Jahr der Barmherzigkeit

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Angeblich kam das so: „Seit 2011 haben die Oberen der Priesterbruderschaft um die Aufnahme in das staatliche Register gebeten. Für eine solche Regierungsentscheidung ist in Argentinien aber die Zustimmung der kirchlichen Hierarchie notwendig. (Ausländische Priester oder Ordensleute erhalten z.B. sonst keine behördliche Aufenthaltsgenehmigung.) Der Brief des Erzbischofs bittet den Staatssekretär, ‘die ‚Gesellschaft der Apostel Jesu und Mariens‘ (Priesterbruderschaft St. Pius X.) als Vereinigung diözesanen Rechts zu betrachten, bis ein endgültiger rechtlicher Rahmen in der universalen Kirche gefunden wird’. Kardinal Polis Brief stellt keine kirchenrechtliche Entscheidung dar, denn für den kanonischen Status der Priesterbruderschaft St. Pius X. sind allein die päpstlichen Dikasterien zuständig. Der Brief ermöglichte es aber dem Kultussekretariat der Präsidentin, eine verwaltungsrechtliche Entscheidung zu treffen, ‘bis ein endgültiger rechtlicher Rahmen (für die FSSPX) in der Universalkirche gewährt wird’.“

„DICI“ erklärt uns: „In Argentinien dürfen katholische Ordensgemeinschaften ihr Apostolat ohne juristische und verwaltungstechnische Einschränkungen von staatlicher Seite nur ausüben, wenn sie die Registrierung als Gesellschaften des geweihten Lebens besitzen. Diese Registrierung kann, wie gesagt, nur auf Empfehlung der zuständigen kirchlichen Autorität zustande kommen. Die Tatsache, dass S. Em. Kardinal Poli der Nachfolger von Kardinal Bergoglio als Erzbischof von Buenos Aires ist, berechtigt zu der Annahme, dass diese Entscheidung nicht ohne Rücksprache mit Papst Franziskus zustande gekommen ist. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass es sich um eine reine Verwaltungsentscheidung der argentinischen Republik handelt.“ Es wird ergänzt: „Der Name ‘Apostel Jesu und Mariens’ für die Bruderschaft wurde von Erzbischof Marcel Lefebvre ursprünglich gewählt. Nach den Worten der kirchlich belobigten Statuten von 1970 ist der ‘öffentliche Titel’ jedoch ‘Priesterbruderschaft St. Pius X.’“

Dazu erläutert uns ein argentinischer Rechtsanwalt, daß die Kirche in Argentinien einen Sonderstatus einnimmt als juristische Person des öffentlichen Rechts, den sonst keine Gesellschaft dort hat. Sie hat u.a. Anspruch auf Unterstützung durch den argentinischen Staat, als dessen offizielle Religion sie gilt. Aufgrund eines Konkordats mit dem Apostolischen Stuhl werden Gesellschaften des geweihten Lebens oder des Apostolischen Lebens als Rechtspersonen anerkannt. Auf der Grundlage eines auf diesem Abkommen beruhenden Gesetzes hat „Kardinal“ Poli die „Piusbruderschaft“ als einen Zusammenschluß diözesanen Rechts anerkannt, und als eine im Werden begriffene Gesellschaft Apostolischen Lebens. Um in den Genuß dieses rechtlichen Status zu gelangen, mußte die „Piusbruderschaft“ ihre Statuten und einige andere Dokumente, die über ihre Verfassung und ihren inneren Aufbau, ihre Oberen, ihre Aktivitäten, ihr Vermögen in Argentinien etc. Auskunft geben, dem Ministerium vorlegen. Diese Papiere müssen obendrein in die Landessprache übersetzt und die Kopien beglaubigt werden, entweder von der Nuntiatur oder dem argentinischen Botschafter am Heiligen Stuhl oder dem Sekretariat der argentinischen Bischofskonferenz oder der zuständigen Diözesanbehörde (in diesem Fall Buenos Aires).

