Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl – einst und heute

Wenn wir die Gleichnisse Jesu hören, denken wir viel zu selten daran, wie sehr gerade in diesen die göttliche Weisheit des Erzählers zum Ausdruck kommt. Unser Herr Jesus Christus kleidet die zeitlose Wahrheit in zeitliche Bilder. Dadurch geschieht es, daß diese Bilder aus unserer Welt, die uns auch heute noch, also nach immerhin bald 2000 Jahren, ganz vertraut vorkommen und es auch tatsächlich sind, eine Verständnisbrücke bilden zur unsichtbaren Welt Gottes. Besonders an den Gleichnissen Jesu erkennt man spontan, die Wahrheit wird niemals alt und sie ändert sich durchaus nicht im Laufe der Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte, wie man heute allenthalben meint. Auch heute noch sind die Gleichnisse Jesu so lebendig wie damals, als sie unser Herr den Aposteln und dem Volk erzählte und auch heute noch sind sie uns eine unentbehrliche Hilfe, das verborgene Himmelreich zu fassen.

Wir wollen zunächst einmal ganz ausdrücklich anhand von einigen Kommentaren zu dem Gleichnis vom König und vom Hochzeitsmahl zeigen, wie zeitlos gültig das Wort Gottes ist – ehe wir auf eine Predigt eines Modernisten zu sprechen kommen, die uns zeigt, was geschieht, wenn dieses System des Irrglaubens den Geist verwirrt. Man könnte nämlich irrigerweise meinen, wie es die Modernisten auch tun, wenn man dieses hl. Evangelium erklärt, müsse man es möglichst modern erklären und es der heutigen Zeit und Sprache anpassen. Man müsse alles vermeiden, was dem modernen Menschen nicht in den Kram paßt und man dürfe nur das sagen, was ihm gefällt und es auch so sagen, daß es ihm gefällt und infolgedessen müsse man alles meiden, was ihm mißfällt.

Das ist freilich ein großer Unsinn, denn wie sollte man die göttliche Wahrheit auf dem Verständnishintergrund der modernen Gottlosigkeit erklären können? Gerade das kommt schließlich auch in dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl zum Ausdruck, das ganz ausdrücklich auf den auf dem ersten Blick recht merkwürdig erscheinenden Kontrast zwischen dem König und Seiner Einladung und den Gästen hinweist. Jeder Hörer des Gleichnisses muß doch unwillkürlich denken: Wie kann man nur eine solche Einladung ausschlagen? Wie kann man sich so leichtfertig entschuldigen und vorgeben, man habe keine Zeit, wenn man zu einer königlichen Hochzeit geladen worden ist? Je mehr man sich in diese Seltsamkeit hineindenkt, desto deutlicher wird die innere Spannung dieses Gleichnisses.

In einem Kommentar aus dem Jahr 1841 – also in einem 176 Jahre alten Kommentar! – wird versucht, den Gedankenreichtum dieses Gleichnisses in Worte zu fassen. Hören wir diese Ausführungen aus „Sebastian Winkelhofer´s zusammenhängende Predigten über das ganze apostolische Glaubensbekenntnis auf alle Sonn- und Festtage des katholischen Kirchenjahrs“, Regensburg 1841, Verlag von G. Josef Manz:

„Das Himmelreich ist einem Könige gleich,
der seinem Sohne Hochzeit hielt.“
(Matth. 22,2)

Viel und mannigfach sind die Gleichnisse, in welchen uns die hl. Schrift öfter das ewige Leben beschreibt, und gleichsam im Schatten vorhält. Aber keines kommt in den hl. Schriften besonders des Neuen Bundes häufiger vor, als jenes, in welchem uns das selige und ewige Leben unter dem Namen und Bilde einer hochzeitlichen Feierlichkeit und eines hochzeitlichen Mahles vorgestellt wird, wie auch wieder im heutigen Evangelium, das so anfängt: „Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hochzeit hielt.“ Dieser König, wie aus den hl. Vätern Kornelius a Lapide erklärt, ist Gott der Vater. Der Sohn des Königs und der Bräutigam bei dieser Hochzeit ist der Mensch gewordene Sohn Gottes; die Braut ist die Kirche, und zwar nicht bloß die streitende auf Erden, sondern auch, und vorzüglich, die triumphierende im Himmel. Denn dort wird die Hochzeit Christi, die bei seiner Menschwerdung angefangen hat, erst vollendet werden, und ihre Vollkommenheit erlangen. Zwar ist schon jetzt auf Erden dieses Hochzeitsmahl bereitet, bei welchem das Wort Gottes, die Sakramente und die göttlichen Gnaden dargereicht werden; und dazu werden die Menschen berufen und eingeladen, aber in keiner andern Absicht, als daß sie von diesem zeitlichen Mahle der Gnade zum ewigen Mahle der Glorie, zum Hochzeitsmahle des Lammes, was kein Ende mehr nimmt, übergehen. Weil also diese Vergleichung des ewigen Lebens mit einem Gastmahle in den hl. Schriften sehr häufig ist, und gewiß nicht umsonst vom Hl. Geiste vorgestellt wird, sondern als sehr passend, um uns teils eine großen Begriff vom ewigen Leben einzuflößen, teils um in uns eine wirksame Sehnsucht danach zu erwecken, so wollen wir heute zur weiteren Erläuterung des zwölften Glaubensartikels das ewige Leben betrachten, als das vornehmste und ewige Gastmahl, zu dem wir alle geladen sind, und zu dem wir auch ohne Zweifel zugelassen werden, wenn wir uns nur jetzt auf die gehörige Weise vorbereiten. Zwei Punkte habe ich also zu erklären:
1) die Vortrefflichkeit des Gastmahles,
2) die gebührende Vorbereitung dazu.
Unser freigebigster Gott beruft uns alle zum ewigen Leben, wie zu einem Hochzeitsmahl. O wie vortrefflich und kostbar ist dieses Mahl von Seiten Gottes! Der beste, gütigste Gott lädt uns zum ewigen Leben, wie zu einem Hochzeitmahl ein. O welch‘ große und genaue Vorbereitung erfordert und verdient dieses Gastmahl von unserer Seite! Heilige Jungfrau Maria, erflehe uns von deinem göttlichen Sohne den gehofften Nutzen aus dieser Betrachtung!

Winkelhofer schreibt zu Punkt I.

