Liturgische Metamorphose – 2. Teil

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Die seit uralten Zeiten in der Osternacht vollzogene Weihe des Taufwassers wurde zu einem optionalen Anhängsel an das völlig neu eingeführte „Osterwasser“. Im Zug dieser Neufassung wurde auch die Liturgie der Pfingstvigil, die ganz ähnlich ausgesehen hatte wie die Osternacht und ebenfalls eine Taufwasserweihe enthielt, ersatzlos gestrichen. P. Duployé, ein modernistischer Liturge, hatte zehn Jahre zuvor gesagt: „Wenn es uns gelingt, die Ostervigil in ihrer ursprünglichen Bedeutung wiederherzustellen [d.h. sie völlig neu zu gestalten], hat die Liturgische Bewegung gesiegt. Ich gebe mir zehn Jahre dafür Zeit.“ Der Modernist Chenu kommentierte dazu: „Zehn Jahre später war es vollbracht.“

Weitere Neuerungen

Das Jahr 1955 brachte mit dem Dekret „Cum Nostra Hac Aetate“ weitere liturgische Neuerungen, diesmal die Rubriken der Messe und des Breviers betreffend. Im Licht moderner Erkenntnisse sollten „unerwünschte Wucherungen“ beseitigt werden. Zu diesen gehörten offensichtlich die alten Ränge der Semi-Duplex- und Simplex-Feste, sodaß sich hier schon die spätere simplifizierende Einteilung in drei Klassen von Festen vorbereitete und die feinen Abstufungen ausgemerzt wurden. Auch die meisten Vigilien wurden als überflüssiger Ballast angesehen und abgeschafft, die Oktaven, darunter etliche von ganz beträchtlichem Alter, wurden von 15 auf drei reduziert.

Im Breviergebet wurde erstmals ein Unterschied zwischen der privaten und der öffentlichen Rezitation des Offiziums gemacht – als ob es nicht jedesmal Liturgie und damit öffentlich wäre, wenn der Priester sein Brevier betet, auch wenn er dies ganz alleine tut. Die Bußgebete, die „Preces“, wurden bis auf wenige Ausnahmen abgeschafft, die „Vater unser“ von 16 auf fünf beschränkt, die „Ave Maria“, das „Credo“ und andere Gebete, die vor und nach dem Offizium zu beten waren, ersatzlos gestrichen. Gestrichen wurden auch in der Messe die zusätzlichen Orationen, die je nach der liturgischen Zeit zu beten waren (etwa zur Muttergottes, für den Papst, gegen die Verfolger oder für die Freiheit der Kirche), die wechselnden Schlußevangelien wurden beseitigt, und es blieb nur der Johannesprolog. (Es ist eigentlich einleuchtend, daß mit dem Wegfall so vieler liturgischer Gebete auch ein Verlust entsprechend vieler Gnaden für die Kirche verbunden sein mußte, denn nach dem Gesetz der Gnade muß darum gebetet werden, um sie zu erhalten: „Bittet und ihr werdet erlangen.“ Wenn der Kirche so viele Gnaden verloren gingen, gerade zum Schutz vor ihren Feinden, für ihre Freiheit und für den Papst, und man Maria, die Mutter der Gnade, viel seltener anrief, ist der schreckliche „konziliare“ Niedergang auch nicht mehr so verwunderlich.) Endlich wurde auch noch das Fest des hl. Joseph, Schutzherr der heiligen Kirche, abgeschafft, das immer am Mittwoch in der dritten Woche nach Ostern gefeiert worden war, und stattdessen „Josef der Arbeiter“ (oder sollte man sagen: „Josef, der Proletarier“?) am sozialistischen Feiertag, dem 1. Mai, eingeführt.

Instruktion der Ritenkongregation

Am 3. September 1958, ein Monat vor dem Tod von Pius XII., erschien im Anschluß an die Enzyklika Musicae sacrae disciplina (die in gewisser Weise als Zurücknahme des „Gesetzbuch der Kirchenmusik“ genannten von uns oben erwähnten Motu Proprio des hl. Pius X. betrachtet werden kann) die Instruktion der Ritenkongregation „De musica sacra et sacra liturgia“. Hierin wurde vor allem zur Übung der „dialogisierten Messe“ ermutigt, die erstmals 1922 zugestanden worden war, wobei das Mitbeten der Gläubigen nun sogar auf die Teile des Proprium (Introitus, Offertorium etc.) sowie das Pater noster ausgedehnt werden kann. Autor Dolan weist darauf hin, daß bis dahin eine gemeinschaftliche Teilnahme der Gemeinde an der Messe ausschließlich durch den Gesang des Choral geschah – wie dies ja auch Pius X. noch bei seiner „actuosa participatio“ im Auge hatte – und ein Mitbeten der Meßgebete mit dem Priester bis 1922 nie liturgische Praxis war. So schreibt Dr. Ferdinand Haberl noch 1956: „Die aktive Teilnahme des Volkes am Gottesdienst, ein Herzensanliegen jeglicher Seelsorge, ist nicht subjektivem Urteil und Verständnis überlassen. Nach der konstanten autoritativen Erklärung durch die Kirche ist die äußere actuosa participatio des Volkes in erster Linie durch den Gesang des lateinischen Chorals zu verwirklichen“ (Das Deutsche Amt und die Enzyklika Musicae Sacrae Disciplina, Regensburg 1956 S. 8).

