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18. September 2014  -  Kirchliches Lehramt

Unfehlbar?

Leo XIII. lehrt in „Satis Cognitum“: „Dazu (d.h. zum Zweck der Einheit im Glauben) hat Jesus Christus in der Kirche ein lebendiges, authentisches und ebenso immerwährendes Lehramt eingesetzt, das er mit seiner eigenen Vollmacht bereicherte, mit dem Geist der Wahrheit ausstattete und durch Wunder bestätigte; und er wollte und befahl nachdrücklich, daß dessen Lehrvorschriften ebenso angenommen würden wie seine eigenen. – Sooft also durch das Wort dieses Lehramtes verkündet wird, daß dies oder jenes zum Bereich der von Gott überlieferten Lehre gehöre, muß jeder gewiß glauben, daß dies wahr ist: wenn es in irgendeiner Weise falsch sein könnte, würde daraus folgen – was offensichtlich widersinnig ist -, daß Gott selbst der Urheber des Irrtums im Menschen ist…“

„Mit diesem, von Leo XIII. beschriebenen Lehramt ist offensichtlich nicht allein das außerordentliche Lehramt gemeint, das doch nur eher selten tätig wird, sondern hauptsächlich das sog. ordentliche Lehramt, das ‘ein lebendiges, authentisches und ebenso immerwährendes Lehramt’ ist. In anderen Texten heißt es auch das tägliche Lehramt, weil es jeden Tag seine Aufgabe erfüllt. Dieses lebendige, authentische und ebenso immerwährende Lehramt ist für jeden Katholiken ‘die oberste und unerschütterliche Richtschnur der Rechtgläubigkeit’, wie der hl. Pius X in einer Ansprache an Studenten betont: ‘Das erste und bedeutsamste Kriterium des Glaubens, die oberste und unerschütterliche Richtschnur der Rechtgläubigkeit ist der Gehorsam gegenüber dem immerzu lebendigen und unfehlbaren Lehramt der Kirche, die von Christus als ‚columna et firmamentum veritatis‘, als ‚Säule und Grundfeste der Wahrheit‘ eingerichtet wurde’ (Ansprache Pius X. Con vera soddisfazione an Studenten, am 10. Mai 1909, EPS/E n.716). Die Kirche Jesu Christi ist also nur deshalb immerwährende ‘Säule und Grundfeste der Wahrheit’, weil sie ein immerzu lebendiges und unfehlbares Lehramt besitzt, das sie vor dem Irrtum in Glauben und Sitten bewahrt“ (Wahrheit oder Ideologie?).

3. Es kann nicht an uns sein, jeweils zu untersuchen, wann das Lehramt der Kirche unfehlbar spricht und wann nicht, um danach gewissermaßen unseren Gehorsam auszurichten.

In der Zeitschrift „Der Katholik. Zeitschrift für katholische Wissenschaft und kirchliches Leben“ (Mainz, Jg. 50,1870, Bd. I, S. 689 ff und Bd. II S. 38 ff), herausgegeben und redigiert von C.H. Moufang und dem Dogmatiker J. B. Heinrich, lesen wir: „Es versteht sich von selbst, daß die Unfehlbarkeit nur jener Lehrentscheidungen durch die assistentia spiritus sancti (den Beistand des hl. Geistes) gesichert sind, welche von der höchsten Lehrautorität in formell gültiger Weise als verpflichtende Glaubensentscheidungen erlassen sind. Ob solches der Fall sei, kann definitiv und unfehlbar selbstverständlich nur die Kirche selbst entscheiden, und ist der Einzelne in dieser Beziehung an die Entscheidungen der Kirche gebunden: denn wäre dieses nicht der Fall, so wäre wieder das Privaturteil der höchste Richter in Glaubenssachen, und jeder Häretiker könnte sich der Autorität der Kirche dadurch entziehen, daß er die ihn betreffenden Entscheidungen als formell ungültig erklärte…“ (S. 697 f).