Nicht ohne Grund oder umsonst vergleicht die hl. Schrift so oft das ewige Leben und dessen Freuden, die uns im Himmel verheißen sind, mit einem großen Mahle, das im himmlischen Sion allen Auserwählten zubereitet werden wird. „Der Herr der Heerscharen wird allen Völkern auf diesem Berge ein fettes Mahl bereiten.“ (Is. 25,9), und zwar wird es ein Hochzeitsmahl sein, und (Offenb. 19,9): „Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.“ – und es wird nicht ein gewöhnliches, sondern ein königliches Hochzeitsmahl sein, wie Christus heute erklärt. Nichts konnte in irdischen Dingen die völlige Sättigung, die wir im ewigen Leben haben werden, und das große Mahl, wo man alles im Überfluß hat, passender ausdrücken, nicht die Freuden des ewigen Lebens besser erklären, als eine Hochzeit, bei der es gewöhnlich sehr fröhlich hergeht; nichts mehr die erhabene Größe des ewigen Lebens andeuten, als eine königliche Hochzeit, wo alles aufgeboten wird, was zur menschlichen Pracht gehört. Und weil wir arme Sterblichen [Bellarmin de act. felic.] in diesem Tränen-Tal nichts Größeres sehen oder wünschen, so will Gott uns sinnlichen Menschen dadurch die unaussprechliche Glorie des ewigen Lebens vorbilden. Übrigens wird jene himmlische Hochzeit umso vortrefflicher und besser sein als eine irdische, um wie viel der Himmel von der Erde absteht, und um wie viel Gott, der sie bereitet, an Macht und Reichtum die Könige dieser Erde übertrifft. Aus allen Gastmahlen, welche deswegen, wie die Schrift sagt, angestellt wurde, finden wir kein größeres und prächtigeres als jenes, das einst der mächtige König Assuerus gab, und das im Buche Ester Kap. I. ausführlich beschrieben wird. „Es war in den Tagen des Xerxes, jenes Xerxes, der von Indien bis Äthiopien über 127 Provinzen herrschte. Als König Xerxes in der Residenz Susa auf seinem Königsthron saß, gab er im dritten Jahr seiner Regierung allen seinen Fürsten und Beamten ein Festmahl, zu dem sich die Kriegsobersten der Perser und Meder mit den Edelleuten und Fürsten der Provinzen bei ihm einfanden. Dabei stellte er seinen Reichtum, seine königliche Herrlichkeit, seine glanzvolle Pracht und Größe gar viele Tage, 180 Tage lang, zur Schau.
Als diese Tage zu Ende waren, gab der König auch allem Volk, das sich in der Residenz Susa befand, hoch und niedrig, ein siebentägiges Festmahl im Hof des Gartens, der am königlichen Palast lag.
An silbernen Ringen und Marmorsäulen waren mittels Schnüren von Byssus und rotem Purpur Behänge von weißer Baumwolle und violettem Purpur befestigt. Auf dem Fußboden, der aus Alabaster, weißem und dunklem Marmor und Perlmuttsteinen war, standen goldene und silberne Ruhelager. Die Getränke wurden in goldenen Gefäßen gereicht; jedes Gefäß war von dem anderen verschieden. Königlicher Wein war dank der Freigebigkeit des Königs in Menge vorhanden. Nach königlicher Anweisung durfte man niemand zum Trinken nötigen. Denn der König hatte allen seinen Hausverwaltern befohlen, jedem seinen freien Willen zu lassen.“
– So daß nichts Prachtvolleres gelesen und ausgedacht werden kann, als jenes Gastmahl, man mag seine Veranstalter, oder den Ort, oder die Anzahl und den Adel der Gäste, oder die Art der Speisen, oder endlich die Dauer des Gastmahles betrachten. Aber was ist alle Pracht dieses Gastmahles im Vergleich mit jenem, das uns bereitet wird, und zu dem wir alle geladen werden im ewigen Leben, im Himmel! Vergleichen wir ein wenig nach den vorzüglichsten Umständen das eine mit dem anderen: 1) von wem, 2) wo, 3) für wen, 4) wie, 5) auf wie lange wird jenes Hochzeitsmahl im Himmel angestellt?

1) von wem

Groß und unvergleichlich wird jenes Gastmahl sein, wenn wir auf den Veranstalter oder den Gastgeber sehen, der kein Anderer ist, als Gott selbst, der größte und beste. Vieles trägt zur Pracht eines Gastmahles der Urheber desselben bei. Je größer dieser ist, desto glänzender bewirtet er seine Gäste. Daß das Gastmahl des Absalom glänzend gewesen sei, wird mit diesen Worten erwähnt: „Absalom hatte ein Gastmahl angeordnet, wie das eines Königs“ (II. Kön. XIII, 22.), d. h. ein solches, wie es selbst einem König ziemte, wie es königliche Pracht und Würde erforderte. Vom himmlischen Gastmahle aber, dessen Urheber Gott selbst ist, muß gedacht und gesagt werden: Gott bereitet seinen Auserwählten im Himmel ein Gastmahl, wie das eines Gottes, d. h. ein solches, wie es Gott geziemt, wie es die Pracht und Freigebigkeit Gottes selbst erfordert. Damit ein Mahl groß wird, wird große Macht, Reichtum und Freigebigkeit von dem erwartet, der es anstellt. Wer weiß nun nicht, daß die Macht und der Reichtum und überdies die Freigebigkeit Gottes unendlich sei. Von einer solchen Macht, Reichtum und Freigebigkeit, d. i. von einer göttlichen und unendlichen, kann nur ein großes, ja das größte Gastmahl herkommen. Von jenem König Assuerus, welcher über 127 Provinzen herrschte, und von seinem Gastmahl wird gesagt, daß er dadurch den Reichtum der Herrlichkeit seines Reiches und die Größe seiner Macht zeigen wollte. Auch der König der Könige, welcher über Himmel und Erde herrscht, will im Himmel vorzüglich seinen Reichtum, seine Macht und Freigebigkeit im vollen Glanz zeigen; was für ein Gastmahl müssen wir also im Himmel von einem solchen Herrn erwarten? Die Pracht eines königlichen Gastmahles wird ungemein erhöht, wenn der König selbst dabei zugegen ist, wenn er selbst seinen Gästen zuspricht, und die Speisen verteilt. Dieses, meine Lieben, dieses wird beim himmlischen Mahle geschehen. Da wird Gott selbst sichtbar zugegen sein, Jesus Christus selbst wird seinen Freunden die wunderbaren Speisen jenes Mahles austeilen, „Er wird umhergehen und sie bedienen.“
— Ja er selbst wird mit ihnen auf eine wunderbare und seinem glorreichen Zustande angemessene Weise essen und trinken: „… wo ich es neu in meines Vaters Reiche trinken werde.“ (Matth. XXVI. 29.) — Er wird selbst uns an seinen Tisch ziehen: „… auf daß ihr an meinem Tisch essen und trinken sollt in meinem Reiche.“ (Luk. XXlI. 29.) —

2) wo

Viel trägt überdies zur Pracht und Freude des Mahles bei 2) der Ort, an welchem es gegeben wird, wenn er bequem und prächtig bereitet ist. Der Ort, an welchem Assuerus sein Gastmahl gab, war, so erzählt die Schrift, bereitet im Vorhofe des Gartens und des Waldes, der durch königliche Pflege gepflegt war, unter den schönsten Teppichen von mannigfachen Farben, unter marmornen Säulen, auf goldenen und silbernen Betten, welche bei den Morgenländern statt der Sessel dienten, auf einem Fußboden, der mit Smaragden und andern kostbaren Steinen belegt war. So beschreibt uns diesen Ort die hl. Schrift. Aber wer wird den Ort jenes Gastmahles, das uns im ewigen Leben bereitet wird, beschreiben können?! Dies werden die Engel und jene glückseligen Seelen können, die schon im Himmel leben. Wir aber, die wir gleich Würmern auf der Erde kriechen, wissen nichts von der Größe, dem Glanz und der Schönheit jenes Ortes. Der Hof jenes Gastmahls ist der Himmel, ist das Haus Gottes, kein königlicher Palast oder Speisesaal. Es ist der Ort des wunderbaren Gezeltes Gottes selbst; nicht seidene Teppiche, nicht goldene Betten. Es ist das himmlische Paradies, nicht ein königlicher Garten oder Wald. Die Erde ist nur ein kleiner Punkt, wenn man sie mit der Größe des Himmels vergleicht; ein Gefängnis, ein Stall ist die Erde, wenn man sie mit der Schönheit des Himmels vergleicht; ein Punkt sind alle irdischen Gastmahle der Könige, nichts sind sie, wenn man sie mit dem Mahle des größten Königs, Christi, vergleicht, nur in Bezug auf den Ort und die Zubereitung. Ausrufen möchte man mit jenem, welcher einst mit Christus zu Tische saß, als er von jenem Mahle redete: „Selig, wer teilnimmt am Mahl im Reich Gottes!“ (Luk. XIV, 15.) —

