Jahr der Barmherzigkeit

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3. Der zweite Punkt, der „Rorate Caeli“ aufstößt, ist die von „Franziskus“ zum Ausdruck gebrachte, mit der „freundlicheren“ und bewundernden Annäherung an die moderne Welt einhergehende Ansicht, die Kirche sei in der Vergangenheit nicht im ausreichenden Maße barmherzig gewesen. Dazu wird die Nummer 10 aus Bergoglios „Bulle“ zitiert: „Der Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt, ist die Barmherzigkeit. Ihr gesamtes pastorales Handeln sollte umgeben sein von der Zärtlichkeit, mit der sie sich an die Gläubigen wendet; ihre Verkündigung und ihr Zeugnis gegenüber der Welt können nicht ohne Barmherzigkeit geschehen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche führt über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe. Die Kirche ’empfindet einen unerschöpflichen Wunsch, Barmherzigkeit anzubieten’. Vielleicht haben wir es für lange Zeit vergessen, auf den Weg der Barmherzigkeit hinzuweisen und ihn zu gehen. Auf der einen Seite hat die Versuchung, stets und allein die Gerechtigkeit zu fordern, uns vergessen lassen, dass diese nur der erste Schritt ist. Dieser Schritt ist zwar notwendig und unerlässlich, aber die Kirche muss darüber hinausgehen um eines höheren und bedeutungsvolleren Zieles willen. Auf der anderen Seite ist es traurig ansehen zu müssen, wie die Erfahrung der Vergebung in unserer Kultur immer seltener wird. Sogar das Wort selbst scheint manchmal zu verschwinden. Ohne das Zeugnis der Vergebung bleibt aber nur ein unfruchtbares, steriles Leben, als würde man in einer trostlosen Wüste leben. Für die Kirche ist erneut die Zeit gekommen, sich der freudigen Verkündigung der Vergebung zu widmen. Es ist die Zeit, zum Wesentlichen zurückzukehren und sich der Schwächen und der Schwierigkeiten unserer Brüder und Schwestern anzunehmen. Die Vergebung ist eine Kraft, die zu neuem Leben auferstehen lässt und die Mut schenkt, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.“ Es sei dies nicht das erste Mal, das „Franziskus“ davon gesprochen habe, daß die Kirche in der Vergangenheit nicht so barmherzig gewesen sei wie es sein sollte. Doch habe er es selten so kräftig, unverblümt und autoritär ausgedrückt wie hier.

Nun ist ja die „Barmherzigkeit“ ein gängiger Topos der Modernisten (man denke nur an den alten Slogan „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“) und bedeutet in etwa dasselbe wie das „politisch korrekte“ Schlagwort der „Toleranz“. Gemeint ist in beiden Fällen das gleiche, nämlich daß man die Sünde akzeptieren und sogar möglichst gutheißen und absegnen soll. Daß wahre Toleranz einem Übel gilt, das man entweder ohne großen Schaden nicht beseitigen kann oder zum größeren Nutzen bestehen läßt, wird dabei ebenso ausgeblendet wie die wahre Barmherzigkeit, die den Menschen aus der Sünde retten und nicht ihn darin untergehen lassen will. Es handelt sich um orwellsche Sprachrabulistik, die schöne Wörter für üble Inhalte verwendet. Bergoglio bringt hier nach seinem erklärten Willen, an der Zerstörung der Kirche weiterzuarbeiten, auch seine Absicht zum Ausdruck, den Ruin der Seelen weiter zu betreiben.

4. In der Nummer 18 seiner „Bulle“ spricht Bergoglio von den „Missionaren der Barmherzigkeit“, die er auszusenden gesonnen ist: „In der Fastenzeit dieses Heiligen Jahres habe ich die Absicht, Missionare der Barmherzigkeit auszusenden. Sie sollen ein Zeichen der mütterlichen Sorge der Kirche für das Volk Gottes sein, damit es tiefer eindringen kann in den Reichtum dieses für unseren Glauben so grundlegende Geheimnis. Es handelt sich dabei um Priester, denen ich die Vollmacht geben werde, auch von den Sünden loszusprechen, die normalerweise dem Apostolischen Stuhl vorbehalten sind. Damit soll der Umfang ihrer Sendung sichtbar werden. Sie sollen vor allem ein lebendiges Zeichen dafür sein, dass der Vater jeden aufnimmt, der seine Vergebung sucht. Sie werden Missionare der Barmherzigkeit sein, denn sie sollen allen eine Begegnung voller Menschlichkeit anbieten, eine Quelle der Befreiung, einen Ort der Verantwortung, der es ermöglicht alle Hindernisse zu überwinden und das einst in der Taufe neu geschenkte Leben wieder aufzugreifen. Sie lassen sich in ihrer Mission leiten vom Wort des Apostels: ‘Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen’ (Röm 11,32). Denn alle, ohne Ausnahme, sollen den Aufruf zur Barmherzigkeit ergreifen. Die Missionare werden diesen Ruf erfüllen im Wissen darum, dass sie ihren Blick auf Jesus, den ‘barmherzigen und treuen Hohepriester’ (Hebr 2,17) richten können.“

