Antimodernist.org
Antimodernist.org

1. Juli 2018  -  Kirche, Kirchliches Lehramt

„…und lehrte das Volk vom Schiffe aus“

Das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus kann einen Katholiken heutzutage schon wehmütig machen, denn was für ein Unsinn wird besonders über den heiligen Petrus gepredigt. Mitverantwortlich für die außerordentliche Verwirrung der Geister, wenn es um den Apostel Petrus und seine Nachfolger, die Päpste, geht, sind die Herren in den weißen Soutanen in Rom seit nunmehr sechs Jahrzehnten – alle überragend Herr Bergoglio. Dieser ist jederzeit für eine Karikatur gut – mal weltoffen, mal banal oder brüskierend, alle Konventionen brechend, tangotanzend oder auf der Abrißbirne – die allermeisten Karikaturen passen so auffallend genau, weil er selbst doch nur noch die Karikatur eines Papstes ist. Leider sind die meisten sog. Katholiken nicht mehr dazu fähig, diese Karikatur eines Papstes von einem wahren Papst zu unterscheiden. Weil es doch überaus wünschenswert ist, diese Unterscheidung zuwege zu bringen, wollen wir uns einige Gedanken machen über das, was einen Papst der katholischen Kirche eigentlich zum Papst macht.

Das lebendige Wort Gottes

Das Fundament des christlichen Glaubens ist die Erkenntnis, das Wort Gottes ist Fleisch geworden, um uns zu erlösen, und, was damit wesensnotwendig verbunden ist, uns darüber zu belehren, wie man das ewige Leben wiedererlangen kann. Die persönliche Erlösung setzt schließlich die Erkenntnis der besonderen, von Gott gewählten Art der Erlösung voraus. Diese Kenntnis vermittelt uns der heilige katholische Glaube, den uns Unser Herr Jesus Christus gelehrt hat.

Aber wie genau schenkt uns der Sohn Gottes den heilsnotwendigen Glauben? Wie gelangen wir konkret zu jenem Glauben, den Unser göttlicher Herr von uns erwartet? Hierzu gibt es heutzutage keine Klarheit mehr, ist doch der Glaube nicht nur inhaltlich, sondern auch seiner Art nach unter den sog. Katholiken recht verschieden.

Es ist schon recht auffallend und im Grunde immer wieder sehr überraschend, sobald man es bedenkt: Jesus, der ewige Sohn des himmlischen Vaters, die ewige Weisheit und göttliche Wahrheit in Person, hat kein einziges Wort aufgeschrieben. Jedenfalls ist mit keinem Wort erwähnt, daß Unser Herr etwas niedergeschrieben hätte (außer einmal in den Sand, als die Pharisäer die Ehebrecherin vor Ihn geführt hatten), daß er Schriften verfaßt hätte, die dann im Volk herumgereicht wurden. Warum ist von Unserem göttlichen Herrn und Lehrmeister keine einzige Zeile auf uns gekommen, warum hat Er keine Briefe geschrieben, keine Abhandlungen oder Bücher verfaßt? Warum hat der größte Gelehrte der Weltgeschichte, warum hat der göttliche Schriftsteller, der DAS WORT ist, nichts niedergeschrieben?

Es läßt sich leicht ausmalen, mit welcher Ehrfurcht man auch nur einen ganz kurzen Text aus der Feder Jesu aufbewahrt und diesen Papyrus als eine kostbarste Reliquie verehrt hätte. Wie hätte man Seine Handschrift bewundert und mit höchstem Interesse betrachtet, Seine Ausdrucksweise und Seinen Stil bis ins kleinste Detail hinein studiert? Wäre es zudem nicht viel besser, viel effektiver, viel überzeugender gewesen, wenn Er selber die wichtigsten Lehren über Gott und unsere Erlösung niedergeschrieben hätte? Was wäre das für eine Sensation, DAS JESUSBUCH schlechthin zu besitzen, beglaubigt mir Seiner höchstpersönlichen Unterschrift!