3) für wen

Wenn der Gastgeber groß, der Ort bequem, angenehm und glänzend ist, so müssen 3) auch die Gäste selbst gut und einander lieb sein, damit das Mahl vergnügt ist. Oft schlägt einer das beste, sonst glänzende und angenehme Mahl aus, wenn er weiß, daß dazu Menschen geladen sind, die entweder an Adel weit niedriger, oder sich feind und wenig gewogen, oder streitsüchtig sind. Wenn aber eine gute Gesellschaft, wenn gleichgesinnte Freunde, die nur ein Herz und ein Sinn sind, zusammenkommen, so schöpft man aus dieser Gesellschaft mehr Vergnügen als aus dem Mahle selbst. Bedenkt nun, meine Lieben, wie das Vergnügen des himmlischen Gastmahles beschaffen sein muß, gemäß der Gesellschaft der Gäste, die da sind die guten Engel und alle Heiligen, alle Kinder Gottes, alle, nicht bloß Fürsten und Vornehme, sondern so viele Könige, die gegeneinander auf’s Freundschaftlichste gesinnt sind, und sich mehr als mit brüderlicher Liebe lieben, alle Gott ähnlich nach jenen Worten (I. Joh. III.): „Wir werden ihm ähnlich sein, weil wir ihn sehen, wie er ist.“ — Von Assuerus wird gesagt, daß er den Fürsten, den Mächtigsten unter den Persern, den Vortrefflichsten unter den Medern und den Vorstehern der Provinzen ein Gastmahl gehalten habe. Auch Christus hält im Himmel den Engeln, welche die Fürsten seines Reiches sind, und den Menschen als seinen mächtigsten Dienern, welche im Kampfe gegen das Fleisch, die Welt und den Teufel Sieger gewesen, ein Gastmahl. O welche Freude wird es sein, mit so großen Fürsten und Helden, mit den Aposteln und Martyrern, mit allen Auserwählten beim himmlischen Gastmahle zu sitzen! mit den hl. Patriarchen und Propheten! „Viele werden mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen.“ (Matth. VIII, II.) — Von den 7 Söhnen Jobs erzählt die hl. Schrift, daß jeder nach der Reihe durch die 7 Tage in der Woche, jeder in seinem Hause, ein Gastmahl hielt, wobei sie und ihre drei Schwestern freundschaftlich und friedlich miteinander speisten. Auch im Himmel werden alle wie Brüder und Schwestern beim Gastmahle sitzen, alle einander lieb und teuer, fröhlich und vergnügt. „Wie Frohlockende sind Alle, die in dir wohnen.“ (Ps. LXXXVI.)
O Christen, freuet euch über eine solche künftige Gesellschaft! Dort wird kein Friedensstörer, keiner einem andern aufsässig sein. Freuet euch, und beweint den Verlust der Freunde und Verwandten nicht, weil ihr Hoffnung habt, sie wieder zu sehen, und ewig mit ihnen am himmlischen Tische zu sitzen!

4) wie

Welche Speisen, welches Getränke werden endlich bei jenem Gastmahle aufgesetzt werden? Bei dem königlichen Gastmahle des Assuerus waren mannigfache und ausgesuchte Speisen in kostbaren Schüsseln aufgetragen. Der Wein war des königlichen Glanzes würdig, ward im Überfluß, vortrefflich und in goldenen Pokalen gereicht. Und welcher Wein, welche Speise wird erst beim himmlischen Mahle aufgesetzt werden? Christus der Herr wird, vom Himmel herabredend, an’s Essen und Trinken erinnern: „Ich trage euch auf, daß ihr esset und trinket an meinem Tische in meinem Reiche.“ Wie ist dies zu verstehen? Wir müssen hier ein zweifaches Mahl, welches die Seligen im Himmel haben werden, unterscheiden; eines, welches der Seele, und ein anderes, welches dem Leibe bereitet wird. Die Speise und der Trank der Seele ist die Anschauung und beseligende Liebe Gottes selbst, oder vielmehr Gott selbst, der auf‘s Klarste erkannt, auf‘s Süßeste geliebt, und der glückseligen Seele mitgeteilt wird. Diese Speise wird die Seele unendlichmal mehr ergötzen und ersättigen, als die ausgesuchtesten Speisen und Getränke den Leib ergötzen. „Ich werde gesättiget werden, wenn deine Glorie offenbar wird. In der Salbung deines Hauses werden sie erquickt, und mit dem Strome deiner Annehmlichkeit wirst du sie tränken.“ (Js. XXXV, 9.) —
Einen Vorgeschmack dieser Speise, und ein sicheres Unterpfand empfangen wir in der hl. Kommunion. Hier gibt sich Christus zwar wahrhaft dar, aber er gibt sich nicht dar zum Erkennen, Hören, Sehen und Schmecken nach seiner Schönheit und Süßigkeit. Er verbirgt uns alles, aber im Himmel werden wir in geoffenbarter Gestalt nicht nur seine Menschheit, sondern auch seine Gottheit schauen; wir werden sie nicht bloß schauen, sondern auch lieben und genießen in Ewigkeit. O unerklärbare Speise! O süßes Gastmahl! Wenn schon das hl. Abendmahl einen so großen Trost gewährt, was wird erst das Hochzeitmahl im Himmel sein?! Wenn das Manna schon von so lieblichem Geschmacke war: „alle Süßigkeiten in sich fassend“ (Weish. XVI, 2N.), was wird erst im Himmel sein?!
In Bezug auf den glorreichen Leib. Auch dieser wird sein Gastmahl, seine Speisen und Getränke haben; zwar nicht Brot oder Wein oder Fleisch oder ähnliche Nahrungsmittel, deren er im Stande der Glorie keineswegs mehr bedarf. Aber doch wird auch der Geschmack dann eine Ergötzung haben, welche Gott den Seligen bereiten wird, als wenn sie immer die schmackhaftesten Speisen kosteten. Und dies ist jener neue Wein, von welchem Christus am letzten Abendmahle sagte, daß er ihn mit seinen Aposteln im Reiche seines Vaters trinken wolle.