Der Rechtsexperte fährt fort: „Als Schlußfolgerung können wir folgendes sagen: a) Es steht außer Zweifel, daß sowohl Kardinal Poli (als Erzbischof von Buenos Aires) als auch die Argentinische Nation die FSSPX als Bestandteil der römisch katholischen Kirche betrachten; b) nach dem Wortlaut der Resolution 25/15, der nationalen argentinischen Gesetzgebung und den offiziellen Formularen von der Website des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten gibt es ebenfalls keinen Zweifel, daß der Prozeß die ausdrückliche Zustimmung der FSSPX hat, die als einzige alle und jede einzelne bürokratische Anforderung und Auskunft geben konnte, namentlich über die Konstitutionen, ihre Leitung und Autoritäten; c) Die FSSPX wurde unter Nr. 381 registriert unter den Instituten des geweihten Lebens, die von der katholischen Kirche abhängig sind. Keine andere nicht-katholische, von Argentinien anerkannte christliche Religionsgemeinschaft ist von Argentinien als Teil der katholischen Kirche anerkannt, daher genießen sie auch nicht die Vorteile, welche das Gesetz für seine offizielle Religion vorsieht“, wie z.B. staatliche Gehaltszahlungen für die Bischöfe.

Der Herr Rechtsanwalt: „Es ist möglich zu schließen, daß dieser legale Akt des argentinischen Staates neben dem symbolischen Wert als dem Land von Seiner Heiligkeit Franziskus eine gesetzliche Wirkung von enormen Proportionen haben wird, die in der Folge die Universelle Kirche erreicht. Kardinal Poli, der Erzbischof von Buenos Aires, gewährt, direkt und indirekt (über den argentinischen Staat) einen gesetzlichen Status unter den Bedingungen des allgemeinen Kodex des Kanonischen Rechts.“ Und weiter: „Ich wiederhole, daß dies einen Fortschritt über Benedikt XVI. hinaus bedeutet“, habe doch P. Lombardi, der Sprecher des Heiligen Stuhls, noch 2013 betont, daß die „Piusbruderschaft“ keinen legalen Status in der Kirche habe. Nach den Gesetzen der Logik, daß etwas nicht zugleich sein und nicht sein kann, habe die Resolution des argentinischen Religionsministeriums die Lage definitiv verändert. „Heute ist die FSSPX – dank der Initiative des Erzbischofs von Buenos Aires – ein Zusammenschluß von Gläubigen unter den Bedingungen des Kanon 298 des kirchlichen Rechtskodex und ist auf dem Weg, ein Institut des geweihten Lebens zu werden, das volle Anerkennung innerhalb der römisch katholischen apostolischen Kirche genießt.“

Auf die Behauptung „DICI“s, es handle sich um eine reine Verwaltungsentscheidung, antwortet der Rechtsgelehrte: „Zu sagen, es handle sich um einen rein verwaltungstechnischen Prozeß, um das apostolische Leben frei üben zu können, hat keine Basis, denn schon seit Jahrzehnten waren sie [die „Piusbrüder“] in unserem Land mit einem Seminar, Kirchen, Schulen und anderem Besitz, den eine gemeinnützige bürgerliche Vereinigung sehr wohl erwerben darf. Welche verwaltungsrechtliche Verbesserung sollte erzielt werden? Die Einkommensteuer zu umgehen? Gehalt und Unterstützung zu bekommen?“ Außerdem stellt er fest, die Prozedur sei ungewöhnlich rasch über die Bühne gegangen, und dem Datum nach sei der ganze Prozeß im Jahr 2015 gestartet worden und nicht 2011, wie von „DICI“ behauptet.

Wie auch immer, klar ist, daß die ganze Sache nicht ohne Rom und die „Piusbruderschaft“ (bzw. durch eine konzertierte Aktion) funktionieren konnte, daß sie ein „erster Schritt“ für die volle Eingliederung letzterer in die „Konziliare Kirche“ ist und daß recht einflußreiche Kräfte dahinterstecken müssen – möglicherweise dieselben, die seinerzeit für die Entfernung Bischof Williamsons aus Argentinien und der „Piusbruderschaft“ gesorgt haben. Wir werden sehen, was das „Jahr der Barmherzigkeit“ uns noch für Überraschungen bereithält.

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