Ferner: „In Glaubenssachen kann die Kirche ihre Kompetenz nicht überschreiten; sie ist dagegen durch ihre Unfehlbarkeit gesichert. Wollte der Einzelne sich anmaßen, über die Lehrentscheidungen der Kirche zu urteilen, ob die Kirche nicht die Grenzen des depositum fidei überschritten (habe), so hätte er bereits aufgehört, Katholik zu sein, indem er sein Privaturteil über das Urteil der Kirche setzte. Da das depositum in der hl. Schrift und der Tradition enthalten ist, so ist die Kirche verpflichtet, ihre Entscheidungen aus diesen beiden Quellen des Glaubens, der hl. Schrift und Überlieferung, zu schöpfen. Daß sie dieses wirklich tut, und niemals eine Glaubensentscheidung erläßt, die nicht in den Quellen des Glaubens und der Überlieferung begründet wäre, dafür bürgt gleichfalls ihre Unfehlbarkeit und kann die autoritative Entscheidung darüber, ob eine Lehre in der Schrift und Tradition begründet sei, nur der Kirche selbst zustehen. Diese Entscheidung dem Einzelnen anheimstellen, heißt das katholische Autoritätsprinzip zerstören. Ob die Heilige Schrift oder die Tradition und ihre Quellen dem Privaturteil unterworfen werden, ist eines und dasselbe. Es wäre daher ein die Kirche und den Glauben umstürzendes Prinzip, wenn man die letzte Entscheidung darüber, ob die Lehrentscheidungen der Kirche gültig, weil der Überlieferung gemäß seien, der Wissenschaft zusprechen wollte…“ (S. 692).

4. Eine Trennung in ein unfehlbares Lehramt, dem wir zu folgen haben, und ein nicht unfehlbares, das Irrtümer verkünden kann und dem wir daher nicht folgen brauchen, ist nicht nur unmöglich, sondern auch völlig unsinnig. Wir haben es mit einem einzigen, unteilbaren Lehramt zu tun, welches letztlich das Lehramt Christi ist, das zwar verschiedene Akte kennt und verschiedene Grade der Teilhabe, die aber insgesamt von der Gabe der Unfehlbarkeit getragen und zusammengehalten werden. Die Unfehlbarkeit kann nie irgendwo anders liegen als bei diesem Lehramt.

„Die Kirche besitzt also in ihrem Apostolat [d.h. in heutiger Sprechweise: das mit apostolischer Sendung und Vollmacht ausgestattete Lehramt] ein allezeit unfehlbares Lehr- und Richteramt, bei dem allezeit jeder Einzelne unfehlbare Belehrung in Glaubenssachen findet… Niemand hat das kirchliche Lehr- und Richteramt und ist unfehlbar in seinen dogmatischen Entscheidungen, als nur der von Christus eingesetzte Apostolat – und auch der größte Gelehrte, der größte Heilige, der wunderbar Erleuchtete ist es nicht, sondern muß sich, um nicht dem Irrtum anheimzufallen, den Lehraussprüchen der lehrenden Kirche unterwerfen. Davon gilt das Wort des hl. Paulus: Und wenn auch ein Engel vom Himmel käme und euch anders lehrte, als ich euch verkündet habe, so sei er Anathema. Wir haben gesagt, dieses kirchliche Lehramt sei immer und allezeit unfehlbar und jederzeit könne man bei ihm die Wahrheit finden. Es ist also nicht möglich, daß diese Unfehlbarkeit je eine Unterbrechung erleide und daß die lehrende Kirche irgendeinmal, wenn auch nur vorübergehend, Falsches lehre und falsche Lehrentscheidungen gebe. Wenn es demnach, wie oben angeführt, eine Häresie ist, zu sagen, es könne in der Kirche je eine allgemeine Verdunkelung bezüglich irgendwelcher Wahrheiten der katholischen Glaubens- oder Sittenlehre eintreten [Anm: hier wird auf die erste in der Bulle „Auctorem fidei“ vom 28. August 1794 durch Pius VI. als häretisch verurteilte These der Synode von Pistoja angespielt, wonach eine solche Verdunkelung de facto stattgefunden habe (DS 2601)], so ist es ebenso eine Häresie, zu meinen, es könne das kirchliche Lehramt jemals, wenn auch vorübergehend, in Sachen des Glaubens und der Moral in einen Irrtum fallen…“ („Der Katholik“ Bd. I S. 694 f).