5) auf wie lange

Die letzte und vorzüglichste Eigenschaft des himmlischen Gastmahles ist 5) seine Dauer. Das Gastmahl des Assuerus dauerte lange Zeit, 180 Tage. Eine unerhörte Sache, ein Gastmahl von 180 Tagen! Die Hälfte des Jahres ist’s, durch die jene Schmausereien hinausgedehnt wurden. Aber was ist dieser Zeitraum, wenn man ihn mit der Ewigkeit vergleicht, durch welche das Mahl Christi dauert! Jene 180 Tage nahmen endlich ein Ende, jenes halbe Jahr von Freuden ging vorüber. Aber die Zeit des himmlischen Mahles wird nie vorübergehen, wird immer fortdauern. Auf andere Gastmahle und fröhliche Tage folgt öfters eine unruhige Nacht, traurige Tage, Tage der Enthaltsamkeit und des Fastens. Aber auf den Tag des ewigen Gastmahles wird keine Nacht folgen; auf diesen Tag der ewigen Freude folgt kein Tag der Trauer oder des Fastens. Das Gastmahl Absaloms hatte einen blutigen Ausgang; es wurde dabei Ammon von seinem eigenen Bruder ermordet. Das Gastmahl des Balthasar hatte einen traurigen und schrecklichen Ausgang; es erschien eine Hand, welche an die Wand schrieb, und das Ende seiner Regierung und seines Lebens verkündigte. Das Gastmahl der Söhne Jobs hatte einen traurigen Ausgang. Es stürzte das Haus zusammen, und begrub alle Gäste. Auf einen fröhlichen Hochzeitstag folgen oft viele traurige und beweinenswerte Tage. Nichts dergleichen wird bei der himmlischen Hochzeit, beim himmlischen Gastmahl sein, wozu uns Christus einlädt. Jenes wird nicht nur kein trauriges und schreckliches Ende, sondern durchaus gar kein Ende nehmen. Es wird ewig dauern ohne Ekel; kein Ende wird dort angekündigt; der Saal des himmlischen Gastmahles wird nicht zusammenstürzen. Wir werden uns immer freuen, und immer an der Tafel sitzen. Saget, meine Lieben, ist nicht dieses Gastmahl vortrefflich? sagte nicht jener Engel zum Johannes recht: „Schreibe: selig sind, welche zur Hochzeit des Lammes geladen sind“ (Offenb. XIX, 9.), und hinzusetzte: „Diese Worte Gottes sind wahr.“ Wer aber ist zu diesem Mahle geladen? Du und ich, und wir alle. „Kommet zur Hochzeit.“ Niemand aus uns wird wohl mit den Juden sagen: Ich will nicht kommen! — Aber wie? Sind wir auch alle bereit? Ist es hinreichend, geladen zu sein, den Glauben eines ewigen Lebens zu haben? Keineswegs.

Nein, es reicht durchaus nicht, nur den Glauben an ein ewiges Leben zu haben, man muß auch ins ewige Leben eingehen wollen, denn „Viele sind zwar berufen, wenige aber auserwählt“. In dem Gleichnis wird diese Wahrheit schon fast peinlich greifbar, sind doch viele eingeladen, aber nur wenige kommen zur Hochzeit. Die meisten geladenen Gäste begnügen sich mit allerlei fadenscheinigen Ausreden, weshalb der König seine Knechte schließlich an die „Scheidewege“ schickt, damit sie jeden zur Hochzeit laden, den sie finden können. Und seine Knechte „brachten alle herbei, die sie fanden, Böse und Gute“.

Als endlich der Hochzeitssaal aus all jenen, die von den Zäunen und Scheidewegen herbeigebracht wurden, gefüllt ist, fällt einer im großen himmlischen Hochzeitssaal ganz aus der Reihe – derjenige, der kein hochzeitliches Gewand trägt. Über diesen seltsamen Gast kann man sich viele Gedanken machen, wie uns die Kirchenväter zeigen, die der hl. Thomas von Aquin in seiner „Goldenen Kette“ zusammenfaßt. Hören wir einmal, was er allein alles über das hochzeitliche Gewand zu sagen weiß, das diesem Gast fehlt – wobei hier nochmals in Erinnerung gerufen sei, diese Texte sind nicht nur 176 Jahre alt, sondern mehr als 1500 Jahre. Wenn das keine zeitlosen Wahrheiten sind!

„Der Hochzeitssaal“, nämlich Christi und der Kirche, „füllte sich“, als diejenigen, die von den Aposteln gefunden worden sind, für Gott wiedergewonnen wurden und sich zum Hochzeitsmahl setzten. Gute und Böse mußten berufen werden, aber nicht so, daß die Bösen böse blieben, sondern daß sie ihre Gewänder, die nicht zum Hochzeitsfest paßten, ablegen und Hochzeitskleider anziehen, das heißt: aufrichtiges Erbarmen und Güte. Und darum geht der König hinaus und sieht sich die Gäste an, bevor er ihnen das Mahl reicht, um sich zu vergewissern, ob sie Festkleider haben, und er an ihnen Freude hat. Die anderen verurteilt er, und darum heißt es (Origenes, In Matth.): „Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.“
Nicht daß Gott nicht überall wäre; es heißt aber dort [in besonderer Weise] gegenwärtig, wo er einen Menschen richtend anschauen will – wo er das nicht will, da scheint er abwesend zu sein. Der Tag aber, an dem er die Menschen ansieht, ist der Tag des Gerichts, wenn er auf die Christen schaut, die sich am Tisch der Heiligen Schrift niedergesetzt haben. (Chrysostomus)
Was sollen wir anderes unter dem Hochzeitsgewand verstehen als die Liebe? Denn sie hatte der Herr an, als er kam, um sich mit der Kirche zu vermählen. Wer also ohne Hochzeitsgewand zur Hochzeit kommt, ist derjenige in der Kirche, der zwar Glauben, aber keine Liebe hat. (Gregor der Große)
Oder aber, der kommt ohne Hochzeitsgewand zur Hochzeit, der dort nicht den Ruhm des Bräutigams sucht, sondern den eigenen. (Augustinus, Contra Faustum).
Oder das Hochzeitsgewand sind die Weisung des Herrn und die Werke, die unter dem Gesetz und dem Evangelium getan werden, und das Kleid des neuen Menschen ausmachen. Doch derjenige, der sich am Tag des Jüngsten Gerichts einen Christen nennt, aber keine [guten Werke] aufweisen kann, wird sofort getadelt. Es heißt: „Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen?“ Er nennt ihn Freund, denn er ist ja zur Hochzeit geladen, also durch den Glauben ein Freund. Er wirft ihm aber seine Unverschämtheit vor, weil er mit seinem schmutzigen Gewand den Glanz des Hochzeitsfestes mindert. (Hieronymus)
Weil aber derjenige, der sündigt und den Herrn Jesus Christus nicht als Gewand anlegt, keine Entschuldigung hat, heißt es: „Darauf wußte der Mann nichts zu sagen.“ (Origenes)

Das hochzeitliche Gewand ist schon ganz und gar außergewöhnlich und sehr schön, übernatürlich schön! Was für eine reichhaltige Erklärung geben uns dazu die Kirchenväter. Aus ihren Erklärungen ersehen wir, wenn man in den himmlischen Hochzeitssaal eintreten will, dann braucht man zunächst die übernatürliche Tugend des Glaubens und der Gottesliebe, d.h. man braucht einen bekennenden, lebendigen Glauben, der sich durch die entsprechenden Werke zeigt! Weil aber derjenige, der sündigt und den Herrn Jesus Christus nicht als Gewand anlegt, keine Entschuldigung hat, heißt es: „Darauf wußte der Mann nichts zu sagen.“ So wird es sein, vor dem göttlichen Richter verstummt der Sünder, weil er keine Ausreden mehr hat.

Auch unser Kommentator aus dem Jahre 1841 weiß uns einiges über das hochzeitliches Kleid zu sagen, was die Ausführungen des hl. Thomas bestens ergänzt. Es folgt Winkelhofers Punkt II.

