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2. Mai 2017  -  Maria

Diejenige, die weint

Leben wir nicht in einer prophetenlosen Zeit? Einer Zeit, in der die Stimme Gottes verstummt scheint? Je mehr aber Gott schweigt, desto mehr drängt sich der Teufel in den Vordergrund. Die wahren Propheten scheinen ausgestorben, die falschen Propheten dagegen schießen wie die Pilze aus dem Boden. Wie viele Botschaften werden unter den Gläubigen herumgereicht, Botschaften, die das Durcheinander nur immer größer machen und noch den letzten Rest von gesundem Menschenverstand zum Verschwinden bringen?

Als Katholik fragt man sich darum häufig: Woher darf ich noch Hilfe erwarten? Wo finde ich noch die göttliche Wahrheit unverfälscht? Wie notwendig wären gerade in dieser Situation kirchliche Entscheidungen, die inmitten all der vielen Irrtümer, die den hl. Glauben zerstören, dem Katholiken ein sicheres Urteil schenken. Aber genau das fehlt uns heute, da der Stuhl Petri leer ist. Die Gefahr der geistigen Verwirrung und Verirrung in dieser papstlosen Zeit ist ungeheuer groß. Es bleibt uns Katholiken nur eine Möglichkeit, wir müssen uns auf das allzeit Bewährte stützen und auf das von der Kirche Anerkannte und Abgesicherte zurückgreifen.

Eine der bedeutendsten Prophetien für unsere Zeit ist die große Botschaft von La Salette. In dieser hat die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf die entscheidenden Gefahren für den Glauben und das ewige Leben aufmerksam gemacht, die ihren Kindern in der anbrechenden apokalyptischen Zeit bevorstehen. Die Prüfungen in diesen kommenden Jahrzehnten werden immer größer werden, die Versuchungen immer versteckter und allgemeiner, so daß schließlich nur noch ein ganz kleiner Rest an treuen Katholiken übrigbleiben wird.

Die große Botschaft von La Salette ist ohne Schwierigkeit als eine Lese- und Verstehenshilfe der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes zu erkennen. Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria gibt uns selbst in dem Augenblick den Interpretationsrahmen für das letzte Buch der hl. Schrift, da diese furchtbare Zeit anbricht. Auffallend ist nun aber schon vorneweg, daß dies fast niemand erkannt hat, ja daß der ganzen Botschaft eine weitgehende Zurückweisung entgegengebracht wurde, vor allem vom Klerus der Kirche.

Aber erinnern wir uns zuerst kurz an den Hergang der Erscheinung. La Salette war ein unbekanntes Dorf in einem vergessenen Tal der französischen Alpen. Nicht mehr als 12 kleine Weiler gibt es an den unteren Hängen des Bergkessels, der bis auf eine Höhe von mehr als 2200 m aufsteigt. Eine rauhe Gegend, in der es mehr als das halbe Jahr Winter ist.

Hier, in dieser Einsamkeit hüten zwei Kinder, Mélanie Calvat (auch Mélanie Mathieu), 14 Jahre alt, und Maximin Giraud, 11 Jahre alt, ihre Herden. Beide waren Analphabeten und ohne religiöse Bildung, und sie haben sich erst ein oder zwei Tage vorher kennen gelernt, da ihre Weideplätze benachbart waren. Es ist der 19. September 1846 nachmittags, zur Zeit der 1. Vesper des Festes der Sieben Schmerzen Mariens, in der die hl. Kirche singt: „Wem soll ich dich vergleichen, wem bist du ähnlich, Tochter Jerusalem? Wem soll ich dich gleichsetzen, dich zu trösten, Jungfrau, Tochter Sion? Groß wie das Meer ist dein Schmerz.“

Doch lassen wir uns von Melanie selbst das damals Geschehene berichten:

„Aus dem Dorf hörte man den Angelus läuten, denn das Wetter war klar und es gab keine Wolken. Nachdem wir dem Lieben Gott die Ehre erwiesen hatten, sagte ich zu Maximin, daß wir unsere Kühe auf eine kleine Ebene nahe der Schlucht treiben sollten, da es dort Steine gäbe, um das ‚Paradies’ aufzubauen. Wir trieben unsere Kühe zu dieser Stelle und nahmen dann unsere kleine Mahlzeit ein. Anschließend haben wir die Steine zusammengetragen und machten uns daran, unser kleines Haus zu bauen, das aus einem Erdgeschoß bestand, das sozusagen unseren Wohnraum darstellte, und einem Stockwerk darüber, das in unseren Augen das ‚Paradies‘ darstellte.
Dieses obere Stockwerk war ganz mit Blumen von verschiedenen Farben geschmückt und mit hängenden Girlanden aus Blumenstengeln. Dieses ‚Paradies‘ war mit einem einzelnen, großen Stein bedeckt, der ebenfalls mit Blumen übersät war. Außerdem hatten wir auch hier rundherum Girlanden aufgehängt. Als das ‚Paradies‘ fertiggestellt war, haben wir es besichtigt. Wir waren schläfrig geworden und entfernten uns etwa zwei Schritte davon. Hier schliefen wir im Gras ein.
Als ich aufwachte und unsere Kühe nicht mehr sah, rief ich Maximin und stieg zu dem kleinen Hügel empor. Von da aus sah ich, daß unsere Kühe friedlich lagerten. Da stieg ich wieder hinunter, und Maximin kam seinerseits herauf. Plötzlich sah ich ein strahlendes Licht, strahlender als die Sonne, und kaum konnte ich noch die Worte herausbringen: ‚Maximin, siehst du, da unten? Um Gottes willen!‘ Gleichzeitig ließ ich den Stock fallen, den ich in der Hand hatte. Ich weiß nicht, was in diesem Augenblick Köstliches in mir vorging, aber ich fühlte mich angezogen, ich fühlte mich überwältigt von Ehrfurcht, und mein Herz lief schneller als ich selbst konnte. Ich starrte auf dieses unbewegliche Licht, und als es sich öffnete, sah ich darin ein noch stärkeres Licht, das sich bewegte und mitten in diesem Licht erblickte ich eine sehr schöne Frau, die auf unserem ‚Paradies‘ saß.“

