Alter Mythos gegen ewige Wahrheit

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Wir stellen also fest, daß uns die Wissenschaft keine stichhaltigen Beweise für ihre Behauptung vom „Urknall“ vorlegen kann, daß sie vielmehr „unserer Schrift, das heißt dem katholischen Glauben, Entgegengesetztes“ vorbringt, und somit wollen wir zeigen, daß es „völlig falsch ist“. Wir müssen dazu noch einmal festhalten, daß es sich bei der „Urknall“-Theorie nicht einfach um die Behauptung handelt, das Universum sei einmal kleiner gewesen und dehne sich nun aus. Es geht auch nicht nur darum, daß sich die Dinge im Weltall ändern, daß etwa Sonnen verglühen oder Himmelskörper auseinanderbrechen oder zusammenkrachen und dergleichen mehr. Auch ist es nicht die Behauptung, daß das Universum ursprünglich noch nicht die jetzige Vollendung hatte. All das könnten wir zur Not zugeben. Auch die Erde wurde, wie wir aus dem Schöpfungsbericht wissen, von Gott erst nach und nach, in sechs Schöpfungstagen nämlich, zu ihrer vollendeten Schönheit und Gestalt gebracht. Auch auf der Erde vollziehen sich immer noch Änderungen und Umgestaltungen, teils durch natürliche Kräfte wie den Vulkanismus, teils durch menschliche Eingriffe.

Doch um all das handelt es sich nicht. Die „Urknall“-Theorie will ja, daß unser Universum mit Raum und Zeit, Sternen und Galaxien, Sonnen, Planeten, Monden und all seinen übrigen Wundern, am Anfang ein ganz und gar gestalt- und formloses Etwas gewesen sei. Aus dieser „Singularität“ habe sich dann erst durch die ihr innewohnenden und in einer Explosion freiwerdenden Kräfte unser heutiges Weltall entwickelt. Als Vergleich dafür wird stets und stereotyp die Keimzelle angeführt, die ebenfalls ein winziges und fast gestaltloses Etwas ist, und aus der sich schließlich ein ganzer wundervoller Organismus entfaltet. Diese Parallele scheint umwerfend und schlagend und wird oft sogar für eine „katholische“ Interpretation des „Urknalls“ bemüht: So wie Gott den Menschen – oder sogar die Kirche! – aus einer kleinen und unscheinbaren Keimzelle habe hervorgehen lasse, so auch das gesamte Weltall. Wie groß ist Gott!

Nur ein ganz oberflächlicher, fast schon blinder Betrachter kann zu solch einer Fehlsicht gelangen. Wenn wir etwas genauer hinsehen, merken wir sofort den wesentlichen und unübersehbaren Unterschied: Bei der Keimzelle handelt es sich um Leben, beim Weltraum nicht. Für den Evolutionisten ist das kein Problem, denn er ist Materialist aus Prinzip, und so unterscheidet sich für ihn der lebende nicht wesentlich vom toten Körper. Das Leben ist ja für ihn aus der Materie hervorgegangen. Für jeden noch einigermaßen vernünftig denkenden Menschen und erst recht für uns gläubige Katholiken ist es jedoch nicht so.

Im Schöpfungsbericht der Genesis heißt es am dritten Tag, daß Gott die Pflanzen erschaffen hat, und es wird dort eigens und doppelt betont, daß die Pflanzen „grünen und Samen tragen“ und die Bäume „Frucht tragen“ und „Samen haben“ (Gen 1,11f). Es ist also etwas ganz Besonderes um diese Pflanzen, was es bisher nicht gab. Sie tragen Frucht und Samen, sie können sich fortpflanzen, sie leben! Am fünften Schöpfungstag erschafft Gott die Wassertiere und die „geflügelten Tiere“, und hier spricht Er erstmals den Segen über sie: „Seid fruchtbar und mehrt euch!“ (Gen 1,22) Die Bibel von Arndt kommentiert dazu: „Als beseelte Wesen werden die Wassertiere und Vögel durch ein göttliches Segenswort mit dem Vermögen ausgestattet, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren.“ „Seid fruchtbar und vermehret euch!“ so segnet Gott dann auch das erste Menschenpaar (Gen 1,28), wobei der Kommentar sogleich hinzufügt: „Da aber der Mensch kein Tier, sondern ein ganz anderes Geschöpf ist, wird die Einsetzung der Ehe noch einmal ausführlich erzählt.“

