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1. Oktober 2017  -  Maria, Prophetie

Garibaldi und die Eroberung Roms

Die Große Botschaft von La Salette ist zweifelsohne eine Hilfe zum Verständnis der Apokalypse des heiligen Apostels Johannes und ihrer Anwendung auf unsere konkrete Zeit. Leider wurde dies bislang viel zu wenig beachtet und realisiert. Im fünften Teil unserer Arbeit wollen wir betrachten, was Unsere Liebe Frau uns als den Typus für die antichristliche Revolution vor Augen stellt: Garibaldi und die Eroberung Roms.

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Wir haben schon anhand der Endzeitprophetien unseres göttlichen Erlösers gezeigt, daß in der Prophetie oft eine Voraussage mit einem Typus verbunden wird, um dadurch das Vorausgesagte besser verständlich zu machen. Die Zukunft ist oft in einem für uns undurchdringlichen Dunkel verborgen. Da kann ein näherliegendes geschichtliches Ereignis hilfreich sein, um das Zukünftige leichter greifen zu können. Dementsprechend hat unser göttlicher Herr die Voraussage über das Weltende mit dem Untergang Jerusalems verbunden. Dies tat Er sicherlich nicht nur deswegen, weil Ihn seine Jünger nach seiner Ankündigung – „Seht ihr das alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht niedergerissen wird.“ – fragten: „Sag uns, wann wird dies geschehen, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und des Weltendes?“, sondern weil Er in seiner göttlichen Weisheit wußte, eine solche Verstehenshilfe ist notwendig. Der Untergang Jerusalems im Jahre 70 war gewissermaßen ein Weltuntergang im Kleinen.

Wenn man die große Botschaft von La Salette öfter aufmerksam liest, erkennt man, auch bei dieser Prophezeiung über die Geschehnisse während der Letzten Zeiten wird das eigentliche Endzeitgeschehen mit zeitnahen Ereignissen verbunden dargestellt. Soweit wir sehen können, wird diese Tatsache in der Literatur über La Salette kaum einmal erwähnt, geschweige denn thematisiert. Dabei ist es doch auffallend, daß von unserer himmlischen Mutter in diese Endzeitprophetie solch zeitnahe Geschehnisse eingeflochten werden. Und zwar so nahtlos, daß sich dadurch viele unaufmerksame Leser sogar zu einer Fehlinterpretation verleiten lassen. Was sind das nun für geschichtliche Geschehnisse?

Der zeithistorische Hintergrund der Botschaft von La Salette – Das Vor-Bild für dessen Endzeit-Prophetie

Den Beginn der in der Botschaft erwähnten zeitnahen Ereignisse bildet ein ganz konkreter Hinweis an Papst Pius IX.: „Der Stellvertreter meines Sohnes, der Hohepriester Pius IX., verlasse Rom nach dem Jahre 1859 nicht mehr. Er sei vielmehr standhaft und großmütig und kämpfe mit den Waffen des Glaubens und der Liebe. Ich werde mit ihm sein.“

Wir werden den Sinn dieser himmlischen Weisung aus den Zeitumständen noch genauer darlegen. Jetzt genüge der Hinweis: Papst Pius IX. wird klar angewiesen, nach 1859 die Stadt Rom nicht mehr zu verlassen. Die nun anzuwendenden Waffen sind die des Glaubens und der Liebe. Diese Anweisung wird noch mit einer zweiten verbunden und ergänzt: „Er traue dem Napoleon nicht. Sein Herz ist doppelzüngig (falsch). Und wenn er gleichzeitig Papst und Kaiser sein will, wird sich Gott bald von ihm zurückziehen. Er ist jener Adler, der in seinem Streben, immer höher zu steigen, in das Schwert stürzen wird, mit dem er die Völker nötigen will, ihn aufsteigen zu lassen.“ Aufgrund dieser Warnung vor Napoleon III., der damals zu lebenslanger Haft verurteilt war und im Gefängnis saß, haben manche an der Authentizität dieser Zeilen gezweifelt und behauptet, Melanie hätte manches aus der großen Botschaft selbst erfunden und eingefügt. Inzwischen sind jedoch die Originaldokumente in den römischen Archiven wiedergefunden worden, wodurch bewiesen wurde, die ganze Große Botschaft von La Salette ist durchaus authentisch. Melanie hat nichts erfunden und hinzugefügt.