Weil die Frau das Kleid einer Bäuerin trägt, sind die beiden Kinder zunächst gar nicht so erstaunt und erklären später: „Wir glaubten, es sei eine Frau aus dem Valjouffrey, die von ihren Kindern geschlagen wurde und sich in die Berge geflüchtet hat, um sich da auszuweinen.“ Die Frau saß nämlich weinend auf einem Stein und verbarg schmerzerfüllt und weinend ihr Antlitz in ihren Händen. Sogleich aber erhebt sie sich und steht nun in fremder, hoheitlicher Tracht vor den Kindern. Während Sie die Kinder anblickt, faltet Sie ihre Arme anmutig über ihrer Brust, wobei ein Strom von Tränen ihre Wangen benetzt. Sie ruft den Kindern mit einer Stimme entgegen, die wie wundersame Musik: „Kommt nur, meine Kinder, und habt keine Angst! Ich bin gekommen, um euch eine große Botschaft zu verkünden!“

Die beiden Kinder beschreiben später ausführlich das Aussehen der Frau: „Die Freundlichkeit ihres Blicks, ihr Ausdruck einer unbegreiflichen Güte ließ verstehen und fühlen, daß sie anziehen und sich verschenken wollte; es war ein Ausdruck von Liebe, der sich weder mit der Zunge noch mit den Buchstaben des Alphabets ausdrücken läßt.“

Sie trug eine aus Rosen gebildete haubenartige Krone um ihr Haupt, in denen je ein Lichtdiamant blitzte. „Die Krone aus Rosen, die sie auf dem Kopf trug, war so schön und leuchtend, daß man sich davon keine Vorstellung machen kann. Diese verschiedenfarbigen Rosen waren nicht irdisch; es war ein Blumenstrauß, der das Haupt der Allerseligsten Jungfrau in Form einer Krone umgab; doch diese Rosen waren lebendig, kamen und gingen. Und dann noch: Aus dem Innern jeder Rose drang ein solch schönes Licht hervor, das entzückte und die Rosen in unerhörtem Glanz erstrahlen ließ. Aus der Rosenkrone leuchteten Zweige wie aus Gold und eine Reihe anderer Blumen, geschmückt mit Brillanten. Das Ganze sah aus wie ein funkelndes Diadem, das ganz von allein stärker als unsere irdische Sonne erstrahlte.“

Ein Rosenband säumte das Schultertuch und umrahmte ein an einer Gliederkette um den Hals gelegtes Brustkreuz mit plastisch gebildetem Korpus. „Auf diesem schönen Kreuz, das in hellem Licht erstrahlte, war ein Christus abgebildet: Es war Unser Herr mit den ausgebreiteten Armen am Kreuz. Auf jeder Seite des Kreuzes, beinahe am Ende, befand sich auf der einen Seite ein Hammer und auf der anderen Seite eine Zange. Die Körperfarbe des Gekreuzigten war natürlich, leuchtete aber mit großer Kraft.“

An den Enden des Querbalkens waren die auffallend großen Leidenswerkzeuge Hammer und Zange vertikal befestigt. „Manchmal schien es, daß Christus tot sei; sein Haupt war geneigt und der Körper wirkte wie zusammengesunken, wie um abzufallen, wenn er nicht von den Nägeln am Kreuz zurückgehalten worden wäre. Mich überfiel ein tiefes Mitleid, und ich hätte gerne der ganzen Welt seine unbekannte Liebe mitgeteilt und in die Seelen der Sterblichen die zarteste Zuneigung und die lebhafteste Dankbarkeit für einen Gott eingeflößt, der unserer keineswegs bedurfte, um all das zu sein, was er ist, was er war und immer sein wird.“