„Es ist… offenbar häretisch und die Grundverfassung der Kirche und das Fundament des Glaubens zerstörend, wenn man behauptet: … Es stehe, sei es den Einzelnen oder der Gesamtheit, oder den Gelehrten zu, zu entscheiden, ob eine kirchliche Lehrentscheidung mit der Überlieferung im Einklang sei oder nicht. Das heißt nichts anderes, als das protestantische Schriftprinzip auf die Tradition anwenden…“ („Der Katholik“ Bd. II S. 38 f).

Es ist also wohl möglich, daß Gläubige irren oder Priester. Es ist auch möglich, daß Bischöfe irren oder sogar eine ganze Bischofssynode. In so einem Fall würde freilich sofort der Papst eingreifen und notfalls durch einen außerordentlichen Gebrauch seiner Unfehlbarkeit den Irrtum verurteilen und die Sache klären. Es ist aber unmöglich, daß die auf einem ökumenischen Konzil versammelte Gesamtheit so gut wie aller Bischöfe zusammen mit dem Papst, also praktisch das gesamte Lehramt, Irrtümer lehrt, auch nicht vorübergehend. Das würde nichts anderes bedeuten, als daß das Lehramt der Kirche ausgefallen ist, und dieses ist durch nichts und niemand zu ersetzen (schon gar nicht durch eine Gruppe von Katholiken, die meint, anhand der „Tradition“ die irrigen Lehren dieses „Lehramts“ sieben zu können).

Genau das scheint heute der Fall zu sein. Das „konziliare“ Lehramt ist nicht das Lehramt der Kirche. Das Licht des unfehlbaren kirchlichen Lehramtes leuchtet nicht mehr, und Finsternis hat sich überall ausgebreitet. Die Kirche hat sich „verfinstert“, wie es die Königin der Propheten in La Salette vorhergesagt hat. Das ist die gerechte Strafe Gottes dafür, daß die Menschen und sogar die Katholiken unter ihnen die Lehrautorität Seiner Kirche nicht wollten, daß sie ihr nicht gehorchten, ja sie bekämpften, sie bedrängten, sie auszulöschen trachten. Nun müssen wir erleben, wie es ist, wenn wir ohne sie zurechtkommen müssen, und die tragischen, ja tödlichen Folgen sind alle Tage mit den Händen zu greifen, gerade auch unter jenen, die sich noch bemühen, gute Katholiken zu sein.

Wir schließen mit dem Aufruf Unserer Lieben Frau von La Salette: „Gott wird für seine treuen Diener und für die Menschen guten Willens sorgen. Das Evangelium wird überall gepredigt. Alle Völker und alle Nationen werden Kenntnis von der Wahrheit erhalten. Ich richte einen dringenden Aufruf an die Erde. Ich rufe die wahren Jünger Gottes, der in den Himmeln lebt und herrscht. Ich rufe die wahren Nachahmer des menschgewordenen Christus, des einzigen und wahren Erlösers der Menschen. Ich rufe meine Kinder, meine wahren frommen Kinder, die sich mir hingegeben haben, damit ich sie zu meinem göttlichen Sohn führe. Meine frommen Kinder, die ich sozusagen in meinen Armen trage und die von meinem Geist gelebt haben. Endlich rufe ich die Apostel der letzten Zeiten, treue Jünger Jesu Christi, die ein Leben in Verachtung gegen die Welt und ihrer selbst geführt haben – in Armut und Demut, in Verachtung und Schweigen, im Gebet und in der Abtötung, in Keuschheit und in der Vereinigung mit Gott, in Leiden und Verborgenheit vor der Welt. Die Zeit ihres Auszuges ist gekommen, um die Welt mit Licht zu erfüllen. Geht und zeigt euch als meine geliebten Kinder. Ich bin mit euch und in euch, sofern euer Glaube das Licht ist, das euch in diesen Tagen der Drangsale erleuchtet. Euer Eifer macht euch hungrig nach dem Ruhm und nach der Ehre Jesu Christi. Kämpfet, Kinder des Lichtes! Ihr seid nur eine kleine Zahl, die sehend ist, denn die Zeit der Zeiten, das Ende der Enden ist da.“

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