Alles ist bereitet, von Seiten Gottes ist kein Mangel; — aber ach! Die Menschen als Gäste sind nicht bereitet. Es wird ihnen zwar Zeit gegeben, sich zu bereiten, sich von Makeln reinzuwaschen, sich ein hochzeitliches Kleid zu verschaffen; aber sie mißbrauchen diese Zeit meistens, um sich Vergnügungen, Reichtümer, Güter dieses, nicht des ewigen Lebens zu verschaffen. So vergehen die Tage; plötzlich entsteht ein Geschrei: „Sehet, der Bräutigam kommt, auf, geht ihm entgegen: und die bereitet waren, gingen mit ihm zum Hochzeitsmahl ein, die törichten Jungfrauen aber wurden hinausgesperrt.“ Jener Armselige im heutigen Evangelium war auch geladen; er weigerte sich nicht, noch viel weniger tötete er die Einladenden, wie die Übrigen; aber doch wurde er hinausgeworfen vom Gastmahle, nicht weil er zu kommen sich weigerte, sondern weil er unvorbereitet kam. Diejenigen, welche nicht kommen wollten, sind die Juden, welche die Propheten und Apostel, die sie einluden, nicht hören wollten, und auch nicht hörten, oder gar töteten; sind die Ungläubigen, welche an Christus durchaus nicht glauben. Aber jener Armselige bedeutet die Christen, die Rechtgläubigen, welche zum Hochzeitsmahl in die Kirche kommen mit Glauben, aber ohne Vorbereitung, ohne gute Werke, ohne Liebe, ohne heiligmachende Gnade, die sie durch Sündigen verlieren. Jener hat kein hochzeitliches Kleid, welcher in die Pforte der Ewigkeit eintritt im Stande einer Todsünde; dieser wird nicht zum Mahle gelassen, sondern hinausgeworfen; obgleich er getauft, gefirmt, mit dem Leibe Christi erquickt ist, obgleich er ein ewiges Leben glaubte, weil er kein hochzeitliches Kleid hat.
O mein Lieber! Wie oft entbehrst du dieses Kleides! Wie oft gehst du ohne dasselbe schlafen! Wie oft wirfst du es vor dem Schlafe durch eine schändliche Lastertat von dir. Ach! wenn du in dieser Nacht gerufen würdest, was würde mit dir geschehen?! „Wie bist du hierhergekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?“ wird die Frage lauten; und der Richterspruch: „Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis.“ Ach! vielleicht hast du diese Nacht zum ersten Male im Stande der Sünde geschlafen? Wenn du gestorben wärest, lägest du schon in der Hölle, und würdest dort trauern, aber vergebens, daß du statt des ewigen Gastmahles ewigen Hunger erwählt hast. Traue nicht, lege dich nie zu Bette mit einer schweren Sünde! Stehe nochmal auf vom nächtlichen Lager, und verschaffe dir wenigstens durch eine vollkommene Reue ein hochzeitliches Kleid. Als einst die hl. Theresia die hl. Messe eines Priesters anhörte, von dem sie aus Gottes Eingebung wußte, daß er sich nicht im Stande der Gnade befände, so mahnte sie ihn; und dies ist unter Allen die notwendigste Vorbereitung. Es gibt auch heutzutage noch einige solche. Der hl. Paulus nennt das ewige Leben einen Sabbat. „Das Volk Gottes hat noch einen andern Ruhetag (Sabbat) zu erwarten.“ (Hebr. IV, 8.) — Die glückselige Ewigkeit ist der ewige Sabbat oder Ruhetag. Die Juden mußten sich zu jedem Sabbate bereiten; daher wurde der vorausgehende Tag Paraszeve (Vorbereitungstag) genannt. „Es war aber Vorbereitungstag, der vor dem Sabbate ist.“ Paraszeve heißt also so viel als Vorbereitung. An diesem Tage bereiteten sie die Speisen.
Die glückliche Ewigkeit ist unser Ruhetag (Sabbat); dieses ganze Leben ist unsre Vorbereitung (Paraszeve). Daher müssen wir uns eifrig bereiten. Schon jetzt müssen wir uns durch gute Werke jenes Abendmahles würdig machen. Wenn die Juden am Vorbereitungstage nichts arbeiteten, keine Speisen bereiteten, so mußten sie am ganzen Sabbate Hunger leiden, weil es ihnen am Sabbat nicht erlaubt war, zu arbeiten oder zu kochen. Auch im Himmel, welcher ein großer Sabbat ist, darf man nichts mehr arbeiten. Alsdann wird keine Zeit mehr sein. Wenn wir uns jetzt eitlen Scherzen und Tänzen ergeben, wenn wir selten über himmlische Dinge nachdenken, wenn wir für’s ewige Leben nichts aufwenden, was ist das für eine Vorbereitung? Jetzt laßt uns Hunger leiden; jetzt enthaltsam sein. Wer sich zum reichlichen und hochzeitlichen Mahle bereitet, der kleidet sich nicht nur gut, sondern enthält sich auch zu Hause von Speisen; wer zur Tafel eines Fürsten geladen ist, der ißt nicht zuvor mit den Schweinen die Schoten und füllt sich nicht damit den Bauch. Die Ergötzlichkeiten und Vergnügungen der Welt sind die Schoten der Schweine. Wie magst du mit diesen mitfressen? O spare dich auf etwas Besseres! Faste jetzt; es wird eine Zeit kommen, wo du wirst gesättigt werden. Vielleicht nehmen sich Einige von dem Gebote des Fastens aus. Jetzt enthalte dich, damit du nicht von dem himmlischen Hochzeitsmahle ausgeschlossen werdest. Jetzt arbeite, damit du der ewigen Ruhe genießest. „Bei den Verdammten werden sie Hunger leiden wie die Hunde. Ihr Anteil ist Schwefel. — Ihm lasset uns zu entgehen suchen.“ Amen.

Wie erschreckend ist es in der Tat, wenn jemand kein hochzeitliches Gewand trägt. Wie sorgsam muß man deswegen auf den so leicht verlierbaren Schatz der Gnade Acht haben, damit man nicht einmal unvorbereitet vor den göttlichen Richter treten muß. O mein Lieber! Wie oft entbehrst du dieses Kleides! Wie oft gehst du ohne dasselbe schlafen! Wie oft wirfst du es vor dem Schlafe durch eine schändliche Lastertat von dir. Ach! wenn du in dieser Nacht gerufen würdest, was würde mit dir geschehen?! „Wie bist du hierhergekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?“ wird die Frage lauten; und der Richterspruch: „Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis.“

Das ist ganz sicher eine nicht oft genug zu bedenkende Mahnung für jeden von uns. Aber warum nur sind es so viele, die nicht zur Hochzeit kommen wollen oder ohne hochzeitliches Gewand? Es wäre jedem Menschen leicht möglich, ein hochzeitliches Gewand zu tragen, wie der hl. Johannes Chrysostomus erklärt:

Der Vater des Bräutigams stieß jenen unwürdigen Gast hinaus, nicht darum, daß er unreine Kleider hatte, sondern daß er mit unreinen Kleidern erschienen war. Er sagte nicht zu ihm: Warum hast du kein hochzeitliches Kleid, sondern: Wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Du standest, sagt er, bettelnd auf den Gassen, und ich schämte mich deiner Armut nicht; deine Schmach macht dich in meinen Augen nicht verwerflich; ich befreite dich von deiner Niedrigkeit, und führte dich in den Saal des Bräutigams; ich würdigte dich der königlichen Tafel, und erhob den zur größten Ehre, welcher doch die größte Strafe verdiente. Doch du wurdest selbst durch meine Wohltaten nicht besser; du verharrtest in deiner Bosheit, und entweihtest sowohl das feierliche Fest, als den Bräutigam selbst. Geh also hin, Unwürdiger, und büße für deine Torheit.
Ein jeder unter uns sehe also, daß er nicht eine solche Stimme höre; ein jeder werfe alle niedrigen Gedanken, welche der geistlichen Lehre unwürdig sind, von sich, und so nähere er sich diesem heiligen Tische.

