Grad der Fische mit nur 1° Unterschied in der Breite bei derselben Länge. Anfang Juni entfernten sie sich etwas voneinander, da der schnellere Jupiter den Saturn überholte. In der zweiten Julihälfte standen beide Planeten zum ersten Male still und wurden dann rückläufig, so wie es die Keilschrifttafel mit exakten Daten angibt. Am 15. September ging Jupiter akronychisch auf und trat am folgenden Tag in Opposition zur Sonne.
Das gleiche tat auch sein nur um 1° in der Länge entfernter Begleiter. Wenn die Sonne im Westen verschwand, gingen die Planeten im Osten auf, und wenn sie wieder im Westen versanken, erschien im Osten das Tagesgestirn. Um Mitternacht sah man die beiden hellleuchtenden Planeten nebeneinander genau in der Mitte des Himmels im Zeichen der Fische in der Nähe des Frühlingspunktes. Inzwischen näherte sich Jupiter noch mehr dem Saturn und erreichte diesen am 3. Oktober im 18. Grad der Fische (Länge des Jupiters und Saturns: 347,22°; Breite des Jupiters: -1,75°; Breite des Saturns: -2,72°). Beide Planeten waren vom Abend bis zum Morgen sichtbar, und um Mitternacht strahlten beide hoch im Meridian. Der schnellere Jupiter eilte weiter nach Westen über Saturn hinaus, und Anfang November lag dieser bereits mehr als eine Vollmondbreite hinter ihm zurück. Aber seine Bewegung verzögerte sich immer mehr, das gleiche galt auch für Saturn. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten, nämlich am 20. und 21. Arah'-samna (12./13. und 13./14. November 7 v. Chr.), standen beide Planeten zum zweiten Male still und kehrten um. Beide Planeten zogen nahe hintereinander, Saturn voraus, wieder gegen Osten. Der schnellere Jupiter erreichte Saturn am 5. Dezember zum dritten Male im 16. Grad der Fische (Länge von Jupiter und Saturn: 345,45°; Breite des Jupiters: -1,46°; Breite des Saturns: -2,51°), von Abend bis Mitternacht sichtbar, und entfernte sich dann endgültig von ihm. Das Doppelgestirn löste sich auf. Anfang März des Jahres 6 v. Chr. verschwanden beide Planeten in den Strahlen der Sonne. Das sind die astronomischen Tatsachen der Planetenkonstellation von Jupiter und Saturn im Jahre 7 v. Chr. Zu Beginn des Jahres ging das Planetenpaar heliakisch auf, am Ende des Jahres heliakisch unter. Das ganze Jahr hindurch blieben Jupiter und Saturn sichtbar, ohne sich auch nur um 3° voneinander zu entfernen. Sie zogen am Himmel vereint hin und her, wobei sie sich dreimal begegneten bei einer Breitendifferenz von nur einem Grad (das sind etwa zwei Vollmonddurchmesser).“ (Ebd. S. 86)

Beim Lesen dieses historischen Berichts über die damaligen Sternenbewegung kann man das immer größere Staunen und vermehrte Herzklopfen unserer Sterndeuter aus dem Morgenland erahnen. So etwas hatten sie noch niemals beobachtet, denn dieses gleiche Schauspiel im Sternbild der Fische sollte sich erst wieder acht Jahrhunderte später wiederholen. Da wir nun den Sternkunde-Befund aus einer unabhängigen Quelle kennen, stellt sich die Frage, was findet sich davon im Evangelium des Matthäus wieder?

Der Bericht im Matthäus-Evangelium

Gerhard Kroll stellt fest:

