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13. August 2017  -  Kirche, Prophetie

Nachtrag zum Sankt Michaelsgebet Leos XIII.

Ein aufmerksamer Leser, dem wir herzlich danken, hat uns darauf hingewiesen, daß das St. Michaelsgebet nicht erst 1934, wie in unserem ursprünglichen Beitrag angegeben (Die Vision Papst Leos XIII.), sondern schon früher gekürzt wurde. Bei unseren Nachforschungen erwiesen sich nun all jene Angaben als fehlerhaft, die sich auf die sog. „Leoninischen Gebete“ nach der Hl. Messe bezogen, denn wir stellen fest, in allen Schott-Ausgaben seit 1888 sind diese Gebete in der uns heute noch gängigen Form abgedruckt. D.h. also, die Veränderungen bezüglich des St. Michaelsgebet betreffen nur den kleinen Exorzismus, den Leo XIII. ins Rituale aufgenommen hat. Man sieht einmal wieder, wie sehr man aufpassen muß, daß man nicht selbst – schwuppdiwupp! – zum Fußnotentheologen wird – und wie wenig gründlich vielerorts gearbeitet wird. Aber leider hat man die Quellen nicht immer zur Hand, weshalb man sich zuweilen doch wieder auf die Vorarbeit anderer stützen muß.

Hier also der notwendig gewordene Nachtrag zu unseren Ausführungen. Dieser gibt uns aber die Gelegenheit, das Thema nochmals etwas vertieft darzulegen – das eigentliche Thema aber ist der Exorzismus. Wie wir gesehen haben, wurde dem Heiligen Vater, Papst Leo XIII. durch eine Vision gezeigt, daß Satan zum Generalangriff gegen die Kirche Jesu Christi überzugehen plant. Sein Ziel ist die Zerstörung der katholischen Kirche. Mit Hilfe seiner ihm ergebenen Diener möchte der Teufel seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzen und innerhalb von 100 Jahren sein Ziel erreichen.

Man kann sich nun fragen: Was würden wir angesichts solcher übernatürlicher Enthüllungen denken – und vor allem tun? Nun, ein moderner „Katholik“ würde wohl Diskussionsrunden bilden, Arbeitskreise ins Leben rufen, Meditationsimpulse verbreiten und neue liturgische Spiele anregen, in denen das Thema möglichst gekonnt überspielt wird – insofern er überhaupt noch glaubt, daß Leo XIII. eine solche Vision gehabt haben kann, weil es doch gar keinen Teufel gibt, sondern nur das Böse – und das ist im Menschen selbst.

Was aber macht der äußerst gelehrte, fromme und glaubensfeste Papst? Er formuliert in einer schlaflosen Nacht Gebete, die nach jeder stillen Hl. Messe von allen Priestern auf dem katholischen Erdkreis gebetet werden sollen! Mit anderen Worten: Leo XIII. vertraut auf die Macht des Gebetes, oder noch etwas genauer ausgedrückt: Er vertraut auf die besondere Macht des Gebetes der Kirche unmittelbar im Anschluß an das heilige Meßopfer, im Anschluß an die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers Jesu Christi auf den Altären des Neuen Bundes.

Aber auch damit ist immer noch nicht umfassend genug zum Ausdruck gebracht, was der Papst mit der Einführung dieser Gebete beabsichtigte. Es ist heute durchaus notwendig, dieser Absicht bis auf den Grund nachzuspüren, um nicht zu kurz zu schließen. Der Schlüssel zum Verständnis ist folgender Gedanke: Die Kirche Jesu Christi steht immer, also wirklich zu jeder Zeit, im Kampf gegen Satan. Dieser Kampf ist zwar nicht immer gleich heftig, aber dennoch ununterbrochen. Darum war es auch eine ständige Aufgabe der heiligen Kirche, den Teufel auszutreiben. Diese Aufgabe geht auf den göttlichen Gründer selbst zurück. Bei der Aussendung der zwölf Apostel heißt es nämlich ausdrücklich: „Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter. Geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht hin und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt die Kranken, weckt die Toten auf, macht die Aussätzigen rein, treibt Dämonen aus! – Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt. 10, 5-8).

Und gleichfalls beim allgemeinen Missionsbefehl unmittelbar vor der Himmelfahrt: „Dann sagte er zu ihnen: ‚Geht hin in alle Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Folgende Zeichen werden denen, die geglaubt haben, folgen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, in neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Todbringendes trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden‘“ (Mk. 16, 15-18).

Hier wird sogar unter den Zeichen, die den Jüngern Jesu Christi folgen werden, als erstes genannt: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben“! Im Leben Jesu wird auch jedem, der es sehen will, direkt vor Augen geführt, wie viele Besessene es damals in Israel gab und wie vielfältig die Zeichen einer Besessenheit sein können. Denken wir etwa an den Besessenen von Gerasa, von dem berichtet wird: „Schon lange Zeit trug er keine Kleider mehr und hielt sich nicht in einem Haus auf, sondern in Grabhöhlen. Als er Jesus erblickte, warf er sich schreiend vor ihm nieder und rief mit lauter Stimme: ‚Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht‘“ (Lk. 8,27-29). Und weiter: „Jesus fragte ihn: ‚Wie heißt du?‘ Er sagte: ‚Legion.‘ Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren“ (Lk. 8,30). Und schließlich „…fuhren die Dämonen von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine. Und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und ertrank“ (Lk. 8,33).

