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3. September 2017  -  difficile est…

Schildbürgertheologen

Eine der kuriosesten Erscheinungen unter den konzilskirchlichen Traditionalistengruppen ist sicher die Priesterbruderschaft St. Pius X. Der große und letzte heilige Papst kann einem so richtig leid tun, daß er für die Namensgebung dieser Gemeinschaft herhalten muß, denn der hl. Pius X. mit seinem klaren antimodernistischen Geist paßt zu dieser Gemeinschaft wirklich wie die Faust aufs Auge.

Vor einiger Zeit wurde uns ein Aufsatz eines Priesters dieser Gemeinschaft zugesandt, den er „mit Erlaubnis des Generalhauses der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Menzingen“ veröffentlichen durfte – also ohne Angst haben zu müssen, nach Honolulu, Hawai oder die Dominikanische Republik versetzt zu werden, weil er womöglich nicht dem Meinungsterror des Generaloberen entspricht. Der Schreiber der Zeilen, P. Paul Robinson, „ist Dozent am Priesterseminar der Bruderschaft in Australien“ und geht der Frage auf den Grund, „ob ein Papst den traditionellen Glauben haben muß, damit für die Priesterbruderschaft eine kanonische Anerkennung aus seinen Händen annehmbar ist“.

Ein Katholik findet diese Frage zwar absurd, aber die Hochw. Herren der Piusbruderschaft werden seit Jahren von ihr umgetrieben, weil sie ja eine Wiedervereinigung mit den Modernisten in Rom wollen – oder eben auch nicht. Die Gemeinschaft ist bekanntlich in dieser Frage gespalten, was durchaus verständlich ist, denn wie soll man auf dem Boden des Wahnsinns eine verbindliche Einheitsbasis errichten können?

Das sehen natürlich die Piusbrüder ganz anders, ist doch für sie die Menschenmachwerkskirche immer noch die Kirche Jesu Christi, weshalb sie ja auch die Pseudopäpste der letzten Jahrzehnte als legitime Päpste ihrer Kirche meinen anerkennen zu müssen. Damit haben sie sich jedoch ein ziemlich schwerwiegendes und im Grunde unlösbares Problem um den Hals gehängt. Aber auch das wollen die Piusbrüder nicht einsehen und halten deswegen hartnäckig an ihrer eigentümlichen Sichtweise fest.

Ein echter Theologe würde natürlich allein schon bei der Frage, „ob ein Papst den traditionellen Glauben haben muß“, aufmerken und sich sodann die anderen Unsinnigkeiten ersparen, denn ein Papst, der nicht den traditionellen Glauben hat, kann niemals Papst sein. Wobei ein echter Theologe bei dieser Antwort nochmals stocken würde, denn was genau ist ein „traditioneller“ Glaube? Anders gefragt: Ist ein „traditioneller“ Glaube gleichbedeutend mit katholischer Glaube? Das kommt doch darauf an, was man unter Tradition versteht. Daß die Piusbrüder darunter nicht die katholische Tradition begreifen, versteht sich von selbst, denn ihre Tradition besagt ja, daß ihr Papst gar nicht katholisch sein muß. Was doch jedem Katholiken sehr merkwürdig erscheint, äußerst merkwürdig sogar.

Bei den „theologischen“ Lösungsansätzen der Piusbrüder wird man immer wieder an die Schildbürger erinnert, die bekanntlich ein Haus ohne Fenster bauten und sodann das Licht in Eimern ins Haus tragen mußten, was freilich das Konstruktionsproblem ihres Hauses nicht lösen konnte und zudem kein Licht ins Haus brachte. Auch unser Dozent aus dem australischen Piusseminar scheint solch ein Schildbürgertheologe zu sein, der verzweifelt Licht in eine Sache bringen möchte – mit seinem theologischen Eimer. Demgemäß sehen wir ihn also im Haus umhertasten, einen Eimer suchen, sich zur Haustüre vorarbeiten, es ist mitten im Winter, darum kalt, und es ist 20.00 Uhr, also schon stockdunkel. Das ficht unseren Schildbürger jedoch nicht an, er holt sich eine Taschenlampe, geht mit seinem Eimer vor die Türe, leuchtet in seinen Eimer hinein und geht ganz zufrieden mit sich und seiner Welt wieder ins Haus. Dort schaut er gespannt in den Eimer. Weil er aber nichts sehen kann, schaltet er seine Piustheologentaschenlampe nochmals an und ist ganz begeistert, denn siehe da, es ist plötzlich Licht in dem Eimer!

Lassen wir den Herrn Dozenten von der Robinsoninsel nun einmal erklären, was er im Licht seiner Piustaschenlampe an lichtvollen Erkenntnissen gewonnen hat.