Letzteres soll uns jedoch im Augenblick nicht beschäftigen. Uns geht es hier nur um die Besonderheit, die Pflanzen, Tieren und Menschen gemeinsam ist: das Leben und seine Fähigkeit, sich fortzupflanzen. „Crescite et multiplicamini!“ Dieser Fortpflanzung dient der Same oder die Keimzelle. Wenn nun auch der „Urknall“ bzw. die „Singularität“, die diesem zugrunde liegt, eine Art Keimzelle war – haben wir es dann auch hier mit einer Art Fortpflanzung zu tun? Gibt es also ein „Eltern-Universum“, das unser Universum hervorgebracht oder gezeugt hat? Und wird auch unser Universum, wenn es denn erwachsen ist, wieder ein Universum zeugen? Es gibt tatsächlich – und das wundert uns nicht – Wissenschaftler, die von solchen Dingen fabulieren. Aber ist das noch seriöse Wissenschaft? Interessant ist es auf jeden Fall, wie die Begriffe des Lebens immer wieder auf die Kosmologie angewandt werden. So spricht man z.B. auffallend von der „Geburt“ oder dem „Sterben“ von Sternen, und es ist nicht ausgemacht, ob dieser Sprachgebrauch wirklich immer nur allegorisch ist.

Doch zurück zu unserer Keimzelle: Eine solche ist keine gestaltlose „Singularität“, ganz im Gegenteil! Sie ist eine ausgeprägte, geschlossene und geformte Ganzheit, eben eine pflanzliche, tierische oder menschliche Keimzelle, die in einer gewissen Weise schon den ganzen fertigen Organismus in sich trägt. Dieser entsteht jedoch nicht, indem diese Zelle einfach explodiert oder sich ausdehnt, sondern indem sie sich nach einem genau ausgeklügelten System teilt und ausdifferenziert in die verschiedenen Körperzellen, die zu bilden sind. Dazu bedarf sie zum einen der Hilfe von außen – der Zuführung von Wärme, Nahrung etc. – zum anderen jedoch und vor allem eines inneren tätigen Prinzips, das diesen Wachstums-Vorgang hervorbringt, lenkt und steuert. Dieses tätige Prinzip, welches das eigentliche Leben ausmacht, nennen wir Seele.

Wie sieht es nun in dieser Hinsicht mit dem „Urknall“ aus? Wo sind die Nährstoffe und alles Notwendige für die Ausprägung des Universums hergekommen? Hat etwa das „Eltern-Universum“ unser Universum gefüttert oder ausgebrütet? Und vor allem: Besitzt auch unser Universum eine Seele? Ist es wahrhaftig ein lebendiger Organismus? Gibt es die „Weltseele“? So landen wir mit unserer modernen Wissenschaft urplötzlich wieder in der vorchristlichen, heidnischen Philosophie mit bedenklicher Nähe zum Hinduismus mit seinem „Brahman“ (der kosmischen Weltenseele und zugleich höchsten Gottesvorstellung), zum Panpsychismus (der „allen fundamentalen Dingen des Universums mentale Eigenschaften“ zuschreibt) und zum Pantheismus (der das Universum mit Gott gleichsetzt).

Wir können es also drehen und wenden wie wir wollen, der „Urknall“ mag zu den Prinzipien einer gesunden Vernunft nicht passen, und zu unserer durch und durch vernünftigen katholischen Religion schon gar nicht. Er mag den Freimaurern und Deisten zusagen mit ihrem „Großen Baumeister“, der es am Anfang einmal hat knallen lassen und dann allem seinen Gang gelassen hat; die Atheisten mögen ihn als rein naturwissenschaftliche Welterklärung für ein System ohne Gott benötigen; ein Teilhard de Chardin mag darin die Inspiration für seinen pantheistischen „Kosmischen Christus“ oder „Punkt Omega“ gefunden haben. Im Grunde handelt es sich jedoch um eine uralte, heidnisch-mythologische Ausgeburt, die am ehesten mit der Anthroposophie verwandt ist. Was muß in den Köpfen der katholischen Theologen vorgegangen sein, als sie meinten, vor dieser „wissenschaftlichen Erkenntnis“ reihenweise einknicken und so die ewige Wahrheit des Schöpfungsberichts mit dem alten Mythos vom „Urknall“ vertauschen zu müssen?

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