Was hat Gott nicht alles getan, um jedem Menschen die Gnade schenken zu können, er hat Seinen eingeborenen Sohn nicht geschont, sondern Ihn als Erlöser in unsere Welt gesandt. Dieser hat sich unserer Armut und Schmach angenommen und die Strafe für unsere Sünden getragen – „Doch du wurdest selbst durch meine Wohltaten nicht besser; du verharrtest in deiner Bosheit, und entweihtest sowohl das feierliche Fest, als den Bräutigam selbst.“

Schon jetzt gilt es, sich auf das himmlische Gastmahl vorzubereiten, indem wir in der hl. Kommunion den Vorgeschmack davon erhalten. Je reiner die Seele, je geistiger der Mensch, desto mehr wird er bei der hl. Kommunion von der himmlischen Freude erfüllt werden. Das himmlische Gastmahl hat schon jetzt begonnen, denn der Bräutigam war schon in unserer Menschenwelt und hat sich selbst für uns zur Speise zum ewigen Leben gemacht. So wird jede würdige, andächtige, mit liebendem Herzen empfangene hl. Kommunion zu einer Vorbereitung auf die Ewigkeit, wie uns der hl. Thomas belehrt hat: „Oder es sind das hochzeitliche Kleid die Gebote Gottes und die Werke, welche nach dem Gesetz und Evangelium verrichtet werden und das Kleid des neuen Namens bewirken.“ Wie schön ist das: „das Kleid des neuen Namens“!

Das Gleichnis vom Himmelreich in den Augen eines Modernisten

Obige Erwägungen sind während der Vorbereitung auf die Predigt zum 19. Sonntag nach Pfingsten entstanden. In Zuge dieser Vorbereitung stießen wir zudem auf eine Predigt zum dem Gleichnis von himmlischen Hochzeitsmahl, die wir den Lesern nicht vorenthalten wollen, weil sie ein richtiggehendes Schulbeispiel für eine Auslegung des Wortes Gottes durch einen Modernisten ist. Der Prediger ist Professor in evangelischer „Praktischer Theologie“ und sowohl an einer evangelischen „Theologischen Fakultät“ als außerplanmäßiger Professor für Praktische Theologie, als auch als Pfarrer tätig.

Nachdem der Prediger das Evangelium vorgelesen hat, wendet er sich an die versammelte Gemeinde:

Liebe Gemeinde!
Und dieses Gleichnis soll von Jesus sein? fragt man sich unwillkürlich, wenn man die Geschichte zum ersten Mal wahrnimmt. Von Jesus kennen wir doch Sätze wie: ‚Selig sind die Sanftmütigen, denn sie sollen das Erdreich besitzen.‘ Und jetzt das: Ein gekränkter König, der die Ablehnung seiner Einladung statt mit Sanftmütigkeit mit einem Blutbad beantwortet. Und so eine Geschichte soll dann auch noch ein Gleichnis fürs Himmelreich, für Gottes neue Welt sein? Man wundert sich. Und es fallen noch mehr Unstimmigkeiten am Gleichnis auf: Wie soll denn eine Hochzeit so laufen: Die Ochsen sind schon geschlachtet und das Essen ist vorbereitet. Weil dann die Gäste nicht kommen, schickt der König nochmals seine Knechte aus. Das nützt auch nichts und es folgt der blutige Feldzug. Schließlich werden unbekannte Gäste von der Straße eingeladen. Bis das alles passiert ist, ist das Essen nicht nur kalt, es ist längst vergammelt und ungenießbar. Und auch das ist erzählerisch nicht stimmig: Wenn der König schon die Gäste spontan von der Straße einsammeln lässt, dann kann er niemanden vorwerfen, nicht richtig angezogen zu sein. Das Gleichnis ist voller Ungereimtheiten. Es ist unplausibel und das sind die Gleichnisse Jesu sonst nicht. Erkennbar hat sich an diesem Gleichnis ein Redaktor zu schaffen gemacht, der die Vorlage überarbeitet und dabei seine Interessen und seine spezielle Sichtweise eingetragen hat.

Es ist wirklich wahr: „Man wundert sich“! Wie kann ein evangelischer Theologe so über die Heilige Schrift, das Wort Gottes, sprechen, wo doch sein Religionsstifter M. Luther gekommen war, das Wort Gottes und das wahre Evangelium zu verteidigen gegen die Papisten? Anderseits bezeugt unser Prediger wohl auch gerade deswegen so wenig Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, weil doch auch Dr. Martin Luther mit der Heiligen Schrift nicht zufrieden war und gleich mehrere Bücher aussortiert hatte, in denen nur allzu deutlich stand, daß die Heilige Schrift mit dem Wort des Dr. Martin Luther nicht übereinstimmt. So gesehen wundert man sich und wundert man sich auch wieder nicht über das Urteil des Protestanten: „Das Gleichnis ist voller Ungereimtheiten.“ Es sei nur kurz daran erinnert, daß alle oben angeführten Erklärer des Gleichnisses auch nicht eine Ungereimtheit in dem Gleichnis entdecken konnten.

Bei den Modernisten ist das freilich ganz anders. Der Modernismus stammt übrigens vom Protestantismus her, aus dem wiederum der Rationalismus und die Aufklärung entstanden sind, ohne die es keinen Modernismus gäbe. Für einen Modernisten ist die Bibel ein Buch wie jedes andere, voller Fehler und Ungereimtheiten. Wobei man doch nochmals anmerken muß, also insofern doch wieder nicht wie jedes andere Buch, denn so viele Fehler und Ungereimtheiten wie die Modernisten in der Heiligen Schrift finden, findet man schließlich nicht in jedem Buch. Warum man dann über ein Buch, das so voller Fehler und Ungereimtheiten ist, so viel Aufhebens macht, das wissen wohl die Modernisten alleine.

Unser Prediger zieht nach dieser Einsicht – „Es ist unplausibel und das sind die Gleichnisse Jesu sonst nicht“ (da sollte er doch etwas genauer bei seinen Kollegen nachlesen) – den messerscharfen modernistischen Schluß: „Erkennbar hat sich an diesem Gleichnis ein Redaktor zu schaffen gemacht, der die Vorlage überarbeitet und dabei seine Interessen und seine spezielle Sichtweise eingetragen hat.“

So ist das nämlich nach den Modernisten: Die heiligen Evangelien sind gar nicht vom hl. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes geschrieben, sondern von vielen Redakteuren über einen recht langen Zeitraum zusammengetragen und sodann vielleicht noch von einem Endredaktor ein wenig geglättet worden. Es ist zwar kein einziges Buch jemals so entstanden, aber die heiligen Evangelien, ja die ganze Heilige Schrift, schon. Wie die Modernisten wissen, hat es also Leute gegeben, die glaubten, dieser Jesus von Nazareth sei der Sohn Gottes, also die göttliche Wahrheit selber, in Person – und sodann haben sie gelogen, daß sich die Balken biegen, um genau das den anderen Zeitgenossen einzureden. Um das glauben zu können, muß man wahrlich Modernist sein, was doch schon eine unheimliche Leistung zu nennen ist. Aber gehen wir nun noch etwas der Fälscherarbeit des Redakteurs einer modernen Zeitung nach, in der „die Vorlage überarbeitet und dabei seine Interessen und seine spezielle Sichtweise“ in jeden Artikel hineingelegt wird – oder haben wir da etwas verwechselt?

Diese Sichtweise ist stark vom Erlebnis der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus durch die Römer geprägt. Diese Zerstörung wird durch das Gleichnis als Gericht Gottes über Israel gedeutet, weil es die Einladung Gottes zum Heil nicht angenommen hat. Das Gleichnis ist vom Redaktor zu einer Allegorese umgearbeitet worden. Jedes einzelne Element des Gleichnisses steht für etwas anderes: Der König ist Gott, der Sohn, dessen Hochzeit gefeiert werden soll, ist Jesus. Die umgebrachten Boten des Königs sind die Propheten. Die Gäste von der Straße sind die Heiden, die anders als Israel der Einladung Gottes folgen. Der eine Gast, der kein ordentliches Gewand anhat, ist ein Christ, der es mit seinem Glauben nicht richtig ernst meint und dem im Gleichnis mal so richtig eingeheizt wird. Auch in der Johannesapokalypse findet sich solch eine Verwerfung: „Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde“ (Offenbarung 3,16.). Eindeutigkeit war ein hohes Gut bei den ersten Christen, weil immer wieder massive Verfolgung drohte und sie sich auf den Unterschied von Freund und Feind verlassen können mussten.