Zunächst faßt er ganz kurz die Meinung seiner Gegner zusammen – also die Meinung jener Priester seiner Gemeinschaft, die gegen eine Wiedervereinigung mit dem modernistischen Rom sind: „Diejenigen, die diese Meinung vertreten, vertreten auch implizit die Position, daß Papst Franziskus nicht denselben Glauben hat wie die Priesterbruderschaft und auch nicht dasselbe Ziel verfolgt. Daher wäre es schon im Prinzip falsch, eine kanonische Anerkennung aus der Hand von Papst Franziskus zu akzeptieren. Und nicht nur das, es wäre auch unlogisch, denn ‚eine kanonische Einheit ohne eine wirkliche Einheit wäre … ein Widerspruch.‘“

Wie jeder weiß, der mit den Piusbrüdern schon einmal zu tun hatte, haben diese es nicht so sehr mit der Logik und Stringenz der Argumente – immer dann nämlich, wenn es um ihre „Wahrheit“ geht. Wenn man die falsche Voraussetzung annimmt – was der Herr Pater genauso macht wie seine Gegner, nämlich, daß der Papst den traditionellen Glauben (= Piusglauben) nicht hat, aber trotzdem ihr Papst ist, dann ist das Argument seiner Gegner doch durchaus stringent. In einer Glaubensgemeinschaft sollte doch wohl der gemeinsame Glaube die Voraussetzung aller Gemeinsamkeiten sein, woraus sich auch das gemeinsame Ziel ableiten soll und ableiten muß. Also ist eine Wiedervereinigung mit den modernistischen Römern nicht möglich, solange diese nicht den Piusglauben annehmen. Denn die Gemeinsamkeit einer Glaubensgemeinschaft wird doch allein durch das gemeinsame Ziel ermöglicht, also den gemeinsamen Glauben.

Nun wollen aber die Piusoberen diese Wiedervereinigung mit aller Kraft – wobei die Kraft immer dann recht kraftlos sich zeigt, wenn es ernst wird, denn irgendwie scheint ihr „General“ immer dann, wenn es ernst wird, an krankhafter Entscheidungsunfähigkeit zu leiden. Jedenfalls haben es die Piusbrüder recht schwer, zu wissen, was sie wollen sollen, denn seit dem Jahr 2000 arbeitet man fieberhaft an diesem Deal der Wiedervereinigung, aber nie scheint all ihr emsiges und umtriebiges Bemühen von Erfolg gekrönt zu sein. Außer man verbucht die Rauswürfe oder Weggänge einer ganzen Reihe von Priestern als Erfolg, wie der eine oder andere in ihrer Führungsriege.

Doch kommen wir zurück zur Theorie unseres Robinsontheologen auf seiner einsamen Insel. Was entdeckt er mit seiner Piustaschenlampe bewaffnet in seinem Piuseimer? DEN ERZBISCHOF!
Bei den Piusbrüdern gibt es bekanntlich nur einen einzigen Erzbischof, nämlich ihren Gründer Marcel Lefebvre. Will man die Ausführungen eines Piusideologen einigermaßen verstehen, muß man sich an das Grundprinzip der Piusideologie erinnern. Es gibt für diese nur ein Lehramt: Erzbischof Lefebvre ist für die Piusbrüder das MASS ALLER DINGE.

Das gilt, man höre und staune, nach unserem Dozenten nicht nur für die Lehre, sondern sogar auch für die Taten von Marcel Lefebvre! Kein Bischof, kein Kardinal, kein Papst der katholischen Kirche ist in seinen Taten unfehlbar, aber Marcel Lefebvre ist es für seine Anhänger.

Hören Sie selbst, was P. Robinson dazu weiß: „Die erste Tatsache, die festgestellt werden muß, ist, daß die erstgenannte Position im Gegensatz zu dem Geist steht, der die ganze Geschichte der Priesterbruderschaft beseelt. Werfen wir also einen Blick in diese Geschichte, um zu sehen, daß dies tatsächlich der Fall ist. Es scheint nicht allzu schwer zu begründen, daß Papst Paul VI. starke modernistische Tendenzen hatte. Die Priesterbruderschaft wurde aber unter dem Pontifikat von Paul VI. kanonisch errichtet und als eine ‚pia unio‘ von 1970-75 anerkannt. Und daher kann es, zumindest im Denken des Erzbischofs, nicht unter allen Umständen falsch sein, mit einem modernistischen Papst soweit zusammenzuarbeiten, um unter ihm eine kanonische Struktur zu haben.“ Hierauf geht der Piusideologe noch auf die Ereignisse in Zusammenhang mit den Bischofsweihen von 1988 ein, woraus er sodann schließt: „…modernistische Ärgernisse sind aus sich selbst heraus noch kein Hinderungsgrund, eine kanonische Anerkennung aus den Händen derer zu empfangen, die diese Skandale verursacht haben.“