Verschaffen wir uns noch einen Überblick über die weiteren zeitnahen Prophezeiungen in der großen Botschaft. Da heißt es etwas später: „Der Papst möge sich vor den Wundertätern in acht nehmen. Denn die Zeit ist gekommen, da die erstaunlichsten Wunder auf der Erde oder in der Luft stattfinden.“ Und dann: „Der Heilige Vater wird viel leiden. Ich werde bei ihm sein bis zum Ende, um sein Opfer anzunehmen.“ Das Pontifikat Pius IX. war tatsächlich sehr leidvoll, fiel es doch in die Zeit der Errichtung des neuen vereinigten Staates Italien. Dieses neue Italien sollte nicht mehr katholisch geprägt sein, sondern nach den Prinzipien der französischen Revolution gestaltet werden. Dementsprechend erklärt die weinende Gottesmutter noch: „Die Bösewichter werden mehrere Male seinem Leben nachstellen, ohne seinen Tagen schaden zu können. Aber weder er noch sein Nachfolger werden den Triumph der Kirche Gottes sehen. Die bürgerlichen Regierungen werden alle dasselbe Ziel haben, das da ist, die religiösen Grundsätze abzuschaffen und verschwinden zu lassen, um für den Materialismus, Atheismus, Spiritismus und alle Arten von Lastern Platz zu schaffen.“

Damit ist der Typus benannt, auf dessen Hintergrund wir die Prophezeiungen von La Salette lesen und verstehen müssen, so wie der Untergang Jerusalems für unseren Herrn Jesus Christus der Typus war, um Seine Endzeitprophetie zu verdeutlichen. Dabei muß es sicherlich zwischen den beiden jeweils gewählten Typen einen Unterschied geben, da wir 1846 dem Ende der Welt um 1800 Jahre näher gekommen sind. Im 19. Jahrhundert ist natürlich die antichristliche Endzeit schon viel deutlicher, d.h. detaillierter zu erahnen als zur Zeit Jesu. Beim Untergang Jerusalems geht es um das Drama des Weltuntergangs, bei den Ereignissen um Pius IX. geht es um das Drama der Kirche Jesu Christi in der antichristlichen Welt. Es steht ja nicht mehr eine Stadt im Mittelpunkt, sondern eine Person, nämlich Papst Pius IX.

DAS RISORGIMENTO – Ein geeintes Italien unter dem Banner der Freimaurerei

Italienische Unabhängigkeitsbestrebungen gegen die Habsburgermonarchie

Zeichnen wir nun zunächst wie beim Untergang Jerusalems den Typus nach, denn er ist ja genauso wie der Untergang Jerusalems inzwischen geschichtliche Tatsache geworden. Die Worte der weinenden Gottesmutter in La Salette an Papst Pius IX. haben als geschichtlichen Hintergrund das sog. Risorgimento, die Wiedererrichtung eines einheitlichen italienischen Staates. (Genauer gesagt ging es überhaupt erst um die Errichtung eines italienischen Nationalstaates, den es bis dahin nicht gegeben hatte. Der Nationalismus als solcher ist „eine Entwicklung der europäischen Neuzeit“, wie uns „Wikipedia“ belehrt. „Die Idee des Nationalstaates rückte“ generell erst „ab dem 18. Jahrhundert vollends in das Zentrum der Politik“.)

Damals, d.i. um 1848, bestand Italien, genauso wie Deutschland, noch aus einer Reihe von Einzelstaaten. Die oberitalienischen Gebiete standen unter österreichischer Oberhoheit. Dort war es schon seit 1820 zu Aufständen gekommen, die sich gegen die österreichische Herrschaft unter der Habsburgermonarchie richteten. Besonders aktiv waren dabei die Gruppen um Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi, die jedoch nicht offen, sondern im Untergrund operierten. Mazzini war Demokrat und träumte von einem geeinten freien Italien in einem von den monarchischen Dynastien befreiten Europa. Daneben gab es das Königreich Piemont-Sardinien, das seit 1720 bestand. Es spielte in den italienischen Vereinigungskriegen nach dem Wiener Kongress, dem Risorgimento, eine entscheidende Rolle. König Karl Albert von Sardinien-Piemont hatte am 4. März 1848 eine an Frankreich orientierte Repräsentativverfassung erlassen, sein Land war also eine konstitutionelle Monarchie.