Wie im Schulbuch für modernistische Irrlehren wird uns hier eines der agnostizistischen Prinzipien dieses glaubenszerstörenden Systems vor Augen geführt. Für einen Modernisten gibt es natürlich keine echten Prophezeiungen, weil niemand die Zukunft wissen kann und deswegen natürlich auch Jesus von Nazareth nicht wissen konnte, was im Jahr 70 sein wird. Also muß dieses Gleichnis auf jeden Fall nach der Zerstörung Jerusalems erfunden und niedergeschrieben worden sein. Der Fälscher hat dieses sein Wissen um den Untergang Jerusalems sodann dem Rabbi aus Nazareth in den Mund gelegt und mit allerlei sinnbildlichem Schnickschnack vermengt – der einer recht primitiven Gottesvorstellung entsprang. Damals war man nun einmal noch darauf fixiert, die Welt in Freunde und Feinde einzuteilen, und da geschieht es den Feinden gerade recht, wenn der König ihre Stadt zerstören und anzünden läßt. Und natürlich gibt es auch unter den frühen Christen Gute und Böse, weshalb der „eine Gast, der kein ordentliches Gewand anhat, …ein Christ (ist), der es mit seinem Glauben nicht richtig ernst meint und dem im Gleichnis mal so richtig eingeheizt wird“.

Das alles weiß unser Prediger und Herr Professor so genau, weil er nämlich dem primitiven Fälscher über die Schultern geschaut hat – oder etwa doch nicht? Denn vielleicht war der Fälscher gar nicht so primitiv wie der Prediger? Jedenfalls ist so ein primitiver Fälscher mit einem so primitiven Gottesbild leider, genauso wie ein Modernist, kein Einzelfall, wie wir in der Predigt weiter erfahren:

Die Vorlage für solch eine Geschichtsdeutung, wie sie der Redaktor mit seinem Gleichnis vorstellt, findet sich im sogenannten Deuteronomistischen Geschichtswerk im Alten Testament. Es umfasst Teile des 5. Buchs Mose – Deuteronomium, daher der Name – sowie Teile der Bücher Josua, Richter, Könige. Der Deuteronomist interpretiert die erste Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 587 als Gericht Gottes über Israel. Gott habe Israel bestraft, weil Israel nicht Jahwe allein, sondern vielen Göttern gedient habe. Diese Geschichtsdeutung, entwickelt im babylonischen Exil, hatte damals enorm produktive Wirkungen. Sie ermöglichte es Israel trotz der Niederlage gegen die Babylonier an seiner Religion festzuhalten. Zum ersten Mal in der Weltgeschichte kam es zu einer Religion, die unabhängig von Herrschaft und Land zu existieren verstand, weil man auch eine politische und militärische Niederlage religiös zu verarbeiten wusste. Nach demselben Muster versucht nun der Redaktor die zweite Zerstörung Jerusalems zu deuten. Der Unterschied dabei ist: Der Redaktor gehört anders als der Deuteronomist nicht zu den Verlieren, denen ein Licht aufgeht. Vielmehr sieht er sich auf der Seite der Sieger, die Recht behalten haben. Und dadurch bekommt seine Argumentation so einen falschen, unangenehmen Zungenschlag. Die Folgen waren denn auch verheerend. Das Gleichnis konnte zur Rechtfertigung von Judenhass und Judenverfolgung verwendet werden. In seiner matthäischen Form hat es eine ganz und gar schreckliche Wirkungsgeschichte.

Hier kommt ein zweites Vorurteil der Modernisten zum Zuge: Es gibt niemals originale Leistungen, immer wurde alles abgeschrieben. Ein Homer, ein Augustinus, ein Dante, ein Shakespeare, ein Schiller, Goethe und Eichendorff haben immer nur woanders abgeschrieben. Das Dumme ist nur, daß niemand weiß, wo der erste abgeschrieben hat. Aber so ist das bei den Modernisten, das ist eines ihrer Dogmen. Darum ist auch sicher, unser minderbelichteter Redakteur hat, ehe er seine raffinierte Fälscherarbeit begonnen hat, in den Büchern des Alten Testamentes herumgeschaut und all das abgeschrieben, was dort steht und auf die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 übertragen. Dabei gibt es aber einen wesentlichen, um nicht zu sagen unangenehmen Unterschied: „Der Redaktor gehört anders als der Deuteronomist nicht zu den Verlieren, denen ein Licht aufgeht. Vielmehr sieht er sich auf der Seite der Sieger, die Recht behalten haben.“

Die Zerstörung Jerusalems war natürlich kein Gericht Gottes über die ungläubigen Juden, die den Tod unseres Herrn Jesus Christus gefordert und von Pilatus erzwungen haben, sondern bloß ein historisches Ungeschick, eine üble Laune des Schicksals, und natürlich hat unser Herr Jesus Christus nicht auf dem Kreuzweg zu den weinenden Frauen von Jerusalem gesagt: „‚Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, weint vielmehr über euch selbst und über eure Kinder.‘ Denn seht, es werden Tage kommen, da man sagen wird: Selig die Unfruchtbaren, der Schoß, der nicht geboren, und die Brust, die nicht gestillt hat! Da wird man den Bergen zurufen: ‚Fallt über uns!‘, und den Hügeln: ‚Bedeckt uns!‘ Denn wenn das am grünen Holz geschieht, was wird dann mit dem dürren geschehen?“ (Lk 23, 28-31). Das konnte Jesus gar nicht zu den Frauen sagen, weil er natürlich nicht wissen konnte, daß im Jahre 70 der römische Feldherr Titus Jerusalem dem Erdboden gleich machen würde und es den Bewohnern Jerusalems, die in der Stadt eingeschlossen wurden, sehr schlecht ging. Aber der hinterhältige und primitive Fälscher konnte das – und ahnte nicht, was er damit anrichtete, denn: „Die Folgen waren denn auch verheerend. Das Gleichnis konnte zur Rechtfertigung von Judenhass und Judenverfolgung verwendet werden. In seiner matthäischen Form hat es eine ganz und gar schreckliche Wirkungsgeschichte.“

Schuld daran ist, wie gesagt, der hochmütige und übermütige Fälscher, der sich über den Untergang Jerusalems wie ein Sieger freute, wodurch „seine Argumentation so einen falschen, unangenehmen Zungenschlag“ bekommen hat. Vielleicht kann aber der Schreiber des hl. Evangeliums gar nichts dafür, wenn der eine oder andere solche Schlußfolgerungen aus seinen Worten gezogen hat? Wie ist das eigentlich, darf nach den Terrorattentaten mit Lastwägen und Autos überhaupt noch jemand Autos und Lastwagen bauen? Oder wird er allein dadurch, daß er Autos oder gar Lastwagen baut, schon ein Terrorist, weil er damit deren Anschläge erst ermöglicht? Ist womöglich jeder Arbeiter in einer Auto- oder Lastwagenfabrik ein heimlicher Mithelfer der Terroristen?

