Monster Church

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Um sich in dem gegenwärtigen Chaos kirchlichen Lebens einigermaßen zurechtzufinden, muß man sich auf die sichere Lehre der Kirche stützen, also auf jene Lehre, die in den Akten des kirchlichen Lehramts und in Abhängigkeit davon von den großen Theologen niedergeschrieben worden ist. Das ist zwar mit einer nicht geringen Mühe verbunden, wer aber diese Mühe scheut, wird sich letztlich immer mit vorschnellen und zu kurz greifenden Antworten zufrieden geben. Und sobald jemand dies nicht mehr wahrnimmt, verfängt er sich in seiner selbstverfertigten Lehre und wird zum Ideologen. Wir haben uns in einem ersten Beitrag mit diesem Thema beschäftigt. In einem zweiten Beitrag vergegenwärtigten wir uns die Lehre der Kirche über die Kirche, um diese aufzufrischen und dadurch urteilsfähig zu werden, ob denn die Konzilskirche die katholische Kirche sein könne.

Über diese Frage – Ist die Konzilskirche die katholische Kirche? – gibt es in der sog. Bewegung der Tradition durchaus keine einheitliche Meinung, was doch eigentlich angesichts der nachkonziliaren Katastrophe verwunderlich ist. Doch mischen sich gerade bei dieser Frage nach dem Wesen der Konzilskirche viele irrationale Beweggründe in das Urteil des Einzelnen. Meist sind es ideologische Vorentscheidungen, die den Ausschlag geben, und nicht theologische Erwägungen über das, was die Kirche immer sein muß, wenn sie Kirche Jesu Christi sein soll.

Weil diese Frage in der heutigen Situation des Katholiken so entscheidend ist, wollen wir anhand eines Beispiels zeigen, was geschieht, sobald man die Antwort verfehlt. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) versucht nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit allen Mitteln, sich dem nachkonziliaren, postmodernen Rom anzuschließen, um ihren kanonischen Mangel loszuwerden. Offensichtlich leiden ihre Oberen unter dem Kainsmal des Ausgestoßenseins so sehr, daß sie sogar bereit sind, den Bestand ihrer eigenen Gemeinschaft zu riskieren, um zur Wiedervereinigung mit der vom modernistischen Geist geprägten römischen Kirche zu gelangen. Den Oberen dieser Gemeinschaft erscheint die Rückkehr in die Konzilskirche offensichtlich inzwischen wie die Rettung aus der eigenen Krise. Dieses an sich recht merkwürdige Verhalten hat eine viel tieferreichende Wurzel, als gemeinhin wahrgenommen wird. Dieser geistigen Wurzel müssen wir zunächst unsere Aufmerksamkeit zuwenden, ehe wir dann – in einem nächsten Beitrag – über das Kirchenbild dieser Gemeinschaft eingehender nachdenken können.

„Die goldene Mitte“ ODER „Weder Fisch noch Fleisch?“

Wir sind die Mitte!

Das Selbstverständnis der FSSPX ergibt sich – das ist wohl von kaum jemandem thematisiert worden – aus der kirchenpolitischen Einordnung, welche diese Gemeinschaft in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorgenommen hat. Die FSSPX positioniert sich selbst in dieser Frühphase des nachkonziliaren Widerstandes zwischen dem Modernismus und dem sog. Sedisvakantismus. Ihren Gläubigen gegenüber gibt sie diese Position als die goldene Mitte aus. Stolz verkündet man allenthalben, daß man weder Modernist noch Sedisvakantist sei! Nun wirft diese Selbstdefinition der Gemeinschaft eine ganze Reihe von Fragen auf, die leider von den Verantwortlichen nicht einmal wahrgenommen werden.

Ein erstes merkwürdiges Faktum ist: durch diese Selbstdefinition als goldene Mitte zwischen Modernismus und Sedisvakantismus stellt die FSSPX den Modernismus und den sog. Sedisvakantismus als gleichgeartete und gleicherweise zu meidende Extreme dar. Nun ist aber der Modernismus bekanntermaßen eine von der Kirche verurteilte Irrlehre (bzw. ein ganzes System von Irrlehren), wohingegen die sog. Sedisvakanz (also eine Zeit, in der der Stuhl Petri nicht besetzt ist) zum einen Teil ganz einfach eine Tatsache und zum anderen Teil eine von der Kirche sicher gelehrte Lehre ist. Die Sedisvakanz ist eine Tatsache, wenn ein Papst gestorben ist, und sie ist eine ganz sichere, über Jahrhunderte sogar ins Kirchenrecht aufgenommene Lehre, die der hl. Robert Bellarmin folgendermaßen prägnant zusammenfaßt: „Ein notorisch häretischer Papst hört automatisch auf, Papst und Oberhaupt der Kirche zu sein, so wie er automatisch aufhört, Christ und Mitglied des Leibes der Kirche zu sein. Aus diesen Gründen kann er von der Kirche verurteilt und bestraft werden. Fügen wir hinzu, daß die Lage der Kirche sehr unglücklich wäre, würde sie gezwungen, als Hirt einen Wolf anzuerkennen, der sich offen gegen sie wendet.“

Die FSSPX kann nur deswegen ihren Gläubigen die selbstgewählte Position als Mitte zwischen gleichermaßen zu meidenden Extreme ausgeben, weil die Gläubigen zwar den Modernismus noch einigermaßen (wenn auch immer weniger) als Irrlehre durchschauen, wohingegen sie über die Lehre der Kirche bezüglich einer Sedisvakanz bei Häresie eines Papstes meistens gar nichts wissen, ja von den Verantwortlichen der FSSPX vollkommen desinformiert und systematisch in die Irre geführt werden. So verwirrt etwa der bis zum 15. August dieses Jahres noch mit kanonischem Mangel „amtierende“ Distriktobere von Deutschland seit geraumer Zeit die Gläubigen immer wieder durch ein Zitat aus dem Ersten Vatikanischen Konzil, das er beharrlich und offensichtlich unbelehrbar fehlinterpretiert.

Die FSSPX konstruiert also eine Mitte nicht zwischen zwei wirklich zu meidenden Extremen, sondern zwischen einem Irrtum und einer Wahrheit, wobei die Wahrheit als Irrtum ausgegeben wird – was selbstverständlich nicht folgenlos bleiben kann, denn wie viele Wahrheiten muß man wohl verdrehen, bis eine Wahrheit als Irrtum erscheint?

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