Ist das wirklich so eindeutig, wie es der Piusideologe uns weismachen möchte? Immerhin hatte DER ERZBISCHOF in einem atemberaubendem Zick-Zack-Kurs für seine Gemeinschaft, nachdem er die erbetenen Zeichen zu einer Bischofsweihe bekommen hatte, zwar zunächst dennoch eine Übereinkunft mit Rom angestrebt, die er aber dann, obwohl er die gemeinsame Vorgehensweise schon mit seiner Unterschrift gebilligt hatte, wiederum verwarf, weil er anscheinend über Nacht das Vertrauen in seine Verhandlungspartner verloren hatte. Es zeigte sich wieder einmal, daß ihn die modernistischen Ärgernisse solange nicht störten, als sie seiner Bruderschaft nicht im Wege standen, denn gut ist für die Piusbrüder letztlich immer das, was ihrer Gemeinschaft nützt. Schließlich hatte er aber doch wieder die Ärgernisse hervorkehren müssen, um seine Bischofsweihen ohne Erlaubnis Roms rechtfertigen zu können! Dabei ging es damals – 1988! – schon um die Garantie, so bleiben zu dürfen, wie man ist.

Unser Dozent unterschlägt also zumindest die Hälfte der geschichtlichen Tatsachen, welche jedoch von den Widerständlern eifrig ins Feld geführt werden und faßt seine Gedanken schließlich so zusammen: „Demnach war also für ihn die Einschätzung des Glaubens des Papstes die Grundlage für die Beurteilung der Annahme einer kanonischen Anerkennung – nicht in der Hinsicht, ob es möglich ist, sondern vielmehr ob es klug ist. Wenn man dem Papst vertrauen kann, daß er die Priesterbruderschaft so bestehen lässt, ‚wie sie ist‘ und sie ihr Apostolat ausüben kann – das ‚Experiment der Tradition‘ machen kann – mit genügender Selbstständigkeit, dann ist die kanonische Anerkennung ein Gut für die Kirche und sollte angenommen werden.“

Also: Der Glaube des Papstes ist den Piusbrüdern vollkommen gleichgültig, solange dieser ihnen die Gewähr gibt, so bleiben zu dürfen, wie sie sind, und solange er ihnen zugesteht, ihr „Experiment der Tradition“ munter und ungestört machen zu können. Und das nennen sie sodann klug!

Man müßte eigentlich denken, für jeden Katholiken sei der Irrsinn dieser Ansicht evident, also leicht einsehbar. Denn, wenn es so wäre, wie die Piusbrüder es sagen und, man faßt es kaum, auch so meinen, dann wäre die Kirche Jesu Christi nicht mehr als ein Verein für religiöse Bekenntnisse aller Art, in dem der konkrete Glaube des einzelnen überhaupt keine Rolle spielt. Deswegen hat natürlich auch der Glaube des Vereinsvorsitzenden keinerlei Bedeutung für die Ziele des Vereins. Und während die Mehrheit der Mitglieder dieses Vereins den Irrlehren des Modernismus folgen und ihre bunten liturgischen Events feiern, darf daneben natürlich auch eine kleine Minderheit ihre Traditionsspiele abhalten und ihr „Experiment der Tradition“ machen. Solange man sie dabei in Ruhe läßt, sind diese auch ganz zufrieden, denn „dann ist die kanonische Anerkennung ein Gut für die Kirche und sollte angenommen werden“. Das ist wohl die der Armut des Franziskus gemäße Bescheidenheit der Piusbrüder.

Man muß leider feststellen, daß die Piusbrüder offensichtlich nicht mehr in der Lage sind einzusehen, daß derartige Verhandlungsspiele nur mit dem modernistischen Rom möglich sind und mit Modernisten-“Päpsten“, die keine wahren Päpste mehr sind. Wenn die Piusbrüder etwa zu ihrem Patron, den hl. Pius X. gekommen wären – zweifellos einem echten katholischen Papst – und ihm gesagt hätten, sie wollen wieder in den Schoß der römischen Kirche zurückkehren, aber er müsse sie so, wie sie sind, und mit der Garantie einer weitgehenden Autonomie akzeptieren, dann hätte dieser sicherlich geantwortet: Dann bleiben Sie bitte, wo Sie sind. Denn entweder Sie unterwerfen sich dem Stellvertreter Jesu Christi und leisten ihm den geschuldeten Gehorsam oder nicht. Wenn Sie nicht dazu bereit sind, dann können sie niemals katholisch werden. Und warum wollen Sie das eigentlich, wenn Sie sowieso so bleiben wollen, wie sie sind? Letztlich sind Sie dann eine bloße Sekte mit ihrem eigenen Lehramt, ihrem eigenen Papst und ihrem eigenen Glauben.

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