Das Dokument der Ritenkongregation nennt jedoch vier Stufen der Teilnahme der Gläubigen an der „dialogisierten Messe“: 1. Die Gläubigen geben die leichteren liturgischen Antworten (Amen; Et cum Spiritu tuo; Deo gratias; Gloria tibi, Domine; Laus tibi, Christe; Habemus ad Dominum; Dignum et iustum est; Sed libera nos a malo). 2. Die Gläubigen sprechen auch die Teile, die gemäß den Rubriken dem Meßdiener zukommen, sowie bei der Kommunion das Confiteor und das dreimalige Domine, non sum dignus. 3. Die Gläubigen rezitieren gemeinsam mit dem Priester Teile des Ordinariums (Gloria, Credo, Sanctus – Benedictus, Agnus Dei). 4. Die Gläubigen sprechen auch die Propriumsteile Introitus, Graduale, Offertorium, Communio zusammen mit dem Priester. Letztere Form ist nur „bei gut geschulten, auserlesenen Kreisen möglich“, wie das Dokument sorgfältig anmerkt (Instruktion der Ritenkongregation Nr. 31). Das Pater noster kann bei allen gesprochenen Messen zusammen mit dem Priester von den Gläubigen rezitiert werden als Vorbereitung auf die Kommunion, aber nur in lateinischer Sprache. Das „Amen“ wird von allen gemeinsam angefügt (a.a.O. Nr. 32).

Auch die „Betsingmesse“ wurde nun offiziell verbrieft, bei welcher ein Laien-Kommentator (oder eine -Kommentatorin) in der Volkssprache vorbetet und vorliest, während der Priester in Latein am Altar still seine Messe zelebriert (was nun tatsächlich eine vollständige Trennung zwischen dem Geschehen am Altar und dem Tun der Laien bedeutet statt einer „tätigen Teilnahme“!).

Die Liturgie des „seligen“ Johannes

Der Auserkorene

So standen die Dinge, als Pius XII. starb. Am 28. Oktober 1958 wurde Giuseppe Roncalli zum Nachfolger gewählt, welcher sich „Johannes XXIII.“ nannte. Dieser war die erste Wahl der Freimaurer gewesen, um ihre Pläne durchzusetzen, ja es gibt ernsthafte Hinweise darauf, daß er selbst Mitglied der Loge war. In der Freimaurerzeitschrift „Les échos du Surnaturel“ erschien in der Ausgabe Dezember 1961/Januar 1962 „das Zeugnis eines durch mehrere Bücher bekannten Autors“: „Was das Konzil betrifft, so habe ich Kardinal Roncalli (dem ehemaligen Nuntius in Paris, dessen Berater ich war) am 14. August 1954 geschrieben, um ihm seine künftige Wahl (zum Papst) mitzuteilen und ihn um ein Treffen während der Ferien in seinem Heimatland zu bitten, wobei wir seine erste Aufgabe erörtern könnten … das Konzil. Ich mahnte ihn nachdrücklich: ‘Bitte denken Sie über all dies nach, denn es wird keine Zeit für Ausflüchte geben. Sobald Sie den päpstlichen Thron bestiegen haben, muß der Plan sogleich in Gang gesetzt werden und sämtliche Politiker überraschen’“ (zitiert nach: Die Verfinsterung der Kirche, S. 67).

Wie wir wissen, verlor der Auserkorene tatsächlich keine Zeit, sondern kündigte schon keine drei Monate nach seiner Wahl, am 25. Januar 1959, „vor 17 Kardinälen im Kapitelsaal der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern völlig überraschend“ an, „dass er ein Konzil für die Weltkirche einzuberufen beabsichtige, dessen Ziel die ‘Erneuerung’, ‘größere Klarheit im Denken’ und ‘Stärkung des Bandes der Einheit’ sein solle“ (Wikipedia). Die alchemistische Umwandlung der Liturgie voranzutreiben, war keines der geringsten Ziele, das die „geheimen Mächte im Hintergrund“ dabei im Auge hatten.

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