„An drei Stellen redet der Bericht mit den griechischen Fachausdrücken der zeitgenössischen astronomischen Literatur von dem »Stern«: von seinem Aufgang, von seinem Erscheinen und Stillstehen. Zunächst überliefert uns Matthäus die präzise Aussage der Weisen: »Wir haben seinen Stern gesehen« (2,2). Das nächste Wort heißt im griechischen Text: in der »anatole«. Sprachforscher haben herausgefunden, daß dieses griechische Wort »anatole«, in der Einzahl gebraucht, eine spezielle astronomische Bedeutung hat. Es bezeichnet den sogenannten heliakischen Aufgang eines Gestirns, d. h. das Sichtbarwerden eines Sternes in der Morgendämmerung kurz vor Sonnenaufgang. In der Mehrzahl gebraucht, hat aber dieses Wort eine geographische Bedeutung, nämlich: Morgenland - Anatolien - Osten.
An unserer Stelle im Evangelium (Mt 2, 2) steht es in der Einzahl. Es darf also nicht, wie seit Jahrhunderten in vielen deutschen Übersetzungen zu finden ist, übersetzt werden: »Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen«, sondern es muß genauer heißen: »Wir haben seinen Stern im Aufgang gesehen.«
Wie überraschend diese kurze Notiz des Evangelisten mit den astronomischen Tatsachen des Jahres 7 v. Chr. in Übereinstimmung gebracht werden kann, zeigt ein Blick auf die spätbabylonischen Ephemeriden-Tafeln. Diese geben für den Frühaufgang des Jupiters den 16. März des Jahres 7 v. Chr. als zuverlässiges Datum an.“ (S. 86f)

Der Evangelist Matthäus hat also durchaus gewußt, wovon er sprach und seine Sterndeuter waren keine Märchenfiguren, sondern Fachmänner, die wohl in einer jahrhundertealten Tradition standen – wie wir noch zeigen werden. Aber folgen wir zunächst noch einmal kurz Gerhard Kroll, der auf eine weitere Besonderheit des Matthäusevangeliums verweist:

„Auch in der Frage des Königs Herodes an die Weisen überliefert uns der Evangelist ein Verbum, das damals eine speziell astronomische Bedeutung hatte: »Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erforschte von ihnen genau die Zeit, da der Stern erschienen war« (Mt 2, 7). Das hier verwendete Verbum »erscheinen« bedeutete ebenfalls in der damaligen astronomischen Fachsprache das erste Erscheinen eines Sternes im Frühaufgang. Da nach der damaligen Auffassung zugleich mit der Geburt eines Menschen auch »sein« Stern aufgeht, erkundigte sich also Herodes nach der Zeit des Frühaufganges, um damit zugleich das Alter des vermeintlichen Thronprätendenten zu erfahren. ... Als die Weisen in Jerusalem ankamen, leuchtete der Jupiter bereits im zweiten Jahr, wenn man nach damaligem Brauch angebrochene Jahre wie ganze zählte. Die von den Weisen gegebene Auskunft über das Datum des Frühaufganges schien darum dem König ausreichend, den Mordbefehl nur auf zwei Jahrgänge auszudehnen.“

Es ist doch auffallend, wie ernst Herodes die Weisen nimmt und wenig ernst die Modernisten den hl. Matthäus nehmen. Sie übertragen offenbar ihre dem Unglauben entspringende Fälschungssucht einfach auf die hl. Evangelisten.

Die Prophetie des Zarathustra

Dabei gibt es noch weitere bemerkenswerte Fakten, die den hl. Matthäus stützen. Der Historiker Michael Hesemann erklärt in dem oben schon erwähnten Bericht der Internetseite der „Frankfurter Rundschau“, wie die Magier lernten, den neuen Stern mit dem neugeborenen König der Juden in Zusammenhang zu bringen, mit einem König der Juden, der so bedeutsam war, daß sie sich auf den Weg machten, um ihn zu ehren:

„Die Magoi folgen seit dem 6. Jh. v. Chr. einem eigenen Propheten, Zarathustra. Der hat persischen Quellen nach vorausgesagt, dass eines Tages ein Retter mit dem Namen ‚Saoshyant‘ geboren würde, was wörtlich ‚Heilbringer‘, also Heiland, bedeutet. Er würde von einer Jungfrau geboren, würde das Böse besiegen, Tote erwecken und ein neues Zeitalter einleiten. Sein Kommen würde durch die Geburt eines neuen Sternes angekündigt.“

Allmählich ahnt man, was in den Herzen unserer Sterndeuter vor sich gegangen sein muß, als ihnen diese seltsame Sternenkonstellation erschien. Hesemann berichtet weiter:

„So wies er die Magoi an, nach diesem Stern Ausschau zu halten. Nun standen die antiken Perser in ihrer Religion den Juden sehr nahe. Auch Zarathustra lehrt, es gäbe nur einen Gott. Jüdische Quellen halten ihn für einen Schüler des Propheten Daniel, der zur gleichen Zeit wie Zarathustra am persischen Königshof wirkt, während die Perser glauben, Daniel sei ein Schüler des Zarathustra gewesen. Später gründet Königin Esther in Ekbatana eine jüdische Kolonie. Gleich zweimal, nach der Machtergreifung des Herodes und im 7. Jh. n. Chr., verbünden sich Juden mit den Persern. So kann kein Zweifel bestehen, dass den Magoi die jüdischen Messiaserwartung bekannt gewesen ist. Sie haben genau gewusst, wo sie suchen müssen!“