Der Christus am Kreuz ist aber nicht immer tot, zuweilen zeigt er sich lebendig und wirkt damit umso eindringlicher auf die Kinder. „Ein andermal wieder schien der Gekreuzigte lebendig zu sein; er hielt das Haupt aufgerichtet, die Augen offen und machte den Eindruck, aus eigenem Willen am Kreuz zu haften. Manchmal schien es auch, daß er spreche. Er wollte anscheinend zeigen, daß er für uns am Kreuz hing, aus Liebe zu uns, um uns zu sich zu ziehen, daß er immer neu Liebe für uns empfindet, und daß seine Liebe zu Beginn des Jahres 33 die gleiche war wie heute und daß sie immer dauern wird.“

Die Kleidung beschrieben die Kinder als mit zahllosen Sternen besetztes Sonnengewand. „Das Kleid der Allerseligsten Jungfrau war silbrig-weiß und ganz strahlend; es hatte nichts Stoffliches an sich: Es war ganz aus Licht und Glanz zusammengesetzt, war lebendig und schimmerte; es gibt hienieden keinen passenden Ausdruck und keine Vergleichsmöglichkeit.“ Darüber war eine goldgelbe Schürze gebunden. „Was sage ich – gelb? Sie trug eine Schürze mit der Leuchtkraft mehrerer Sonnen zusammengenommen. Das war kein materieller Stoff, es war eine Vielfalt von Herrlichkeiten, und diese funkelten in großer Schönheit.“

Zu Mariens Füßen lagen Rosen. „Die Schuhe (Schuhe muß man dazu sagen) waren weiß, aber aus einem silbrigen Weiß und leuchtend, sie waren von Rosen umrankt. Diese Rosen waren von verwirrender Schönheit, und aus jedem Roseninneren züngelte eine Flamme aus Licht hervor, sehr schön und angenehm anzusehen. Auf den Schuhen war eine Verzierung aus Gold, aber nicht aus irdischem Gold, sondern aus dem Gold des Paradieses. Der Anblick der Heiligen Jungfrau selbst war ein vollendetes Paradies. Sie besaß in sich alles, was zufriedenstellen konnte, denn die Erde geriet in Vergessenheit.“

Die Schönheit der Immakulata ist ein vollendetes Paradies. Gott hat es gefallen, in ihr Seine Gnadenschätze auszugießen und sie über alle Geschöpfe zu erheben. Die Erscheinung läßt diese für unsere Augen an sich unsichtbare und überirdische Schönheit vor den Seherkindern etwas aufleuchten, wie Melanie es beschreibt: „Die Heilige Jungfrau war ganz aus Schönheit und Liebe geformt; wenn ich sie ansah, sehnte ich mich danach, in ihr zu verschmelzen. Alles an und in ihr atmete Würde, die Pracht und Herrlichkeit einer unvergleichlichen Königin. Sie erschien weiß, makellos, kristallen, blendend, himmlisch, frisch, neu, wie eine Jungfrau. Es schien, als wenn das Wort Liebe ihren silbrigen und so reinen Lippen entschlüpfen würde. Sie sah aus wie eine gute Mutter, voll Güte, Liebenswürdigkeit und voll Liebe für uns, voll Mitleid und Barmherzigkeit.“

Man sagt auch, die Erscheinung der Jungfrau und Gottesmutter Maria in La Salette erinnere an die in Amiens bekannte Darstellung Mariens als Hohepriesterin. Diese Anspielung wird noch verstärkt durch die in La Salette hervorstechende Tatsache: Maria weint! „Die Heilige Jungfrau weinte beinahe ununterbrochen, während sie mit mir sprach. Ihre Tränen fielen, eine nach der anderen, langsam herunter, bis zu ihren Knien, und dann verschwanden sie wie Lichtfunken. Sie waren leuchtend und von Liebe getränkt. Ich hätte sie gerne getröstet, damit sie nicht mehr weine. Aber es schien mir, daß sie ihre Tränen zeigen mußte, um ihre von den Menschen vergessene Liebe besser zu beweisen. Ich hätte mich in ihre Arme werfen wollen, um ihr zu sagen: ‚Meine gute Mutter, weine nicht! Ich möchte Dich für alle Menschen der Erde lieben.‘ Aber es schien mir, als ob sie zu mir sagte: ‚Es gibt so viele, die mich nicht kennen!‘“

Maria ist die Miterlöserin, die während des ganzen bitteren Leidens und Sterbens Ihres göttlichen Sohnes an dessen Seite tritt, um alles Leiden mit IHM zusammen zu tragen und dem himmlischen Vater zur Sühne für die Sünden der Menschen aufzuopfern. Und wie wohlgefällig war dieses Mitleiden der Immakulata in den Augen Gottes. In der Vesper zum Fest der Sieben Schmerzen Mariens heißt es: „O quot undis lacrimarum, quo dolore volvitur.“ („O, in welches Meer der Tränen, welchen Schmerz, wird sie getaucht.“)

Blickt man nach nunmehr fast 171 Jahren auf die Erscheinungen von La Salette, so muß man vor allem eines feststellen, die Botschaft von La Salette wurde wie keine andere von den meisten abgelehnt. Der französische Schriftsteller Léon Bloy hat sein Leben lang für La Salette gestritten und Jahrzehnte lang diese Tragödie hautnah erlebt.

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