Hiermit wird jedem, der noch Glauben hat, gezeigt, daß es einen Widersacher gibt. Es gibt gefallene Engel, Dämonen oder Teufel genannt, die den Menschen versuchen, bedrängen, belästigen oder zuweilen selbst auch in anderer Weise erheblich schaden können, denken wir nur an den Dulder Job.

Damit wir das Besondere unserer jetzigen Lage richtig verstehen können, ist es notwendig, einen kurzen Blick in die Geheime Offenbarung des hl. Apostels Johannes zu werfen. Wenn man das Michaelsgebet Papst Leos XIII. aufmerksam liest, denkt man unmittelbar an folgende Stellen des letzten Buches des Heiligen Schrift. Im Kapitel 12 wird ganz eindrücklich der Sieg des hl. Erzengels Michael über den höllischen Drachen beschrieben:

„Da brach im Himmel Krieg aus. Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache und seine Engel führten Krieg, vermochten aber nicht standzuhalten; sie wurden aus dem Himmel vertrieben. Und gestürzt wurde der große Drache – die alte Schlange, genannt Teufel und Satan -, der die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde geworfen und mit ihm seine Engel.
Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel rufen: ‚Jetzt ist gekommen das Heil, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten, weil gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte. Sie haben ihn besiegt kraft des Blutes des Lammes und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht als das höchste Gut angesehen. Darum freut euch, ihr Himmel und ihr, die in ihm wohnt! Doch wehe der Erde und dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch mit großem Zorn hinabgestiegen, weil er weiß, wie wenig Zeit ihm verbleibt.‘“
(Offb. 12, 7-12)

Es ist einem doch ein wenig unheimlich zu mute, wenn man diesen großen Zorn bedenkt, mit dem der Teufel auf unsere Menschenerde herabgestiegen ist. Ja, „wehe der Erde und dem Meer“! Denn welch große Macht besitzt dieser ehemalige Lichtengel auch noch nach seinem Fall? Wir können uns wirklich nur eine sehr vage Vorstellung davon machen, was der Teufel alles vermag.

Zu diesem Bericht – die Geheime Offenbarung ist zwar ein Buch mit sieben Siegeln und nur das Lamm ist fähig, die Siegel zu lösen, was aber nicht heißt, daß in den Geheimnissen des Buches nicht auch Wahres und Wirkliches berichtet wird – ist noch ein zweiter in Erwägung zu ziehen, damit wir das Vorgehen des Papstes Leo nach seiner Vision entsprechend deuten können. Im Kapitel 20 lesen wir über die Fesselung Satans Folgendes: „Und ich sah einen Engel vom Himmel niedersteigen, der den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand hielt. Er packte den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel, der Satan ist, fesselte ihn auf tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund. Dann verschloß er ihn und legte ein Siegel darauf. Nicht mehr sollte jener die Völker verführen, bis die tausend Jahre zu Ende wären. Danach muß er für kurze Zeit losgelassen werden“ (Offb 20, 1-3).

Es geht uns hier nicht darum zu diskutieren, was es nun genau um das tausendjährige Reich der Apokalypse auf sich hat, sondern darum, darauf hinzuweisen, daß die Macht Satans nicht immer gleich ist, sondern durch die göttliche Vorsehung gelenkt wird. Mit anderen Worten heißt das: Einerseits kann der Oberste der Teufel nicht einfach tun, was er will, auch er ist an den Willen Gottes gebunden, anderseits hat aber Luzifer Fähigkeiten, die alle anderen Teufel übertreffen. Sobald er aus der Hölle heraus darf – was letztlich nur ein bildlicher Ausdruck ist, denn die Teufel sind alle in der Hölle, aber dennoch in unserer Welt tätig – sobald sein Handlungsspielraum nicht mehr eingeschränkt ist, dann „wehe der Erde und dem Meer“, wehe uns Menschen und unserer Welt!

Nun wissen wir aber durch die Große Botschaft von La Salette: „Im Jahre 1864 wird Luzifer mit einer großen Menge von Teufeln aus der Hölle losgelassen. Sie werden den Glauben allmählich auslöschen, selbst in Menschen, die Gott geweiht sind.“ Als Leo XIII. seine Vision hatte, war also der Teufel bereits losgelassen, er war schon 20 Jahre losgelassen, sonst hätte er durchaus in der Vision nicht mit solch erstaunlicher Handlungsfreiheit vor Unseren Herrn Jesus Christus treten und ziemlich dreist behaupten können: „Ich kann Deine Kirche zerstören.“ So gesehen bestätigt die Vision des Papstes ihrerseits die Botschaft von La Salette und ruft uns in Erinnerung, daß der Teufel nun schon recht lange losgelassen ist und „mit großem Zorn“ ans Werk geht, seine teuflische Arbeit mit ebenso großem Fleiß zu erledigen.

Was ist also zu tun? Das fragt sich Papst Leo in einer schlaflosen Nacht. Und welche Antwort gibt er auf diese Frage? Er gibt den Befehl, täglich nach der hl. Messe einen kleinen Exorzismus zu beten, in dem er Gott anfleht „auf die Fürsprache der glorreichen und makellosen Jungfrau und Gottesmutter Maria, ihres Bräutigams, des hl. Joseph, Deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen“ hin, in Seiner „Barmherzigkeit und Güte die Gebete“ zu erhören, „die wir für die Bekehrung der Sünder, für die Freiheit und Erhöhung unserer heiligen Mutter, der Kirche, Dir darbringen“. Hierauf wird noch ganz besonders der himmlische Heerführer, der hl. Erzengel Michael, angefleht: „Heiliger Erzengel Michael, schirme uns im Streite. Gegen die Bosheit und Arglist des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich; du aber, Führer der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die andern bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle.“

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