Rorate Caeli“ fragt sich hierzu, um was für „dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene“ Sünden es sich wohl handeln möge. Im Rechtskodex sei lediglich von gewissen Sünden die Rede, welche als Strafe eine Exkommunikation nach sich zögen, deren Aufhebung dem Apostolischen Stuhl vorbehalten sei. Solche Strafen treten nach dem „neuen Kirchenrecht“ nur noch ein bei sakrilegischem Mißbrauch der konsekrierten Gestalten, bei tätlichem Angriff gegen den Obersten Pontifex, bei einer „absolutio complicis“ durch einen Priester, bei Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat, bei direkter Verletzung des Beichtsiegels und versuchter Weihe einer Frau. Tätlicher Angriff gegen den Papst und Bischofsweihen ohne apostolisches Mandat seien Delikte, die so selten vorkämen, daß es die „Missionare der Barmherzigkeit“ wohl kaum mit ihnen zu tun bekommen würden, meint der Kommentator (es sei denn, die „Missionare“ würden beispielsweise einen Bischof Williamson missionieren; Anm.). Blieben also die beiden schlimmsten Formen von Sakrileg, nämlich Entweihung der heiligsten Gestalten und Verletzung des Beichtgeheimnisses, sowie die „Frauenordination“ und die „absolutio complicis“, bei welcher ein unkeuscher Priester seinen Unzuchtspartner in der Beichte absolviert. Diesen Sünden habe das Kirchenrecht durch die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation einen starken Riegel vorschieben wollen.

Wenn Bergoglio es nun also durch seine „Missionare“ einfacher machen wolle, diese Strafen aufzuheben, so sei zu fragen: „Würde der Papst damit nicht die ohnehin brüchige Ehrfurcht gegenüber den Sakramenten weiter aufweichen, besonders gegenüber dem Altarsakrament?“ Würde nicht außerdem der Kampf gegen die sog. „Frauenordination“ und gegen die Unkeuschheit der Priester (man denke nur an die vielen Fälle von Kinderschändung; Anm.) geschwächt? Letzteres wäre zugleich eine Schwächung des Zölibats.

Nach dem, was wir oben über die „Barmherzigkeit“ sagten, scheinen uns diese Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen. Es ist ja immer Taktik der Modernisten, indirekt vorzugehen, d.h. in diesem Fall nicht einfach die Reservierung dieser Zensuren aufzuheben, sondern dies eben durch „Missionare der Barmherzigkeit“ zu kaschieren. Daß die Wirkung einer dem Apostolischen Stuhl überlassenen Aufhebung der Zensur dadurch wenigstens gemindert wird, ist eindeutig.

5. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Bergoglio keineswegs der Dummkopf ist, als den ihn manche sehen, sondern gezielt und schlau unter dem Chiffre der „Barmherzigkeit“ am Werk der Feinde Christi und der Kirche arbeitet.

Anhang:

Das Jahr der Barmherzigkeit wirft bereits seine Schatten voraus. Denn vor dem Horizont dieser „Barmherzigkeit“ ist wohl auch jener Vorfall zu betrachten, der sich jüngst in Argentinien zugetragen hat, zufällig genau um die Zeit, da Bergoglio seinen Geistesblitz hatte. Dort wurde die „Piusbruderschaft“ offiziell vom zuständigen Ministerium als Teil der römisch katholischen Kirche staatlich anerkannt. Dies war nur möglich durch ein bestätigendes Schreiben des „Erzbischofs“ von Buenos Aires und somit des dortigen Nachfolgers Bergoglios, „Kardinal“ Poli. Daß sich solches ausgerechnet in Argentinien ereignete, scheint aus zwei Gründen recht bemerkenswert: Es war – wir erinnern uns – Argentinien, das im Jahr 2009 den dissidenten „Pius“-Bischof Williamson wegen seiner „Holocaust“-Äußerungen des Landes verwies, und es ist Argentinien, das 2013 mit Bergoglio den Nachfolger (oder Mitregenten?) Ratzingers auf dem „konziliaren Papstthron“ stellte.

Von seiten der „Piusbruderschaft“ wurde die Sache gleich heruntergespielt. Auf ihrer offiziösen Seite „DICI“ wurde verkündet: „Am 12. April 2015 veröffentlichte die argentinische Tageszeitung Clarin ein Dekret des Staatssekretärs für Religionsangelegenheiten, Guillermo R. Oliveri, das drei Tage zuvor im Bulletin der Argentinischen Republik publiziert worden war. Durch dieses Dekret wurde die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Argentinien als juristische Person anerkannt und in das staatliche ‘Register der Institute des geweihten Lebens’ aufgenommen, in dem alle katholischen Orden und Kongregationen aufgeführt werden, die in dem Land tätig sein wollen. Diese Entscheidung wurde, nachdem andere rechtliche Voraussetzungen hatten geregelt werden können, erst durch einen Brief des Erzbischofs von Buenos Aires, S. Em. Mario Aurelio Kardinal Poli, möglich. Dieser Brief des Kardinals war an das zuständige Sekretariat für Kultusangelegenheiten der argentinischen Staatspräsidentin gerichtet.“

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