Fortschritt durch Rücktritt

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Streiflichter eines konziliaren Pontifikates

„Fortschritt durch Rücktritt“, so hieß einer unter den vielen Artikeln, die seinerzeit den Rücktritt Benedikts XVI. kommentierten. Während wenigstens dieser Titel etwas Wahres trifft, wurde in vielen anderen Artikeln, wie nicht anders zu erwarten, viel Unsinniges, Skandalträchtiges und Erfundenes zum Rücktritt Benedikts XVI. geschrieben, daß es einem recht schwer fällt, das Eigentliche in den Blick zu bekommen und die entscheidende Frage zu beantworten: Welche Folgen hatte dieser Rücktritt eigentlich für die Konzilskirche?

Es ist nicht verwunderlich, wenn man wieder und wieder liest, Benedikt XVI. sei ein konservativer Papst gewesen, ein Papst, der die Vergangenheit nicht hinter sich lassen konnte, der den Reformstau nicht gesehen habe, der auf der Konzilskirche laste, ein Papst, der im zwanzigsten Jahrhundert stehen geblieben ist usw. Solche kurzsichtigen Urteile offenbaren einmal mehr die vollkommene geistige Verblendung des modernen Menschen, wenn es um Wesentliches geht. Wenn man den letzten großen Vertreter der Konzilsgeneration, der, wie er unzählige Male betont hat, vollkommen hinter den Reformen des Konzils steht und sie durchaus ernst nimmt, als einen vorkonziliaren alten Mann bezeichnet, der den Schritt zur Moderne nicht gewagt hat, dann kann man nur den Kopf schütteln. Wenn man dem „größten Theologen des 20. Jahrhunderts“ nicht zutraut, den Schritt ins 21. Jahrhundert zu machen, dann muß irgendetwas verkehrt sein, dann muß man irgendwie zu kurz gegriffen haben. Aber was ist es, das man übersieht?

Das größte Problem ist, daß irgendwelche Leute, irgendwelche halbgebildeten Laien oder theologische Dilettanten, die von der Sache letztlich keine Ahnung haben, über ein Thema schreiben, das sie in keinster Weise überblicken können. Ihr geistiger Horizont ist letztlich schon so weit eingeengt, daß sie nur eines vor Augen haben: Die Rolle der Frauen in der Kirche. Der Zölibat. Die Sexualmoral. Und damit zusammenhängend: die vielen geschiedenen und wiederverheirateten Paare und die Patchworkfamilien – für die die römische Kirche wenig übrig habe. Wenn die eigene Sicht solchermaßen eingefärbt ist und man sodann damit einen Mann wie Josef Ratzinger beurteilen möchte – dann kann das nur schief gehen.

Es wird sich sicher lohnen, ein wenig genauer hinzuschauen, denn wenn Benedikt XVI. auch geht, Josef Ratzinger bleibt. Was hat also Benedikt XVI. in den sieben (fast acht) Jahren seines Pontifikats (sich alles) geleistet? Was hat er in der Konzilskirche bewegt, bleibend bewegt? Und ist sein Nachfolger, „Papst Franziskus“, wirklich so sehr das gerade Gegenteil des „Papa emeritus“ oder vielmehr seine dialektische Fortsetzung?

1. Inthronisierung im Zeichen des Gottes Pan

Kardinal Josef Alois Ratzinger wurde am 19. April 2005 gewählt und nahm den Namen Benedikt XVI. an. Schon sein Amtsantritt war – von der Medienwelt gänzlich unbemerkt – äußerst spektakulär. Josef Ratzinger ließ sich bei seinem Amtsantritt nicht mehr mit der Tiara (die dreifache Krone als Symbol für die von Christus verliehene dreifache Gewalt des Papsttums) krönen, man setzte ihm eine „einfache“ Mitra aufs Haupt. Auf der Vorderseite dieser Mitra war groß der Gott Pan abgebildet. Sonst fand sich kein einziges christliches Zeichen auf der Mitra, dagegen jedoch noch neun andere freimaurerisch-satanische Symbole, wie in der von P. Villa gegründeten Zeitschrift Chiesa viva / Februar 2012 zu lesen und zu sehen ist. Auch aus seinem Wappen hat Benedikt XVI. als erster der Konzilspäpste die Tiara entfernt und durch eine Mitra ersetzt. Die Mitra hat anders als die Tiara keine klar und präzise in der Geschichte festgelegte Symbolik. Sie läßt also anders als die Tiara einen Interpretationsspielraum und drückt in keiner Weise den Vorrang des Papstes gegenüber den anderen Bischöfen aus. Hierzu paßt zweifelsohne, daß Benedikt XVI. – ebenfalls weithin unbemerkt – den Titel „Patriarch des Abendlandes“ abgelegt, also auch hier auf einen ausdrücklich benannten Vorrang vor den anderen Bischöfen verzichtet hat.

Ist das alles bedeutungslos? Macht es keinen Unterschied, ob ich im Zeichen der dreifachen Vollmacht des Gottmenschen Jesu Christi oder im Zeichen des Gottes Pan, umrahmt von freimaurerisch-satanischen Symbolen mein Amt antrete? Wenn man diese Symbolik ernst nimmt, und das sollte man doch wohl, dann heißt das: Josef Ratzinger hat den Stuhl Petri am 24. April 2005 im Zeichen des Gottes Pan okkupiert und auf seinen wesentlichen Vorrang vor den anderen Bischöfen ausdrücklich verzichtet.

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