Wenn das nicht höchst erstaunlich ist! Noch lange, nachdem die Israeliten wieder aus ihrer Gefangenschaft in Babylon nach Judäa und Jerusalem zurückgekehrt waren, lebte die Sehnsucht nach dem Messias weiter. Der Prophet Daniel hat Schüler zurückgelassen, die sozusagen von der Ferne aus, das Kommen des Erlösers erflehten und erwarteten. Antike Astrologen deuteten die auffallende Konstellation von Jupiter und Saturn am Nachthimmel darum so: „Ein großer König wird geboren und steigt auf, um über Israel zu herrschen und das Böse zu bekämpfen.“

Eine Supernova

Aber damit war immer noch nicht der Höhepunkt der Erregung erreicht, wie Michael Hesemann hinzufügt:

„Wenige Wochen später ereignet sich die eigentliche Sensation am Nachthimmel: Im Sternbild Adler flammt eine Supernova auf, wie der britische Astronom Prof. Mark Kidger chinesischen und koreanischen Aufzeichnungen entnimmt. Eine Supernova ist eine Sternenexplosion, doch dem Beobachter erscheint sie wie die Geburt eines Sterns. So findet sich im ‚Protoevangelium‘ eine präzise Beschreibung einer Supernova: ‚Wir sahen einen gewaltigen Stern, der leuchtete unter den anderen Gestirnen auf und ließ ihr Licht erblassen.‘ Das ist Mitte März 5 v. Chr.; in eben dem Monat, in den die frühen Christen die Geburt des Herrn datieren.
Für die Magoi, deren Gott Ahura Mazda mit Adlerschwingen dargestellt wird, ist die scheinbare Sternengeburt im Adler ein eindeutiges Zeichen – der Heilbringer muss geboren sein. Die vorausgegangenen Himmelszeichen haben immer wieder auf Israel verwiesen. So setzen sie sich in Bewegung, legen die 1700 Kilometer nach Jerusalem in rund 50 Tagen zurück. Natürlich zieht die Supernova ihnen nicht wirklich voran. Doch nach den Gesetzen der Himmelsmechanik würde ein Stern, der im Osten auftaucht, jede Woche eine halbe Stunde früher am Nachthimmel erscheinen, bis er, nach zwei Monaten, exakt im Süden steht. Als sich die Magoi also Mitte Mai 5 v. Chr. von Jerusalem aus ins südlich gelegene Bethlehem aufmachen, müssen sie den Stern direkt vor sich gehabt haben! Tatsächlich geht aus den chinesischen und koreanischen Aufzeichnungen hervor, dass die Supernova gut neun Wochen lang am Himmel sichtbar gewesen ist – also nur, bis die Sterndeuter Bethlehem erreicht haben!“

Was für eine göttliche Inszenierung am Sternenhimmel zur Geburt des Heilandes der Welt! Wie beeindruckend muß erst dieses erneute Himmelsschauspiel für die Heiligen Drei Könige gewesen sein. Etwas von dieser heiligen Erregung hallt im Bericht des hl. Matthäus wider. So kurz dieser auch ist, so eindringlich verlebendigt er das damalige Ereignis: Der Einzug in Jerusalem – Die Frage: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern im Aufgang gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.“ – das Erschrecken des Herodes – die Befragung der Schriftgelehrten und deren Antwort – die überaus große Freude, als sie den Stern wiedersahen und dieser sie schließlich zum Stall geleitet…

Und da soll man glauben, daß das alles nur eine erfundene Geschichte sein soll?! Nein, ganz im Gegenteil, das alles war aufregendste Geschichte! So etwas hatte man noch nie erlebt! Wann werden die Modernisten endlich aufwachen und einsehen, daß sie selber die Erzähler erfundener Lügengeschichten sind? Wann werden sie sich von ihrem Unglauben abwenden und sich bekehren? Es ist zu befürchten, das wird nie der Fall sein, denn die alten Heiden waren noch viel leichter zu bekehren als die heutigen Neuheiden, die letztlich alles abgefallene Katholiken sind.