Monster Church II

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Vor einigen Jahren, oder eher schon drei bis vier Jahrzehnten, fuhr ein Verwandter mit dem Zug von Italien zurück nach Hause. Während der Fahrt kam ein fremdländischer „Händler“ auf ihn zu und sagte: „Sehen Sie her, eine schöne Uhr. Eine Rolex!“ Mit strahlendem Lächeln hielt er ihm seinen Arm hin mit der Uhr. Für 100 DM könne er sie haben, die Rolex, sagte der Mann. Eine Rolex für 100 DM? Mein Verwandter besah sich kurz den Mann und dann die Uhr. Es war unschwer zu erkennen, daß es sich um eine äußerst minderwertige Kopie handelte, die sicher keine 100 DM wert war. Für eine echte Rolex wäre so ein Vergleichsstück direkt eine Beleidigung gewesen. Da der Verkäufer den Eindruck machte, als könne er durchaus etwas Geld gebrauchen, handelte mein Verwandter ihn auf 50 DM herunter und kaufte ihm die Uhr um diesen Preis gleichsam als Almosen ab, denn in dem Kaufpreis von 50 DM waren sicher immer noch 30 DM Almosen enthalten. Während jeder von uns, der nur einigermaßen weiß, was eine Rolex ist, sofort die Uhr des Händlers als billigste Kopie erkannt hätte, lassen wir uns in anderen Bereichen unseres Lebens viel leichter täuschen – etwa mit den heute mehr und mehr sich verbreitenden Kirchenkopien. So meint man etwa, man könnte eigentlich nicht von einem Betrugsversuch sprechen, wenn einem jemand die Konzilskirche als katholische Kirche verkaufen möchte – das ist sicher genauso lächerlich wie die „Rolex“ im Zug – und dennoch gelingt dies beinahe mühelos bei den allermeisten sog. Traditionalisten. Die FSSPX hat das vergangene Jahr dafür den Beweis geliefert. Mit aller Gewalt versuchte sie ihren „Gläubigen“ einzureden, die Konzilskirche sei doch nichts anderes als die katholische Kirche.

Im letzten Beitrag beschäftigten wir uns mit den geistigen Grundlagen der FSSPX und zeigten, daß die selbstgewählte Position der Mitte weitreichende Folgen für den Glauben dieser Gemeinschaft hat. Eine weitere, unausbleibliche Folge wollen wir in diesem Beitrag betrachten.

Die Monsterkirche

Eine grundlegende Unterscheidung

Damit man sich in der heutigen Situation nicht in die Irre führen läßt oder sich nicht selbst in die Irre führt, muß man sich vor allem eine in der Theologie gebräuchliche Unterscheidung in Erinnerung rufen: Es gibt die Kirche und die Glieder der Kirche. Während die Kirche ihrem Wesen nach heilig ist, können ihre Glieder durchaus auch Sünder sein. Die heilige Kirche besteht nicht aus lauter Heiligen, es gibt vielmehr zahlreiche Glieder in der Kirche, die Fehler machen, die ein schlechtes Beispiel geben, die sündigen. Diese Sünden darf man jedoch nicht der Kirche als solcher anrechnen, da diese vollkommen unsündlich, makellos und rein ist. Die Sünder gehören nicht mit ihrer Sünde zur Kirche, sondern durch den Glauben, durch das unauslöschliche Merkmal der Taufe und viele Akte, die in der Gnade gewirkt werden. Einerseits darf man den Sündern die Kirchengliedschaft nicht absprechen, anderseits darf man aber auch nicht die Sündigkeit der Glieder von der Kirche selbst aussagen, denn die Sünder gehören nicht mit, sondern trotz ihrer Sünden zur Kirche. Das sittlich Böse befleckt zwar den Sünder, bleibt aber außerhalb der Kirche.

In seiner Enzyklika Mystici corporis erklärt Pius XII.:

„Ohne Fehl erstrahlt unsere verehrungswürdige Mutter in ihren Sakramenten, durch die sie ihre Kinder gebiert und nährt; im Glauben, den sie jederzeit unversehrt bewahrt; in ihren heiligen Gesetzen, durch die sie alle bindet, und in den evangelischen Räten, zu denen sie ermuntert; endlich in den himmlischen Gaben und Charismen, durch die sie in unerschöpflicher Fruchtbarkeit (Conc. Vat., Sess. III, Const. de fide cath., Kap. 3) unabsehbare Scharen von Märtyrern, Jungfrauen und Bekennern hervorbringt. Ihr kann man es nicht zum Vorwurf machen, wenn einige ihrer Glieder krank oder wund sind. Sie fleht ja in deren Namen selbst täglich Gott an: “Vergib uns unsere Schulden”, und widmet sich unablässig ihrer geistlichen Pflege mit mütterlich starkem Herzen.“

Die Heiligkeit ist der Kirche unverlierbar gegeben in ihren Sakramenten, im Glauben, in den Gesetzen und den evangelischen Räten. In den ihr von Gott geschenkten himmlischen Gaben und Charismen erfreut sie sich immerwährender Fruchtbarkeit, so daß sie unabsehbare Scharen von Märtyrern, Jungfrauen und Bekennern hervorbringt. Während die Kirche makellos und heilig ist, können doch einige ihrer Glieder krank oder wund sein, was man aber nicht der Kirche zum Vorwurf machen kann, denn würden diese all die Gnaden annehmen und in sich wirken lassen, welche ihnen die Kirche vermittelt, dann wären auch sie heilig. Nicht die Kirche ist schuld, wenn sie krank und wund sind, sondern sie selbst.

Es soll noch kurz erwähnt und in Erinnerung gerufen werden, daß es dennoch Sünden gibt, die den Gläubigen von der Kirche trennen. Wenn sich jemand hartnäckig weigert, eine von Gott geoffenbarte und von der katholischen Kirche als Glaubenssatz gelehrte Wahrheit zu glauben, z.B. die Arianer, die Nestorianer, die Protestanten, dann gehört er nicht mehr zur Kirche, er ist vielmehr ein Häretiker. Oder, wenn jemand zwar nicht ausdrücklich einen Glaubenssatz leugnet, aber sich freiwillig von der Kirche Jesu Christi, das heißt von ihren rechtmäßigen Hirten, trennt, dann gehört er ebenfalls nicht mehr zur Kirche, sondern ist ein Schismatiker.

Das ganze Ausmaß der Kirchenkrise

Die Feinde der Kirche haben sich schon immer bemüht, die Kirche in ihrem Mark zu treffen, um sie zu vernichten. Auch wenn wir als Katholiken wissen, daß dies nie gelingen wird, so wissen wir doch nicht so genau, wie wir uns das gemeinhin zurechtgelegt hatten, was Gott alles zulassen kann – zulassen kann, ohne daß dadurch die Kirche schon zerstört ist! Die allermeisten Katholiken sind sich heutzutage darüber im Unklaren oder werden von den Verantwortlichen im Unklaren gelassen, wodurch eine große Gefahr für ihren Glauben entsteht, denn der Katholik ist sodann angesichts der sog. Kirchenkrise immer in der Versuchung, seinen Glauben entsprechend den modernistischen Erscheinungsformen der Amtskirche zu „korrigieren“, bzw. Schritt für Schritt modernistisch „nachzubessern“.

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