Offensichtlich war es jedoch nicht so, wie wir es uns ausdenken und ausmalen. Es wäre nicht besser gewesen, wenn der göttliche Lehrmeister ein eigenes Buch geschrieben hätte, denn sonst hätte Er es auch getan. Wir wissen jedenfalls mit vollkommener Sicherheit aus der Tradition, Er schrieb nichts selber nieder, sondern überließ diese Arbeit den Aposteln und Evangelisten. Diese sind Seine vom Heiligen Geist inspirierten Biographen und Berichterstatter. Was ist aber der tiefere Grund dafür, daß Er selber nichts niederschrieb? Was ist des Rätsels Lösung?

Wir vergessen eines so leicht und nur allzu schnell: Seine Lehre ist viel mehr als bloßes Menschenwort, das in einem Buch niedergeschrieben werden kann. Wir müssen sogar feststellen, selbst wenn es ein inspiriertes Wort ist, also Gottes Wort wie in der Heiligen Schrift, das doch den Heiligen Geist als Autor hat, ist es nicht leicht, den göttlichen Ursprung dieser Schriften zu greifen und dieses Wort als Wort Gottes recht zu verstehen, wofür uns die Protestanten genügend Anschauungsunterricht geben. Wie hat etwa ein Martin Luther all jene beschimpft und verbal zum Teufel geschickt, die mit seiner Auslegung der Heiligen Schrift nicht einverstanden waren, weil sie meinten, sie anders verstehen zu müssen als er. Aber lassen wir das einmal so stehen, denn darauf wollen wir jetzt nicht näher eingehen.

Wie kommen wir zum übernatürlichen Glauben?

Um unser Rätsel zu lösen, müssen wir nach etwas anderem fragen, nämlich: Wie ist es mit dem göttlichen Glauben? Wie kommen wir zu diesem übernatürlichen Glauben? Den Schlüssel zum Verständnis gibt uns der hl. Paulus, wenn er im Römerbrief erklärt: „Somit kommt der Glaube vom Hören, und das Gehörte aus dem Wort Christi“ (Röm 10, 17). Der Glaube stammt also unmittelbar aus der Predigt, noch etwas genauer gesagt aus dem gesprochenen Wort Christi – und sodann der der Predigt der Apostel. Die Predigt aber ist ein lebendiges Wort. Unser göttlicher Lehrmeister wollte uns einen lebendigen Glauben durch das lebendige Wort der Predigt schenken. Deswegen predigt Er, der die göttliche Wahrheit ist, dem Volk das Wort Gottes. Er offenbart und erklärt ihm die Geheimnisse Gottes und unserer Erlösung – und Er allein kann uns diese Geheimnisse erklären, weil Er allein sie kennt. Zum Schluß der Abschiedsreden, nachdem Unser göttlicher Herr den Aposteln viele Geheimnisse Seines gottmenschlichen Erlöserherzens geoffenbart hat und Seine Reden mit der zusammenfassenden Feststellung endet: „Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen. Ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater“, sagten diese voller Staunen: „Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und niemand dich erst zu fragen braucht. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist“ (Joh 16,30).

Der katholische Glaube kommt also vom gesprochenen Wort Jesu Christi. Wie aber soll es mit der Predigt weitergehen, wenn Er nicht mehr in unserer Menschenwelt ist? Wenn Er in den Himmel aufgefahren sein wird, wer predigt dann das Wort Gottes, das uns allein den göttlichen Glauben abverlangen kann, weil es die von Gott verbürgte Wahrheit ist? Wer besitzt dann noch das lebendige Wort, das einen lebendigen Glauben in den Menschenherzen zu zeugen vermag? Wir erhalten die Antwort im Evangelium von wunderbaren Fischfang: „Er stieg in das eine der Schiffe, das dem Simon gehörte, und bat ihn, etwas vom Lande zu fahren. Dann setzte Er Sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus“ (Lk. 5,3).