Im Januar 1848, dem Revolutionsjahr, war es in Sizilien, Mailand, Brescia und Padua zu Erhebungen italienischer Freiheitskämpfer gegen die Vorherrschaft der Franzosen im Süden und die der Österreicher im Norden gekommen, die sich am 17. März 1848 in Venedig und Mailand verstärkten. Da der König von Sardinien-Piemont diese Situation für eine Vereinigung ganz Italiens unter seiner Herrschaft ausnutzen wollte, kam es schließlich zum Krieg zwischen Sardinien-Piemont und Österreich. Nach anfänglichen Erfolgen wurden jedoch am 25. Juli 1848 die Truppen des Königreichs Piemont-Sardinien von den Österreichern unter Feldmarschall Radetzky geschlagen. Damit fiel die Lombardei wieder zurück an Österreich, wohingegen Venedig selbständig blieb und sich am 23. März 1848 für unabhängig erklärte und die Republik ausrief.

Als im Februar 1849 Aufständische gegen den Großherzog Leopold II. von Habsburg in der Toskana putschten, kam es erneut zum Krieg zwischen Piemont-Sardinien und dem Habsburgerreich. Dieser wurde wieder zugunsten der kaiserlichen Österreicher unter Feldmarschall Radetzky entschieden. Damit war die italienische Einigungsbewegung vorerst zerschlagen und die österreichische Vorherrschaft in Oberitalien im Wesentlichen wiederhergestellt. Als letzte Bastion des Widerstandes fiel am 24. August 1849 auch noch die Republik Venedig. Feldmarschall Radetzky erhielt vom österreichischen Kaiser das Amt des General-, Zivil- und Militärgouverneurs von Lombardo-Venetien. Auch im Königreich Neapel-Sizilien kam es 1848/49 zu revolutionären Unruhen, in denen die Aufständischen König Ferdinand II. von Neapel-Sizilien dazu brachten, eine an Frankreich orientierte Verfassung zu erlassen.

Der Kirchenstaat wird Republik – Flucht Papst Pius‘ IX. aus Rom

Die revolutionären Unruhen erfaßten auch den Kirchenstaat. Papst Pius IX. mußte im November 1848 aus Rom fliehen. Am 9. Februar 1849 riefen die römischen Revolutionäre im Kirchenstaat die Republik aus. Mit Hilfe der französischen Truppen gelang es jedoch am 3. Juli 1849 die römische Revolution niederzuschlagen, worauf die Macht von einem Exekutivkomitee aus Kardinälen übernommen wurde. Erst 1850 kehrte der Papst nach Rom zurück und stellte die alten Verhältnisse wieder her. Damit hatten in Italien vorerst die konservativen Mächte gesiegt.

Mazzini und Garibaldi – Die Träger der italienischen Revolution

Wenden wir uns nach diesem kurzen Blick auf die geschichtlichen Fakten des Revolutionsjahres 1848 den wichtigsten – öffentlich bekannten – Trägern der Revolution in Italien zu. Denn Revolutionen werden entgegen dem in der Schule vermittelten Märchen nicht vom Volk, sondern immer von einer mit den entsprechenden Machtmitteln ausgestatteten Elite gemacht. Die von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Revolutionäre waren Mazzini und Garibaldi.

Giuseppe Mazzini war der geistige Führer des italienischen „Risorgimento“. Er war unbestreitbar der Vordenker und Hauptaktivist der Revolution. Wobei sich seine revolutionären Umtriebe nicht nur auf Italien beschränkten. Giuseppe Garibaldi war ein berühmter Guerillakämpfer und Italiens berühmtester Soldat des Risorgimento. Er wurde aufgrund seiner militärischen Leistungen sowohl in Südamerika als auch in Europa „Held zweier Welten“ genannt. Würden diese beiden Revolutionäre heutzutage für die arabische Welt kämpfen, würde man sie zu den internationalen Terroristen rechnen. So aber sind sie Helden der Freiheit des neuen Italien geworden.

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