Auf dem Weg zur Welteinheitskirche

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Die international zusammengesetzte Führungsgruppe hat als Mitglieder den anglikanischen „Erzbischof“ von Canterbury, Georg Carey, den Präsidenten des Weltkirchenrates (W.C.C.), Agnes Abuom aus Kenia, den Kardinal Godfried Danneels und den amerikanischen Kardinal William Keeler, den Tübinger Theologen Hans Küng, den israelischen Rabbiner David Rosen vom amerikanischen Judenausschuß (American Jewish Committee) und der B’nai B’rith-Loge, den Großrabbiner von Frankreich Samuel Sirat, ebenfalls von der Loge „Söhne des Bundes“ (B’nai B’rith), Vizepräsident der Konferenz der europäischen Rabbiner und emeritierter Professor der Universität von Paris. Es ist nützlich, darauf hinzuweisen, daß unter den Ehrenvorsitzenden überraschenderweise auch Mustafa Ceric, die wichtigste islamische Autorität von Sarajewo, zu finden ist; dieser vertrat in Bosnien keinesfalls ökumenische Ideen, als er den Mohammedanerinnen die Anweisung gab, sie sollten wenigstens fünf Kinder haben, um in christlichen Ländern demographisch überlegen zu sein. Weiterhin gehören zu den Ehrenvorsitzenden Chiara Lubich, Gründerin der Focolari, und 1977 Empfängerin des Templetonpreises für den Fortschritt der Religionen und des Friedens.

Am 3. November 1994 fanden die Eröffnungsarbeiten der sechsten Generalversammlung der Konferenz im Synodalsaal des Heiligen Stuhls statt, dann ging die Konferenz am folgenden Tag ins Trentino nach Riva del Garda. Das Thema war: „Die Heilung der Welt sind Religionen für den Frieden“.

An dieser ersten im Vatikan abgehaltenen interreligiösen Konferenz der Kirchengeschichte nahm Johannes Paul II. höchst persönlich teil und war dabei der Präsident einer Versammlung von fast tausend Vertretern aus 15 verschiedenen Glaubensrichtungen, darunter einheimische Religionen aus Afrika, Australien und Ozeanien. Anwesend waren der Vorsitzende der Rockefeller-Stiftung Peter C. Goldmark jr. (Mitglied des C.F.R. = Council on Foreign Relations und Präsident der Zeitung International Herald Tribune, die europäische Ausgabe der New York Times), Hans Küng, die Kardinäle Martini, Arinze und Etchegaray. Letzterer war Vorsitzender des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und war in Zusammenarbeit mit der „Weltkonferenz für Religion und Frieden“ (W.C.R.P.) der führende Organisator und Leiter des interreligiösen Gebetstreffens von Assisi im Jahre 1986. – Der Franzose baskischer Herkunft, Etchegaray, genießt den Ruf eines großen Organisators, schuf während der ersten Sitzung des Zweiten Vatikanischen Konzils unter dem Einfluß von Kardinal Liénart, der mit Papst Johannes XXIII. völlig übereinstimmte, eine kleine nicht offizielle aber fest strukturierte, wöchentlich zusammentreffende Gruppe von Bischöfen aus mehreren Ländern mit dem Ziel, die Ortskirchen zu übergehen und selbst Verbindungen zu knüpfen. Persönlichkeiten wie G.B. Montini, Helder Camara, Franjo Seper nahmen daran teil. Am 9. Dezember 1965, einen Tag nach dem offiziellen Abschluß des Konzils, versammelte Roger Etchegaray etliche Bischöfe Europas. Dies ist das Datum für den informellen Beginn des Rates der Bischofs­konferenzen Europas (C.C.E.E.). Etchegaray war der Verantwortliche des Sekretariats dieser Organisation, welche die ersten Verbindungen aufnehmen sollte [vgl. die Zeitschrift 30 Giorni (30 Tage) Nr. 3, März 1987, S, 71]. Der Kardinal Achille Liénart, Bischof von Lilie, wurde im Jahre 1912 in die Freimaurerloge aufgenommen und erhielt 1924 den Rang eines „Kadosch“, d.h. eines „Heiligen Ritters“ („kadosch“ = 30. Grad des Schottischen Ritus). Als er starb, soll er ausgerufen haben: „Menschlich gesehen, ist die Kirche verloren“ [vgl. die Zeitschrift Introibo, Juli 1976; Georges Virebeau, „Prälaten und Freimaurer (Orig.: Prelats et Francsmasons) Paris. Verlag Henry Coston, 1978, S. 12; Carlo A. Agnoli, Die Freimaurerei erobert die Kirche, [Rom, E.I.L.E.S. Seite 34]. Was den „roten Bischof“ Helder Camara aus Recife in Brasilien angeht, so ist zu beachten, daß er der Sohn eines entschieden antiklerikal eingestellten Freimaurers war (vgl. die Zeitschrift des Großen Orients von Italien. Hiram, Nr. 4, 1980); im Jahre 1935 war er in Moskau an der (kommunistischen) Kaderschule, wo Parteimitglieder, welche im Westen die wichtigsten Kirchen infiltrieren sollten, ihre Ausbildung erhielten (siehe Monde et Vie vom 6. Februar 1981). – Ebenfalls anwesend waren der Generalsekretär der weltweiten islamischen Liga, Ahmed Muhammad Ali, und für die jüdische Loge B’nai B’rith der oberste Rabbiner von Israel, David Rosen. Bei dieser Gelegenheit wählten die Anwesenden H. Küng, A.M. Ali und D. Rosen zu stellvertre­tenden Präsidenten der „Weltkonferenz für Religion und Frieden“.

Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte ertönten in den Gewölben des Vatikans unter dem Vorsitz von Johannes Paul II. zwei Stunden lang Verse aus dem Koran und dem Talmud; dazu kamen noch die Aufrufe zum Frieden, welche die Schintoisten, Buddhisten und Hinduisten vorbrachten. Dazwischen gab es ein Intermezzo mit afrikanischen Gesängen.

In der schon erwähnten Enzyklika „Ut unum sint“ gibt uns Johannes Paul II. eine entsprechende „theologische“ Erklärung des ganzen interreligiösen Spektakels: „»Diese Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens ist in Verbindung mit dem privaten und öffentlichen Gebet für die Einheit der Christen als die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung anzusehen; sie kann mit Recht geistlicher Ökumenismus genannt werden.« Man schreitet auf dem Weg, der zur Bekehrung der Herzen führt, zum Rhythmus der Liebe voran, die sich Gott und zugleich den Brüdern zuwendet: allen Brüdern, auch jenen, die sich nicht in voller Gemeinschaft mit uns befinden. Aus der Liebe entsteht die Sehnsucht nach der Einheit auch bei denen, die das Erfordernis der Einheit stets ignoriert haben. Die Liebe ist Baumeisterin der Gemeinschaft unter den Menschen und unter den Gemeinschaften. … Die Liebe ist der tiefe Strom, der den Prozeß auf die Einheit hin belebt und mit Kraft erfüllt. Diese Liebe findet ihren vollendetsten Ausdruck im gemeinsamen Gebet. Wenn die Brüder, die miteinander nicht in vollkommener Gemeinschaft stehen, zum gemeinsamen Gebet zusammenkommen, so nennt das II. Vatikanische Konzil ihr Gebet die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung.“

Wir sollten an dieser Stelle das, was in Lessings Ringparabel und in Hans Küngs „Erklärung zum Weltethos“ zu lesen geschrieben steht, in Erinnerung rufen, um uns sodann zu fragen: Wer hat hier wohl wen inspiriert? – Lessing, bzw. Hans Küng Johannes Paul II. oder Johannes Paul II. Hans Küng (bzw. Lessing, wenn dies noch möglich wäre)? Urteilen sie selbst!

Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring’ an Tag
Zu legen!

„Die Liebe ist der tiefe Strom, der den Prozeß auf die Einheit hin belebt und mit Kraft erfüllt. Diese Liebe findet ihren vollendetsten Ausdruck im gemeinsamen Gebet.“ Und: „Diese Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens ist in Verbindung mit dem privaten und öffentlichen Gebet für die Einheit der Christen als die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung anzusehen; sie kann mit Recht geistlicher Ökumenismus genannt werden.“ „Wir plädieren für einen individuellen und kollektiven Bewußtseinswandel, für ein Erwecken unserer spirituellen Kräfte durch Reflexion, Meditation, Gebet und positives Denken, für eine Umkehr der Herzen.“ Lessing wäre sicher hocherfreut ob eines solchen Bewußtseinswandels in Rom und Hans Küng wird es wohl auch sein, wenn er das auch nicht zu laut sagt.

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