Der irrtumsfreie Lehrstuhl Petri

Dieses Geschehen hat einen tiefen Symbolgehalt. Es verdeutlicht, daß Unser Herr Jesus Christus Seiner Kirche die Verkündigung und Bewahrung der göttlichen Lehre anvertraut, also das Amt zu predigen und zu leiten übertragen hat. Errichtet Er doch im Schiff Petri den Lehrstuhl, der keinen Irrtum kennt, sondern die Völker in der göttlichen Wahrheit festigt und jeden Katholiken zum Glaubensgehorsam diesem Lehrstuhl gegenüber verpflichtet, wie es im (ersten und einzigen) Vatikanischen Konzil dargelegt wird: „Wir lehren und erklären demnach: Die römische Kirche besitzt nach Anordnung des Herrn den Vorrang der ordentlichen Gewalt über alle anderen Kirchen. Diese Macht der Rechtsbefugnis des römischen Bischofs, die wirklich bischöflichen Charakter hat, ist unmittelbar. Ihr gegenüber sind Hirten und Gläubige jeglichen Ritus und Ranges, einzeln sowohl wie in ihrer Gesamtheit, zur Pflicht hierarchischer Unterordnung und wahren Gehorsams gehalten, nicht allein in Sachen des Glaubens und der Moral, sondern auch der Ordnung und Regierung der über den ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche. Durch Bewahrung dieser Einheit mit dem römischen Bischof in der Gemeinschaft und im Bekenntnis desselben Glaubens ist so die Kirche Christi eine Herde unter einem obersten Hirten. Das ist die Lehre der katholischen Wahrheit, von der niemand abweichen kann, ohne Schaden zu leiden an seinem Glauben und an seinem Heil“ (Vatikanisches Konzil, 1869/70, DS 3060).

Hierzu noch die entsprechende Verurteilung des entgegenstehenden Irrtums durch das Vatikanum: „Wer also sagt, der römische Bischof habe nur das Amt einer Aufsicht oder Leitung, und nicht die volle und oberste Gewalt der Rechtsbefugnis über die ganze Kirche – und zwar nicht nur in Sachen des Glaubens und der Moral, sondern auch in dem, was zur Ordnung und Regierung der über den ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche gehört – oder wer sagt, er habe nur einen größeren Anteil, nicht aber die ganze Fülle dieser höchsten Gewalt, oder diese seine Gewalt sei nicht ordentlich und unmittelbar, ebenso über die gesamten und die einzelnen Kirchen wie über die gesamten und einzelnen Hirten und Gläubigen, der sei ausgeschlossen“ (DS 3064).

Die Lehre der Kirche ist ganz klar und jeder Katholik sollte sie sich angesichts der großen Verwirrung entsprechend vergegenwärtigen: „Die römische Kirche besitzt nach Anordnung des Herrn den Vorrang der ordentlichen Gewalt über alle anderen Kirchen“, d.h. der anderen Ortskirchen, also der über die Welt verteilten Diözesen. Dabei ist die „Macht der Rechtsbefugnis des römischen Bischofs, die wirklich bischöflichen Charakter hat, … unmittelbar“, der Papst kann, wenn nötig, jedem Bischof, Priester, Kleriker oder Laien direkt befehlen, insofern es um eine Sache des Glaubens, der Sitte oder kirchlichen Disziplin geht. Deswegen sind ihm gegenüber „Hirten und Gläubige jeglichen Ritus und Ranges, einzeln sowohl wie in ihrer Gesamtheit, zur Pflicht hierarchischer Unterordnung und wahren Gehorsams gehalten, nicht allein in Sachen des Glaubens und der Moral, sondern auch der Ordnung und Regierung der über den ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche“.

Der antiautoritäre und damit gehorsamslose moderne Mensch

Es ist eine leicht feststellbare Tatsache, der moderne Mensch hat große Schwierigkeiten mit jeglicher Form der Autorität und daraus folgend mit dem Gehorsam. Aufgrund der leidvollen Erfahrungen ganzer Völker in totalitären Systemen, also Diktaturen der verschiedensten Art, wird meist jeglicher Gehorsam anderen gegenüber spontan zurückgewiesen. Da alle Menschen gleich sind, wie man sagt, könne ein derartiger Gehorsam gar nicht gefordert werden, ohne die Menschenwürde anzutasten. Es kommt noch hinzu, daß jeglicher Gehorsam als blinder Gehorsam abgestempelt und verworfen wird. Wobei selbst in religiösen Schriften nicht selten vollkommener Gehorsam mit blindem Gehorsam gleichgesetzt bzw. verwechselt wird. Daraus läßt sich leicht erkennen, welche Probleme der moderne Mensch mit dem Gehorsam der Kirche gegenüber hat und welche Gefahren daraus dem rechten Verständnis des übernatürlichen Glaubens drohen, der seinem Wesen nach Glaubens-Gehorsam ist.