Sei es wie auch immer, nach so einer verheerenden Wirkgeschichte ist unser Prediger zunächst einmal mit dem Gleichnis beim „Fälscher“ Matthäus, oder wie der Schreiber auch immer geheißen haben mag, fertig. So ein ungereimtes Zeug ist einfach nicht zu gebrauchen. Erleichtert stellt er aber fest, daß es ja noch andere Fälscher gibt, findet sich das Gleichnis doch auch noch bei „Lukas“. Warum nun der Redakteur bei Lukas nicht geschummelt hat, das erklärt unser Prediger seinen armen Zuhörern leider nicht. Dafür gibt er ihnen aber seine eigene Fälschung zum Besten:

Vergleicht man die verschiedenen Fassungen, dann dürfte das Gleichnis bei Jesus ursprünglich so ausgesehen haben: Ein wohlhabender Mann lädt zu einem Gastmahl ein. Als das Mahl fertig vorbereitet ist, lässt er die zuvor schon Eingeladenen durch einen Boten an die Einladung erinnern: Jetzt ist alles vorbereitet, jetzt kommt. Das war eine damals übliche Vorgehensweise. Doch die Eingeladenen lassen sich entschuldigen. Jede Entschuldigung ist für sich genommen nachvollziehbar: Einer hat geheiratet, einer hat Land gekauft, ein dritter hat in großem Maßstab Vieh erworben, um das er sich kümmern muss. Hätte nur einer abgesagt, hätte man das entschuldigen können. Dass aber alle absagen, verärgert den Gastgeber. Und nun kommt das Überraschende: Das Fest findet trotzdem statt. Der Gastgeber lässt sich die Laune nicht verderben. Es wird dennoch gefeiert, wenn nicht mit den ursprünglich Geladenen, dann eben mit denen, die Zeit und Lust dazu haben. Der Bote geht an die Hecken und Zäune, wie es bei Lukas heißt, und lädt alle ein, die kommen können. Die anderen aber, die ursprünglich Geladenen, die so wahnsinnig vielbeschäftigt und wichtig sind, die gehen leer aus.

Das ist nun wirklich ein tolles Gleichnis, ein richtiges modernistisches Allerweltsgleichnis. So macht man aus einer frohen Botschaft über das Himmelreich ein richtig menschenfreundliches, humanistisches Geschwätz. Dieser „Jesus“ hat nun keine Härten und keine Kanten mehr – und natürlich auch keinerlei göttlichen Wahrheitsanspruch. Das nennen die Modernisten Entmythologisierung! Entmythologisierung, das ist eine Maschine, da gibt man oben Gott ein und unten kommt ein bloßer Mensch heraus, ein sehr bloßer, ziemlich primitiver, armseliger, nullachtfünfzehn Mensch.

Bei so viel Nettigkeit und allgemeiner Unverbindlichkeit findet der Prediger es sogar notwendig zu betonen: „Auch in dieser Fassung hat das Gleichnis einen durchaus ernsten, mahnenden Zug: Es gibt Chancen, die man nicht verpassen sollte, sagt es. Passt auf, dass ihr keine falschen Prioritäten setzt. Passt auf, dass ihr euch das Beste nicht entgehen lasst. Und die Chance, um die es dabei Jesus geht, ist das Reich Gottes, die Einladung zu Gottes Heil, die Mitwirkung und Teilhabe an Gottes neuer Welt.“

Beim kritischen Zuhörer kommen aber doch Zweifel auf, denn woher weiß denn der Prediger eigentlich, daß es bei seinem frei erfundenen Gleichnis noch um das Reich und Heil Gottes geht? Kennt er etwa das Reich und Heil Gottes aus persönlicher Erfahrung? Weiß er deswegen über das Reich Gottes sichere Auskunft zu geben, wie der ewige Sohn des himmlischen Vaters? Wohl kaum, er kann seinen Zuhörern letztlich nur seine eigenen ungereimten Phantasien vortragen, die durchaus nicht besser sein müssen als die der Fälscher in seiner Luther-Bibel. Aber diese Einsicht ist leider dem Modernisten durch seine eigenen Vorurteile versperrt. Was aber ist die Pointe des selbsterfundenen Gleichnisses des Predigers? Womöglich ist der Leser doch noch darauf gespannt, weshalb wir sie ihm auch nicht vorenthalten wollen:

Vielmehr geht es Jesus mit seinem Gleichnis um Menschen, die in dem was sie tun, unnötig gefangen sind, um Menschen, die voller Angst, voller Sorge oder voller Eifer nachhaltig und trotz zahlreicher Warnungen nicht ablassen können von dem, was sie quält, was sie unfrei macht und ihr Leben behindert. Und von dieser Art Menschen gab es damals und gibt es heute eine ganze Menge.
Betrachten wir unser Gleichnis also als freundliche Einladung an die Freunde Jesu: Das Fest findet auf jeden Fall statt. Ob wir kommen oder nicht: Gottes Einladung gilt. Es gibt Nächste, die auf uns warten. Es gibt erfülltes Leben. Es wird gefeiert und wir sind dabei willkommen und eingeladen. Wer die falschen Prioritäten setzt, verpasst das Beste. ‚Ich sollte mehr arbeiten‘, wird er zu sich sagen – so lange bis er tot ist. – Amen.

Es war natürlich gar nicht anders zu erwarten: Von Gericht, Himmel und Hölle ist nichts mehr übriggeblieben. Alles, was bleibt, ist diesseitiges Geschwätz und die Versicherung: „Das Fest findet auf jeden Fall statt. Ob wir kommen oder nicht: Gottes Einladung gilt.“ Bei so viel unbegründetem Optimismus ist dann freilich zu befürchten, es kommen alle Zuhörer ohne hochzeitliches Gewand in den himmlischen Hochzeitssaal. Und der König wird kommen und fragen: „Wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?“

Kehren wir noch einmal zu unseren von der Kirche beglaubigten Erklärern der Heiligen Schrift zurück und überlassen wir das Schlußwort nochmals dem hl. Thomas von Aquin, d.h. eigentlich den Kirchenvätern, die er so wunderbar zusammenfaßt:

Und weil bei dem Mahle der Hochzeit nicht der Anfang (Hieronymus), sondern das Ende gesucht wird, so heißt es weiter: Denn Viele sind berufen, Wenige aber auserwählt. – Denn ohne Ausnahmen werden die Menschen zu der allgemeinen Wohltat eingeladen (Hilarius); von den Berufenen oder Eingeladenen aber werden nach der Entscheidung des Verdienstes die Bewährten auserwählt. – Denn Einige fangen das Gute gar nicht an (Gregor d. Große), andere harren in dem angefangenen Guten nicht aus. Aber um so mehr soll jeder in Furcht und Kummer sein, als er das Künftige nicht weiß. – Oder der Sinn ist dieser (Chrysostomos): So oft Gott seine Kirche heimsucht, tritt er in sie ein, um die Gäste zu sehen, und wenn er einen sieht, der kein hochzeitliches Kleid hat, so fragt er ihn: Wozu wurdest du Christ, wenn du solche Werke tust? Einen Solchen übergibt also Christus seinen Dienern, d.h. einigen Lehrern der Verführung, und sie binden seine Hände, d.h. seine Werke, und Füße, d.h. die Regungen der Seele, und werfen ihn hinaus in die Finsternis, d.h. in die Irrtümer, entweder der Heiden oder Juden oder Ketzer. Denn die entfernte Finsternis ist die der Heiden, weil sie die Wahrheit verachten, welche sie nicht hörten; die äußere die der Juden, welche sie hörten, aber nicht glaubten, die äußerste die der Ketzer, welche sie hörten und lehrten (aber danach selbst verwarfen).