Der vollkommene Glaubensgehorsam

Für die Erhaltung unseres katholischen Glaubens ist es darum notwendig, hierin ganz klar unterscheiden zu lernen. Zunächst gilt es einzusehen, im natürlichen Bereich gibt es letztlich keinen vollkommenen Gehorsam, vielmehr ist jeglicher natürliche Gehorsam immer bedingungsweise, weil er Menschen gegenüber ausgeübt wird – Menschen, die immer Schwächen haben, die sich selbst irren und andere täuschen können. Darum ist es sogar moralisch verwerflich, also sündhaft, einem Menschen gegenüber einen unbedingten oder blinden Gehorsam zu leisten.

Anders ist es Gott gegenüber. Gott allein kann und darf einen unbedingten Gehorsam fordern – und Er fordert diesen Gehorsam von jedem Menschen im heiligen Glauben. Der Mensch muß nämlich das göttliche Offenbarungswort mit vollkommenen Glauben annehmen, d.h. er muß es auf das Zeugnis Gottes hin ganz und gar, also zweifelsfrei für wahr halten, um das ewige Leben zu erlangen, selbst wenn oder gerade dann, wenn er es nicht mit seiner Vernunft begreifen kann: „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16,16).

Anders ausgedrückt: Der übernatürliche Glaube besteht seinem Wesen nach darin, daß der Mensch sein eigenes, persönliches, subjektives Urteil dem Urteil Gottes vollkommen unterordnet. Der übernatürliche Glaube wird aufgrund der Autorität Gottes geleistet, der man sich vollkommen unterwirft. Gemäß der Lehre des Vatikanums „sind wir gehalten, dem offenbarenden Gott im Glauben vollen Gehorsam des Verstandes und des Willens zu leisten. Dieser Glaube aber, der der Anfang des menschlichen Heiles ist, ist nach dem Bekenntnis der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, durch die wir mit Unterstützung und Hilfe der Gnade Gottes glauben, daß das von ihm Geoffenbarte wahr ist, nicht wegen der vom natürlichen Licht der Vernunft durchschauten inneren Wahrheit der Dinge, sondern wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch täuschen kann. ‚Der Glaube ist nämlich‘ nach dem Zeugnis des Apostels ‚die Gewißheit zu erhoffender Dinge, der Beweis des nicht Sichtbaren‘ [Hebr 11,1]“ (DH 3008).

Nun wird jedoch dieser Akt der Unterordnung des eigenen Urteils unter das Urteil Gottes gewöhnlich gar nicht konkret greifbar, spricht doch Gott nicht direkt zu uns. Das, was den Glauben zu einem übernatürlichen Glauben macht – ich glaube diese Wahrheit „wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch täuschen kann“ – muß darum irgendwie konkretisiert werden, wenn es überhaupt einen übernatürlichen Glauben geben soll. Andernorts (vgl. Der wahre Glaubensbegriff) haben wir diesbezüglich schon auf die Arbeit von Prof. Dr. Wilhelm Bartz über „Die lehrende Kirche“ verwiesen, in welcher anhand der Gedanken des Dogmatikers M. J. Scheeben der hier benannte Zusammenhang aufgearbeitet wird.

In den ausführlichen Arbeiten Scheebens betont dieser die Notwendigkeit eines konkreten Glaubenszeugnisses für den übernatürlichen Glauben. Der Glaubende weiß sich „sowohl als Untertan einer transzendenten Macht, der Autorität Gottes, wie als Glied einer Weltgemeinschaft, der Kirche, in der alle Christgläubigen vereint und verbunden sein müssen, weil Gott der beherrschende Mittelpunkt aller denkenden Wesen ist. ‚Die Autorität Gottes ist die letzte und höchste Regel des Glaubens, und durch sie wird daher auch innerlich und wesentlich die Einheit des allgemeinen Glaubens bedingt und bestimmt (unus Deus – una fides [ein Gott – ein Glaube]).‘ Gott ist aber auch für den Gläubigen ein ‚Deus absconditus‘ [ein verborgener Gott]. Darum kann er seine universale Herrschaft über den menschlichen Geist nicht in eigener Person ausüben. Anderseits soll sein Reich in dieser Welt sichtbare Gestalt annehmen in der Gesamtheit des Glaubensvolkes. Das macht es notwendig, daß er auf Erden Stellvertreter beruft und sie mit seiner Lehrgewalt und Lehrvollmacht ausstattet, damit sie in seiner Autorität und Kraft ‚jeden Verstand in die Unterwürfigkeit Christi gefangennehmen‘ (2 Kor. 10,5) und zu jeder Zeit und für jedermann das Gesetz und die Richtschnur des Glaubens gewährleisten und geltend machen. Durch diese Unterwerfung unter das eine und allgemeine Glaubensgesetz werden die Gläubigen zu der sichtbaren Glaubensgemeinschaft der Weltkirche um die Träger der Lehrhoheit zusammengeschlossen.“

Die Glaubensregel (regula fidei)

Weiter im Text: „Füglich darf man jetzt den Begriff der regula fidei [Glaubensregel] enger fassen und sagen: ‚Die in der Stellvertretung Gottes verkörperte Lehrautorität Gottes ist es, was wahrhaft und eigentlich die katholische, d. h. allgemein gültige und bindende Glaubensregel ausmacht.‘ Die Aufgabe der lehrenden Kirche kann sich daher nicht darauf beschränken, das bei ihr deponierte Offenbarungsgut zu erhalten, zu vermitteln und zu bezeugen und es so in seiner Objektivität und Lebendigkeit den Menschen zur Kenntnis zu bringen, damit sie es sich im Glauben zu eigen machen. Sinn und Würde der göttlichen Selbsterschließung verlangen vielmehr, daß das Wort Gottes ‚in der Kirche so geltend gemacht werde, daß alle Glieder derselben zum gehorsamen, einträchtigen und gemeinschaftlichen Festhalten seines Inhaltes in dessen ganzer Reinheit, Fülle und Kraft verpflichtet und angehalten werden, daß es folglich als öffentliches soziales Gesetz oder Regel des Glaubens und Denkens vorgeschrieben und durchgeführt werde und die ganze kirchliche Gemeinschaft beherrsche und durchherrsche‘“ (Prof. Dr. Wilhelm Bartz, Die lehrende Kirche, Ein Beitrag zur Ekklesiologie M.J. Scheebens, Paulinus-Verlag Trier 1959, S. 93f).

Hier wird die Nahtstelle zum übernatürlichen Glauben klar benannt, die heute kaum noch von jemandem verstanden wird, weil der übernatürliche Glaube fehlt. Es genügt für die Kirche nicht allein, „das bei ihr deponierte Offenbarungsgut zu erhalten, zu vermitteln und zu bezeugen und es so in seiner Objektivität und Lebendigkeit den Menschen zur Kenntnis zu bringen, damit sie es sich im Glauben zu eigen machen“. Denn dann würden die Menschen sich immer noch den Glauben aufgrund der eigenen Einsicht zu eigen machen und somit wäre das Glaubensmotiv nicht übernatürlich, sondern natürlich. Erst wenn „das Wort Gottes ‚in der Kirche so geltend gemacht werde, daß alle Glieder derselben zum gehorsamen, einträchtigen und gemeinschaftlichen Festhalten seines Inhaltes in dessen ganzer Reinheit, Fülle und Kraft verpflichtet und angehalten werden, daß es folglich als öffentliches soziales Gesetz oder Regel des Glaubens und Denkens vorgeschrieben und durchgeführt werde und die ganze kirchliche Gemeinschaft beherrsche und durchherrsche‘“, wird der Glaube zu einem übernatürlichen Glauben, weil man aufgrund der göttlich verbürgten Autorität der unfehlbaren kirchlichen Lehrverkündigung diesem Wort Glauben schenkt.

Seiten: 1 2 3 Beitrag drucken... Beitrag drucken...